hallo,
seit meiner gm redet mein freund nicht über dieses thema, er hat mir nur ganz kurz gesagt was passiert ist und dann kam eine funkstille, das thema ist vergessen und wenn man davon was sagen muss, dann ist es immer: das was damals war. ich kann mit der krankheit nicht umgehen und er macht es mir noch viel schlimmer. ich habe ihm das auch schon gesagt aber er schweigt. wie fühlt man sich als angehöriger wenn ein anfall kommt bei einem freund, bruder mutter usw. kann mir vielleicht einer sein verhalten erklären wenn er es mir schon nicht kann?
gruß
tanja
Re: reaktion der angehörigen
Karin
, Saturday, 06.10.2007, 00:16 (vor 6894 Tagen) @
tanja
[zitat=tanja]hallo,
seit meiner gm redet mein freund nicht über dieses thema, er hat mir nur ganz kurz gesagt was passiert ist und dann kam eine funkstille, das thema ist vergessen und wenn man davon was sagen muss, dann ist es immer: das was damals war. ich kann mit der krankheit nicht umgehen und er macht es mir noch viel schlimmer. ich habe ihm das auch schon gesagt aber er schweigt. wie fühlt man sich als angehöriger wenn ein anfall kommt bei einem freund, bruder mutter usw. kann mir vielleicht einer sein verhalten erklären wenn er es mir schon nicht kann?
gruß
tanja[/zitat]
Hallo Tanja,
es ist schade dass dein Freund nicht darüber sprechen kann. Ich bin seit Januar mit meinem Mann zusammen der trotz Therapie noch viele Anfälle hat und natürlich habe ich mich am Anfang erschreckt weil es einfach ein komisches Gefühl war ihm nicht helfen zu können, ich hätte heulen können so hilflos hab ich mich gefühlt. Hinterher hab ich mich schlau gemacht und erfahren wie man damit umgehen sollte; ein Kissen unter den Kopf legen, Gegenstände aus dem Weg räumen usw. seitdem kann ich besser damit umgehen weil ich weiß was ich tun kann. Ich denke dein Freund war genauso verunsichert vielleicht hat er auch ein schlechtes Gewissen deshalb das hatte ich auch weil ich mehr oder weniger eingeschüchtert rumstand bis der Anfall vorbei war. Dabei ist es eigentlich wichtig dass er dich dabei unterstützt, mein Mann ist absolut selbstständig, auch berufstätig aber in dem Moment weiß ich er braucht Zuwendung und ihm die dann zu geben ist für mich normal. Ich weiß nicht weshalb dein Freund nicht drüber reden will...vielleicht weiß er auch zu wenig über Epilepsie wie viele Leute...am besten du versuchst weiter mit ihm zu reden..
Alles Gute
Karin
Re: reaktion der angehörigen
Marion44
, Saturday, 06.10.2007, 01:46 (vor 6894 Tagen) @
tanja
Hallo Tanja,
dein Freund kann sich dazu nicht erklären. Erstens ist er nicht bei Bewußtsein und erlebt sich dabei ja nicht. Zweitens wird ihm ds hochpeinlich sein, wie den meisten, die von der Krankheit betroffen sind.
Wie wäre es, wenn du mal in eine Angehörigengruppe gingst. So etwas gibt es, wenn du nicht zu weit auf dem platten Land lebst.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dir das Angst macht. Aber was ist mit einem Rollifahrer? Kann der dafür, dass ihm vielleicht irgendwer das Bein abgefahren oder abgeschossen hat?
Du musst dich mit anderen Angehörigen darüber austauschen oder einmal eine Gruppe von Betroffenen besuchen. Die gibt es in vielen Städten. Er kann doch nichts dafür und wird sicher selbst erst lernen müssen, damit umzugehen.
Beschimpfe in deiner Angst und Verzweiflung nicht die anderen hier. Ich verstehe deine Angst und Scham. Aber Achtung: Mit jeder neuen Situation kann man sich auseinandersetzen. Und dann kannst du entscheiden, wie du damit umgehen willst. Trennen wegen der Krankheit oder bleiben und ihn unterstützen. Und zudem muss er ja wohl erst noch richtig mit Medikamenten eingestellt werden und sein Leben danach ausrichten.
