Hallo,
mache mir riesige Sorgen um meinen Schwiegersohn. Seit 3 Jahren hat Er epileptische Anfälle die sich mit Medikamenten deutlich verringerten.
Seit einiger Zeit hat Er wieder Arbeit bekommen, muß aber dafür täglich 100 km fahren. Er befindet sich noch in der Probezeit und das auch nur mit einen Zeitvertrag. Diese ganze aufreibende Zeit hat jetzt seine Anfälle wieder vermehrt ist aber aus Existenzangst nicht bereit zu einen Neurologen bzw. ins Krankenhaus zu gehen. Die ganze Familie steht Kopf.
Re: Unvernunft
heinerle
, Tuesday, 26.09.2006, 10:23 (vor 7270 Tagen) @
Paschine
Hallo,
ich kann das Verhalten deines Schwiegersohns gut nachvollziehen. Als sich bei mir vor knapp 10 Jahren die Epilepsie einstellte, handelte ich auch oft aus Existenzangst und Sorge um meine Familie(3 Kinder) sehr unvernünftig, um irgendwie den Lebensstandard halten und die Brötchen verdienen zu können. Ich ging damals sogar vermehrt in den Nachtdienst...mit katastrophalen Folgen.
Ich denke, da hat dein Schwiegersohn einen ganz gewaltigen Anpassungsprozess zu bewältigen und ich kann dir nur raten, ihn dabei zu unterstützen. Ich kann es aus eigener Erfahrung bestätigen, auf der Lebensleiter einige Sprossen zurückzugehen ist ziemlich hart. Ich hatte es damals noch recht gut, wenn du heute wegen deiner Epilepsie nicht mehr arbeiten kannst, bist du ganz schnell auf Harzt4, und wer möchte das seiner Familie schon antun?
liebe Grüße
heinerle
Re: Unvernunft
Claudia1
, Tuesday, 26.09.2006, 10:35 (vor 7270 Tagen) @
Paschine
[zitat=Paschine]Hallo,
mache mir riesige Sorgen um meinen Schwiegersohn. Seit 3 Jahren hat Er epileptische Anfälle die sich mit Medikamenten deutlich verringerten.
Seit einiger Zeit hat Er wieder Arbeit bekommen, muß aber dafür täglich 100 km fahren. Er befindet sich noch in der Probezeit und das auch nur mit einen Zeitvertrag. Diese ganze aufreibende Zeit hat jetzt seine Anfälle wieder vermehrt ist aber aus Existenzangst nicht bereit zu einen Neurologen bzw. ins Krankenhaus zu gehen. Die ganze Familie steht Kopf. [/zitat]
Hallo Paschine,
ich kann dich sehr gut verstehen aber auch deinen Schwiegersohn-da ich in einer ähnlichen Situation bin und auch nicht weiß, was ich sonst machen soll!
Habe seit knapp 2 Jahren Epilepsie, die man mit Medikamenten relativ in den Griff bekommen hat. Habe mitten in der Lehre ein Kind bekommen, mache die jetzt weiter und durch die Doppelbelastung Stress-Arbeit-Schule-Prüfung-Kind...wird alles wieder schlechter. Aber ich weiß, dass ich die Lehre nicht beenden werde! Ich kann dir leider keinen guten Rat geben, somal ich auch nicht weiß, wie schlimm seine Anfälle sind oder wie häugig sie kommen? Weil er ja auch autofährt-Was in diesem Falle ja aus meiner Sicht noch das Unvernünftigste wäre!! Letztendlich muss er selber entscheiden und ich denke, dass er mit Sicherheit weiß, dass ihr es gut meint aber ich denke, je mehr ihr ihn drängt umso mehr fühlt er sich unverstanden und es geht in die Gegenrichtung-zumindest wenn ich von mir ausgehe.
Es ist für beide Parteien nicht einfach und ich würde dir gerne helfen, wenn ich könnte...
Hoffe, es geht alles gut liebe Grüße
Claudia
Re: Unvernunft
Matthias
, Tuesday, 26.09.2006, 18:39 (vor 7269 Tagen) @
Paschine
Hallo.
Wenn er meint, dass er fahren muss, dann sollte er sich mal durch den Kopf gehen lassen, was er seiner Familie antun kann, wenn er sich während eines Anfalls den nächsten Baum bei 180 aussucht oder ins nächste Wohnzimmer zum Besuch beim Fernseh'n hinein fährt.
Solange er dann im Falle eines Unfalls aber nur selbst hin ist, hat er halt seine Familie los- oder sie ihn. - Wenn weitere Personen dabei sind, dann kann auf die Familie etwas nehr hinzu kommen. - Ich lernte einen Mann kennen, der (bei keinem Anfall!) seine Familie (Frau und Kind) ausgelöscht hat und der darf sich jetzt von den Schwiegerleuten als "Mörder" bezeichnen/beschimpfen lassen. - Dann könnte es auch trotz dem eine Hartz IV - Empfängerin geben, der dann vielleicht noch mehr Probleme bereitet werden könnten.
Unvernünftig ist schon mal, dass er sich da dann auf sowas einlassen kann. Und wenn der Chef ihn mal wohin schicken will und sich seine Fahrerlaubnis (gesetzlich gefordert) zeigen lassen will, dann ist er so seinen Job los, weil sich der bestimmt nicht verarschen lassen wird, oder für ihn in den Knast gehen wird, wenn er einen Arbeiter, der keine Fahrerlaubnis hat irgendwo hin schickt.
