Kann Orfiril auch aufputschen?

Steffi @, Friday, 09.02.2007, 11:26 (vor 7133 Tagen)

Hallo,
bei unserem Sohn bemerkte ich das erste Mal Absencen, als er 5 Jahre alt war. Mit Ofriril long bekam man die Sache ganz schnell in Griff, sodass die EEG's in Ordnung waren und unser Sohn anfallsfrei. Unser Sohn hatte zu dieser Zeit zum Glück auch nie Probleme mit Nebenwirkungen - bis jetzt.
Ursprünglich sollte er Orfirl über 2 Jahre nehmen. Dies wurde dann verlängert; er nahm also Orfiril letztlich knapp 5 Jahre lang, wobei die Dosis nicht mehr erhöht wurde und so das Medikamtent eigentlich über einen sehr langen Zeitraum langsam ausgeschlichen und zum Schluss abgesetzt wurde.
1,5 Jahre war er anfallsfrei. Wir hatten gehofft, dass sich das Problem "verwachsen" hat und er nun ein Leben lang Ruhe. Leider ist dem nicht so.
Nach diesen 1,5 Jahren wurde das EEG wieder schlechter und zeigte deutliche Anfallsbereitschaft. Um es erst nicht wieder zu einem Anfall kommen zu lassen, wurde sofort wieder mit der Gabe von Orfiril Long begonnen. Nun nimmt unser nun 12jähriger Sohn jeweils früh 300 mg und abends 300 mg. Auch dieses Mal gab es bei der Einstellung auf das Medikament keine Probleme (Blutwerte in Ordnung) und bisher keine Nebenwirkungen.
In letzter Zeit jedoch verändert er sein Verhalten zum Nachteil: Er benimmt sich zu Hause, wie auch in der Schule nicht sonderlich gut, hat keine Lust zu lernen, ist recht aufgedreht und wild, sodass mich auch schon die Lehrerin darauf angesprochen hat.
Nun kann es natürlich sein, dass dies einfach die recht krassen Auswirkungen der Pubertät sind, die ja mit 12 Jahren doch schon Einzug hält/halten kann.
Es steht aber auch die Überlegung im Raum, ob das Orfiril auch einen Einfluss auf das Verhalten unseres Sohnes haben könnte. Ich las jedoch bisher nur immer von Müdigkeit, nicht von aufputschender Wirkung!
Könnte es trotzdem sein?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen! ...und wie könnte eine Lösung aussehen?
Viele Grüße
Steffi

Re: Kann Orfiril auch aufputschen?

Thomas @, Friday, 09.02.2007, 13:51 (vor 7133 Tagen) @ Steffi

[zitat=Steffi]Hallo,
bei unserem Sohn bemerkte ich das erste Mal Absencen, als er 5 Jahre alt war. Mit Ofriril long bekam man die Sache ganz schnell in Griff, sodass die EEG's in Ordnung waren und unser Sohn anfallsfrei. Unser Sohn hatte zu dieser Zeit zum Glück auch nie Probleme mit Nebenwirkungen - bis jetzt.
Ursprünglich sollte er Orfirl über 2 Jahre nehmen. Dies wurde dann verlängert; er nahm also Orfiril letztlich knapp 5 Jahre lang, wobei die Dosis nicht mehr erhöht wurde und so das Medikamtent eigentlich über einen sehr langen Zeitraum langsam ausgeschlichen und zum Schluss abgesetzt wurde.
1,5 Jahre war er anfallsfrei. Wir hatten gehofft, dass sich das Problem "verwachsen" hat und er nun ein Leben lang Ruhe. Leider ist dem nicht so.
Nach diesen 1,5 Jahren wurde das EEG wieder schlechter und zeigte deutliche Anfallsbereitschaft. Um es erst nicht wieder zu einem Anfall kommen zu lassen, wurde sofort wieder mit der Gabe von Orfiril Long begonnen. Nun nimmt unser nun 12jähriger Sohn jeweils früh 300 mg und abends 300 mg. Auch dieses Mal gab es bei der Einstellung auf das Medikament keine Probleme (Blutwerte in Ordnung) und bisher keine Nebenwirkungen.
In letzter Zeit jedoch verändert er sein Verhalten zum Nachteil: Er benimmt sich zu Hause, wie auch in der Schule nicht sonderlich gut, hat keine Lust zu lernen, ist recht aufgedreht und wild, sodass mich auch schon die Lehrerin darauf angesprochen hat.
Nun kann es natürlich sein, dass dies einfach die recht krassen Auswirkungen der Pubertät sind, die ja mit 12 Jahren doch schon Einzug hält/halten kann.
Es steht aber auch die Überlegung im Raum, ob das Orfiril auch einen Einfluss auf das Verhalten unseres Sohnes haben könnte. Ich las jedoch bisher nur immer von Müdigkeit, nicht von aufputschender Wirkung!
Könnte es trotzdem sein?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen! ...und wie könnte eine Lösung aussehen?
Viele Grüße
Steffi[/zitat]