Grüße von
Marion
Re: reaktion der angehörigen
Marion 44
, Saturday, 06.10.2007, 01:55 (vor 6894 Tagen) @
tanja
[zitat=Marion44]Hallo Tanja,
dein Freund kann sich dazu nicht erklären. Erstens ist er nicht bei Bewußtsein und erlebt sich dabei ja nicht. Zweitens wird ihm ds hochpeinlich sein, wie den meisten, die von der Krankheit betroffen sind.
Wie wäre es, wenn du mal in eine Angehörigengruppe gingst. So etwas gibt es, wenn du nicht zu weit auf dem platten Land lebst.
Ich kann mir gut vorstellen, dass dir das Angst macht. Aber was ist mit einem Rollifahrer? Kann der dafür, dass ihm vielleicht irgendwer das Bein abgefahren oder abgeschossen hat?
Du musst dich mit anderen Angehörigen darüber austauschen oder einmal eine Gruppe von Betroffenen besuchen. Die gibt es in vielen Städten. Er kann doch nichts dafür und wird sicher selbst erst lernen müssen, damit umzugehen.
Beschimpfe in deiner Angst und Verzweiflung nicht die anderen hier. Ich verstehe deine Angst und Scham. Aber Achtung: Mit jeder neuen Situation kann man sich auseinandersetzen. Und dann kannst du entscheiden, wie du damit umgehen willst. Trennen wegen der Krankheit oder bleiben und ihn unterstützen. Und zudem muss er ja wohl erst noch richtig mit Medikamenten eingestellt werden und sein Leben danach ausrichten.
Grüße von
Marion[/zitat]
Ich nehme diese Antwort zurück, weil ich leider verstanden hatte, dass der Freund die Anfälle hat und nicht Tanja. Das mit der Auseinandersetzung mit der Krankheit gilt aber genauso für dich Tanja, da du doch noch nicht wirklich damit arrangierst hast.
Nochmal Grüße
Re: reaktion der angehörigen
Anton
, Saturday, 06.10.2007, 08:35 (vor 6894 Tagen) @
tanja
Hallo Tanja,
Ich kann mir denken, worauf das Verhalten Deines Freundes zurückzuführen ist. Kann es vielleicht sein, dass er von Deiner Krankheit nichts gewußt hat. Dann könnte ich verstehen, dass er immer noch unter Schock steht, und Du weißt ja, Leute unter Schock machen Sachen, die sie eigentlich gar nicht wollen, sie gestört.
Wenn er in der nächsten Zeit mal gut drauf ist, solltest Du ihn dir "packen" mit mit ihm vor den PC gehen. Dort kann er bestens aufgeklärt werden, was Deine Krankheit verursacht, dass sie mit Geisteskrankheit nichts zu tun hat, dass Du genauso intelligent bist wie Gesunde, dass es sich dabei lediglich um eine ganz selten auftretende, manchmal nur wenige Sekunden anhaltende, Hirnfunktionsstörung handelt.
Jetzt noch mal zu dir. Nimmst Du die Medis regelmäßig, lebst du so, wie dir vom Arzt empfohlen, weißt Du, worauf Dein Körper negativ reagiert, gehst Du regelmäßig zum Arzt wegen der erforderlichen Blut- und EEG-Untersuchungen, hattest Du schon Zeit, dich im Internet, in Selbsthilfegruppen und mit gleichermaßen Betroffenen über die Krankheit auszutauschen, dich schlau zu machen. Das alles ist sehr wichtig, denn ca. 70 % aller Anfallskranken können mit den richtigen Tabletten ein normales Leben führen.
Wenn Du das alles machst und solide lebst, dann immer noch Anfälle bekommst, ist ein weiteres Gespräch mit Deinem Neurologen erforderlich. Mittlerweile gibt es auch die sogenannten Epilepsie-Zentren, die meistens den Neurologische Stationen größerer Kliniken angeschlossen sind.
Ich hoffe, dass Du schon bald mit Deinem Freund darüber sprechen kannst, sei ihm gegenüber dankbar, wenn er dazu bereit ist. Männer sind eben alle gleich. Sie brauchen permanent Lob und Anerkennung, sonst ist mit ihnen nicht viel los. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Ich wünsche dir gute Besserung, viele Glücksmomente mit Deinem Freund, dass Du schon bald wieder mit ihm vereint bist.
Alles Gute und herzliche Grüße
von Anton