Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

AJulia Höhe @, Friday, 06.10.2006, 12:02 (vor 7260 Tagen)

Hallo Leute,
war vor ein paar Tagen beim Tag der Epilepsie in Ulm. Und war richtig geschockt.
Warum?

Ganz einfach. Im Normalfall denk man sich doch, so ein Tag ist für die Gesunde-Bevölkerung da, um mehr über Epilepsie zu erfahren. Doch es waren alles "nur" Ärzte, Betroffene und deren Angehörige. Ich habe mit niemanden geredet wo gesagt hat:" Epilepsie, was ist das???" Alle wussten Bescheid. Und da frage ich mich doch, ob dass der richtige Weg ist, wenn sowieso nur Leute kommen, die die Krankheit von sich selbst oder von Angehörigen kennen.

DIE GESUNDE BEVÖLKERUNG WURDE NICHT ERREICHT.
Und das schockiert mich. Ich bin jetzt schon 23 Jahre Epileptikerin, doch das einzige was sich nicht wesentlich verändert hat ist die gesunde Gesellschaft.

Ich würde es sinnvoller finden die Aufklärungsarbeit auf z. B. sportliche Ereignisse auszuweiten,z. B. in Form von Benefizspielen (ist ja egal ob das Fussball, die Formel 1, Tennis....) ist bzw. eine Kombi. Was haltet ihr davon????

Gruß Julia

Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Franzi @, Friday, 06.10.2006, 15:49 (vor 7259 Tagen) @ AJulia Höhe

hi!
ich finde das super toll, wichtig und richtig, was du schreibst und vor allen dingen klasse und mutig, dass du den mund aufmachst, nur wie willst du das machen?
das problem ist einfach, wenn man gesund ist, will man doch nichts von krankheiten hören, oder? hätte ich keine epi oder mein bruder damals nie einen einmaligen anfall gehabt, würde ich das glaub ich auch von mir wegschieben wollen, niemand will krank sein, wenn man das ganze nicht als krankheit sondern als "partner" darstellen könnte, bzw. sogar so damit umgehen kann, dann wäre es vielleicht sogar ein leichtes leute dazu zu bewegen auf einen epi-tag zu kommen.. herzliche grüße franzi

Re: Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Andreas Völcker ⌂ @, Friday, 06.10.2006, 22:39 (vor 7259 Tagen) @ AJulia Höhe

Hai,
schon richtig. Habe aus diesem Grund meine HP meiner frau gewidmet und versuche die Krankheit auch etwas weiter zu tragen. Bei uns im Dorf weiß mancher schon mehr darüber (bin in ner Feuerwehr und da hat man etwas mehr Austauschmöglichkeit). Aber man gerät zu 95% nur an Epi und Ihre Verwandte und Bekannte. Es wird wohl leichter sein eine Biermarke bekannt zu machen als eine Krankheit. Erst wenn man eine Krankheit in den eigenen Reihen hat, wird es für einen Interessant.
Versuche im kleinen Aufklärung zu machen. Damit erreicht man teilweise mehr als wenn man versucht die Bevölkerung aufzurüttel (die vergessen sowieso generell schnell).
Gruß Andreas

Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Silvia Ehrhardt @, Sunday, 08.10.2006, 20:48 (vor 7257 Tagen) @ AJulia Höhe

Hallo,
ich würde gerne mehr über Elepsie wissen.
Wie und wann kann die Krankheit ausbrechen? Kann es sein,dass mann 19 Jahre lang gesund ist und dann plötzlich beim Auto fahren auf dem Weg nach Hause einen Anfall bekommen,ohne das man danach etwas davon weiß?
Gruß Silvia!

Re: Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Julia Höhe @, Monday, 09.10.2006, 09:01 (vor 7257 Tagen) @ AJulia Höhe

[zitat=Silvia Ehrhardt]Hallo,
ich würde gerne mehr über Elepsie wissen.
Wie und wann kann die Krankheit ausbrechen? Kann es sein,dass mann 19 Jahre lang gesund ist und dann plötzlich beim Auto fahren auf dem Weg nach Hause einen Anfall bekommen,ohne das man danach etwas davon weiß?
Gruß Silvia![/zitat]

Hallo Silvia,
finde ich toll das du dich dafür interessierst. Ja, es kann jeden treffen, auch ohne jedliche
Vorwarnung. Epilepsie ist eine Erkrankund des Gehirns, bei der das Gehirn in seiner Funktion beim normalen arbeiten gestört wird. Warmu? Kann an vielem liegen. Unfall, Fehlentwicklung vom Gehirn, andere Krankheieten, zu hoher Alkoholkonsum....
Gruß Julia

Re: Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Julia Höhe @, Monday, 09.10.2006, 09:13 (vor 7257 Tagen) @ AJulia Höhe

[zitat=Franzi]hi!
ich finde das super toll, wichtig und richtig, was du schreibst und vor allen dingen klasse und mutig, dass du den mund aufmachst, nur wie willst du das machen?
das problem ist einfach, wenn man gesund ist, will man doch nichts von krankheiten hören, oder? hätte ich keine epi oder mein bruder damals nie einen einmaligen anfall gehabt, würde ich das glaub ich auch von mir wegschieben wollen, niemand will krank sein, wenn man das ganze nicht als krankheit sondern als "partner" darstellen könnte, bzw. sogar so damit umgehen kann, dann wäre es vielleicht sogar ein leichtes leute dazu zu bewegen auf einen epi-tag zu kommen.. herzliche grüße franzi [/zitat]