Hallo Steffi,

ich nehme Orfiril schon ziemlich lange (22 Jahre)und zumindest bei mir war der Effekt (wenn denn einer da war) immer nur "beruhigend" - von daher halte ich einen Aufputscheffekt eher unwahscheinlich.

Aber was mir aufgefallen, ist folgendes: Du schreibst
[zitat=Steffi]benimmt sich zu Hause, wie auch in der Schule nicht sonderlich gut, hat keine Lust zu lernen, ist recht aufgedreht und wild, sodass mich auch schon die Lehrerin darauf angesprochen hat
Steffi[/zitat]

Vielleicht ist das auslösende Moment ene Konzentrationsschwäche, dass er vermehrt Schwierigkeiten bekommt (oder dass es mit enormer Kraftanstrengung verbunden ist), den Stoff zu erfassen. So gerät er in Erschöpfung und unter Druck. Und dies wiederum erklärt vielleicht seine "Wildheit"

Ich komme nur darauf, weil man nun festgestellt, dass vielen Kindern, denen ADHS oder Legathenie diagnoziert haben, nur an einer Fehlstellung im Auge leiden. Da der Kinderkörper aber extrem belastbar ist, können sie diese Fehlstellung (Prisma) durch Anstrengung der Augenmuskeln ausgleichen - die Fehlstellung bleibt dann unbemerkt, aber diese Kinder lesen ungern aufgrund der Anstrengung und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Vielleicht bewirkt das Orfiril ja Konzentrationsschwäche - das wäre wiederum eine typische Nebenwirkung von Orfiril.

Aber ob dem so ist, das kannst Du nur von Deinem Sohn erfahren - frag ihn doch mal (vielleicht auch die Lehrerin)

Viele Grüße

Thomas

Re: Kann Orfiril auch aufputschen?

Katja @, Friday, 09.02.2007, 17:26 (vor 7133 Tagen) @ Steffi

[zitat=Steffi]Hallo,
bei unserem Sohn bemerkte ich das erste Mal Absencen, als er 5 Jahre alt war. Mit Ofriril long bekam man die Sache ganz schnell in Griff, sodass die EEG's in Ordnung waren und unser Sohn anfallsfrei. Unser Sohn hatte zu dieser Zeit zum Glück auch nie Probleme mit Nebenwirkungen - bis jetzt.
Ursprünglich sollte er Orfirl über 2 Jahre nehmen. Dies wurde dann verlängert; er nahm also Orfiril letztlich knapp 5 Jahre lang, wobei die Dosis nicht mehr erhöht wurde und so das Medikamtent eigentlich über einen sehr langen Zeitraum langsam ausgeschlichen und zum Schluss abgesetzt wurde.
1,5 Jahre war er anfallsfrei. Wir hatten gehofft, dass sich das Problem "verwachsen" hat und er nun ein Leben lang Ruhe. Leider ist dem nicht so.
Nach diesen 1,5 Jahren wurde das EEG wieder schlechter und zeigte deutliche Anfallsbereitschaft. Um es erst nicht wieder zu einem Anfall kommen zu lassen, wurde sofort wieder mit der Gabe von Orfiril Long begonnen. Nun nimmt unser nun 12jähriger Sohn jeweils früh 300 mg und abends 300 mg. Auch dieses Mal gab es bei der Einstellung auf das Medikament keine Probleme (Blutwerte in Ordnung) und bisher keine Nebenwirkungen.
In letzter Zeit jedoch verändert er sein Verhalten zum Nachteil: Er benimmt sich zu Hause, wie auch in der Schule nicht sonderlich gut, hat keine Lust zu lernen, ist recht aufgedreht und wild, sodass mich auch schon die Lehrerin darauf angesprochen hat.
Nun kann es natürlich sein, dass dies einfach die recht krassen Auswirkungen der Pubertät sind, die ja mit 12 Jahren doch schon Einzug hält/halten kann.
Es steht aber auch die Überlegung im Raum, ob das Orfiril auch einen Einfluss auf das Verhalten unseres Sohnes haben könnte. Ich las jedoch bisher nur immer von Müdigkeit, nicht von aufputschender Wirkung!
Könnte es trotzdem sein?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen! ...und wie könnte eine Lösung aussehen?
Viele Grüße
Steffi[/zitat]

