Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

elsa @, Wednesday, 22.08.2007, 13:41 (vor 6939 Tagen)

Hallo an alle,
das könnte jetzt zwar ein bisschen viel werden, aber hoffentlich hält das niemanden vom lesen ab. Ich hab hier schon auf einige Beiträge geantwortet, aber selber einen geschrieben hab ich noch nicht. Jetzt hab ich nämlich ein paar Fragen: Ich bin 21 Jahre alt und leide seit meinem 18. Lebensjahr unter myoklonischen Anfällen (für diejenigen, die diese Form nicht kennen: Ich zucke dabei vorwiegend mit dem Oberkörper immer wieder zusammen, aus den Händen gefallen ist mir jedoch nur einmal etwas, bin da geistig nicht so auf der Höhe und ziemlich verlangsamt, 10 Minuten kommen mir da vor wie 1 Minute, aber verliere nicht das Bewusstsein und das ganze dauert so 10 - 15 Minuten, hat aber auch schon mal 50 Minuten gedauert). Jetzt hab ich gerade meine Ausbildung zur Eurokorrespondentin abgeschlossen und befinde mich in einer Zwickmühle, in der viele von euch sicherlich auch schon waren. Soll ich die Epilepsie jetzt beim Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag angeben? Ich weiß, dass wenn ich nach Krankheiten gefragt werde, dass man dann wahrheitsgemäß Auskunft geben muss. Wie waren da so eure Erfahrungen? Wurdet ihr im Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag in irgendeiner Form gefragt? Ich wurde in meinen Vorstellungesgeprächen bisher nicht gefragt, bis auf vorgestern bei einer Zeitarbeitsfirma, aber das war ein bisschen tricky, weil die haben auf dem Personalbogen geschrieben, "Krankheiten, die auf den gewünschten Beruf Auswirkungen haben". Wie ist das bei sowas, ich hab mir einen Beruf ausgesucht, wo ich seitens der Epilepsie keine Einschränkungen habe, muss ich das bei solchen Fragen trotzdem angeben? Meine Mutter ist recht dominant und ich kann mich ihr gegenüber nur schlecht durchsetzen und sie hat halt jetzt die ganze Zeit gemeint, ich soll bei der Wahrheit bleiben und das angeben. Aber ich hab hier in diesem Forum schon öfter gelesen, dass viele damit negative Erfahrungen gemacht haben und gar nicht erst eingestellt wurden. Und das bei ihrem Potenzial, mich wegen allem möglichen fertig zu machen und bei meinem Drang, nach einer gewissen Weile beschäftigt zu sein und nicht arbeitslos zu Hause zu sitzen, möchte ich das doch nicht bewusst riskieren, arbeitlos zu werden? Wie waren da so eure Erfahrungen bisher, eher positiv oder negativ? Und wenn ihr dann mal eine Arbeit gefunden habt, wie sind eure Kollegen damit umgegangen, hattet ihr Glück oder musstet ihr v. a. gegen die Vorurteile kämpfen? Meine Mutter meint halt ständig, ich würde mich zum Mörder machen, wenn ich das nicht angebe, aber dem kann ich mich irgendwie nicht so anschließen, weil ob die anderen nun Bescheid wissen oder nicht, eine Gefahr im Falle eines Grand-Mal-Anfalls stelle ich immer dar. Ich hätte es halt jetzt so gemacht, dass ich halt hoffe, dass das im Vorstellungsgespräch nicht gefragt wird und auch nirgendswo im Arbeitsvertrag verankert ist und hätte dann erstmal das Klima gecheckt und ausgelotet, ob ich das sagen kann, aber erst nach der Probezeit. Wie waren da so eure Erfahrungen? Meine Mutter meint halt immer, dass ich in so einem Fall, wie ich mir das vorstelle, schon einen ganz schön naiven Arbeitgeber haben muss, aber nur, weil ihr Freund letztes Jahr bei Arbeitsaufnahme nach chronischen Krankheiten gefragt wurde und sie auch bei diversen Vorstellungsgesprächen, die aber schon eine Weile her sind, weil sie schon über 5 Jahre arbeitslos ist. Wurde das bei euch so gefragt oder hab ich gute Chancen so durchzukommen und dass dann einfach hinterher zu sagen?
