Phobie

Lisa @, Wednesday, 19.12.2007, 18:38 (vor 6819 Tagen)

Ich hatte nun nach 10jähriger Anfallsfreiheit nach einer Operation, 2 Anfälle. Seitdem geht es mir sehr schlecht und ich leider unter einer ständigen Angst vor neuen Anfällen oder manchmal habe ich auch einfach nur Angst vor der Angst. Dies äußert sich sehr unterschiedlich:

-manchmal habe ich Wahrnehmungsprobleme meiner Umwelt. Obwohl mir alles sehr vertraut ist, fühle ich mich unwohl und habe auch nahezu Panik. Besonders in Supermärkten oder im Bus, wo ich auch meine 2.Anfall hatte, empfinde ich plötzlich eine große Angst und möchte nur noch weg. Wenn ich dann den Supermarkt oder Bus verlasse, geht es mir meist rasch besser. Dies intensiviert sich auch ständig, denn ich meide dann die Orte wo ich diese Angst erlebte.

-ein weiterer Punkt ist die Wahrnehmung von mir selbst. Ich fühle mich dann irgendwie nicht wohl in meiner Haut und oft auch in der dritten Person. Wenn ich in den Spiegel schaue, ist für mich dies nicht so normal wie sonst. Wenn ich z.B. dann etwas mit jemanden rede, rede ich zwar passend und angemessen, aber ich fühle mich ein bißchen wie eine Maschine, und fühle mich nicht mehr so richtig in deren Steuerposition.

-Zudem habe ich eine Schwerpunktwahrnehmung im Kopf. Dies ist jedoch fast ausschließlich bei der Arbeit oder in einem anderen Umfeld, in welchem ich einen Anfall sehr fürchte, der Fall. Ich kontrolliere dann stets meine Gefühle im Kopf und fühle dann auch an unterschiedlichen Stellen im Kopf ein Drücken oder ein anderes Gefühl,wovor ich Angst habe. Ich habe dann auch stets das Bedürfnis an meinen Kopf zu fassen, um zu kontrollieren ob noch alles ok ist. Dies kombiniert sich auch mit Panik.

-hin und wieder habe ich auch ganz plötzlich eine unbeschreibliche Angst (meistens zuhause). Ich kann dann nur noch liegen und meist bessert sich dies dann ca. nach 1-2 Stunden. Selten kombiniert sich dies dann auch mit einem Zucken am rechten Oberschenkel oder einem leichten Zittern wie nach zuviel Cola light. Dies trat bislang nur abends oder nachts auf.

-ich hatte vor der Operation Absencen, die sich darin äußerten, dass ich vor der Absence Wörter, Gegenstände etc plötzlich als sehr fremd wahrnahm und mich fragte warum dieses Wort eigentlich für diese oder jene Bedeutung steht. Dieses Problem habe ich jetzt gar nicht mehr, aber ich erinnere mich hin und wieder daran und fühle mich irgendwie gezwungen, mich zu fragen warum ein Wort nun diese oder jene Bedeutung hat, obwohl dies bei normalem Bewusstsein geschieht.

-ich arbeite nun seit ca. 2 Monaten nicht mehr, und während bis vor ca. einer Woche die eben beschriebenen Punkte so gut wie nicht mehr auftraten, treten sie nun, vor allem die eigene Wahrnehmungsprobleme und der Umwelt wieder verstärkt auf. Dazu sollte ich sagen, dass ich nun seit ca. 1 Woche wieder eine Stellenzusage für Anfang nächsten Jahres habe, und sehr große Angst, dass ich bis dahin nicht wieder einigermaßen normal bin und die Stelle somit bewältigen kann. Außerdem bin ich im Moment ganz alleine und habe gar keinen Kontakt.

Wer hat ähnliche Erfahrungen? Mit Sicherheit ist ein wesentlicher Teil davon durch die Angst bedingt und aus diesem Grunde bin ich nun seit kurzem auch bei einer Psychologin. Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen. Manchmal frage ich mich auch, ob ich vielleicht durch die Angst nur psychisch krank geworden bin.

