Diplompädagogin, freiberuflich tätig in ambulanter Lernförderung

Anette @, Sunday, 13.08.2006, 15:36 (vor 7314 Tagen)

Hallo,
mir wurde die Lernförderung eines seit einem halben Jahr mit "Roland-Epilepsie" diagnostizierten, 8-jährigen Mädchens anvertraut. Entwicklungsbedingt und zudem durch die noch nicht lange zurückliegenden epileptischen Anfälle bzw. beeinträchtigt durch die Medikamente (Ospolot) sind ihre geistigen Leistungen von sehr stark unterschiedlicher Qualität: Sprachlicher IQ 120, Handlungs-IQ 70 (HAWIK). Besonders die verlangsamte Reaktionsfähigkeiten und eingeschränkte Aufmerksamkeitsspanne verhindern ein effektives schulisches Lernen z.Zt. noch, sodass sie momentan sowohl die ICD-10-Diagnose Legasthenie als auch Dyskalkulie hat. In der Literatur sind die Berichte über Teilleistungsstörungen bei Rolando-Kindern sehr unterschiedlich, ja direkt schwammig - vielleicht auch, weil die behandlenden Neurologen, Psychiater oder Epileptologen diese Seiten der Erkrankung als außerhalb ihres Fachbereiches und deshalb weniger bachtenswert empfinden. Hat hier jemand Erfahrungen mit oder weiß von einem Kind, dem mit einer gut angepassten außerschulischen Therapie geholfen werden konnte?

Re: Diplompädagogin, freiberuflich tätig in ambulanter Lernförderung

Achim @, Tuesday, 15.08.2006, 08:44 (vor 7312 Tagen) @ Anette

Hallo!

Versuch es doch einmal über die Ergotherapie. Soweit mir bekannt ist deckt dieser Fachbereich auch die sog. Teilleistungsstörungen ab und hat besondere Ansätze diese zu bearbeiten. Nachteil ist leider, daß die Krankenkasse nur noch begrenzt Therapieeinheiten bezahlen. Ist aber wohl inzwischen üblich.

Weiterhin viel Erfolg.

Gruß
Achim

Re: Re: Diplompädagogin, freiberuflich tätig in ambulanter Lernförderung

Anette @, Tuesday, 15.08.2006, 11:02 (vor 7312 Tagen) @ Achim

[zitat=Achim]Hallo!

Versuch es doch einmal über die Ergotherapie. Soweit mir bekannt ist deckt dieser Fachbereich auch die sog. Teilleistungsstörungen ab und hat besondere Ansätze diese zu bearbeiten. Nachteil ist leider, daß die Krankenkasse nur noch begrenzt "Therapieeinheiten bezahlen. Ist aber wohl inzwischen üblich.

Weiterhin viel Erfolg.

Gruß
Achim [/zitat]

Danke Achim,

ich bin bereits Lerntherapeutin, in laufender Supervision, an der unter anderen Fachleuten aus der Praxis auch Ergotherapeuten teilnehmen. Nicht jeder Ergo hat aber auch Lerntherapie drauf, außerdem fehlen dann noch die psychologischen, psychotherapeutischen und pädagogischen und didaktischen Kenntnisse. Das Problem ist vielmehr folgendes: Rolando-Epileptiker haben zwar offensichtlich häufiger Lernstörungen, nur: wo sind denn die bloß alle hingegangen? Viele Eltern scheinen vor der Etikettierung "Epilepsie" zurückzuschrecken und bleiben bei der Diagnose "Rolando", was vergleichsweise "leicht" zu behandeln ist sogar so weit im Hintergrund, dass weder Verwandte, noch Lehrer informiert werden, oft noch nicht einmal die notwendige Medikamentengabe eingeleitet wird. auch in diesem Forum gibt es nur ganz wenige Beiträge zu dieser Epilepsieform, obwohl sie eine der häufigsten im Kindes-und Jugendalter ist! Bestenfalls tauchen sie kurz einmal zur Übernahme von Informationen bei den Selbsthilfegruppen auf, um dann möglichst schnell aus diesem "unangenehmen" Umfeld wieder zu verschwinden. Auch für die Eltern meiner Klientin stand die Erkrankung nur im Hintergrund der Lernstörung. Erst nach und nach konnte das ganze Ausmaß der Beeinträchtigung ermittelt und die Eltern vorsichtig aufgeklärt werden, da die diagnostizierende Klinik sich diesbezüglich nicht gerade mit Ruhm bekleckert hatte. Ich vermute, dass viele betroffene Kinder evtl. in Lernförderung oder auch nur Paukschulen landen, bzw. die Mütter und Väter persönlich sich ehrlich bemühen, die größten Schäden abzuwenden (was oft das Eltern-Kind-Verhältnis über Gebühr belastet und - je nach Dauer- sogar schädigen kann). Das macht die Erstellung von Therapieplänen, geschweige denn Prognosen, nicht gerade einfacher! Deshalb suche ich Leute/Familien/Klienten mit Erfahrungen, die ich für den bestmöglichen Aufbau meiner Förderung als Ergänzung gut gebrauchen könnte.

