Hilflosigkeit

Ute @, Wednesday, 18.07.2007, 12:41 (vor 6974 Tagen)

Hallo,vor ca. einem Jahr wurde bei meiner Tochter -24 - Temporallappenepilepsie diagnostiziert.Nach verschiedenen Untersuchungen (MRT unauffällig) wurde ihr Lamictal verschrieben was sie langsam hochdosieren sollte.
Da sie u.a. Probleme mit dem Gedächtnis hat, wurde sie inzwischen an einen anderen Arzt überwiesen. Dies war vor etwa einem Monat. Ab diesem Zeitpunkt sollte sie das Lamictal (inzwischen etwa bei 150mg) nicht mehr nehmen.
Nun hatte sie vor einigen Tagen einen starken Anfall und fühlt sich seitdem sehr schlecht. Sie hat das Gefühl, in einem Loch zu sein und ist ständig den Tränen nahe.Dazu kommen möglicherweise Ängste da sie gerade eine Lehre begonnen hat und auf wenig Verständnis trifft, was die Epilepsie betrifft. Ich lebe nicht in Deutschland und bin daher hilflos, kann ihr nur am Telefon zureden und kenne mich in den rechtlichen Fragen gar nicht aus. Da sie eher weniger für ein Forum wie dieses ist, versuche ich auf diesem Weg etwas Hilfe zu finden.
Wäre sehr froh, wenn mir jemand den einen oder anderen Rat geben könnte.Vielen Dank.

Re: Hilflosigkeit

Stefan @, Wednesday, 18.07.2007, 20:16 (vor 6974 Tagen) @ Ute

Hallo Ute,

bin voll berufstätig und hatte vor zwei Wochen einen KA im Büro.
Da meine Kollegen wissen, dass ich unter dieser Krankheit/Behinderung leide, war es für sie nichts Neues. Da meinen Kollegen die Sache jedoch
diesmal zu heiß wurde - ich krampfte länger als sonst - riefen
sie vorsichtshalber den Notarzt. Als dieser dann neben mir stand
und ich wieder ansprechbar war entspannte (entkrampfte) sich die
Situation. Da ich nicht mitgenommen werden wollte, musste ich dem
Notarzteam etwas unterschreiben und dann war die Sache erledigt.

Für mich war es der zweite KA im Büro vor meinen Arbeitskollegen.
Meine Kollegen/Vorgesetzten gehen unheimlich verständnisvoll mit
mir um und ich bin denen sehr sehr dankbar. Psychologisch sind KA
für mich eine Katastrophe und ich brauche immer eine Zeit bis ich
da wieder durch bin. Der KA an sich ist noch nicht mal so schlimm,
danach bin ich im wahrsten Sinne des Wortes entkrampft - meine Psyche
ist dann total im Keller. Meine Familie/Arbeitskollegen/Arbeitgeber helfen mir sehr und ich wünsche diese Unterstützung einem jeden von Euch - es ist ein Geschenk.

Bei mir wurde vor 10 Jahren ein Hirntumor entfernt und seitdem nehme
ich Medikamente gegen Epilepsie. In den letzten drei Jahren stelle ich ein erhöhtes Krampfanfallpotential an mir fest. Eine Rezidiv ist
nicht feststellbar, dass war schon meine Befürchtung.

Die Krankheit ist und bleibt eine grosse Herausforderung für mich. Ich
möchte diese im Griff haben und nicht diese mich. Daran arbeite ich täglich und nehme so manche Entbehrung in Kauf. Im September beginne
ich eine Weiterbildung bei der IHK zum Fremdsprachenkorrespondenten -
das Zertifikat lege ich dann meinem Arbeitgeber vor - sozusagen
als Beweis, dass man nicht -sorry-beklopft ist. Ich glaube, dass
Menschen mit KA einfach besser sein müssen als andere, um sich zu
behaupten und der Umgebung damit zu zeigen, dass man dazugehört.

Immer schön Kurs halten!

Gruss
Stefan