Jetzt hab ich noch einige Fragen zum Schwerbehindertenausweis: Meine Mutter will, dass ich den beantrage, aber ich will das nicht so recht, weil ich im Internet und in Zeitungen schon öfters gelesen hab, dass viele Firmen lieber ihre Strafe bezahlen, statt Schwerbehinderte einzustellen. Und ich hab halt bei meinen bisherigen Vorstellungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass ich nie nach chronischen Krankheiten gefragt wurde, aber schon 2 oder 3-mal nach dem Schwerbehindertenausweis. Wie waren da so eure Erfahrungen mit, mindert das wirklich so die Einstellungschancen? Hab hier auch schon einiges darüber gelesen, aber das waren halt alles gemischte Erfahrungen. Außerdem hab ich da das Problem, ich hab da schon auf diverse Seiten im Internet geschaut und da stand halt immer so nach der Art der Epilepsie, und da standen halt nur die großen Anfälle, die komplex-fokalen bzw. einfach-fokalen Anfälle. Aber wo kann man jetzt meine da einordnen? Prinzipiell ist das eine generalisierte Art der Epilepsie, die ich habe, aber sie ist ziemlich harmlos, ähnlich wie die einfach-fokalen Anfälle. So von der Häufigkeit her würde ich 60 - 80 % kriegen, aber wegen der Art bin ich halt total unsicher, ich werde da natürlich bei meinem nächsten Termin in der Epilepsiesprechstunde, der im Oktober stattfinden soll, nach fragen. Und auch diesen Seiten, wurde halt oft geschrieben, dass man sich diese Entscheidung wohl überlegen muss, weil das mit Vor- und Nachteilen verbunden ist und man kann ja wirklich nicht sagen, dass die Leute, die das verfasst haben, sich nicht auskennen würden. Meine Mutter hat mir halt angedroht, dass sie meine Epilepsie meinem Arbeitgeber verraten würde, wenn ich den nicht beantrage, aber ich weiß, dass ich 21 Jahre alt bin und das dass allein meine Entscheidung ist, ob ich das machen will oder nicht und dass meine Mutter das akzeptieren muss, weil ich ja schon volljährig bin. Was kann ich da also tun? Wenn ich die Epilepsie meinem Arbeitgeber vorher sage und der damit kein Problem hat, dann wird meiner Mutter sicherlich was anderes einfallen, was sie machen kann, damit ich den Schwerbehindertenausweis gegen meinen Willen beantrage.
Was zu mir noch gesagt werden sollte, ist, dass ich am Anfang mit Valproinsäure 600 mg behandelt wurde und die Anfälle davon geringer wurden (von 5-mal die Woche auf 2-3-mal pro Woche) und jetzt im Juli wurde mir von der Epilepsiesprechstunde Keppra 2000 mg verordnet und seitdem bin ich anfallsfrei (seit ungefähr 3 1/2 Wochen) und mein Neurologe hat letztes Jahr gesagt, dass mein Risiko, einen Grand-Mal-Anfall zu erleiden, deutlich erhöht wäre, da mein Herd im Gehirn laut EEG fast ständig aktiv war, aber ich würde beide Hände dafür ins Feuer legen, dass dieses Risiko jetzt unter der neuen Medikation gesunken ist, zumal ich die Anfälle ja auch nicht mehr kriege. Das ist vielleicht ganz interessiert, besonders bezüglich des Themas mit der Epilepsie am Arbeitsplatz.
Würd mich freuen, wenn ihr mir über eure Erfahrungen berichtet, gerne auch über meine E-Mail-Adresse elsie-w@web.de.
Mit freundlichen Grüßen
elsa

