Eure Berufe u. Tätigkeiten
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, Sunday, 18.02.2007, 19:40 (vor 7124 Tagen)
bearbeitet von thomas, Thursday, 18.03.2010, 20:31
hallo zusammen,
ich möchte mir ein bild über eure beruflichen tätikeiten machen. darunter verstehe ich infos über:
- beruf/ausbildung/studium
- aktuelle rolle
- berufliche entwicklung seit kommunikation der krankeit und daraus resultierende konsequenzen
- arbeitszeiten (kam es zu anpassungen mit der krankheit)
- reisetätigkeiten (probleme mit der zeitverschiebung/ medikamententransport etc.)
ich möchte ein gefühl dafür bekommen, welche berufe ausgeübt werden können und werden. für informationen im voraus vielen dank.
Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
Vani
, Sunday, 18.02.2007, 21:28 (vor 7124 Tagen) @
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Also ich kann dir ja nur erzählen wie es bei momentan ist. Ich bin 17 Jahre alt und habe letztes Jahr meinen Realschulabschluss gemacht, ohne vorher sitzen zu bleiben oder so! Habe Epilepsie seit meinem 10. Lebensjahr, zumindest wurde es da festgestellt. Und im moment mache ich mein Fachabitur in Sozial-und Gesundheitswesen und arbeite nebenbei im Krankenhaus auf einer Onkologie und Hämatologie. Und es gab glücklicherweise nie Komplikationen mit meiner Krankheit oder das ich irgendwie anders behandelt wurde als die anderen. Bei mir ist alles so wie bei anderen auch die keine Epilepsie haben.
Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
Heike
, Sunday, 18.02.2007, 22:57 (vor 7124 Tagen) @
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Hallo du,
also Leistungsschwimmmer wird zum Problem ;) Dachdecker denke ich ist auch nicht zu empfehlen, dann sind es aber auch noch die anderen Dinge die man nicht so vermutet, wie Elektriker und an/mit schweren Maschinen arbeiten. Eigentlich ist nur ein Bürojob drin, da sitzt man dann den ganzen Tag vor einem Bildschirm der einen mit 75 HZ beflimmert, was ja auch nicht so toll ist, aber wenn du auf deine Tastatur fällst ist das Verletzungsrisiko nicht so hoch, wie wenn du vom Dach fällst oder einen elektrischen Schlag bekommst.
Ich habe Gott sei Dank selten Anfälle (mit Medikamenten habe ich es ganz im Griff) und ich merke bevor es passiert, damit kann ich mich glücklich schätzen.
Gelernt habe ich Energieelektronikerin, da ich da noch nichts von der Epi wusste. Zu der Zeit war es eh schwer einen Job zu bekommen und noch schlechter in der Industrie, also habe ich eine ganze Menge gemacht.
Ich war immer sehr offen damit, weil wenn man es verheimlicht und wirklich mal was ist, dann bekommen alle Panik um einen herum und das ist wirklich das letzte was Einem hilft. Mir wurde immer sehr viel Verständnis entgegengebracht.
meine jetzige Tätigkeit: ich sitze vor dem PC, aber das hat sich mehr so ergeben. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich mir da eigentlich nie Gedanken drüber gemacht.
Was zu einem wirklichem Problem werden kann, ist Stress (habe ich persönlich erleben müssen)
Man muss versuchen den Stress so gering wie möglich zu halten, den mein letzter Job war auch vor dem Pc, allerdings in einem Callcenter mit sehr, sehr, sehr viel Druck und Stress und ich bin ziemlich oft umgekippt.
Negativer Stress ist nicht gut, für keinen Menschen, es hat in irgendeiner Art und Weise auf jeden Menschen einen gesundheitlichen Einfluss.
Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
Heike
, Sunday, 18.02.2007, 23:12 (vor 7124 Tagen) @
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hab ich vergessen, Kraftfahrer oder Taxifahrer, Busfahrer kann auch ein Problem sein. Man darf zwar Auto fahren aber nur solange man Anfallsfrei ist, aber wenn wirklich mal was passiert, ist ziemlich schlecht und kann auch zum Problem vor Gericht werden.
und auch wenn man einen Anfall hat und nichts passiert, mal eben ein Jahr aussetzten kann zum Problem werden.
Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
cokie
, Monday, 19.02.2007, 10:39 (vor 7123 Tagen) @
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Hallo,
ich denke mal das grundsätzlich auf jeden selbst und vorallem auf die Art und Ausprägung der Epilepsie ankommt. Wie Heike schon sagte gibt es Berufe bei denen es wohl grundsätzlich nix wird als Epileptiker - wie z.B. Pilot. Aber man muß auf den möglichen beruflichen Gebieten auf den man nicht andere und sich selbst gefährdet einfach ausloten was geht. Grundsätzlich mal heißt Epilepsie nicht gleich Dummheit. Was leider immer noch von vielen unserer Mitmenschen gedacht wird. Ich selbst habe meine ersten Absencen mit 15 gehabt(weiß ich aber erst heute, wurde damals von seiten meiner Familie als Spinnerei abgetan...) Ich habe ein gutes Abitur gemacht. Statt zu studieren habe ich ein Kind bekommen... aber das war meine Entscheidung. Habe eine berufsbegleitende Ausbildung zur Wirtschaftskauffrau gemacht, mich in Datenverarbeitung weiterbilden lassen, ein Fernstudium gemacht, noch zwei Kinder bekommen...., und immer wieder in verschiedenen Firmen und Verwaltungen als Bürokauffrau gearbeitet. Ich war bei ner Versicherung im Aussendienst, dann im Innendienst, war im Kieswerk im Büro ( das fand ich am schönsten, weil dort alles zusammen fiel, PC-Arbeit, Disposition, Buchhaltung, Verladeplanung auf LKW, Schiff und Zug und Direktverkauf an der PKW-Waage) Zuletzt habe ich bei einer Rednervermittlung gearbeitet und dort z.B. den lieben langen Tag am Laptop gesessen, Lebensläufe von VIPs geschrieben und mit Agenturen unserer Prominenten telefoniert... bis ich jetzt in Rente gelandet bin -wegen Epi und medikamenteninduzierten Leberschaden. Aber ich war immer Vollzeit oder 35 Stunden arbeiten. Nur Nachtschicht ging nicht wegen Schlaf. Jetzt geht mal gar nix mehr...vielleicht hätte ich es doch ruhiger angehen sollen, von Anfang an. Übrigens was Heike schreibt mit Callcenter - Sie hat absolut recht, das streichst du am besten gleich aus deinen Berufsvorstellungen, hatte ich auch mal ein viertel Jahr, länger hab ich dem Druck nicht standgehalten.
