Grand Mal Anfall

Stefanie @, Thursday, 04.10.2007, 13:53 (vor 6896 Tagen)

Hallo,

ich bin sehr froh auf dieses Forum gestoßen zu sein!
Ich habe eine Frage - aber zuerst einmal zu der Vorgeschichte:

Mein Freund ist 27 jahre und hatte vor ca. 7 Jahren seinen ersten schweren Grand Mal Anfall. Vor ca. 3 Wochen dann den 2... Es lagen demnach 7 Jahre dazwischen!

Beide Male wurde die Anfälle durch die gleichen Symptome ausgelöst!
Extremer Schlafentzug (Erstes Mal durch lange Arbeit und anschließendem Disco Besuch und 2. Mal durch eine sehr lange Auto Fahrt ca. 15 Stunden) dazu kam unregelmäßiges Essen und Alkohol (eine Flasche Bier).

Ich habe nur den 2. Anfall mit angesehen und kann meine Gefühle dazu ehrlich gesagt nicht in Worte fassen... Es war einfach schrecklich dem Menschen den man liebt nicht helfen zu können!

Gut nun komme ich aber zu dem Punkt um den es eigentlich geht!

Mein Freund ist beide male nach dem das Zucken aufhörte wahnsinnig aggressiv und gefährlich geworden! Beim ersten Mal hat er seine Eltern massiv angegriffen und mit aller Kraft nach ihnen getreten.
Das 2. Mal ist er von der einen Sekunde auf die andere aufgesprungen hat sich vor mich gestellt, mich nicht erkannt, Panik bekommen, hat angefangen wie ein Hund zu knurren und die Zähne zu fletschen und hat versucht mich mit den Händen zu würgen... Der Freund meiner Schwester hat mir dann geholfen.

Hat jemand auch schon solche Erfahrungen gemacht?! Ich habe wahnsinnige Angst, das er einen erneuten Anfall bekommt wenn ich mit ihm allein bin... Was soll ich dann machen?

Eine ratlose und ängstliche
Stefanie

Re: Grand Mal Anfall

Anton @, Thursday, 04.10.2007, 14:35 (vor 6896 Tagen) @ Stefanie

Liebe Stefanie,
Du tust mir leid, wenn ich darüber nachdenke, was Du da erleben mußtest. So etwas läßt sich aber vermeiden. Bei einer Epilepsie ist es vorbei mit dem exzessiven Leben. Auch wenn man noch keine 30 ist. Das ist man sich und seiner Umwelt gegenüber schuldig. Dein Freund hat gleich fünf Sachen gemacht, die man als Anfallskranker lieber lassen sollte:
Schlafentzug, Flackerlicht in der Disco, 15 Stunden Stress am Steuer und unregelmäßiges Essen!
Schon einer der vorgenannten Punkte kann die Anfallsschwelle erheblich senken und zu Ausfallerscheinungen führen. Du solltest vielleicht mal ein ernstes Wort mit Deinem Freund reden und ihn fragen, was er eigentlich will: Ein normales Leben führen oder nur noch dahinvegetieren. Wenn ihm an dir und an sich selbst gelegen ist, dann kann er das nur, wenn er ein solides Leben führt. Seine derzeitige Lebensweise macht sogar Gesunde krank. Es gut, wenn er etwas einsichtiger würde, dann könntet ihr zu zweit ein schönes und fast sorgenfreies Leben führen.
Ich wünsche Euch von ganzem Herzen, dass das nicht wieder passiert.
Liebe Grüße
Anton

Re: Grand Mal Anfall

Stefanie @, Thursday, 04.10.2007, 15:45 (vor 6896 Tagen) @ Stefanie

Hallo Anton,

vielen lieben Dank für deine Antwort!

Ich muss gestehen, dass wir beide vor unserer Urlaubsfahrt den GM Anfall von vor 7 Jahren "vergessen" haben!
Ich könnt mir heute noch in den A*** treten, dass ich nicht daan gedacht habe!!

Er musste mir hoch und heilig versprechen keinen Alkohol mehr zu trinken, jede Nacht mind. 7 Stunden zu schlafen und mehr auf seinen Körper zu hören!

Er hatte den Anfall sogar kommen sehen!! Er hatte ne halbe Stunde vorher immer wieder Filrisse! Wusste nicht mehr was er 1 Minute vorher gemacht hat... Nur hat er das nicht ernst genommen....
Er selber kann sich ja an nichts erinnern! Für ihn ist es nicht schlimm gewesen ausser der blauen Flecken und der aufgebissenen Zunge! Aber ich kann mich erinnern! Und ich habe ihm schon gesagt, dass ich Angst vor ihm habe! Angst, dass es nocheinmal passieren kann wenn er nicht aufpasst!
Und er hat mir versprochen, wenn er diese Filmrisse merkt - sich sofort hinlegen und jemandem Bescheid sagen!

Ich bete jeden Tag, dass es nicht mehr soweit kommen wird!

Stefanie

Re: Re: Grand Mal Anfall

Helge @, Friday, 05.10.2007, 18:41 (vor 6894 Tagen) @ Stefanie

Also ich bin auch gerade erst auf dieses Forum aufmerksam geworden und finde das eine sehr gut Idee. Als erstes muss ich sagen das ich kein Experte bin, aber berufliche Erfahrung mit Menschen mit den verschiedensten Epilepsie sammeln konnte. Auch schon einige Grand Mal miterlebt habe.
Für mich gilt es noch zwei ganz wichtige Sachen zu ergänzen.
1. Bring Deinen Freund wenn es geht dazu einen Artztermin zu machen und ihm ausführlich davon zu berichten. Wenn er sich dagegen sträubt (das tuen viele) findet sich hier auf der Homepage ja auch eine Liste mit Selbsthilfegruppen in vielen Städten Deutschlands. Viele davon können sicher kompetent weiterhelfen.
2. Auch wenn es für Deinen Freund nicht direkt schmerzhaft war, sterben bei jedem Grand Mal eine große Menge an Gehirnzellen ab. Das kann natürlich zu den verschiedensten Nebenerscheinungen führen. Also nimm das sehr erst und biete ihm Deine Hilfe an. Auch Du kannst Dich allein an solche Selbsthilfegruppen wenden und versuchen direkte Hilfe zu bekommen.
Viel Glück Helge