Re: Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

Tremor @, Wednesday, 22.08.2007, 14:15 (vor 6939 Tagen) @ elsa

Hallo Elsa,

nun, ich denke, daß meine Antworten sicher recht kurz ausfallen ;-)

Arbeitgeber werden immer nach chronischen Krankheiten etc. fragen, wenn das für die Sicherheit anderer Personen / Dich relevant ist.
Bei Deinem ggf. zukünftigen Job dürfte das wohl uninteressant sein.
Ergo brauchst Du das keinem von Dir aus auf die Nase binden.
Nur wenn Du gefragt wirst MUSST Du wahrheitsgemäß antworten!
Persönlich würde ich meinen Kollegen, ggf. auch erst nach überstandener Probezeit, von der Epi erzählen, schon allein Deiner Sicherheit wegen.

[zitat=elsa]... was sie machen kann, damit ich den Schwerbehindertenausweis gegen meinen Willen beantrage.
elsa[/zitat]
Geht's noch? Du bist volljährig!

Wie Du richtig schreibst muß man sich das mit dem Ausweis wirklich gut überlegen. Ob ein Unternehmen u.U. bevorzugt Behinderte (und das bist Du nun einmal mit einem solchen Ausweis!) einstellt läßt sich teilweise an einigen Faktoren abschätzen (gewachsene Firmenstruktur, wenig Fluktuation, gutes Arbeitsklima, andere Behinderte im Unternehmen, Betriebsrat,...).
Unternehmen, wo beispielsweise kein Betriebsrat installiert ist (eine entsprechende Betriebsgröße natürlich vorausgesetzt) sind oft ein Indiz dafür, daß Mitarbeiter "sehr austauschbar" sind, da wäre ein Behindertenausweis eher hinderlich für Dich, da die Dich dann nicht nehmen werden, weil sie Dich nur erschwert loswerden können - so einfach ist das!

Die Pro's / Contras bzgl. Behindertenausweis mußt Du abschätzen.
Persönlich habe ich bisher darauf verzichtet, das Dingends zu beantragen, da ich mir dann wirklich als behindert vorkommen würde ;-)

So, dann alles Gute, viel Glück im neuen Job und zuckende Grüße

jürgen

Re: Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

susanne @, Thursday, 23.08.2007, 01:16 (vor 6938 Tagen) @ elsa

Hallo elsie
ichrate dir stehe zu der erkrankung . wenn dein beruf die epi sowieso nicht stört ist es doch egal ob du es sagst oder nicht .ich habe mal geschwiegen und bin danach als es herraus kam aus dem betrieb geflogen.
zu dem behindertenausweis kann ich nur sagen das du nicht verpflichtet bist ihn an zugeben. Gruß susanne

Re: Re: Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

Marion44 @, Thursday, 23.08.2007, 02:32 (vor 6938 Tagen) @ elsa

Hallo Elsi,

meines Wissens musst du, wie schon geschrieben, die Epi nur angeben, wenn du danach gefragt wirst.
Bei der Tätigkeit ist das zwar möglich, dass du generell nach chronischen Erkrankungen gefragt wirst, aber vielleicht ja auch nicht. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass du einen Fragebogen ausfüllen musst, wie bei Tätigkeiten mit Menschen (z.B. Krankenschwester,Lehrerin, Erzieherin usw.)oder anderen sich selbst und andere möglicherweise gefährdenden Berufen.

Deine dominante Mutter hat eine Übermutterrolle eingenommen, die leicht passiert, wenn irgendwann besondere Fürsorge nötig ist. Nun sollte sie sich aber mal langsam davon verabschieden.

Die Frage ist für deine Probezeit, wie häufig und zu welchen Tageszeiten Deine Anfälle passieren. Guck doch auch noch mal das neue Antidiskrimierungsgesetz an (gooogeln). Da dürfte doch Ablehnung wegen einer Krankheit, die die Arbeit nicht gefährdet, dazugehören.

Mehr fällt mir zur Zeit nicht ein.

Marion

Re: Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

Markus @, Monday, 10.09.2007, 12:19 (vor 6920 Tagen) @ elsa

Hallo Elsa,

ich wollte dich nur nochmal darauf hinweisen, daß es auch Unternehmen gibt, die gerne 'Behinderte' einstellen, besonders wenn deren 'Leiden' nicht allzugroß sind. Dies ist vor allem bei größeren Betrieben der Fall, da diese auch Ihre Behindertenquote erfüllen müssen / wollen. Ob du die Epilepsie bei dem Vorstellungsgespräch angibst oder nicht hängt auch davon ab, ob die Arbeit dadurch beeinträchtigt wird. Z. B. wäre ein Fahrverbot für einen Außendienstmitarbeiter, auch wenn er alle anderen Aufgaben voll erfüllen kann eine Beeinträchtigung. Genau kannst du dir das im Internet angucken, was für deinen Beruf und für deine Art der Epilepsie zutrifft. Es ist nämlich so, daß die Berufsgenossenschaft in Verbindung mit Bethel dazu eine Information rausgegeben hat. Die BGI 585 (Berufsgenossenschafts-Information Nr. 585) diese kannst du unter der Adresse http://www.arbeitssicherheit.de/servlet/PB/show/1224749/bgi585.pdf abrufen.