Hallo Steffi,
mein Sohn ist von Orfiril auch so aufgedreht! Das scheint absurd zu sein, zumal mein Sohn mir auch bestätigt hat, er habe sich davon müde gefühlt, aber auf der anderen Seite ist mein Sohn auch einer, der abends total aufdreht, je müder er wird, und derlei kommt ja bei vielen Kindern vor, also vielleicht ist es doch gar nicht so widersinnig... Seitdem Orfiril ausgeschlichen ist, ist er wieder "normal", weshalb ich ganz klar der Meinung bin, dass es vom Orfiril gekommen ist. Im Übrigen habe ich das grade bei Kindern schon öfter gehört, dass sie unter Orfiril unruhig, widerspenstig und zT auch aggressiv werden ("obstinatsch" sagt man hier bei uns im Norden und ein besseres Wort fällt mir dafür jetzt auch nicht ein ;-) Ich denke, mit der Einnahme durch Erwachsene kann man das bei Kindern und Jugendlichen nicht vergleichen. Erwachsene haben mehr Möglichkeiten, ihrem "Unwohlsein" oder wie man es nennen soll sozialadäquat Ausdruck zu verleihen... Vielleicht wird es aber auch besser, wenn er sich wieder an das Medikament gewöhnt hat, ich würde es Euch wünschen, fand meinen Sohn damals sehr "schwierig", dabei ist er eigentlich ein Goldstück!
LG und alles Gute
Katja

Re: Kann Orfiril auch aufputschen?

drea @, Friday, 09.02.2007, 20:33 (vor 7133 Tagen) @ Steffi

[zitat=Steffi]Hallo,
bei unserem Sohn bemerkte ich das erste Mal Absencen, als er 5 Jahre alt war. Mit Ofriril long bekam man die Sache ganz schnell in Griff, sodass die EEG's in Ordnung waren und unser Sohn anfallsfrei. Unser Sohn hatte zu dieser Zeit zum Glück auch nie Probleme mit Nebenwirkungen - bis jetzt.
Ursprünglich sollte er Orfirl über 2 Jahre nehmen. Dies wurde dann verlängert; er nahm also Orfiril letztlich knapp 5 Jahre lang, wobei die Dosis nicht mehr erhöht wurde und so das Medikamtent eigentlich über einen sehr langen Zeitraum langsam ausgeschlichen und zum Schluss abgesetzt wurde.
1,5 Jahre war er anfallsfrei. Wir hatten gehofft, dass sich das Problem "verwachsen" hat und er nun ein Leben lang Ruhe. Leider ist dem nicht so.
Nach diesen 1,5 Jahren wurde das EEG wieder schlechter und zeigte deutliche Anfallsbereitschaft. Um es erst nicht wieder zu einem Anfall kommen zu lassen, wurde sofort wieder mit der Gabe von Orfiril Long begonnen. Nun nimmt unser nun 12jähriger Sohn jeweils früh 300 mg und abends 300 mg. Auch dieses Mal gab es bei der Einstellung auf das Medikament keine Probleme (Blutwerte in Ordnung) und bisher keine Nebenwirkungen.
In letzter Zeit jedoch verändert er sein Verhalten zum Nachteil: Er benimmt sich zu Hause, wie auch in der Schule nicht sonderlich gut, hat keine Lust zu lernen, ist recht aufgedreht und wild, sodass mich auch schon die Lehrerin darauf angesprochen hat.
Nun kann es natürlich sein, dass dies einfach die recht krassen Auswirkungen der Pubertät sind, die ja mit 12 Jahren doch schon Einzug hält/halten kann.
Es steht aber auch die Überlegung im Raum, ob das Orfiril auch einen Einfluss auf das Verhalten unseres Sohnes haben könnte. Ich las jedoch bisher nur immer von Müdigkeit, nicht von aufputschender Wirkung!
Könnte es trotzdem sein?
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen! ...und wie könnte eine Lösung aussehen?
Viele Grüße
Steffi[/zitat]

Hallo Steffi,
habe gerade noch einmal Nachgeschaut und als Nebenwirkung von Ofril auch
Hyperaktivität gelesen. Muß aber nicht sein. Vielmehr solltest Du davon ausgehen, daß Dein Sohn in die Pupertät kommt. Ich denke das viele Eltern davon ein Lied singen können. Gruß drea