Mutter einer 17-jährigen

Monika @, Friday, 29.06.2007, 23:11 (vor 6992 Tagen)

[zitat=Jeannette]
Tränen laufen mir und ich fühle mit Dir. Auch ich kenne diese krampfende Angst, Panik die ich nicht ausbrechen lassen darf. Ich muss Ruhe bewahren und zur Seite stehen. Das innere Flehen, lass es schnell vorbei gehen, lass ihn mir richtige Antworten geben und schnell wieder bei klaren Verstand sein.
Wenn mein Sohn (17Jahre) einen Anfall hatte, komme ich mir 10 Jahre gealtert vor. Noch Tage danach lausche ich, horche ich, wenn er oben in seinem Zimmer ist, weine ich, Angst zermürbt mich,ich höre Gespenster und renne zig mal die Treppe zu seinem Zimmer hinauf. Die Angst sitzt im Nacken und verblasst erst nach etlichen Tagen.
Es ist schön, hier Trost und Antworten zu finden. Nur Menschen die diese Ängste kennen, können nachempfinden. Darum wünsche ich Dir und auch uns allen Kraft unseren Lieben immer zur Seite zu stehen und stark zu sein. In diesem Sinne umarme ich Dich![/zitat]
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Diese Zeilen von Jeanette (Thema weiß ich nicht mehr) können nicht besser ausdrücken, was ich zur Zeit durchmache.
Mir liefen beim Lesen dieser Zeilen Tränen, weil es jemand auf den Punkt gesagt hat, wie ich mich (als Mutter) fühle. Nämlich beschissen, um es mal mit einfachen Worten zu sagen.
Nach dem 1.Anfall (Grand Mal) meiner Tochter 17 (Aug.'06) sagten die Ärzte noch, es könnte ein einmaliger Anfall sein. Wir sollten keine unnötige Angst haben. Nun ja, nach der ersten Panik zog wieder Ruhe in unser Familienleben. Ich behaupte mal, dass wir den Anfall eigentlich schon fasst vergessen hatten. Bis dann der 2. Anfall im April 07 kam. Mit einer Heftigkeit, dass es mir heute noch kalt den Rücken runter läuft. Selbst die Ärzte in der Klinik machten Betrieb. Sie wurde dann mit TOPAMAX eingestellt. Und ich bin der Meinung, dass sie bis jetzt damit gut klar kommt. Sie kommt überhaupt mit der Diagnose besser klar als ich. Sie hat ja nie was mitbekommen (außer Muskelkater und aufgebissene Zunge), wie sie es selber sagt. Verstehe ich irgendwie auch.
Nur ich, ich drehe bald durch. Mir geht es so wie es J. beschrieben hat. Meine Gedanken sind ständig bei meiner Tochter (was sie natürlich auch nicht so mitbekommen soll). jedes Geräusch, das an Klopfen, Pochen oder Schlagen erinnert lässt mich aufschrecken. Ist sie in ihrem Zimmer höre ich garantiert irgendein Geräusch, dass nach Anfall klingt. Nachts gehe ich noch mal nachsehen, sie könnte ja einen Anfall haben. Wenn sie allein zu hause ist rufe ich paarmal an. Und das bei einer 17- jährigen!!! Tja, ich habe halt panische Angst, Angst vor einem erneuten Anfall. und der Antwort auf die Frage: Was passiert wenn ... ? Es kann keiner garantieren, auch mit Medikamenten, dass es keinen nächsten Anfall gibt. Eigentlich ist 17 das Alter, mit dem man seine Freiheiten genießen soll. Das soll sie auch. Im Moment, wo ich diesen Beitrag schreibe, ist sie im Nachbarort zum Stadtfest. Sie schwebt im 7. Himmel und ich kämpfe mit Panik, Angst und Tränen. Aber nur solange ich hier noch allein bin.
Ich kann es kaum erwarten, dass sie zur Tür reinkommt. Sie wird von meiner Angst nichts merken. Garantiert.

Re: Mutter einer 17-jährigen

Bella @, Saturday, 30.06.2007, 12:48 (vor 6992 Tagen) @ Monika

Liebe Monika,
Du scheinst eine wundervolle, liebe Mama zu sein, die ihre Tochter über alles liebt! Ich musste auch schwer schlucken als ich deine Zeilen las.........
Bei mir ist vor zwei Jahren die Epilepsie ausgebrochen, meine drei Kinder(die älteste wird 11) sind nicht betroffen. Ich kann mir annähernd vorstellen was du durchmachst. Ich glaube die Angst wird dir auch niemand so ganz nehmen können.
Aber vielleicht wird sie ja mit Toppamax anfallsfrei, dann musst du nicht mehr ganz so heftige Ängste durchmachen.
Ich wünsche dir von ganzem Herzen alles, alles Gute und viel Kraft...alles Liebe Bella

Re: Re: Mutter einer 17-jährigen

cokie @, Tuesday, 03.07.2007, 16:18 (vor 6989 Tagen) @ Monika

Hallo Monika,

ich will dir nur kurz schreiben, dass ich es großartig finde, dass du deine Tochter trotz der Ängst die du berechtigterweise hast nicht in Watte packst und sie ihre Jugend genauso erleben läßt wie sie es möchte. Nur so lernt sie es auch weiterhin "locker" damit zu leben. Ich habe Achtung vor deiner Entscheidung sie zum Stadtfest gehen zu lassen. Meine Töchter haben auch Epilepsie. Meine Älteste ist in ihrer Pupertät total "ausgetickt" und ich konnte irgendwann sowieso nichts mehr machen, also hab ich sie laufen lassen, heute kämpft sie sich tapfer durch ihr Leben durch. - Vermutlich habe ich dir und anderen Müttern gegenüber eine "Vorteil" - ich habe selbst Epilepsie und weiß wie es ist Anfälle zu haben. Ich weiß aber auch wie es ist wenn einem plötzlich die Menschen um einen rum deswegen nicht mehr "normal leben" lassen wollen. Sie meinen es ja nur gut - aber bei mir ist eine Ehe daran zerbrochen. Trotzdem weiß ich wie schwer es ist, nicht ständig seine Sorge zu zeigen. Meine Jüngste hat nicht nur dieselbe Epilepsieart wie ich sondern noch eine weitere Art, mit anderen Auswirkungen. Es ist sehr schwer trotzallem "einfach so" zu leben. Eine Lehrerin bei meiner Jüngsten sagte als sie von der Diagnose hörte, "Na Sie kommen ja gut damit klar, Sie kennen das doch schon, für Sie ist das leichter wie für jemanden, der das gar nicht kennt." Nette Aussage... Es ist trotzdem eine ständige Angst um mein Kind dabei und immer noch das Wissen, dass ich vielleicht auch in dem Moment grad nicht helfen kann wo sie mich braucht. Aber jeder glückliche Moment den sie erlebt und jedes Strahlen in ihren Augen entschädigt mich für eine heimlich ausgestandene Angst.

Alles Gute und liebe Grüße für dich und deine Tochter Cordula