Gruß Markus

[zitat=elsa]Hallo an alle,
das könnte jetzt zwar ein bisschen viel werden, aber hoffentlich hält das niemanden vom lesen ab. Ich hab hier schon auf einige Beiträge geantwortet, aber selber einen geschrieben hab ich noch nicht. Jetzt hab ich nämlich ein paar Fragen: Ich bin 21 Jahre alt und leide seit meinem 18. Lebensjahr unter myoklonischen Anfällen (für diejenigen, die diese Form nicht kennen: Ich zucke dabei vorwiegend mit dem Oberkörper immer wieder zusammen, aus den Händen gefallen ist mir jedoch nur einmal etwas, bin da geistig nicht so auf der Höhe und ziemlich verlangsamt, 10 Minuten kommen mir da vor wie 1 Minute, aber verliere nicht das Bewusstsein und das ganze dauert so 10 - 15 Minuten, hat aber auch schon mal 50 Minuten gedauert). Jetzt hab ich gerade meine Ausbildung zur Eurokorrespondentin abgeschlossen und befinde mich in einer Zwickmühle, in der viele von euch sicherlich auch schon waren. Soll ich die Epilepsie jetzt beim Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag angeben? Ich weiß, dass wenn ich nach Krankheiten gefragt werde, dass man dann wahrheitsgemäß Auskunft geben muss. Wie waren da so eure Erfahrungen? Wurdet ihr im Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag in irgendeiner Form gefragt? Ich wurde in meinen Vorstellungesgeprächen bisher nicht gefragt, bis auf vorgestern bei einer Zeitarbeitsfirma, aber das war ein bisschen tricky, weil die haben auf dem Personalbogen geschrieben, "Krankheiten, die auf den gewünschten Beruf Auswirkungen haben". Wie ist das bei sowas, ich hab mir einen Beruf ausgesucht, wo ich seitens der Epilepsie keine Einschränkungen habe, muss ich das bei solchen Fragen trotzdem angeben? Meine Mutter ist recht dominant und ich kann mich ihr gegenüber nur schlecht durchsetzen und sie hat halt jetzt die ganze Zeit gemeint, ich soll bei der Wahrheit bleiben und das angeben. Aber ich hab hier in diesem Forum schon öfter gelesen, dass viele damit negative Erfahrungen gemacht haben und gar nicht erst eingestellt wurden. Und das bei ihrem Potenzial, mich wegen allem möglichen fertig zu machen und bei meinem Drang, nach einer gewissen Weile beschäftigt zu sein und nicht arbeitslos zu Hause zu sitzen, möchte ich das doch nicht bewusst riskieren, arbeitlos zu werden? Wie waren da so eure Erfahrungen bisher, eher positiv oder negativ? Und wenn ihr dann mal eine Arbeit gefunden habt, wie sind eure Kollegen damit umgegangen, hattet ihr Glück oder musstet ihr v. a. gegen die Vorurteile kämpfen? Meine Mutter meint halt ständig, ich würde mich zum Mörder machen, wenn ich das nicht angebe, aber dem kann ich mich irgendwie nicht so anschließen, weil ob die anderen nun Bescheid wissen oder nicht, eine Gefahr im Falle eines Grand-Mal-Anfalls stelle ich immer dar. Ich hätte es halt jetzt so gemacht, dass ich halt hoffe, dass das im Vorstellungsgespräch nicht gefragt wird und auch nirgendswo im Arbeitsvertrag verankert ist und hätte dann erstmal das Klima gecheckt und ausgelotet, ob ich das sagen kann, aber erst nach der Probezeit. Wie waren da so eure Erfahrungen? Meine Mutter meint halt immer, dass ich in so einem Fall, wie ich mir das vorstelle, schon einen ganz schön naiven Arbeitgeber haben muss, aber nur, weil ihr Freund letztes Jahr bei Arbeitsaufnahme nach chronischen Krankheiten gefragt wurde und sie auch bei diversen Vorstellungsgesprächen, die aber schon eine Weile her sind, weil sie schon über 5 Jahre arbeitslos ist. Wurde das bei euch so gefragt oder hab ich gute Chancen so durchzukommen und dass dann einfach hinterher zu sagen?
