Jobsuche

Daniela @, Monday, 05.11.2007, 18:40 (vor 6863 Tagen)

Hallo
Ich weiss nicht wie es euch geht jedoch mein Problem ist es eine Stelle zu finden.
Nun ja ich habe keine starken Krämpfe und schäume auch nicht jedoch haben sich meine kurzen Absenzen in den Jahren verändert und nach den Angaben meiner Freunde sind leichte zuckungen mit Krämpfen und in der Nacht ein leichtes stöhnen dazu gekommen.
Dazu sind meine Anfälle mehr geworden.
Die Arzte sagen ich könne 100% arbeiten doch wo?
Viele Menschen sagen erwähne deine Krankheit nicht
doch ich denke das es besser ist es zu sagen als sie eines Tages zu schocken und dies als Vertrauensbruch gesehen wird das man es nicht gesagt hat.
Doch bis jetzt hat mir keiner eine Chance gegeben bei Ihnen zu arbeiten.
Das ist wohl das Leben das alle einen Horror vor den Worten Epilepsi oder Absenzen haben.
Ich glaube wenn ich mein Freund/in und Familie nicht hätte würde ich durchdrehen.
Gruss
Daniela

Re: Jobsuche

Anton @, Monday, 05.11.2007, 19:57 (vor 6863 Tagen) @ Daniela

Hallo Daniela,
ich kann Deinen Unmut über die derzeitige Arbeitsmarktlage gut verstehen. Es besteht z. Zt. ein Überangebot an Kräften, selbst junge, erfahrene Leute bekommen keinen Job. Ich kann dir nur empfehlen, am Ball zu bleiben, wichtig: Absagen nicht persönlich zu nehmen, die haben weder mit dir noch mit Deiner Krankheit zu tun.
Wer während eines Vorstellungsgespräches nicht nach Krankheiten gefragt wird, ist nicht verpflichtet, etwas zu sagen. Ein Epilepsie-Kranker muß den zukünftigen Arbeitgeber nur darüber in Kenntnis setzen, wenn vor Aufnahme der Arbeit schon fest steht, dass er sie damit nicht verrichten kann. Wenn z. B. ein junger Mann (mit Epi) sich auf ein Dachdecker-Hilfsarbeiter-Angebot bewirbt, steht eigentlich im voraus fest, dass dieser Job wenig geeignet ist.
Wenn man danach gefragt wird, egal ob schriftlich oder mündlich, muß man die Wahrheit sagen, sonst kann es Grund für eine fristlose Kündigung sein.
So wie Du Deine Anfälle schilderst, wirst Du sie nicht verschweigen können. Aus meiner Sicht darfst Du das auch nicht, weil Du dich sonst unmenschlichem Druck aussetzen würdest. Ich weiß zwar nicht, wie alt Du bist, aus meiner Sicht wird es vielleicht schon bald besser sein mit einer Arbeitsstelle.
Liebe Grüße, Gute Besserung, viele unbeschwerte Momente und viel Glück
wünscht/sendet
Anton

Re: Jobsuche

Anton @, Monday, 05.11.2007, 20:04 (vor 6863 Tagen) @ Daniela

Hallo Daniela,
ich möchte noch etwas zu Deiner Medikation sagen bzw. fragen. Wenn Du schon seit langem von derselben Sorte Medis nimmst, sprich doch bitte mit Deinem Arzt, ob es nicht Neuere, Bessere gibt. Ich würde an Deiner Stelle dem Arzt klipp und klar sagen, dass der derzeitige Zustand, damit meine ich die Folgen der Epilepsie, für dich nicht tragbar sind, er möchte sich etwas einfallen lassen, sollte er keine Ideen haben, würde ich zu anderen Ärzten gehen, die für Deine Sache befriedigendere Lösungen parat haben.
Alles Gute
Anton

