Angst...

Sven @, Friday, 03.11.2006, 23:50 (vor 7231 Tagen)

Hallo Leute, ich schreibe euch als nicht direkt betroffener. Meine Freundind leidet unter Epilepsie.

Laut ihren Aussagen hatte sie das als kleines Mädchen (ca. 10 Jahre) bekommen. Der Arzt diagnostizierte damals richtig und verschrieb Medikamente. Dann war für einige Jahre (später auch nach dem absetzen der Medikamente ruhe). Vor etwa 2 Jahre direkt vor einer schweren Prüfung fing es wieder an. Lange Zeit schien es als wären es Angstzustände. Sie wurde fahrig - atmete stockig - schnaufte.

Dann kam es aber härter - sie bekam wieder einen Anfall. Darauf hin wurde sie auf Lamictal eingestellt - zuerst kleine Dosen dann mehr heute: 200mg x 2. Jetzt war sie eine lange Zeit Angstfrei (hatte aber trotzdem zwischenzeitlich 2 Anfälle)... bis gestern und heute. Jeweils Abends vor dem einschlafen bekam sie Angst - aber keine Anfälle. Sie hat im Moment auch wieder beruflich Stress.

Meine Befürchtung ist - und bitte korrigiert mich falls ich da falsch liege - das sie sich an das Lamictal gewöhnt - und mit der Zeit immer höhere Dosen braucht.

Ich weiss nicht wie ich ihr helfen kann bzw. bin total fertig von der Ohnmacht nichts tun zu können. Ich habe so Angst um sie... Diese Sache bestimmt mich mittlerweile...

Gruß, Sven

Re: Angst...

Andrea @, Saturday, 04.11.2006, 18:52 (vor 7230 Tagen) @ Sven

Hallo!!
Ich bin zwar kein Arzt, möchte Dir aber trotzdem gerne antworten!
Ich habe auch schon viele Jahre ( wahrscheinlich seit meiner Geburt) Epilepsie, es wurde aber erst mit 18 festgestellt, da ich "nur" Ohnmachtsanfälle habe!
Damals hatte ich mit dem Abi Stress, und somit wurden meine Anfälle häufiger!
Ich wurde dann auf Carba eingestellt, und somit ging es mir wieder besser!
Eigentlich geht es um den Medikamentenspiegel, die Höhe muss erreicht sein, damit das Medikament richtig wirkt.
Vielleicht ist er noch nicht erreicht, oder sie benötigt ein anderes. Wie gesagt, bei mir kamen die Anfälle auch wenn ich stress hatte, aber seitdem ich richtig eingestellt bin, habe ich keine Probleme mehr!
Unterstütze sie einfach, und stehe hinter Ihr, den rest denke ich kann nur ein Arzt feststellen !!!

Re: Angst...

nicole @, Sunday, 05.11.2006, 11:20 (vor 7230 Tagen) @ Sven

Hallo Sven,

die Geschichte deiner Freundin scheint meiner zu ähneln.

Die Angst deiner Freundin denke ich ist durch den STress hervorgerufen. Einfach die Angst nicht zu wissen, wann es passiert und dann womöglich deshalb zu versagen.

Ich selber kenne es von mir... auch wenn ich mir das lange nicht eingestanden habe... es ist einfach so, das diese Krankheit unberechenbar ist. Die Anfälle deiner Freundin scheinen ja an STress gekoppelt zu sein.

Hat deine Freundin im Bekanntenkreis jemanden der auch an der Krankheit leidet... mit dem sie darüber sprechen kann ? Ich habe festgestellt, das es mir sehr gut tut mit anderen Betroffenen darüber zu reden. Es ist einfach was anderes ob du mit nem Betroffenen oder mit deiner Familie und Freunden darüber sprichst. - zumindestens bei mir ist das so.

Wenn deine Freundin mag, kann sie gerne mir ne Mail schreiben... Du selber kannst leider nicht viel tun.

LG und halt die Ohren steif... es wird wieder besser werden.

Nicole

Re: Re: Angst...

Sven @, Wednesday, 08.11.2006, 00:42 (vor 7227 Tagen) @ Sven

Hallo...

vielen Dank für euere Antworten.

Meine Freundin hat demnächst wieder einen Termin - mal sehen was die da sagen. Ach: kann mir jemand eine gute Klink / einen guten Arzt nennen?

Bis gestern war sie Angstfrei... dann jedoch wieder ein kleiner Angstschub - wieder kurz vor dem einschlafen. Ich hoffe jetzt nur dass das Lametal nicht seine Wirkung verliert - nach dem Motto "mit der Zeit braucht man mehr".