Ob er zur Vernunft kommt, ist seine Sache. - Ihr werdet ihn kaum ändern können, weil er sich wahrscheinlich eben nicht einsichtig zeigen wird. - Solltest Du wirklich was sagen, dann sei auch gleich eiskalt und halte ja kein Blatt vor den Mund. - Je schärfer Du auf ihn zu gehst, umso eher wird er es kapieren "wollen". - Mitleid bringt da absolut überhaupt nichts, weil Du es ja (aus seiner Sicht dann) womöglich genauso machen würdest.
Alles Gute
Matthias
Re: Unvernunft
Martina
, Friday, 29.09.2006, 22:27 (vor 7266 Tagen) @
Paschine
Hallo,
ich bin frisch auf dem Markt der Epi Patienten und finde die grundsätzliche Verurteilung von Menschen die sich weigern das Auto stehen zu lassen auch nicht richtig.
Ich kann sehr gut nachvollziehen das Dein Schwiegersohn sich diesem Umstand nicht ergeben will. Die Pille rutscht im meinem Hals auch ganz langsam runter.
Aber ich habe es auf ein paar Punkte beschränkt die Dir bei Deinem Schwiegersohn vieleicht auch weiterhelfen.
1. Was mache ich wenn ich ein Kind überfahre weil ich nicht hören wollte?
Und die Aussage das passiert mir doch nicht gilt nicht, denn 1. habe ich Multiple Sklerose und 2. Elipesie
2. Wenn was passiert und ich gebe denn Führerschein bekomme ich ihn dann jemals wieder?
Und außerdem warum arbeitet er?
Arbeitet er um zu Leben, ober lebt er um zu arbeiten.
Kein Job und schon garkein Zeitvertrag ist ein solches Risiko Wert, den in der Praxis werden Zeitverträge ausgereizt und rausgesetzt.
Letztendlich muß Deim Schwiegersohn allerdings für alles was er tut und nicht tut am Ende die Verantwortung übernehmen, ob er will oder nicht.
Gruß Martina
PS: Kann vieleicht jemand aus der Familie die Fahrerei Übernehemen?
Re: Unvernunft
Julia Höhe
, Monday, 02.10.2006, 14:58 (vor 7263 Tagen) @
Paschine
[zitat=Paschine]Hallo,
mache mir riesige Sorgen um meinen Schwiegersohn. Seit 3 Jahren hat Er epileptische Anfälle die sich mit Medikamenten deutlich verringerten.
Seit einiger Zeit hat Er wieder Arbeit bekommen, muß aber dafür täglich 100 km fahren. Er befindet sich noch in der Probezeit und das auch nur mit einen Zeitvertrag. Diese ganze aufreibende Zeit hat jetzt seine Anfälle wieder vermehrt ist aber aus Existenzangst nicht bereit zu einen Neurologen bzw. ins Krankenhaus zu gehen. Die ganze Familie steht Kopf. [/zitat]
Hallo Paschine,
ich kann deinen Schwiegersohn auch sehr gut verstehe, so wie viele hier. Ich kann auch verstehen dass ein Mensch arbeiten will. Das ist auch gut so.
Aber durch die 100 km lange Autofahrt wird er wahrscheinlich bereits um ca. 5 Uhr aufstehen oder??? Oder jedenfalls deutlich früher wie gewohnt.
1. Er sollte probieren einen möglichst regelmäßigen Schlaf-Wach-Rythmus beizubehalten (egal ob Arbeitstag oder Feiertag!!!!!).
2. Er kann zum Arbeitsamt gehen und seine Arbeitszeit anpassen lassen, da es sich auf seine
Gesundheit auswirkt - eben mit Epis.
3. Er sollte dringend seinen Neurologen darüber informieren
4. Gibt es noch eine andere Möglichkeit außer dem Auto? z. B. Zug / Bus, so könnte er sich noch etwas ausruhen
5. Medis regelmäßig nehmen
6. Kann er auf eine Andere Filiale des Betriebs wechseln, wo nicht so weit weg ist???
Und das Wichtigst ist dass ihn dazu keiner überredet. Ich weiss wie brutal diese Forderung ist,
(bin jetzt schon 23 Jahre Epileptikerin), doch nur wenn er es für sich begreift warum er dass alles tuen "muss", dass es ihm dadurch besser geht und er dadurch seine Lebensqualität erhöht hat er auch auf Dauer Erfolg. Jemand wo zu alllem "gezwungen" wird, hat erst recht keine Lust, wird uneinsichtig und man will ja immer noch sein eigener Herr sein. Manche Menschen müssen auch erst tief ins Wasser fallen und die Konzequenzen kennen lernen bevor sie es einsehen. Doch dann lass ihn diese Erfahrung selbst machen. Bitte. Denn nur so weiss er warum er dass alles tut - und erkennt schließlich den Sinn der Sache.
--Ich weiss, es ist für Angehörige schwer, da einfach zuzusehen, doch denk daran, dein Schwiegersohn hat die Epilepsie, muss damit leben. Nicht du. Du bist Angehörige deines Schwiegersohnes aber er muss mit all den Einschränkungen leben, du kannst normal weiter leben wie bisher. Und das dass nicht leicht ist, ist nur alzugut verständlich.Oder?
Hoffe ich konnte dir weiterhelfen und ein bisschen Mut machen. Lasst euch nicht unterkriegen, das wird schon wieder.
Liebe Grüße Julia---Wenn du mir schreiben willst, dann bitte an:Julia.Hoehe@web.de