Re: Re: Re: Trileptal angst vor hauterektion!!!!!!!!

Anton @, Friday, 05.10.2007, 21:49 (vor 6894 Tagen) @ Melanie

Liebe Melanie,
wenn Dein Sohn Trileptal flüssig bekommt, dann macht man das, damit er das Zeug besser herunterbekommt. Erwachsene nehmen dieses Mittel in Tablettenform, vielleicht ganz alte Leute, das weiß ich aber nicht genau, auch als Flüssigwirkstoff.
Was die auf dem Beipackzettel genannten Angaben betrifft: Die Pharma-Unternehmen sind verpflichtet, so ziemlich alles, was bisher aufgetreten ist an unerwünschten Neben- und Wechselwirkungen, auf den Beipackzettel zu bringen. Das Lesen dieser Zettel macht unsicher, gehe doch einfach davon aus, dass Dein Sohn alles gut verträgt, denn er ist nun mal auf die Medizin angewiesen.
Nun beziehe ich Stellung zur OP. Ich sage dir allerdings, ich bin kein Fachmann, ich bin nur Patient mit viel Erfahrung. Auch Epilepsie-Patienten werden schon seit langer Zeit operiert. Noch vor 10 Jahren ist es jedoch oft passiert, dass die Operation gelungen war, aber dadurch andere wichtige Funktionen im Kopf zerstört worden sind.
Seitdem wir aber noch bessere bildgebende Verfahren haben, nach meiner Kenntnis haben die Amerikaner vor 4 Jahren die letzte große Entdeckung auf diesem Gebiet gemacht, ist das Operieren erheblich sicherer geworden, obwohl ein Restrisiko immer bleibt, aber passieren kann auch schon etwas, wenn einem ein Zahn gezogen werden muß.
Was die Epilepsie-Chirurgie angeht, weiß ich als Patient, dass nur operiert werden kann, wenn die Epilepsie an einer Stelle im Kopf ausgelöst wird (sogen. Fokale Epilepsien) und dieser Herd nicht zu dicht an den wichtigen Funktionen im Gehirn liegt. Geprüft werden, wo der Herd genau ist, kann heutzutage durch mehrere MRT-Aufnahmen (sogen. Strukturelles MRT), die im Falle einer OP zuvor gemacht werden müssen.
Epilepsien, die über das ganze Gehirn verteilt sind, generaliesierte Epilepsien, kann man meistens nicht operieren. Ob etwas möglich ist oder nicht, wird von den Besten der Besten aller Epi-Neurologen in einer Fallkonferenz beschlossen, damit möglichst alle Risiken im Voraus ausgeschaltet werden können.
Sehr große neurologische Kliniken haben heute oft ein Epilepsie-Zentrum angeschlossen.
Ich z. B. habe mich für das Epilepsie-Zentrum in Bielefeld-Bethel entschieden, weil die sehr viel Erfahrung haben, weil ich nur Gutes von dieser Klinik gehört habe, weil die Ärzte sich austauschen mit Ärzten im Ausland.
Bei mir saß das störende Gewebe im rechten Temporallappen, dort lagen die wichtigen Funktionen des Gehirns nicht, somit haben gute Ärzte, ohne dass ich heute neurologisch geschädigt bin, die OP besten Gewissens durchführen können.
Ich habe noch die Bilder vor Augen, wie lieb Pfleger/innen und Ärzte mit kleinen Kindern auf meiner Station umgegangen sind.
Über die OP kannst Du im Internet viel erfahren, wenn Du "Epilepsie-Chirurgie" in die Suchmaschine gibst. Da kannst Du dich schlau machen. Ich wünsche dir alles Gute und unbeschwerte Momente. Für Deinen Sohn hoffe ich, dass es ihm schon bald viel besser geht.
Liebe Grüße
Anton


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