Bin ich wirklich Epileptiker?

Andreas Wahl @, Wednesday, 19.07.2006, 20:47 (vor 7338 Tagen)

Hallo an Alle!

Mein Name ist Andy und bin 22.

Ich bin vor drei Wochen abends ohne Vorwarnung bewusstlos geworden und habe meiner Mutter damit einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Den Symptomen nach war es ein grand-mal, mit Zungenbiss und Verkrampfung.

Die Neurologen im Krankenhaus kamen zur Epilepsie - Diagnose nach einem eeg, einem ct und einem mrt. "Auffälligkeiten" beim eeg und beim mrt würden auf Epilepsie hinweisen. Laut mrt befände sich eine Läsion im rechten Hippocampus meines Gehirns. So wurde mir das Medikament "Ergenyl Chrono 300 verschrieben".

Mein Hausarzt bestätigte aufgrund der Symptome die Diagnose. Jedoch sagte er im Gegensatz zu den Neurologen im Krankenhaus, dass diese Läsion nichts mit der Epilepsie zu tun habe.

Ich habe zunächst mal eine generelle Frage zu Epilepsie. Soweit ich gelesen habe, definiert sich Epilepsie dadurch, dass mindestens drei Krampfanfälle aufgetreten sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Anfall ein Zweiter auftritt, liegt bei etwa 25%. So ist es noch deutlich unwahrscheinlicher, dass 3 Anfälle auftreten. Und dennoch wird nach nur einem Anfall eine Epilepsiebehandlung begonnen. Wo liegt da die Logik? Nun werden wir nie erfahren, ob ich überhaupt Epileptiker nach der eigentlichen Definition bin. Ich hab keine Lust, nach einem Anfall von Bewusstlosigkeit und aufgrund von halbherzigen Untersuchungsergebnissen für den Rest meines Lebens Pillen zu schlucken!

mfg

Andy


Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Christian Fröhlich @, Wednesday, 19.07.2006, 23:23 (vor 7338 Tagen) @ Andreas Wahl

Hallo Andy,

bin 25 und kann dich voll verstehen. Ich hatte vor 5 Monaten meinen angeblich dritten Anfall gehabt und bekam auch zum ersten mal gesagt, daß ich Epilepsi hätte. Jetzt sieht es so aus das ich jeden Tag Medikamente nehmen soll und das auch tue, aber auf die ich wirklich keinen Bock habe. Meine gesundheitlichen Einschränkungen, wie zum Beispiel halbes Jahr kein Autofahren oder an keine laufenden Maschinen arbeiten macht mit es sehr schwer in meinem Beruf zu bleiben. War erst gestern beim Neurologen und bekam ziemlich trocken vermittelt das ich 2-3 Jahre lang den Scheiss nehmen muß und keine Schicht machen darf. Glaub das ich bald gekündigt werde und weiß auch net so genau wie es bei mir weiter geht. Hoffe du kriegst nicht auch solche Probleme.
Um deine Frage zu beantworten ob du epileptiker bist kann ich dir auch nicht genau. Weiß nur das die Ärzte sehr schnell damit sind sowas zu sagen nur weil im EEG irgendwelche sogenannten Spikes (Also Krampfspitzen) zu sehen seien. Was für ein Medikament nimmst du???
Mein Fazit: Man kann zwar damit Leben aber es ist totale scheisse ( sag nur viel Schlaf kein Streß kein Alkohol keine Discoparty , langweilig!)und die ständige Angst gleich passiert es wieder das dir schwarz vor Augen wird.
Gruß Chris

Re: Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Andreas Wahl @, Thursday, 20.07.2006, 12:42 (vor 7338 Tagen) @ Andreas Wahl

Hallo Christian!

Das Medikament heißt Ergenyl Chrono 300. Laut Neurologe ist es eines der älteren, bewährten Medikamente. Eine der möglichen Nebenwirkungen ist Gewichtszunahme. Irgendwann wäre eventuell ein Umsteigen auf ein neueres Medikament mit weniger Nebenwirkungen möglich.

"Angebliche Anfälle"? Heißt wohl, Du glaubst nicht daran, dass es wirklich epileptische Anfälle waren. Was war denn passiert?