Hallo Franzi,
ja ich weiß es ist super schwer. Doch gleichzeitig ist es auch super traurig dass die gesunde
Bevölkerung von Epilepsie nichts wissen will. Gesude Leute denken immer sie bleiben gesund.
Doch auch sie sind vor Epilepsie nicht sicher. Sie könnten genausogut durch einen Autounfall einen epileptischen Anfall bekommen. Danach ist das Geschrei groß, was ist das?, höre ich die Leute fragen. Bin ich jetzt tot krank? Im Laufe ihrer Krankheit bekommen auch sie dann zu spüren, wie man ausgegrenzt wird aus der Gesellschaft. Davor wussten sie nichts.Doch wenn man es dann mal selber spürt, als ehemaliger Gesunder --dann sollen einem die anderen bemitleiden oder, wie??? Warum sollte es denen anderst gehen als uns langjährigen Betroffenen?

Doch wüsste die gesunde Bevölkerung darüber mehr, könnte man auch bessere Vorsorge betreiben. Man könnte geziehlter behandeln und wer weiß, vielleicht würde der ein oder andere Arzttermin vom Arbeitgeber besser akzeptiert.

Die Idee Epilepsie der Bevölkerung als Partner zu vermitteln, finde ich übrigens super, von dir.
In den Medien hört man zur Zeit, vom Sport (z. B. Schumi in der Formel 1, Klinsmann-Fussball, Nationalmannschaft-Fussball..), dass sie Schulen besuchen, sich für soziale Projekte arangieren. Da könnte sich die Deutsche Epilepsievereinigung doch auch mit einbinden.
Ich werd der DE auf jeden Fall man schreiben und dort meinen Vorschlag bekantgeben.
Vom Mund halten, wirds auf jeden Fall nicht besser.

Gruß Julia

Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Olaf @, Monday, 09.10.2006, 22:42 (vor 7256 Tagen) @ AJulia Höhe

Hallo Julia,
jetzt mal im Ernst. Gehst Du zu jeder Veranstaltung über Krankheiten, die Dich oder Dein Umfeld nicht direkt betreffen? Die ein Mensch evtl. mal kriegen könnte?
Ich persönlich glaube, dass es besser ist sich erst im konkreten Fall zu informieren als sich im Vorfeld kirre machen zu lassen. So geht es dann wohl den meisten Menschen der "gesunden" Bevölkerung. Das persönliche Umfeld (Freunde, Kollegen, Nachbarn, Familienangehörige) über Epilepsie aufzuklären ist wirklich genug, mehr zu machen - was soll das schlussendlich bewirken?
Liebe Grüße
Olaf

Re: Re: Aufklärung der "gesunden" Gesellschaft

Julia Höhe @, Tuesday, 10.10.2006, 16:32 (vor 7255 Tagen) @ AJulia Höhe

[zitat=Olaf]Hallo Julia,
jetzt mal im Ernst. Gehst Du zu jeder Veranstaltung über Krankheiten, die Dich oder Dein Umfeld nicht direkt betreffen? Die ein Mensch evtl. mal kriegen könnte?
Ich persönlich glaube, dass es besser ist sich erst im konkreten Fall zu informieren als sich im Vorfeld kirre machen zu lassen. So geht es dann wohl den meisten Menschen der "gesunden" Bevölkerung. Das persönliche Umfeld (Freunde, Kollegen, Nachbarn, Familienangehörige) über Epilepsie aufzuklären ist wirklich genug, mehr zu machen - was soll das schlussendlich bewirken?
Liebe Grüße
Olaf[/zitat]

Hallo Olaf,
nein ich geh natürlich nicht zu allen Veranstaltungen über Krankheiten. -Das verlange ich ja auch nicht.!!! Ich bemängel "nur" die Art und Weise wie die Leute aufgeklärt werden. Ich versuchs dir anhand von nem einfachen Beispiel zu erklären, was ich mein.

Beispiel:
Im Fußball sind im Moment alle ganz groß gegen Rassismus, was ich auch toll finde. Die Manschaften stellen sich vor dem Spiel auf den Platz und fordern die Bevölkerung auf, diesen zu unterlassen. (für mich auch ne Art der Aufklärung).
Mit Epilepsie könnte man es rein theoretisch ähnlich machen. Man könnte bei Veranstaltungen wo die ganze Bevölkerung hingeht, weil sie ein gemeinsames Hobby hat, in meinem Beispiel den Fußball als Motivator benutzen, damit die Leute mal zum Nachdenken kommen. Sollte im Ernstfall im Stadion oder wo auch immer einen Anfall bekommen, wüssten die Leute bescheid und könnten somit Erste Hilfe leisten. Und wurden nicht - so wie es viele aus Anst tun- vorbeilaufen, weil sie denken sie machen was falsch. Doch dieses Vorbeilaufen kann im Extremfall lebensgefährlich sein (Status...)!!!!

Und deswegen finde ich es umso wichtiger, dass die Leute aufgeklärt werden - ihnen tuts gut, weil sie das Gefühl haben ich kann helfen und den Betroffenen wird dadurch auch geholfen. -Das ist meiner Meinung nach richtige Aufklärung, die Epilepsie, in den Alltag der anderen miteinzubeziehen. Und nicht irgendwelche Veranstaltungen, wo nur Leute kommen, die sowieso schon das meiste wissen.

Gruß Julia