Re: Jobsuche

Nik @, Tuesday, 06.11.2007, 01:29 (vor 6863 Tagen) @ Daniela

[zitat=Daniela]Hallo
Ich weiss nicht wie es euch geht jedoch mein Problem ist es eine Stelle zu finden.
Nun ja ich habe keine starken Krämpfe und schäume auch nicht jedoch haben sich meine kurzen Absenzen in den Jahren verändert und nach den Angaben meiner Freunde sind leichte zuckungen mit Krämpfen und in der Nacht ein leichtes stöhnen dazu gekommen.
Dazu sind meine Anfälle mehr geworden.
Die Arzte sagen ich könne 100% arbeiten doch wo?
Viele Menschen sagen erwähne deine Krankheit nicht
doch ich denke das es besser ist es zu sagen als sie eines Tages zu schocken und dies als Vertrauensbruch gesehen wird das man es nicht gesagt hat.
Doch bis jetzt hat mir keiner eine Chance gegeben bei Ihnen zu arbeiten.
Das ist wohl das Leben das alle einen Horror vor den Worten Epilepsi oder Absenzen haben.
Ich glaube wenn ich mein Freund/in und Familie nicht hätte würde ich durchdrehen.
Gruss
Daniela

[/zitat]Hi Daniela
Du brauchst nicht durchdrehen:-)
Technische Berufe gibt es in Deutschland genügend,dagegen Lehrstellen sind knapp.Du solltest einen Beruf ausüben wo der Chef sagen kann,wenn ihnen nicht gut ist ,legen sie sich doch im Nebenraum kurz hin.Ja auch solche Chefs gibt es.
Auf der Baustelle geht das nicht.
Entweder du sagst nichts und kommst oft ins schwitzen. Beweist deinem Boss deine gute Leistung,um ihm es später zu gestehen.(Beachte die Flexibilität,Einsatzmöglichkeiten und Führerschein)
Oder sag es und andere sollen sich den Kopf zerbrechen.
Hoffe ich konnte ein bisschen helfen
Bye Nik

Re: Jobsuche

Anke S. @, Tuesday, 06.11.2007, 11:51 (vor 6863 Tagen) @ Daniela

Hallo Daniela!
Obwohl ich schon seit 16 Jahren Epilepsie habe kann ich dir nicht so viele Tipps geben.
Ich habe aber bei meinem letzten Vorstellungsgespräch (es ging zwar nur um ein Praktikum) gleich gesagt das ich Epi habe.
Ich war fast 3 Jahre Anfallsfrei und habe nach ca. 3 Wochen dort einen Anfall bekommen. Für mich war es gut das ich Bescheid gesagt habe, denn eine Mitarbeiterin wußte gleich was zu tun ist. Mir ist nichts passiert aber als ich dann wieder zu mir kam war das sehr beruhigend für mich.
Meine Vorschreiber haben recht, man muß es immer individuell sagen, also was es für ein Beruf ist und manchmal was man für ein Gefühl gegenüber dem Menschen hat.
Lass den Kopf nicht hängen.
Ist schon komisch, ich schreib solche Sätze (lass den Kopf ...) und bin selber so.
Nun gut.
Liebe Grüße Anke

[zitat=Daniela]Hallo
Ich weiss nicht wie es euch geht jedoch mein Problem ist es eine Stelle zu finden.
Nun ja ich habe keine starken Krämpfe und schäume auch nicht jedoch haben sich meine kurzen Absenzen in den Jahren verändert und nach den Angaben meiner Freunde sind leichte zuckungen mit Krämpfen und in der Nacht ein leichtes stöhnen dazu gekommen.
Dazu sind meine Anfälle mehr geworden.
Die Arzte sagen ich könne 100% arbeiten doch wo?
Viele Menschen sagen erwähne deine Krankheit nicht
doch ich denke das es besser ist es zu sagen als sie eines Tages zu schocken und dies als Vertrauensbruch gesehen wird das man es nicht gesagt hat.
Doch bis jetzt hat mir keiner eine Chance gegeben bei Ihnen zu arbeiten.
Das ist wohl das Leben das alle einen Horror vor den Worten Epilepsi oder Absenzen haben.
Ich glaube wenn ich mein Freund/in und Familie nicht hätte würde ich durchdrehen.
Gruss
Daniela

