Eine Form von Epilepsie?
Guten Abend!
Ich bin zum ersten Mal in diesem Forum und habe eine Frage, die eventuell bereits früher beantwortet wurde, bitte aber um Hilfe und/oder Hinweise.
Eine Schülerin von mir (16 Jahre) hat seit knapp einem Jahr Anfälle. Über das erste halbe Jahr weiß ich nichts, weil ich sie erst seit Anfang dieses Schuljahres kenne. Sie äußern sich so:
Die Schülerin sitzt auf einmal starr auf ihrem Platz und starrt vor sich hin. Aus dem Mund läuft ihr Speichel. Nach einigen Sekunden (bis knapp einer halben Minute) ist das Phänomen vorbei und sie ist wieder normal. Nach eigener Aussage hat sie in der fraglichen Zeit einen blackout. Anfang des Schuljahres traten diese Absencen nach eigener Aussage etwa dreimal am Tag auf. In letzter Zeit werden die Anfälle häufiger, dauern etwas länger und die Motorik ist stärker beteiligt: ein Arm bewegt sich heftig rauf und runter.
Ich weiß von ihrer Mutter, dass sie in medizinischer Behandlung ist (ein Psychiater, ein Hausarzt und Untersuchung samt EEG in einer Kinderklinik in der Nähe). Man habe eine Art Epilepsie festgestellt und die Tochter bekomme Medikamente. Ein Gespräch heute Abend ergab, dass die Medikamente (ich weiß nicht, welche) wohl keine Wirkung zeigen, dass anscheinend die Ärzte ratlos sind, weil die Absencen atypisch seien (so habe ich das verstanden).
Die Eltern sind ratlos und haben Angst. Es handelt sich um eine Spätaussiedlerfamilie, in der wahrscheinlich auch einige sprachliche Verständnisprobleme eine Rolle spielen.
Kennt jemand von euch diese Symptome und kann Informationsmöglichkeiten dazu nennen? Wo könnte diese Famile Hilfe bekommen?
Liebe Grüße und schon mal danke für eure Hilfe!
UFO
Re: Eine Form von Epilepsie?
Hallo UFO!
Zuerstmal möchte ich sagen, dass ich es toll finde, dass du als Lehrer dir darüber Gedanken machst, wie man dem Mächen helfen kann! Das ist nicht immer so!
Also die Anfälle können sehr wohl epileptische sein, aber auch nichtepileptische, die sich genauso äußern können. Außerdem ist es nicht ungewöhnlich, dass eine Art von Medikamenten nicht anschlägt und man deshalb entweder noch ein zweites dazu nehmen oder auf ein anderes wechseln muß. Manche mußten ganz schön viel durchprobieren, bis sie das geeignete gefunden haben.
Da es aber, wie erwähnt durchaus auch nichtepileptische sein können, die dann anders behandelt werden müssen, sollte sie auf jeden Fall zu einem Neurologen, noch besser Epileptologen gehen. Oder in eine entsprechende Fachklinik.
Die Sache mit der Sprache spielt mit Sicherheit eine Rolle. Ich habe persönlich sehr viel mit Spätaussiedlern zu tun und habe schon in allen möglichen Bereichen ausgeholfen.
In welcher Gegend Deutschlands lebst du denn? Vielleicht kann dir hier jemand dann genauere Ärzte/Kliniken empfehlen.
Viel Glück auf jeden Fall!
LG Mirjam
Re: Eine Form von Epilepsie?
Hallo UFO!
Ja, deine Initiative begeistert mich auch! Schön, dass du dir Gedanken machst. Ein Krankenhausaufenthalt in einer Spezialklinik wäre natürlich das Beste. Da könnte man ein Schlaf-EEG, ein normales EEG, ein Schlafentzugs-EEG usw. machen, Medikamentenentzug. In einer Klinik werden Anfälle provoziert, um zu sehen, wo sitzt eigentlich der Herd der Epilepsie. Dann könnte die Krankheit besser behandelbar sein. Ich habe das in Kehl-Kork schon mitgemacht.
ABER: in eine Spezialklinik zu gehen bedeutet: wochenlanger Ausfall von der Schule (zwischen 4-6 Wochen), getrennt sein von Eltern und Freunden - je nach Wohnort. Fakt ist: so kann es für das Mädchen nicht weitergehen. Stehen ihre Mitschüler hinter ihr? Die Adresse von Kehl-Kork kann ich bei Interesse weitergeben. Bethel soll auch sehr gut sein (Bielefeld). In Bonn gibt es glaub ich auch noch eine Spezialklinik, die kenne ich aber nicht.
Viel Glück und stecke weitere Lehrer mit deinem Engagement an!
Gruß Julia
Re: Eine Form von Epilepsie?
[zitat=UFO]Guten Abend!
Ich bin zum ersten Mal in diesem Forum und habe eine Frage, die eventuell bereits früher beantwortet wurde, bitte aber um Hilfe und/oder Hinweise.
