Leben auf 50%- Basis?
Hallo liebe Leidensgenossen,
ich lese hier die Beiträge und bin schockiert über die Akzeptanz und Problematik unserer Krankheit durch die Gesellschaft. Ich kämpfe nun auch seit mehr als 4 Jahren darum, mich meiner Kranheit anzunehmen und diese zu akzeptieren. Es ist nicht immer leicht die Vorverurteilung zu verarbeiten bzw zu verstehen. Ich will hier um Gottes Willen jemanden Angst machen, im Gegenteil, ich möchte mit meinen Erfahrungen helfen können und auch Hilfe annehmen. Jedenfalls hatte ich 2003, durch einen Anfall, einen folgenschweren Arbeitsunfall der mein Leben je verändern sollte. Ich merkte sehr schnell wer Freund und Feind ist. Am Anfang war es sehr schmerzhaft den Kontakt zu sog. "Freunden" ein wenig zu verlieren, aber Schei... drauf, dann waren es auch keine. Auch die Jobsuche ist nicht ganz so einfach, aber auch da habe ich mich engagiert. Ich bin zu Gesprächen wirklich selbstbewußt eingelaufen und habe offen über meine Krankheit gesprochen. Die Resonanz war, sehr zu meines Erstaunens, mehr positiv als negativ. Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden, ob er offen damit umgeht oder nicht. Ich sage Euch, nur Mut. Denn im Grunde müssen wir damit leben. Schade, das Epilepsie hier zu Lande falsch verstanden wird und die Patienten oft diffamiert werden. Viele sagen ja, wir seien Aliens mit Schaum vor dem Mund, aber es ist nicht nur die Unwissenheit der Leute die sie zu solchen Aussagen bringt, sondern auch das Versagen der richtigen Aufklärung. Aber deshalb 50% Lebensqualität aufgeben, NEIN DANKE. Ich muß auch für einen sehr langen Zeitraum täglich 2x Ergenyl chrono 500 mg einwerfen, was sich aber mittlerweile als normales Ritual, wie das Zähne putzen, gefestigt hat. Habe jetzt auch wieder einen Job gefunden, zwar nicht meine gelernte Tätigkeit, aber ich sage Euch, EIN KLEINER SCHRITT FÜR DIE MENSCHEIT, EIN GROßER SCHRITT FÜR MICH SELBST. Kämpft und bleibt tapfer. Eine lange anfallsfreie Zeit wünscht Euch Ingo