Umstellung von Carbaflux auf Lamotrigin

Jens @, Sunday, 12.08.2007, 15:42 (vor 6949 Tagen)

Hallo Leute,
ich bin seit gut 14 Jahren Epileptiker und all die Jahre habe ich Carbamazepin genommen. Vor gut 13 Jahren wurde ich am Kopf operiert und ein kleiner Tumor der als Ursache für die Anfälle ausfindig gemacht wurde wurde mir entfernt. Danach war ich gut 1,5 Jahre Anfallsfrei. Leider ging es dann wieder los. Teilweise habe ich 5-8 Wochen gar keine Anfälle. Im durchschnitt kann man sagen sind es so 2-3 pro Monat. Dabei handelt es sich um recht leichte Anfälle. Ich bin für max.5-10 sec kurz weg, aber ich falle nicht um oder tu mir auch sonst nichts.
Nach meinem Umzug nach Stuttgart habe ich mir hier eine Neurologin gesucht. Diese meinte, dass ich eigentlich Anfallsfrei sein müsste. Also hat sie mich auf ein anderes Medikament umgestellt (von Carbaflux 300mg auf Lamotrigin 25mg). In den ersten beiden Wochen sollte ich meine normale Dosis Carbaflux (1 und 2,5) weiter nehmen und abends dann eine Lamotrigin. In den Wochen 3 und 4 sollte ich dann abends eine halbe Carbaflux weg lassen und dafür dann 2 Lamotrigin nehmen. Das habe ich auch gemacht und alles war wunderbar. Ich fühlte mich wirklich gut. Bis zur letzten Woche. Da sollte dann das Carbaflux komplett weg fallen und nur noch das Lamotrigin genommen werden. Das habe ich auch gemacht. Die ersten Tage waren echt in Ordnung. Bis zur Nacht von Donnerstag auf Freitag. Da hatte ich Nachts zwei Anfälle (habe ich sonst nie gehabt). Auf der Arbeit kam dann ein sehr schwerer dazu. Die Kollegen haben einen Krankenwagen gerufen. Dieser brachte mich dann ins Bürgerhospital. Dort wurde ich in der Notaufnahme untersucht. Danach konnte ich wieder gehen. Naja, in der Nacht von Freitag auf Samstag hatte ich dann nochmals drei Anfälle (lt. meiner Freundin war einer davon auch ziemlich übel). Letzte Nacht kamen dann nur zwei Anfälle die nicht schlimm waren. Dafür konnte ich Abends einfach nicht einschlafen. Ich lag noch stundenlang wach. :-( Seit letzten Freitag fühle ich mich echt übel und weiss net was ich machen soll. Habe nochmals den Beipackzettel vom Lamotrigin gelesen und dort stand, dass die normale Dosis bei 100mg liegen würde. Da bin ich ja mit 50mg weit drunter. Also habe ich heute morgen eine zusätzliche Tablette davon genommen und seit dem fühle ich mich noch bescheidener. Irgendwie total komisch. Als ob ich voll unter Drogen stehe. Mein linkes Bein und mein linker Arm tuen weh und im Mund habe ich nicht wirklich ein gutes "Gefühl" (spüre recht wenig). Kommt Euch das irgendwie bekannt vor? Wie lange kann das noch andauern? Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Lamotrigin und wie verlief bei Euch die Einstellung auf das neue Medikament? Ich werd morgen nochmal versuchen meine alten Tabletten zu bekommen. Meine Neurologin und mein Hausarzt sind leider beide noch mind. eine Woche in Urlaub und das überstehe ich nicht. Oder was würdet Ihr mir raten? Vielen Dank für Eure Hilfe.

Re: Umstellung von Carbaflux auf Lamotrigin

Andreas @, Monday, 13.08.2007, 20:04 (vor 6948 Tagen) @ Jens

Hallo Jens,

anscheinend nimmst Du es nicht so genau, getreu dem Motto: Es wird
schon irgendwie gutgehn. Oder wie der Kölner sagt: Es hätt' schon immer
jodgegange.

Mit Verlaub: Da scheinen ja zwei keine Ahnung zu haben: Deine Neurologin
und Du. Insofern ergänzt Ihr Euch (Scherz). Ein Ausschleichen von
Medikamenten würde ich nur dann machen, wenn ich mindestens ein
Jahr definitiv anfallsfrei bin und auch dann mit höchster Vorsicht,
zum Beisp. im Urlaub.

Habe bis vor Jahren Carbamazepin und Lamotrigin zusammen genommen.
Vor zwei Jahren habe ich sukzessive auf Lamotrigin umgestellt und
liege beim Blutspiegel im therap. Bereich,d.h. bei etwa 7,0 mg/L
und es bekommt mir gut. Nehme 300 mg - bemerke kaum Nebenwirkungen,
lasse mir diese auch nicht einreden.

Dein Hin und Her bei der Medikamention würde ich sein lassen.
Wenn Du es willst/kannt, nimm Dir mal ne Auszeit und lass Dich professionell einstellen. Wenn Du das nicht willst...keine Ahnung.

Gruss
Andreas

Re: Re: Umstellung von Carbaflux auf Lamotrigin

Jens @, Monday, 13.08.2007, 21:07 (vor 6947 Tagen) @ Jens

Hallo Andreas,

erstmal vielen Dank für Deine Antwort und die ehrlichen Worte. Ja, ich gebe zu, dass ich nicht wirklich Ahnung von der Materie habe. Es hat ja eigentlich die letzten Jahren wunderbar funktioniert mit dem Carbamazepin. Ich hätte mich echt net auf dieses Abenteuer mit der Umstellung einlassen sollen. Ich bereue es echt. Aber irgendwie habe ich gedacht, dass meine Ärztin weiss was sie macht. Naja, dem scheint net so.
Heute war ich nochmal zu einem Neurologen (zu einem anderen, da meine Ärztin in Urlaub ist). Hatte auch brav den "Umstellungsplan" mit genommen. Der Bursche hat ziemlich große Augen gemacht und meinte, dass das viel zu schnell ging. Er hat mit nun wieder das Carbaflux gegeben. Nun nehme ich morgens und abends eine Carbaflux und abends dann noch zusätzlich zwei Lamotrigin. Ab Mittwoch werd ich abends dann zwei Carbaflux und zwei Lamotrigin 25mg nehmen. Diese "Mischung" habe ich am besten vertragen. In den drei Wochen in denen ich dieses Dosis hatte war ich ohne Anfälle und Auren.
Ok, nun habe ich halt die Nebenwirkungen vom Carbamazepin, aber die kenne ich ja und damit komme ich klar. Was mir nun aufgefallen ist, dass ich heute kurz nach der Einnahme des Carbaflux wieder einen kleinen Anfall hatte. Des hatte ich vor 15 Jahren auch, aber es hatte sich damals nach ein paar Tagen normalisiert.
Eine weitere Umstellung werd ich auch net mit machen. Zumindest nicht Daheim. Hier in Stuttgart gibt es einen Spezialisten für Epilepsie. Bei dem werd ich mit wohl mal einen Termin besorgen. Ok, ob ich mich dies Jahr nochmal auf andere Tabletten umstellen lasse weiss ich echt net. Nach den Erfahrungen der letzten Tage habe ich da ehrlich gesagt keine Lust drauf. Werde nun erstmal versuchen wieder halbwegs klar zu kommen.
Eine Auszeit kann ich mir leider nicht so ohne weiteres nehmen. Bin beruflich halt recht stark eingebunden und meinen Job möcht ich net aufs Spiel setzen.

Gruss

Jens