Eine Schülerin von mir (16 Jahre) hat seit knapp einem Jahr Anfälle. Über das erste halbe Jahr weiß ich nichts, weil ich sie erst seit Anfang dieses Schuljahres kenne. Sie äußern sich so:
Die Schülerin sitzt auf einmal starr auf ihrem Platz und starrt vor sich hin. Aus dem Mund läuft ihr Speichel. Nach einigen Sekunden (bis knapp einer halben Minute) ist das Phänomen vorbei und sie ist wieder normal. Nach eigener Aussage hat sie in der fraglichen Zeit einen blackout. Anfang des Schuljahres traten diese Absencen nach eigener Aussage etwa dreimal am Tag auf. In letzter Zeit werden die Anfälle häufiger, dauern etwas länger und die Motorik ist stärker beteiligt: ein Arm bewegt sich heftig rauf und runter.
Ich weiß von ihrer Mutter, dass sie in medizinischer Behandlung ist (ein Psychiater, ein Hausarzt und Untersuchung samt EEG in einer Kinderklinik in der Nähe). Man habe eine Art Epilepsie festgestellt und die Tochter bekomme Medikamente. Ein Gespräch heute Abend ergab, dass die Medikamente (ich weiß nicht, welche) wohl keine Wirkung zeigen, dass anscheinend die Ärzte ratlos sind, weil die Absencen atypisch seien (so habe ich das verstanden).
Die Eltern sind ratlos und haben Angst. Es handelt sich um eine Spätaussiedlerfamilie, in der wahrscheinlich auch einige sprachliche Verständnisprobleme eine Rolle spielen.
Kennt jemand von euch diese Symptome und kann Informationsmöglichkeiten dazu nennen? Wo könnte diese Famile Hilfe bekommen?
Liebe Grüße und schon mal danke für eure Hilfe!
UFO[/zitat]
Hallo Ufo,
ich finde auch das Engagement eines Lehrers sehr erfreulich. Die Beschreibung deutet schon auf eine Epilepsie hin. Wichtig ist aber nicht allein zu irgend einem Psychiater oder Neurologen zu gehen, sondern zu einem Neurologen der auch Epiteptologe ist. Davon gibt es nicht zu viele, aber je nach Region müsste man einen finden. Falls auch dort mit Medikamentenumstellung nichts zu machen ist, ware ein Klinikaufenthalt in Bethel (Bielefeld) oder Kehl-Kork (wie jemand schon schrieb) am Besten. Es müsste aber durchaus möglich sein, auch ambulant sowohl die Ursache (also den Herd) als auch die optimale medikamentöse Einstellung herauszufinden. Wichtig ist für die Familie, als sprachlich noch mit Hindernissen behaftet, der soziale support durch Lehrer, Mitschüler, evtl. Verwandte.
Re: Re: Eine Form von Epilepsie?
Hallo,
ich kann mich da nur anschließen, ein Aufenthalt in der Klinik in Kork wäre optimal.
Es hört sich sehr nach Absencen mit einer leichten tonisch klonischen komponente.
Sinnvoll ist es allem sich in einer spezial Klinik untersuchen zu lassen. Ich arbeite in Kork und kenne mich daher relativ gut aus!
Tolles Angagement im übrigen!
Re: Eine Form von Epilepsie?
Hallo Miriam, Julia, Marion und Simone,
ich möchte mich erst einmal sehr herzlich für Eure Hilfestellung bedanken! (Danke auch für Euer Lob ... :o) )
In der Zwischenzeit ist das Mädchen für einige Tage stationär in einer Kinderklinik hier in der Nähe (Norddeutschland) und wird auf neue Medikamente eingestellt. Diese scheinen ihr bislang recht gut zu bekommen, teilte mir die Mutter gestern mit. Ihre Tocher fühle sich wieder wohler, sei nicht mehr so benommen und die Lebensgeister kehrten wieder zurück (in der letzten Zeit war sie sehr oft benommen, konnte sich nicht konzentrieren und war ständig müde). Jetzt müssen wir erst einmal abwarten, ob das etwas bringt und ob die Anfälle seltener werden.
Die Eltern haben natürlich auch Angst vor dem morgendlichen Schulweg mit Fahrrad(falls da ein Anfall passiert, könnte das gefährlich werden). Aber da wäre u.U. ein Taxidienst möglich, falls ein Arzt die Notwendigkeit bescheinigt.
Kehl und auch Bielefeld sind recht weit weg. Die Familie hat sechs Kinder, die Mutter hat keinen Führerschein und ich weiß nicht, ob die Entfernung nicht etwas zu groß wäre. Allerdings ist es gut, einen Tipp für alle Fälle parat zu haben.
Für mich als Lehrer ist es auch ein bisschen eine Gratwanderung: zu sehr einmischen kann ich mich nicht, nur halt Hilfe anbieten, wenn gefragt. Da brauche ich ein wenig Fingerspitzengefühl, ich hoffe, ich hab es.
Ich danke Euch nochmals herzlich!
Liebe Grüße, UFO