Eines konnten wir doch feststellen - es scheint einen Zusammenhang zwischen Mononatriumglutamat und den Anfällen zu geben. Könnt ihr ähnliches bestätigen...

Eine weitere vielleicht auch indiskrete Frage: wie ist das mit dem Nachwuchs bei der Einnahme solcher Medikamente?

Vielen Dank nochmal....


Gruß,

Sven

Re: Re: Re: Angst...

nicole @, Thursday, 09.11.2006, 08:17 (vor 7226 Tagen) @ Sven

Hallo Sven,

natürlich kommt es vor, das irgendwann das Antiepileptika seine Wirkung verliert. Soweit ich gehört habe (bei mir war das bisher noch nicht der Fall) wird dann versucht die Dosis zu erhöhen, wenn das nicht vertragen wird ggf. zu kombinieren oder ein neues Präparat zu probieren.

Was den Nachwuchs angeht, so kann ich nur das sagen, was mit meine Neurologin und auch mein Gynokologe gesagt haben. Das eine Schwangerschaft mit beiden geplant werden sollte - speziell auch wegen der Medis. Die Epilepsie selber kann nicht vererbt werden - lediglich die Veranlagung dazu an dieser Krankheit ebenfalls zu erkranken.

Lieben Gruß und alles Gute für Euch
Nicole

Re: Re: Re: Angst...

Julia Höhe @, Friday, 10.11.2006, 10:40 (vor 7225 Tagen) @ Sven

[zitat=Sven]Hallo...

vielen Dank für euere Antworten.

Meine Freundin hat demnächst wieder einen Termin - mal sehen was die da sagen. Ach: kann mir jemand eine gute Klink / einen guten Arzt nennen?

Bis gestern war sie Angstfrei... dann jedoch wieder ein kleiner Angstschub - wieder kurz vor dem einschlafen. Ich hoffe jetzt nur dass das Lametal nicht seine Wirkung verliert - nach dem Motto "mit der Zeit braucht man mehr".

Eines konnten wir doch feststellen - es scheint einen Zusammenhang zwischen Mononatriumglutamat und den Anfällen zu geben. Könnt ihr ähnliches bestätigen...

Eine weitere vielleicht auch indiskrete Frage: wie ist das mit dem Nachwuchs bei der Einnahme solcher Medikamente?

Vielen Dank nochmal....


Gruß,

Sven [/zitat]


Hallo Sven,
ich habe zwar keine Medizin studiert, jedoch habe ich meine Epilepsie schon seit dem
Kleinkindalter, bin heute 23.

Ich habe eine ähnliche Geschichte, wie deine Freundin hinter mir. Daher weiss ich, dass Stress / Angst nicht nur Anfälle auslösen kann, Angst kann auch ein Teil des Anfalls sein.
Doch um das zu klären muss deine Freundin dringend zum Neurologen. Geh am besten mit, wenn sie nichts dagegen hat. Durch das Gespräch mit dem Arzt werdet ihr beide sicherer.

Ihr könnt euch auch einer Selbsthilfegruppe anschließen, wenn ihr möchtet. Dort sind Betroffene und Angehörigen wo die Selben bzw. ähnliche Probleme haben wie ihr, und gemeinsam gehts meistens doch leichter, sie zu lösen.

Du kannst deiner Freundin helfen in dem du mit zum Arzt gehst, wenn sie will, aber auch einfach damit dass du mit ihr darüber redest und für sie da bist. Doch sperrt euch bitte nicht selber ein, geht auch mal weg, zum Beispiel zum Essen, macht so normal wie möglich weiter.
So banal es klingt, es ist verdammt wichtig.
Warum?
Weil man im Umgang mit dieser Krankheit verdamt viel Kraft braucht. Man denkt, jetzt darf ich gar nichts mehr, mein Leben steht Kopf. Oder du denkst (Sven): Ich muss meine Freundin beschützen, sie darf jetzt nicht mehr weg. Es könnte ja mal was passieren. Doch bitte fang damit nicht an, dann wird der Stress nämlich noch größer!!!!

Euren Kinderwunsch besprecht ihr am besten frühzeitig mit dem Neurologen. Jedes Antiepileptica ist diesbezüglich verschieden. Soweit ich weiss ist es mit Lamictal relativ einfach.

Hoffe ich konnte euch beiden weiterhelfen.
Wenn ihr möchtet, könnt ihr mir schreiben:
Julia.Hoehe@web.de

Viel Kraft und Erfolg euch beiden, ihr schafft das zusammen!!!!
Gruß Julia