Wirkliche Intoleranz

Dirk @, Saturday, 17.03.2007, 00:29 (vor 7098 Tagen)

Hallo

Ich möcht ein Beispiel aus meinem Leben geben was echte Intoleranz bedeutet und auch verletzt. Hab wohl gelesen wie alle über einen Altbauern, einen Dorftrottel und irgendeinen Pater aus dem hintersten Loch geschumpfen haben doch sind das Leute die es halt nicht besser wissen, sei es aus Dummheit oder mangelnder Bilder. Ich kenn genügend Leute aus den hintersten Tälern, auch aus Anjas Tal und hatte nie Probleme. Im Gegenteil, wir hatten immer Spaß zusammen. Traditionelle Priester kenn ich übrigens zur genüge, auch da hatte ich nie Probleme, sie waren oft auch eine Stützte, Exorzismus hin oder her. Mit einem Kollegen gerade im hintersten Selltrain und dessen Opa war es immer spaßig, wir pokerten oft nächtelang, auch mit Priestern. Also so schlimm sind die Leute aus den Tälern nicht.

Bei der Arbeit aber, ich bin in der Medizin tätig, geschah etwas das dem Faß den Boden ausschlug. Nach einem Anfall landete ich auf der Neurologie, dort war ich 2 Monate. Danach war ich praktisch abgeschrieben, wurde wie ein Aussätziger von den gewissen behandelt. Die einen taten es als Magiererei ab, von den anderen wurde ich als dumm abgestempelt, verblödet praktisch von Anfall zu Anfall, nur wegen meiner Gedächtnisprobleme. Die nächsten würden mich in die Pension abschieben, nur die Gaskammer fehlt noch. Einer Kollegin, sie hat MS, ergeht es ebenso.

Dabei sind es doch Menschen die einen medizinischen Beruf haben, Menschen die es im Grunde wissen sollten. Doch für die ist Epilepsie keine Krankheit. Doch sie haben das Fach doch gelernt? Von solchen könnte man sich eigentlich mehr Verständnis erwarten, weil sie über Krankheiten Bescheid wissen müßten. Ein Pfarrer hat Theologie studiert, aber das wären alles Mediziner und somit vom Fach. Trotzdem wird es auch Heute noch nicht von denen akzeptiert, man wird aufs Abstellgleis geschoben. Das ist frustrierend und macht langsam auch depressiv.

Grüße Dirk

Re: Wirkliche Intoleranz

Danny @, Saturday, 17.03.2007, 09:07 (vor 7097 Tagen) @ Dirk

Hi Dirk!

Du hast Recht, man meint immer, in der Medizin und den krankenhäusern sollten alles nur aufgeklärte und auch verständnisvolle Menschen arbeiten. Aber wie in jedem Beruf ist das auch da nicht so.
Besonders als "chronisch Kranker" ist man kein rascher Erfolg für das System, man kann nicht als "zufriedener Kunde" da rausgehen, wie ein Kind mit nem gebrochenen Arm, das heulend rein und lachend mit buntem Gips rauskommt. Und manche kommen halt mit der Seite von ihrem Beruf schlecht klar, und lassen an den schwierigen, langwierigen Fällen allen Frust ab!
Hab ich selbst auch schon erlebt, habe aber zum Glück auch schon das genaue Gegenteil erleben können, also Hoffnung nicht aufgeben. Aber eben: auch in den weißen Gebäuden arbeiten nur Menschen... ;-)

Danny

Re: Wirkliche Intoleranz

Stefan @, Sunday, 18.03.2007, 15:16 (vor 7096 Tagen) @ Dirk

Das Problem ist, dass es keine wirksame
Lobby von Epileptikern in der Öffentlichkeit
gibt und somit mit unserer Behinderung im
wahrsten Sinne des Wortes unverkrampfter umgegangen wird. Vielleicht gelingt es den
deutschen/europäischen Epilepsieorganisationen
einmal eine Person des öffentlichen Lebens
zu gewinnen, die unsere Behinderung mehr in den
Fokus der Öffentlichkeit bringt. Es kann
einfach nicht sein, dass Leute mit Epilepsie,
MS oder sonstigen neurologischen Erkrankungen,
derart in die Ecke gestellt werden.

Stefan

Re: Wirkliche Intoleranz

Vanessa @, Monday, 19.03.2007, 20:27 (vor 7095 Tagen) @ Dirk

Also ich hab mir mal deinen Beitrag durchgelesen und kann es auch nicht verstehen warum man gleich als Geisteskranker abgestempelt wird wenn man eine "neurologische" Krankheit hat. Bei mir selber wurde vor kurzem Epilepsie festgestellt und da erst jetzt die Einstellung auf tabletten beginnt kann es im moment immer der Fall sein das ich einen Anfall bekomme. Ich selber arbeite auch im Krankenhaus auf der Onkologie und dort wird es absolut akzeptiert und zum Glück gibt es da keinen der sich zurückgezogen hat oder mich jetzt anders behandelt. Die Mitarbeiter von mir wissen es alle aber lassen mich normal weiter arbeiten und aus diesem Gründen bin ich froh das nicht alle so intolerant sind. LG Vanessa

Re: Re: Wirkliche Intoleranz

Dirk @, Tuesday, 20.03.2007, 00:31 (vor 7095 Tagen) @ Dirk

Hallo

Bei uns wird wohl zwischen Epilepsie und sonstigen Erkrankungen unterschieden. Mal hatte ich auch die Diagnose Diabetes. Plötzlich waren alle scheißfreundlich. Ich wurde mit "Sie" und "Sehr geehrter Herr" angeredet obwohl die Symptome im Grunde komplett die Gleichen waren. Erst mit Epi war ich unten durch, die gewissen spotteten nur drüber. Mit Kollegen, viele sind einfache Arbeiter, Bauern oder Fernfahrer, gabs nie Probleme. Mit denen konnte man offen reden ohne das gespottet wurde. Ich würd mir erwarten das so etwas gerade von Leuten akzeptiert werden sollte die in der Medizin arbeiten und täglich mit Krankheiten umgehen. Wenn ich Absencen hab wird das nur als Magiererei abgetan. Die Kollegin hat oft eine lahmen Fuß wenn sie einen MS-Schub bekommt, da heißt es auch nur das sie magiert. Solche haben meiner Meinung nach den Beruf verfehlt und in der Medizin nichts verloren.

Grüße Dirk