Mit freundlichen Grüßen,Anette

Schulprobleme bei Rolando-Epi

Ela @, Monday, 09.10.2006, 13:23 (vor 7257 Tagen) @ Anette

Hallo! Ich bin neu hier (und auf dem Gebiet der Epi)...
Letzte Woche wurde bei meinem 8-Jährigen Sohn nach dem 2. Krampfanfall Rolando-Epilepsie diagnostiziert. Zwischen den Anfällen lagen ca. 8 Monate, nach dem ersten wurde ein EEg ohne Befund gemacht und wir wurden vertröstet. Nach dem 2. Anfall war das Ergebnis eindeutig und mir fiel es wie Schuppen von den Augen...
Ich eiere schon länger von einer Stelle zur anderen: Schulpsychiologischer Dienst, Logopädie und vor kurzem bin ich auf INPP gestußen und dachte: Das ist es, was ihm helfen könnte!!!!
Er hat seit Anfang der 1. Klasse arge Probleme mit der Konzentration und dem Arbeitstempo, kann schlecht alleine Arbeiten ohne immer wieder "angetrieben" zu werden, hat Probleme mit der Hör-Merk-Spanne, außerdem wollte ich ihn schon auf Dyskalkulie testen lassen weil ich manchmal das Gefühl habe, er kann gar nichts mit dem Zahlenraum anfangen in dem bis jetzt gerechnet wird. Ich glaube manchmal, er rechnet gar nicht - er zählt nur. Außerdem hat er ständig Zahlendreher!
Mit der Diagnose Rolando-Epilepsie stehe ich jetzt wie der Ochs vorm Berge und habe keine Ahnung, wie die damit verbundenen Lernprobleme überhaupt gefördert werden können... Natürlich will ich nur das beste für mein Kind, ich habe aber Angst, ihn mit der hin und her Lauferei von einem Therapeuten zum anderen noch mehr unter Druck zu setzen, als er jetzt schon steht. Er ist ja sehr lernwillig und nicht dumm aber er kann einfach nicht aus seiner Haut und das macht uns alle fertig. Es geht ja auch nicht nur um das Thema Schule - ich kann mir nicht vorstellen, das bei anderen betroffenen Familien zu Hause alles glatt läuft...
Da wird dann auch die Hälfte vergessen wenn man etwas sagt, oder das Kind braucht ewigkeiten für ganz banale, tägliche Aufgaben...

Ich weiß einfach nicht weiter - mir qualmt nur noch der Kopf!!!!

Und wie Anette schon schrieb - So richtig weiter kommt man im Netz auch irgendwie nicht... Aber ich geb die Suche nach Antworten nicht auf!!!!!!!

Verzweifelten Gruß, Ela

Re: Diplompädagogin, freiberuflich tätig in ambulanter Lernförderung

Achim @, Tuesday, 15.08.2006, 15:29 (vor 7312 Tagen) @ Anette

Das ist nun wirklich ein gute Frage. Ehrlich gesagt bin ich da auch etwas überfragt und würde genauso im Trüben stochern.
Mein einziger Gedanke wäre noch, dass diese Kontakt möglicherweise über die verschiedene Epilepsiezentren wie z.B. Bielefeld-Bethel hergestellt werden könnten.
Vielleicht kommst du da weiter.

Viele Erfolg!

Gruß
Achim

Re: Re: Diplompädagogin, freiberuflich tätig in ambulanter Lernförderung

anette @, Wednesday, 16.08.2006, 14:30 (vor 7311 Tagen) @ Achim

[zitat=Achim]Das ist nun wirklich ein gute Frage. Ehrlich gesagt bin ich da auch etwas überfragt und würde genauso im Trüben stochern.
Mein einziger Gedanke wäre noch, dass diese Kontakt möglicherweise über die verschiedene Epilepsiezentren wie z.B. Bielefeld-Bethel hergestellt werden könnten.
Vielleicht kommst du da weiter.

Viele Erfolg!

Gruß
Achim[/zitat]

Okay Achim,
ich versuch's mal. Leider haben mir Kontaktpersonen der zuständigen Epi-Beratungsstelle auch schon nicht weiterhelfen können. Rolando-Epileptiker (bzw. deren Eltern) machen sich offensichtlich schnell unsichtbar. Erwachsene, die aus ihrer Erfahrung berichten könnten, gibt es leider auch (noch) nicht genug, da diese spezielle Epilepsieform in früheren Jahrzehnten oft unerkannt und unbehandelt blieb.

Vielen Dank für die Hilfe, Anette