Viel Glück und alles Gute bei der Berufsuche.
Liebe Grüße Cordula
Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
gitta
, Tuesday, 20.02.2007, 14:59 (vor 7122 Tagen) @
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hi! ich bin 19 und mache zzt mein abi.. danach wird ein studium folgen ( jurnalismus und germanistik). es fällt mir zwar alles schwerer als vor der epi aber ich bin stur.. darum schaff ich das :D :D
lg gitta
Re: Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
goldi
, Thursday, 22.02.2007, 16:54 (vor 7120 Tagen) @
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[zitat=gitta]hi! ich bin 19 und mache zzt mein abi.. danach wird ein studium folgen ( jurnalismus und germanistik). es fällt mir zwar alles schwerer als vor der epi aber ich bin stur.. darum schaff ich das :D :D
lg gitta[/zitat]
Schaffst du auf ale Faelle! Studieren ist ja nicht das Problem. Ich hab ein Medizinstudium abgeschlossen und auch eine Dissertation geschrieben. Muss aber zugeben, dass ich diese Studienrichtung nicht mehr waehlen wuerde, da es trotz Aerztemangels doch sehr schwierig ist, Arbeit zu finden. Im Krankenhaus herrscht eben viel Stress und vor allem Nachtdienste. Mometan versuche ich im Ausland einen Facharzt beenden zu koennen (Arbeitsmedizin wuerde mir da vorschweben, aber sehr viele Betrieb verlangen einen Fuehrerschein (?)). Danach koennte man ja in die Forschung gehen => Ein sehr regelmaessiger Job, wo man dann zum Bsp. vor einem PC Forschungsdaten auswertet etc. Diesbezueglich schneit mir die Germanistik eine gute Wahl, aber ich wuede dir in solchen Faechern auch zur Wissenschaft (als Theoretiker etc.) raten. Die Wirtschaft (Praxis) ist immer mehr mit Stress etc. verbunden. Gruesse. Goldi
PS.: Psychologie, Philosopie, Kunstgeschichte etc.
Re: Re: Re: Eure Berufe u. Tätigkeiten
silke
, Thursday, 22.02.2007, 21:56 (vor 7120 Tagen) @
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hallo,
ich bin 55 und habe seit meinem 13. Lebensjahr Epilepsie.
Das schlimmste waren damals die Aussagen der Ärzte .
Es wurde mir alles verboten radfahren, bergsteigen, schwimmen, in der Sonne arbeiten, autofahren sowieso.
Mich hat das wütend gemacht und ich hab beschlossen, mich nicht darum zu scheren.
Das Risiko zu verunglücken war mir auf jeden Fall lieber, als mich einsperren oder irgendwie einschränken zu lassen.
Ich habe einen Beruf gelernt, dann geheiratet, drei Kinder bekommen, später wieder in den erlernten Beruf eingestiegen, habe gleichzeitig Haushalt, Kinder, eine alte Frau betreut und vielleicht mehr geschafft als so mancher ganz gesunde Mensch.
Es ist mir die letzten Jahre aber dabei nicht immer gut gegangen, weil ich ein totales burnout hatte.
Das hat mich aber dazu gezwungen mein Leben zu überdenken. Ich habe einen neuen Beruf gelernt,- Narurvermittlung- mich scheiden lassen, - eine längst fälligen Entscheidung- und bin jetzt wegen einer Rückenoperation in Pension.
Habe mich aber gleichzeit selbständig gemacht um in meinem neuen Beruf- weiter zu arbeiten. Das macht mir Spass und es geht mir jetzt besser, als je zuvor.
Meine Anfälle waren natürlich etwas, das mein Leben nicht leichter gemacht hat, auch die Medikamente beeinträchtigen.
Aber ich hab meinen Enschluss mich von den Anfällen nicht behindern zu lassen, nie bereut.
Was ich damit sagen möchte ist: Lasst euch in eurer Berufswahl nicht beeinflussen von möglichen Risken, Versucht zu tun/ lernen was euch Spass macht.
Meine Einstellung zur Epilesie: sie ist eine Krankheit, die schon manchmal das Leben schwerer macht, aber die Möglichkeiten ein selbstbestimmtes Leben zu führen nicht behindert.
Ich zweifle machmal, ob ich ohne dieses handicape eine so starke, selbsbewusste Frau geworden wäre.
Alles Gute an alle die noch am Beginn eines manchmal schwierigen, aber interessanten und lebenswerten Leben stehen.