Re: Phobie

Anne @, Thursday, 20.12.2007, 07:57 (vor 6819 Tagen) @ Lisa

[zitat=Lisa]Ich hatte nun nach 10jähriger Anfallsfreiheit nach einer Operation, 2 Anfälle. Seitdem geht es mir sehr schlecht und ich leider unter einer ständigen Angst vor neuen Anfällen oder manchmal habe ich auch einfach nur Angst vor der Angst. Dies äußert sich sehr unterschiedlich:

-manchmal habe ich Wahrnehmungsprobleme meiner Umwelt. Obwohl mir alles sehr vertraut ist, fühle ich mich unwohl und habe auch nahezu Panik. Besonders in Supermärkten oder im Bus, wo ich auch meine 2.Anfall hatte, empfinde ich plötzlich eine große Angst und möchte nur noch weg. Wenn ich dann den Supermarkt oder Bus verlasse, geht es mir meist rasch besser. Dies intensiviert sich auch ständig, denn ich meide dann die Orte wo ich diese Angst erlebte.

-ein weiterer Punkt ist die Wahrnehmung von mir selbst. Ich fühle mich dann irgendwie nicht wohl in meiner Haut und oft auch in der dritten Person. Wenn ich in den Spiegel schaue, ist für mich dies nicht so normal wie sonst. Wenn ich z.B. dann etwas mit jemanden rede, rede ich zwar passend und angemessen, aber ich fühle mich ein bißchen wie eine Maschine, und fühle mich nicht mehr so richtig in deren Steuerposition.

-Zudem habe ich eine Schwerpunktwahrnehmung im Kopf. Dies ist jedoch fast ausschließlich bei der Arbeit oder in einem anderen Umfeld, in welchem ich einen Anfall sehr fürchte, der Fall. Ich kontrolliere dann stets meine Gefühle im Kopf und fühle dann auch an unterschiedlichen Stellen im Kopf ein Drücken oder ein anderes Gefühl,wovor ich Angst habe. Ich habe dann auch stets das Bedürfnis an meinen Kopf zu fassen, um zu kontrollieren ob noch alles ok ist. Dies kombiniert sich auch mit Panik.

-hin und wieder habe ich auch ganz plötzlich eine unbeschreibliche Angst (meistens zuhause). Ich kann dann nur noch liegen und meist bessert sich dies dann ca. nach 1-2 Stunden. Selten kombiniert sich dies dann auch mit einem Zucken am rechten Oberschenkel oder einem leichten Zittern wie nach zuviel Cola light. Dies trat bislang nur abends oder nachts auf.

-ich hatte vor der Operation Absencen, die sich darin äußerten, dass ich vor der Absence Wörter, Gegenstände etc plötzlich als sehr fremd wahrnahm und mich fragte warum dieses Wort eigentlich für diese oder jene Bedeutung steht. Dieses Problem habe ich jetzt gar nicht mehr, aber ich erinnere mich hin und wieder daran und fühle mich irgendwie gezwungen, mich zu fragen warum ein Wort nun diese oder jene Bedeutung hat, obwohl dies bei normalem Bewusstsein geschieht.

-ich arbeite nun seit ca. 2 Monaten nicht mehr, und während bis vor ca. einer Woche die eben beschriebenen Punkte so gut wie nicht mehr auftraten, treten sie nun, vor allem die eigene Wahrnehmungsprobleme und der Umwelt wieder verstärkt auf. Dazu sollte ich sagen, dass ich nun seit ca. 1 Woche wieder eine Stellenzusage für Anfang nächsten Jahres habe, und sehr große Angst, dass ich bis dahin nicht wieder einigermaßen normal bin und die Stelle somit bewältigen kann. Außerdem bin ich im Moment ganz alleine und habe gar keinen Kontakt.

Wer hat ähnliche Erfahrungen? Mit Sicherheit ist ein wesentlicher Teil davon durch die Angst bedingt und aus diesem Grunde bin ich nun seit kurzem auch bei einer Psychologin. Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte freuen. Manchmal frage ich mich auch, ob ich vielleicht durch die Angst nur psychisch krank geworden bin.[/zitat]

Hallo
Zum einen warst Du schon beim Neurologen? Wenn nicht mache dies schnellstens.
Ich denke das Du Dich zur Zeit übernimmst vorallem durch deine Arbeit. Du schreibst von Ängsten das ist mir schon klar das ist einer seits die Angst vor dem Versagen und vor neuen Anfällen so meine Vermutung. Varallem weil wie Du schreibst schon mal operiert wurdest, ist es jetzt ganz wichtig das Du Dich in ärztlicher Behandlung begibst, notfalls in die Ambulanz einer Epiklinik oder wo du Deine Op hattest.
Ich wünsch Dir alles Gute.
Gruß
Anne

Re: Phobie

Marion44 @, Thursday, 20.12.2007, 18:42 (vor 6818 Tagen) @ Lisa

Hallo Lisa,

Du kannst ja sehr genau und differenziert beschreiben, was du wann und wie als fremd, beängstigend und anders als früher empfindest. Aufgrund deiner Beschreibung kann ich nur vermuten, dass es sich um eine Kombination aus organischen und psychischen Faktoren handelt. Daher ist es gut, dass du eine Psychologin aufgesucht hast.