Da ich ernste Zweifel an der Diagnose habe, hält sich meine Disziplin, was die angebliche Krankheit betrifft, auch in Grenzen. Natürlich nehme ich nun das Medikament regelmäßig (einmal morgens, einmal abends), aber auf gewisse Dinge (wochenends bis spät ausgehen, Fahrradfahren) möchte ich einfach nicht ohne weiteres verzichten. Ich hatte gehofft, in diesem Forum jemanden zu finden, bei dem vielleicht eine voreilige Diagnose gestellt wurde.

mfg

Andy

Re: Re:: Bin ich wirklich Epileptiker?

horst.r @, Thursday, 20.07.2006, 19:18 (vor 7337 Tagen) @ Andreas Wahl

Hallo Andy und Chris!
Habe mir kurz nur eure Beiträge angesehen, aber ich muss mir das später nochmals genau anschauen, aber eine helfende Auskunft kann ich sicher geben, denn ich hoffe doch, euch wieder im Forum sehen zu können?
Ich habe meine Epi., mit 40 Jahren bekommen, was für mich sicher auch ein grosser Schock war, wie bei euch, nur ich muss in der Zwischenzeit nun schon 7700 mg an Medikation nehmen. Oft muss man sich damit abfinden, kann seinen Beruf nicht mehr ausüben, nicht Auto fahren usw.! Man muss sich dann auf eine "neue Lebensweise" einstellen, so bitter es auch klingen mag!-Im Allgemeinen sagt man zwar, wenn ein Anfall aufgetreten ist, kann man noch nicht von einer generellen Epilepsie sprechen! Jetzt kommt das Wort "Aber"-wenn bereits 2-3 Grand male, was man auch als "Klonisch-Tonische Anfälle" bezeichnet, ist auch nicht immer ein EEG-Befund ausreichend! Es ist aber für jeden Neurologen schwer, einen Anfall in eine richtigen Kategorien einzuordenen, da die Krankheitssyntome(Syndromdiagnosen)und der Beiweis für die Richtigkeit der Aussage, nur über weitere Untersuchungsbefunde möglich sein kann!!
Dies kann man nicht an einem Tag erledigen, dazu muss man sich auch selbst Zeit lassen, denn du willst wissen, welche Form der Epilepsie vorliegt, die sich auch im Laufe der Zeit verändern können und demzufolge sich auch die Therapie angemessen verändern kann!
Was die Medikation betrifft, habe ich mir die Wirkstoffe noch nicht richtig angeschaut!
Nun-da ihr beide das gleiche Problem habt, könnt ihr auch weitere Fragen zur Epilepsie stellen.
Ich habe oben einen Beitrag über die Epivista geschrieben, die wir erarbeitet haben. Ihr könnt auch in die "Epivista-Suche", die im Bereich Epivista steht, Begriffe eingeben. Möglicherweise bekommt ihr auch dadurch einen Überblick?
Wichtig aber ist, dass ihr fragt, wenn manche Fragen noch offen stehen,-das ist wichtig!
Gruß-horst.r

Re: Re: Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

nicole @, Friday, 21.07.2006, 16:09 (vor 7337 Tagen) @ Andreas Wahl

Hallo Christian und Andreas,

ich habe die Erfahrung gemacht, das die Neurologen nicht sehr schnell mit der Diagnose Epilepsie sind. Bei mir gibt es einen Herdbefund im EEG, aber CT und MRT sind okay. Somit gibt es keine Erklärung für meine Epilepsie.

Sorry, aber ich wage zu bezweifeln, das ein Hausarzt die gleichen Kenntnisse über Epilepsie hat wie ein Neurologe und halte es für sehr zweifelhaft, wenn ein Hausarzt sagt, eine Liäson hätte nix mit Epi zu tun, wenn die Neurologen sagen, das diese Schuld an der Epi ist. Aber wenn du dir so unsicher bist, dann hole dir doch eine 2. Meinung ein.

Im eigenen Interesse solltest du dich aber an bestimmte Spielregeln halten. Und was das Radfahren angeht, da wäre ich vorsichtig, weil wenn du nen Anfall darauf kriegen solltest, dann wird dir der Führerschein eingezogen. Das würde ich mir sehr gut überlegen. Ich weiss es ist gerade für junge Leute, die ganz plötzlich damit konfrontiert werden schwer, diese Einschränkungen zu akzeptieren.

Ich bin zwar auch erst 33, aber da ich mit 10 Jahren schonmal nen epileptischen Anfall hatte (auch wenn danach 22 Jahre nix mehr war), fällt es mir einfacher, da ich mit gewissen Einschränkungen groß geworden bin.

LG Nicole

Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Regina @, Sunday, 23.07.2006, 19:37 (vor 7334 Tagen) @ Andreas Wahl

[zitat=Andreas Wahl]Hallo an Alle!