Jetzt hab ich noch einige Fragen zum Schwerbehindertenausweis: Meine Mutter will, dass ich den beantrage, aber ich will das nicht so recht, weil ich im Internet und in Zeitungen schon öfters gelesen hab, dass viele Firmen lieber ihre Strafe bezahlen, statt Schwerbehinderte einzustellen. Und ich hab halt bei meinen bisherigen Vorstellungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass ich nie nach chronischen Krankheiten gefragt wurde, aber schon 2 oder 3-mal nach dem Schwerbehindertenausweis. Wie waren da so eure Erfahrungen mit, mindert das wirklich so die Einstellungschancen? Hab hier auch schon einiges darüber gelesen, aber das waren halt alles gemischte Erfahrungen. Außerdem hab ich da das Problem, ich hab da schon auf diverse Seiten im Internet geschaut und da stand halt immer so nach der Art der Epilepsie, und da standen halt nur die großen Anfälle, die komplex-fokalen bzw. einfach-fokalen Anfälle. Aber wo kann man jetzt meine da einordnen? Prinzipiell ist das eine generalisierte Art der Epilepsie, die ich habe, aber sie ist ziemlich harmlos, ähnlich wie die einfach-fokalen Anfälle. So von der Häufigkeit her würde ich 60 - 80 % kriegen, aber wegen der Art bin ich halt total unsicher, ich werde da natürlich bei meinem nächsten Termin in der Epilepsiesprechstunde, der im Oktober stattfinden soll, nach fragen. Und auch diesen Seiten, wurde halt oft geschrieben, dass man sich diese Entscheidung wohl überlegen muss, weil das mit Vor- und Nachteilen verbunden ist und man kann ja wirklich nicht sagen, dass die Leute, die das verfasst haben, sich nicht auskennen würden. Meine Mutter hat mir halt angedroht, dass sie meine Epilepsie meinem Arbeitgeber verraten würde, wenn ich den nicht beantrage, aber ich weiß, dass ich 21 Jahre alt bin und das dass allein meine Entscheidung ist, ob ich das machen will oder nicht und dass meine Mutter das akzeptieren muss, weil ich ja schon volljährig bin. Was kann ich da also tun? Wenn ich die Epilepsie meinem Arbeitgeber vorher sage und der damit kein Problem hat, dann wird meiner Mutter sicherlich was anderes einfallen, was sie machen kann, damit ich den Schwerbehindertenausweis gegen meinen Willen beantrage.
Was zu mir noch gesagt werden sollte, ist, dass ich am Anfang mit Valproinsäure 600 mg behandelt wurde und die Anfälle davon geringer wurden (von 5-mal die Woche auf 2-3-mal pro Woche) und jetzt im Juli wurde mir von der Epilepsiesprechstunde Keppra 2000 mg verordnet und seitdem bin ich anfallsfrei (seit ungefähr 3 1/2 Wochen) und mein Neurologe hat letztes Jahr gesagt, dass mein Risiko, einen Grand-Mal-Anfall zu erleiden, deutlich erhöht wäre, da mein Herd im Gehirn laut EEG fast ständig aktiv war, aber ich würde beide Hände dafür ins Feuer legen, dass dieses Risiko jetzt unter der neuen Medikation gesunken ist, zumal ich die Anfälle ja auch nicht mehr kriege. Das ist vielleicht ganz interessiert, besonders bezüglich des Themas mit der Epilepsie am Arbeitsplatz.
Würd mich freuen, wenn ihr mir über eure Erfahrungen berichtet, gerne auch über meine E-Mail-Adresse elsie-w@web.de.
Mit freundlichen Grüßen
elsa[/zitat]