An Deiner Stelle würde ich aber auch zusätzlich abklären - und das in einer wirklich guten Spezialklinik oder Ambulanz - inwieweit auch organische Veränderungen diese Wahrnehmungen verursachen können. Dabei kann es sich auch durchaus um Wechselwirkungen handeln, denn unser Organismus reagiert ja sowohl psychisch auf organische Veränderungen und umgekehrt - zum Glück und oft zu unserem Schutz kann man sagen.

In Deinem Fall ist es allerdings verständlicherweise kein Glück, sondern du musst aufpassen, dass sich diese Angst und das Fremdheitsgefühl nicht generalisiert, d.h. stabilisiert, sich in Dir "einrichtet", egal ob Ort und Zeit mit realen Erfahrungen damit zu tun haben. Aber im Moment tust du ja etwas dagegen.

Im übrigen ist es ziemlich schwierig wenn man damit allein ist, wie Du schreibst. Gibt es in Deiner Gegend keine SH-Gruppe, wenn du schon keine Angehörigen dort hast?

Ich wünsche Dir das Allerbeste und Erfolg bei der Therapie!

Marion


Re: Re: Phobie

Lisa @, Thursday, 20.12.2007, 19:04 (vor 6818 Tagen) @ Lisa

Hallo Marion und Anne,
vielen Dank für Eure Antworten.
Ich war schon beim Neurologen, allerdings habe ich nicht so ausführlich über die Begleiterscheinungen mit ihm geredet, da ich damals auch dachte, es läge ausschließlich an der Angst bei der Arbeit. Vielen Dank auch für den Tipp mit der Selbsthilfegruppe, wahrscheinlich ist das im Moment wirklich das beste, denn mit meinen Freunden und Bekannten möchte ich darüber nicht reden.
Ich habe auch ein wenig recherchiert ob es sich um eine Schizophrenie handeln könnte, welche hin und wieder bei Epilepsie auftritt. Die Symptome stimmen aber nur in der Wahrnehmungsverzerrung sowie bislang in nur ganz wenigen Situation auch der Verminderung der Denkfähigkeit bei komplexen Zusammenhängen, überein.
Ich wundere mich eigentlich, dass es in diesem Forum nicht mehr Beiträge zur Angst gibt, denn meine Psychologin meinte auch, dass diese relativ häufig auftritt (vermutlich etwas verfälschte Statistik, da nur Patienten, die darunter leiden, auch zu ihr kommen).
Hat hier sonst niemand Ängste vor Anfällen oder auch Verhaltenveränderungen, die aus diesen Ängsten hervorgehen?

Re: Phobie

Anne @, Friday, 21.12.2007, 07:02 (vor 6818 Tagen) @ Lisa

[zitat=Lisa]Hallo Marion und Anne,
vielen Dank für Eure Antworten.
Ich war schon beim Neurologen, allerdings habe ich nicht so ausführlich über die Begleiterscheinungen mit ihm geredet, da ich damals auch dachte, es läge ausschließlich an der Angst bei der Arbeit. Vielen Dank auch für den Tipp mit der Selbsthilfegruppe, wahrscheinlich ist das im Moment wirklich das beste, denn mit meinen Freunden und Bekannten möchte ich darüber nicht reden.
Ich habe auch ein wenig recherchiert ob es sich um eine Schizophrenie handeln könnte, welche hin und wieder bei Epilepsie auftritt. Die Symptome stimmen aber nur in der Wahrnehmungsverzerrung sowie bislang in nur ganz wenigen Situation auch der Verminderung der Denkfähigkeit bei komplexen Zusammenhängen, überein.
Ich wundere mich eigentlich, dass es in diesem Forum nicht mehr Beiträge zur Angst gibt, denn meine Psychologin meinte auch, dass diese relativ häufig auftritt (vermutlich etwas verfälschte Statistik, da nur Patienten, die darunter leiden, auch zu ihr kommen).
Hat hier sonst niemand Ängste vor Anfällen oder auch Verhaltenveränderungen, die aus diesen Ängsten hervorgehen?[/zitat]