Mein Name ist Andy und bin 22.

Ich bin vor drei Wochen abends ohne Vorwarnung bewusstlos geworden und habe meiner Mutter damit einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Den Symptomen nach war es ein grand-mal, mit Zungenbiss und Verkrampfung.

Die Neurologen im Krankenhaus kamen zur Epilepsie - Diagnose nach einem eeg, einem ct und einem mrt. "Auffälligkeiten" beim eeg und beim mrt würden auf Epilepsie hinweisen. Laut mrt befände sich eine Läsion im rechten Hippocampus meines Gehirns. So wurde mir das Medikament "Ergenyl Chrono 300 verschrieben".

Mein Hausarzt bestätigte aufgrund der Symptome die Diagnose. Jedoch sagte er im Gegensatz zu den Neurologen im Krankenhaus, dass diese Läsion nichts mit der Epilepsie zu tun habe.

Ich habe zunächst mal eine generelle Frage zu Epilepsie. Soweit ich gelesen habe, definiert sich Epilepsie dadurch, dass mindestens drei Krampfanfälle aufgetreten sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Anfall ein Zweiter auftritt, liegt bei etwa 25%. So ist es noch deutlich unwahrscheinlicher, dass 3 Anfälle auftreten. Und dennoch wird nach nur einem Anfall eine Epilepsiebehandlung begonnen. Wo liegt da die Logik? Nun werden wir nie erfahren, ob ich überhaupt Epileptiker nach der eigentlichen Definition bin. Ich hab keine Lust, nach einem Anfall von Bewusstlosigkeit und aufgrund von halbherzigen Untersuchungsergebnissen für den Rest meines Lebens Pillen zu schlucken!

mfg

Andy


Hallo, Andy!

Mein Name ist Regina Steinert und ich bin 42 Jahre alt. Ich habe im Alter von 30 Epilepsie bekommen. Aus Deiner Sicht bin ich vielleicht "uralt" und ich kann verstehen, dass in Deinem Alter eine eventuelle Diagnose "Epilepsie" besonders schockierend wirkt. Wenn Du mit der Art der Diagnose nicht zufrieden bist, dann wende Dich doch an Spezialeinrichtungen wie Bethel oder Kork oder je nachdem, was in Deiner Wohnortnähe am günstigsten für Dich ist in Bezug auf eine hundertprozentige Sicherheit der Diagnose. Du müsstest dann aber mit einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer solchen Einrichtung rechnen, bis die Dich durchgecheckt haben. Oder Du steckst den Kopf weiter in den Sand, lässt die Medikamente weg und musst aber damit rechnen, wieder einen solchen Anfall zu bekommen mit allen damit verbundenen Folgen. Eine Krankheit bedeutet immer Einschränkungen bzw. Verzicht auf etwas, was für einen 22-jährigen besonders erschreckend sein mag. Die Medikamente ermöglichen Dir ein Leben auf einem Niveau, dass es Dir ermöglicht, ohne die möglichen Folgen eines Anfalls (schwere Kopfverletzungen, Unfall im Straßenverkehr oder an Maschinen, beim Sport, etc.) leben zu können und jedes Wegbleiben eines Anfalls ist auch für das Gehirn eine Erleichterung/Erholung, da bei jedem Anfall Zellen unweigerlich vernichtet werden und immer weiter die Denkfähigkeit eingeschränkt wird. Was Dein Hausarzt über den möglichen Anfall und einer möglichen Epilepsie bei Dir gesagt hat, finde ich extrem unverantwortlich. Du solltest zumindest einen Facharzt für Epilepsie aufsuchen und Deinen Hausarzt wechseln. Die Symptome weisen für mich eindeutig auf Epilepsie hin. Da braucht man kein Medizinstudium und keinen Doktortitel. Aber es ist verständlicherweise schwer, mit só einer Diagnose fertig zu werden. Wäre interessant zu wissen, wie Du mittlweile darüber denkst und was Du machst in Bezug auf die Krankheit. Wünsche Dir jedenfalls alles Gute und würde mich freuen, von Dir zu hören. Es hilft jedenfalls nichts, nichts zu tun.

