Epilepsie nach Operation

fidela @, Tuesday, 04.12.2007, 20:05 (vor 6834 Tagen)

Ich wurde vor ca. 11 Jahren operiert und hatte nun nach 10 Jahren unter besonderen Umständen (nichts gegessen, Ausland)wieder einen Anfall. Danach habe ich keine Medikamente genommen, da auch mein Arzt meinte, dass dies nach einem ersten Anfall nicht notwendig sei. Nun hatte ich aber daraufhin in der Arbeit permanent Angst, dass ein zweiter Anfall auftreten könnte. Irgendwann war die Angst so groß, dass ich auch ähnliche Syndrome wie bei einem Burn-out hatte (Wenn jemand im Büro war, hatte ich schon fast Panik etc)und die Angst mutierte zum eigentlichen Problem. Ich hatte während der Arbeitswoche auch eine sehr veränderte Wahrnehmung, d.h. ich nahm die Umwelt nicht mehr so klar wahr wie normalerweise. Am Montag war es stets ganz ok und am Freitag sehr schlimm. Leider trat dann nach 9 Monaten ein zweiter Anfall ein und seitdem nehme ich Lamictal. Ich arbeite nun nicht mehr und seit langem geht es mir nun auch wieder gut und die Wahrnehmung ist wieder normal. Trotzdem bin ich nun sehr verunsichert was sich auch auf meine Psyche niederschlägt. Und vor allem war ich immer sehr karriereorientiert und möchte auch weiterhin in einem anspruchsvollen Job arbeiten. Wer hat ebenfalls Erfahrungen mit Anfällen nach der Operation?

Re: Epilepsie nach Operation

Anton @, Tuesday, 04.12.2007, 22:20 (vor 6834 Tagen) @ fidela

Hallo,
nach vielen Jahren mit Anfällen bin ich vor 1 1/2 Jahren operiert worden. Danach ist noch nichts wieder gewesen, ich finde aber, die Angst vor Anfällen bleibt. Die Operation habe ich so erlebt, dass mir der Eingriff selbst gar nichts ausgemacht hat, die Zeit danach empfinde ich immer noch als harte Nuss, zumal mir die letzten 10 Jahre vor der OP definitiv fehlen.
Zu Deinem neuerlichen Anfall und den außergewöhnlichen anderen Erscheinungen erlaube ich mir Folgendes zu sagen.
Ich bin mit 25 an Epi erkrankt und habe mich damals gefragt, warum. Die Ärzte haben mir die Schwachstelle, den Auslöser genannt. Ein Fieberkrampf im Kindesalter. Wenn sich heute die Ärzte mein EEG ansehen, ist bei dieser Messung immer noch auffällig die Operationsnarbe. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch noch lange so sein wird. Da ist sie also, die nächste Schwachstelle. Ich bin heute davon überzeugt, dass meine Epi ausgelöst worden ist durch mind. 3 Schwachstellen. 1) der Fieberkrampf, 2) exzessives Leben im Jugendalter, 3) übermäßiger Streß im frühen Erwachsenenalter.
Ich bin heute fast 60 und davon überzeugt, dass ich jedweden Streß zu vermeiden habe, weil ich sonst Gefahr laufe, aufgrund der vorhandenen Schwachstellen wieder Anfälle zu bekommen.
Da ich davon ausgehe, dass Du noch sehr jung bist, sehe ich das vielleicht als "erste Abmahnung" mit dem Anfall, vielleicht manifestiert sich eine Epilepsie erst gar nicht, vielleicht ist es ja ein Gelegenheitsanfall gewesen, wie ihn jeder einmal haben kann. Natürlich muß bei dir die Gesundheit an erster Stelle stehen. Aus meiner Sicht aber ist genauso wichtig, dass Du wieder beruflich integriert wirst. Denn gerade, wenn Du ein ehrgeiziger Mensch bist, ist das ZuHauseSein Gift. Allerding wirst Du dir eine Frage beantworten müssen: "Wie groß darf der berufliche Streß noch werden? Muß ich auf der Hierarchie-Leiter beruflich gesehen ganz oben sein? Für dich würde ich etwas Streßloseres und nicht ganz so Anspruchsvolles für besser halten als Dauerstreß, in dem dann auch wieder die Krankheit Einzug halten kann.
Ich wünsche dir gute Besserung und viel Glück auf neuen Wegen im Berufsleben.
Liebe Grüße
Anton

Re: Epilepsie nach Operation

Deniz @, Wednesday, 05.12.2007, 15:02 (vor 6833 Tagen) @ fidela

Hallo,
ich habe soeben deinen Beitrag gelesen. Es kommt mir alles bekannt vor. Ich habe vor ca. 10 Jahren meinen ersten Anfall bekommen. Mein Umfeld haben mir immer gesagt, dass ich während eines Anfalles nichts wahrnehme, was um mich passiert. Ich wollte es nicht wahrnehmen und habe immer gesagt:" Mir geht es heute nicht gut oder mir ist schwindelig. Dann habe ich einen Arzt aufgesucht, der mir dann mitteilte, dass ich Epilepsie habe. Ich wahr sehr geschockt, wollte es nicht akkzeptieren. Ich habe immer weiter gearbeitet, weil ich meine Krankheit akkzeptieren wollte. Es hat sehr lange gebraucht, dass ich diese Krankheit akkzeptiert habe. Der Stress ist ein großer Faktor. Es sei denn, Du hast in der Kindheit Anfälle bekommen. Ich sehr lange in der Reisebranche gearbeitet, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hatte auch eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit.Also Stress !!!!!
Dann musste ich mit dem Arbeiten aufhören und mehr auf mich achten bzw mit dieser Situation klar kommen. Es ist wirklich nicht einfach. Du musst erst einmal deine Krankheit akkzeptieren und gesund werden. Du musst dir neue Aufgaben sucht, z.B. Hobby, Sport, mit Freunden treffen, etc. Ich bin immer noch dabei. Ich mache seit ca. 2 Jahren Yoga. Da lerne ich meinen Körper kennen und ich merke manchmal, dass ich sehr gestresst bin. Ich werde auch versuchen wieder zu arbeiten, aber jetzt noch nicht. In meiner Reisebranche werde ich leider nicht mehr arbeiten. Ich werde neue Wege gehen. Ich bin noch auf der Suche, aber ich bin schon sehr weit gekommen. Das wünsche ich Dir auch und gute Besserung !
Gruß
Deniz