[/zitat]

Re: Re: Jobsuche

cokie @, Tuesday, 06.11.2007, 12:33 (vor 6863 Tagen) @ Daniela

Hallo Daniela,

ich kann Nik nur zustimmen. Nicht aufgeben! Am Besten immer offen und selbstbewußt über dein Handycap reden. Wenn du selbst offen damit umgehst, wirst oft erleben, dass es auch wirklich Chefs gibt die dir offen entgegen kommen und dir wenigstens erstmal ne Chance geben dich zu beweisen. Solange du keine zu großen Schwierigkeiten durch Absencen hast. Ich habe immer wieder Arbeitsstellen gefunden, mit Epi, Schwerbehindertenausweis, drei kleinen Kindern und auch als ich dann zweitweise alleinstehend war. Es war wirklich oft sehr sehr schwer, aber ich bin einfach für alles offen gewesen ohne mein Licht unter den _Scheffel zu stellen und auch Kompromisse eingegangen. So habbe ich die verschiedensten Jobs über Zeitarbeits´stellen kennengelernt. Dabei eben auch die Möglichkeit gehabt mich überhaupt erstmal zu beweisen und zu zeigen das Epilepsie nicht heißt ich bin Radioaktiv verseucht... so wird man ja wirklich manchmal behandelt. Ich mußte auch viele Ablehnungen hinnehmen mit den haarsträubensten Begründungen, aber gerade mein Weg über eine Zeitarbeitsfirma hatte mich zu einem Job geführt, dem ich heute noch oft hinterher trauer... Als meine Epi mich wieder voll erwischte war eben nix mehr mit arbeiten gehen. Leider. Ich würde gerne wieder arbeiten, aber ich kann es im Moment noch nicht und für die nächste Zeit ist dieses Thema für mich noch in Weite Ferne gerückt. Aber wenn ich mal wieder so stabil bin, dass irgendwo ein Streif am Horizont ist, will ich auch wieder arbeiten. Ich bin jetzt mit 41 in Erwerbsminderungsrente und habe echt keinen Bock das bis ans Lebensende weiter so zu leben. Da hilft echt nur eins: Nicht unterkriegen lassen und immer wieder von neuem aufstehen und loslaufen.Ganz viel Kraft und liebe Grüße Cordula

Re: Jobsuche

goldi @, Wednesday, 07.11.2007, 12:07 (vor 6862 Tagen) @ Daniela

Hallo Daniela.

Leider ist die Situation am Arbeitsmarkt nicht gut. Aus einer Schweizer Studie aus 2003 konnte ich entnehmen, dass Arbeitsgeber oft auch einfach nicht bereit sind, gehandicapte Mitarbeiter anzustellen (vor allem Kleinbetriebe). Hier in Holland haben wir gerade auch die Rolle der gehandicapten Personen am Arbeitsmarkt in den letzten fünf Jahren verglichen. In einem Satz gesagt: Immer weniger Personen mit einem Handicap finden Arbeit. Grundsätzlich rate ich dir aber dazu, gut darüber nachzudenken, worauf du dich bewirbst und womit du später keine Probleme bekommst. Ich habe beispielsweise den Fehler gemacht, Medizin zu studieren. Trotz vorheriger Beratungen, habe ich schlussendlich eine komplett falsche Berufsausbildung gewählt. Leider bekommt man in diesem Bereich aber mit Epilepsie eben kaum Arbeit (selbst bei Mangel). Vielleicht ist das ja auch besser so.
Zum Schluss wird immer noch viel zu wenig Andacht auf Prävention gelegt. dies kann man aus dieser Studie entnehmen:
http://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/gesu/doi/10.1055/s-2001-11969