Re: Epilepsie + Arbeitsaufnahme + Schwerbehindertenausweis

Stephanie @, Wednesday, 16.04.2008, 14:06 (vor 6701 Tagen) @ elsa

[zitat=elsa]Hallo an alle,
das könnte jetzt zwar ein bisschen viel werden, aber hoffentlich hält das niemanden vom lesen ab. Ich hab hier schon auf einige Beiträge geantwortet, aber selber einen geschrieben hab ich noch nicht. Jetzt hab ich nämlich ein paar Fragen: Ich bin 21 Jahre alt und leide seit meinem 18. Lebensjahr unter myoklonischen Anfällen (für diejenigen, die diese Form nicht kennen: Ich zucke dabei vorwiegend mit dem Oberkörper immer wieder zusammen, aus den Händen gefallen ist mir jedoch nur einmal etwas, bin da geistig nicht so auf der Höhe und ziemlich verlangsamt, 10 Minuten kommen mir da vor wie 1 Minute, aber verliere nicht das Bewusstsein und das ganze dauert so 10 - 15 Minuten, hat aber auch schon mal 50 Minuten gedauert). Jetzt hab ich gerade meine Ausbildung zur Eurokorrespondentin abgeschlossen und befinde mich in einer Zwickmühle, in der viele von euch sicherlich auch schon waren. Soll ich die Epilepsie jetzt beim Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag angeben? Ich weiß, dass wenn ich nach Krankheiten gefragt werde, dass man dann wahrheitsgemäß Auskunft geben muss. Wie waren da so eure Erfahrungen? Wurdet ihr im Vorstellungsgespräch oder im Arbeitsvertrag in irgendeiner Form gefragt? Ich wurde in meinen Vorstellungesgeprächen bisher nicht gefragt, bis auf vorgestern bei einer Zeitarbeitsfirma, aber das war ein bisschen tricky, weil die haben auf dem Personalbogen geschrieben, "Krankheiten, die auf den gewünschten Beruf Auswirkungen haben". Wie ist das bei sowas, ich hab mir einen Beruf ausgesucht, wo ich seitens der Epilepsie keine Einschränkungen habe, muss ich das bei solchen Fragen trotzdem angeben? Meine Mutter ist recht dominant und ich kann mich ihr gegenüber nur schlecht durchsetzen und sie hat halt jetzt die ganze Zeit gemeint, ich soll bei der Wahrheit bleiben und das angeben. Aber ich hab hier in diesem Forum schon öfter gelesen, dass viele damit negative Erfahrungen gemacht haben und gar nicht erst eingestellt wurden. Und das bei ihrem Potenzial, mich wegen allem möglichen fertig zu machen und bei meinem Drang, nach einer gewissen Weile beschäftigt zu sein und nicht arbeitslos zu Hause zu sitzen, möchte ich das doch nicht bewusst riskieren, arbeitlos zu werden? Wie waren da so eure Erfahrungen bisher, eher positiv oder negativ? Und wenn ihr dann mal eine Arbeit gefunden habt, wie sind eure Kollegen damit umgegangen, hattet ihr Glück oder musstet ihr v. a. gegen die Vorurteile kämpfen? Meine Mutter meint halt ständig, ich würde mich zum Mörder machen, wenn ich das nicht angebe, aber dem kann ich mich irgendwie nicht so anschließen, weil ob die anderen nun Bescheid wissen oder nicht, eine Gefahr im Falle eines Grand-Mal-Anfalls stelle ich immer dar. Ich hätte es halt jetzt so gemacht, dass ich halt hoffe, dass das im Vorstellungsgespräch nicht gefragt wird und auch nirgendswo im Arbeitsvertrag verankert ist und hätte dann erstmal das Klima gecheckt und ausgelotet, ob ich das sagen kann, aber erst nach der Probezeit. Wie waren da so eure Erfahrungen? Meine Mutter meint halt immer, dass ich in so einem Fall, wie ich mir das vorstelle, schon einen ganz schön naiven Arbeitgeber haben muss, aber nur, weil ihr Freund letztes Jahr bei Arbeitsaufnahme nach chronischen Krankheiten gefragt wurde und sie auch bei diversen Vorstellungsgesprächen, die aber schon eine Weile her sind, weil sie schon über 5 Jahre arbeitslos ist. Wurde das bei euch so gefragt oder hab ich gute Chancen so durchzukommen und dass dann einfach hinterher zu sagen?