Liebe Grüße,

Regina

Re: Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Kati @, Monday, 24.07.2006, 15:24 (vor 7334 Tagen) @ Andreas Wahl

Hi!
Bin 21 und hab seit meinem 14. Lebensjahr Epilepsie. Kann nur aus eigener Erfahrung sagen, dass ich am Anfang meiner "Ärztetour" auch nur auf Ärzte gestoßen bin, die ziemlich voreilig bei der Diagnose Epilepsie waren. Mir ging das zu schnell, v.a. weil ich natürlich kaum was über die Erkrankung wusste. War dann in einer Uniklinik (ambulant), da wurden dann alle Untersuchungen, die schon vorher mal gemacht wurden, nochmal gemacht, mit gleichem Ergebnis: nix feststellbar. Aber gleich kam die Diagnose, dass ich mit Sicherheit Epileptikerin wäre und Medikamente nehmen müsste. Da ich vor jedem Anfall eine stark ausgeprägte Aura habe, habe ich versucht, die Anfälle mit Notfallmedikamenten (Diazepam) zu verhindern. Leider muss ich sagen, dass mir aufgrund meiner Berufswahl und außerdem auch zur "psychischen Sicherheit" nix anderes übrig geblieben ist, als mich jetzt doch einstellen zu lassen.
Aber eins ist auf jeden Fall sicher: Solltet ihr Probleme oder Fragen haben, die euch bisher von keinem Arzt beantwortet wurden, sucht euch noch einen. Ein einzelner Anfall muss wirklich nicht eine Epilepsie zur Folge haben, es könnte genausogut ein Gelegenheitskrampf gewesen sein.
Wünsch euch alles Gute!
Kati

Re: Re: Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Andreas Wahl @, Wednesday, 26.07.2006, 19:26 (vor 7331 Tagen) @ Andreas Wahl

Hi.

Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass ich doch keine Epilepsie habe. Da ich auf medizinischem Gebiet ein ziemlicher Laie bin, habe ich wohl die Ansichten sowie die Diagnose der Neurologen etwas vorschnell akzeptiert.
Ich dachte, ein Krampfanfall sei ein ziemlich sicherer Hinweis auf Epilepsie. Schließlich ist mir nichts weiter passiert. Doch nun lese ich, dass es zahlreiche Ursachen für einen Krampfanfall geben kann. In meinem Fall tippe ich auf Hypoglykämie (Unterzucker). Da ich noch nie auf meine Ernährung geachtet habe, sei es Art, Menge oder Regelmäßigkeit, bin ich nun der Ansicht, dass dies die Ursache für meinen Anfall war.
Nun bin ich ziemlich erstaunt über die sehr schnelle Diagnose der Fachärzte, zumal auf die Diagnose sofort die Medikation anfing. Ich habe keine Lust, mich an ein Medikament zu gewöhnen, welches mir nichts bringt. Ich hoffe, dass alle Nutzer dieses Forums mit Sicherheit über sich sagen können, ob sie wirklich Epilepsie haben oder nicht. Ich werde übermorgen erstmal zu einem weiteren Neurologen gehen und mich untersuchen lassen.

mfg

Andy

Re: Re: Re: Re: Bin ich wirklich Epileptiker?

Mary40 @, Thursday, 27.07.2006, 12:14 (vor 7331 Tagen) @ Andreas Wahl


Hallo Andy,

ich habe mit 14 J. eine Epilepsie (fokal, von einem Herd ausgehend) bekommen. Ich habe damals 1980 nachts, ohne Vorwahrnung, bei meiner Cousine den Anfall bekommen. Ich habe das damals wie eine Grippe aufgenommen, bis mein Neuro mir sagte was ich darf und was nicht.
Die Epilepsie hat sich bis heute immer wieder verändert. Erst hatte ich sie nachts und beim aufwachen, dann bei der Mens und Vollmond.
Dann war ich 7 Jahre frei davon nach neuer stat. Einstellung. Jetzt habe ich seit 2 Jahren einen neuen Neuro und der hat mich in die Uni Bonn zur amb. Behandlung alle halbe Jahre. Im August muss ich wegen Einstellung wieder rein.
Zu deiner Frage: Ich kann dir in so einer kurzen Zeit nicht sagen ob du eine Epi hast, weil das ist immer abhängig von den Ergebnis also EEG, sind da Spikes und Waves drin. Eine Läsion muss nicht von einer Epilepsie kommen, kann vieles sein evt. Durchblutungsstörungen oder Diabetes. Das hängt auch davon ab, ob du weitere Anfälle bekommst.
Es könnte auch ein einmaliger Anfall sein, der sich nie wiederholt, und such dir einen GUTEN Neurologen. Selbst wenn du eine Epi hast ich bin selbst Heilerziehungspflegerin, und das Leben geht weiter.

Liebe Grüsse aus Bad Salzuflen von Mary

Andy [/zitat]