Hallo Lisa
Ja Lisa ich kenne das Gefühl auch weil ich es auch hatte, aber ich hab mich nicht verschlossen, was Du zur Zeit wohl machst! Ich kann Dir nur raten rede über Deine Probleme und Sorgen das hilft das kann ich aus eigener Erfahrung! Vor allem mach nicht ein Geheimnis daraus das Du an Epilepsie erkrankt bist das frisst dich sonst auf!! Das ist eine veraltete These das man als Schizophren gehalten wurde... Mach Dich nicht so verrückt sonst wirst du es noch wie Du es Dir der Zeit irgendwie einredest, las das sein!
Such Dir einen lieben Menschen mit dem Du reden kannst das ist sehr wichtig jetzt. Trau Dich einfach mal, und lasse Deinen Gefühlen mal freien Lauf.
Ich wünsche Dir viel Glück und gute Besserung.
Gruß Anne

Re: Re: Re: Phobie

Marion44 @, Friday, 21.12.2007, 20:46 (vor 6817 Tagen) @ Lisa

Hallo Lisa,

aber natürlich kenne ich diese Ängste; sogar sehr gut. Ich habe leider viel zu lange die Erkrankung, so gut es ging, zu verbergen versucht, und da ich kein Extremfall bin (also mit sehr hoher Anfallshäufigkeit), klappte es auch überwiegend.

So habe ich z.B. bei einer Island-Rundreise in Gruppe extra auf einem Einzelzelt bestanden und alle wunderten sich darüber, weil es sonst nicht üblich war. Es war mir aber passiert, dass ich ein Jahr davor in einem Hotel einen schweren nächtlichen Anfall hatte und eine Person dabei war, die zwar nett, aber für mich nicht richtig darauf reagiert hat. Es passierte dann zwar auf der Island-Reise nichts, aber es hätte ja....

Ich könnte sicher einen halben Roman über das Verbergen und Verschweigen schreiben, denn ich bin nun schon nicht mehr die Jüngste und früher gab es weder Selbsthilfegruppen noch Internet und für mich keinerlei Austausch irgendwelcher Art. Familiär gab es auch keine Unterstützung und einen Beruf, der für viele ein Traum ist, den habe ich deshalb nach ein paar Jahren aufgegeben. Nun ja, danach habe ich meinen anderen Beruf auch gerne ausgeübt.

Aber so what... heute kann mir das nicht mehr wirklich schaden. Ich habe das Arbeitsleben hinter mir. Aber wer jetzt Anfang 20 ist und noch berufliche Pläne hat...

Also ich denke, dass der Umgang mit der Epilepsie vielleicht nicht mehr so extrem, aber noch immer zu hohen Anteilen problematisch ist. Du siehst ja, wie viele hier nachfragen, ob sie das nun ihrem Arbeitgeber mitteilen sollen oder nicht und was für Konsequenzen das haben kann usw. Es ist bei wachsender Aufklärung noch immer eine stigmatisierte Krankheit und zu der Fremdstigmatisierung kommt dann zwangsläufig die Selbststigmatisierung. Und zu dem Tatbestand der Anfälle kommt dann die Furcht davor und dann die Angst vor der Furcht... und schlimmstenfalls irgendwann Angst- oder Panikattacken, deren Ursache erst ermittelt werden muss.

Das sind dann unsere sog. Sekundärsymptome, die Neurologen, die nicht auch eine psychotherapeutische Ausbildung haben, selten so richtig realisieren. Mir ist es z.B. heute noch unangenehm, wenn ich nur mein Rezept abholen will und die Sprechstundenhilfe das Medikament laut in den Raum ruft.

Aber ich lese hier auch immer wieder, dasss es andere junge Leute gibt, die offener und besser damit umgehen als ich es lange tat. Und es gibt auch Beziehungen und Ehen, die lange halten. Ich z.B. binde es auch heute nicht jedem auf die Nase, aber ich verschweige es nicht so extrem wie früher. Nur so kann Aufklärung auch von Seiten der Betroffenen passieren.

Also Mut und suche Austausch. Diesbezügliche Ängste erzeugen nur weitere Ängste und bevor man irgendwann in sozialer Isolation endet... dann kann man es besser offen mitteilen. Im schlimmsten Fall wenden sich einzelne Menschen ab. Es gibt jedoch auch Menschen, die damit umgehen können - zum Glück!

Beste Grüße und schöne Feiertage!
Marion