Jetzt hab ich noch einige Fragen zum Schwerbehindertenausweis: Meine Mutter will, dass ich den beantrage, aber ich will das nicht so recht, weil ich im Internet und in Zeitungen schon öfters gelesen hab, dass viele Firmen lieber ihre Strafe bezahlen, statt Schwerbehinderte einzustellen. Und ich hab halt bei meinen bisherigen Vorstellungsgesprächen die Erfahrung gemacht, dass ich nie nach chronischen Krankheiten gefragt wurde, aber schon 2 oder 3-mal nach dem Schwerbehindertenausweis. Wie waren da so eure Erfahrungen mit, mindert das wirklich so die Einstellungschancen? Hab hier auch schon einiges darüber gelesen, aber das waren halt alles gemischte Erfahrungen. Außerdem hab ich da das Problem, ich hab da schon auf diverse Seiten im Internet geschaut und da stand halt immer so nach der Art der Epilepsie, und da standen halt nur die großen Anfälle, die komplex-fokalen bzw. einfach-fokalen Anfälle. Aber wo kann man jetzt meine da einordnen? Prinzipiell ist das eine generalisierte Art der Epilepsie, die ich habe, aber sie ist ziemlich harmlos, ähnlich wie die einfach-fokalen Anfälle. So von der Häufigkeit her würde ich 60 - 80 % kriegen, aber wegen der Art bin ich halt total unsicher, ich werde da natürlich bei meinem nächsten Termin in der Epilepsiesprechstunde, der im Oktober stattfinden soll, nach fragen. Und auch diesen Seiten, wurde halt oft geschrieben, dass man sich diese Entscheidung wohl überlegen muss, weil das mit Vor- und Nachteilen verbunden ist und man kann ja wirklich nicht sagen, dass die Leute, die das verfasst haben, sich nicht auskennen würden. Meine Mutter hat mir halt angedroht, dass sie meine Epilepsie meinem Arbeitgeber verraten würde, wenn ich den nicht beantrage, aber ich weiß, dass ich 21 Jahre alt bin und das dass allein meine Entscheidung ist, ob ich das machen will oder nicht und dass meine Mutter das akzeptieren muss, weil ich ja schon volljährig bin. Was kann ich da also tun? Wenn ich die Epilepsie meinem Arbeitgeber vorher sage und der damit kein Problem hat, dann wird meiner Mutter sicherlich was anderes einfallen, was sie machen kann, damit ich den Schwerbehindertenausweis gegen meinen Willen beantrage.
Was zu mir noch gesagt werden sollte, ist, dass ich am Anfang mit Valproinsäure 600 mg behandelt wurde und die Anfälle davon geringer wurden (von 5-mal die Woche auf 2-3-mal pro Woche) und jetzt im Juli wurde mir von der Epilepsiesprechstunde Keppra 2000 mg verordnet und seitdem bin ich anfallsfrei (seit ungefähr 3 1/2 Wochen) und mein Neurologe hat letztes Jahr gesagt, dass mein Risiko, einen Grand-Mal-Anfall zu erleiden, deutlich erhöht wäre, da mein Herd im Gehirn laut EEG fast ständig aktiv war, aber ich würde beide Hände dafür ins Feuer legen, dass dieses Risiko jetzt unter der neuen Medikation gesunken ist, zumal ich die Anfälle ja auch nicht mehr kriege. Das ist vielleicht ganz interessiert, besonders bezüglich des Themas mit der Epilepsie am Arbeitsplatz.
Würd mich freuen, wenn ihr mir über eure Erfahrungen berichtet, gerne auch über meine E-Mail-Adresse elsie-w@web.de.
Mit freundlichen Grüßen
elsa[/zitat]

Hallo Elsa,

ich habe seit mein zweiten Lebensjahr Epilepsie und bin anfallsfrei ausser wenn ich krank bin.
Meine Eltern haben damals mein Ausweis bantragt habe 100 % wurde aber nie danach gefragt ausser bei ein Vorstellungsgespräch und da haben sie mich als Lügnerin hin gestellt weil ich es vorher nicht erwähnt hatte bevor ich den Personalbogen ausgefüllt hatte. Wenn es nach meiner Mutter gehen würde dann hätte sie den Ausweis nie beantragt hatten damals nur von der Kindergeldkasse den Tipp bekommen. Habe auch schon in verschiedenen Altenheimen gearbeitet und nie Probleme gehabt. Und jetzt nach meiner kaufm Ausbildung als Bürokauffrau wurde ich nie danach gefragt und mein Freund mit den ich ein Jahr zusammen bin hat auch kein Problem damit. Ich würde dir raten deine Krankheit bzw Ausweis nur zu erwähnen wenn danach gefragt wird.

Lg Steffi