rechtzeitige Tabletteneinnahme

Janet @, Friday, 08.02.2008, 17:48 (vor 6768 Tagen)

Hallo, ich bin heute zum ersten Mal auf der Internetseite und bin total begeistert, wie aktuell die Fragen und Antworten sind. Deswegen stelle ich mal meine erste Frage. Ich lebe mit meinem Partner und seinem Sohn zusammen, der Epilepsie hat (also der Sohn). Wir haben seit Beginn der Epilepsie (seit über 5 Jahren) immer das Problem, dass die Tabletten vergessen werden. Beim dem jetzigen Handy kann man nur 2 Termine zur Erinnerung einstellen, aber wenn das Handy aus ist, dann kann auch keine Erinnerung erfolgen. Für Euch ist das vielleicht lächerlich, aber für uns ein echtes Problem, da wir ja nicht den ganzen Tag auf die Einnahme achten können. Habt Ihr vielleicht einen (ganz leichten) Trick, wie Ihr auf die rechtzeitige Einnahme achtet? Vielen Dank für die Hilfe
Janet

Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Annafried @, Friday, 08.02.2008, 18:02 (vor 6768 Tagen) @ Janet

Es ist die Frage, wie oft er die Tabletten am Tag einnehmen muss. Sind es drei Termine am Tag, dann ist es so, dass ja das vorhandene Handy wie du sagst nicht mehr ausreicht.

Evtl. habt ihr ja ein zweites Handy, das ihr ja auch noch einschalten könnt bei Bedarf.

Außerdem gibt es da noch bei Kaufhof ganz gute Zeitmesser mit Erinnerungsfunktion zur Tabletteneinnahme für ca. 99 Euro. So was hab ich mir mal gekauft. Stammt von der Firma Seiko. Ist allerdings ein japanisches Produkt. Das kannst du selber dann Besprechen. Das erinnert dich dann zum gewünschten Termin mit deiner selbst aufgenommenen Ansage.

Du nimmst z.B. auf: Bitte jetzt die Tabletten einnehmen!
Das ist eine hervorragende Sache, kann ich jedem nur empfehlen.

Gruß aus
Paderborn

die Annafried

Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Julia Höhe @, Friday, 08.02.2008, 20:43 (vor 6768 Tagen) @ Janet

Hallo Janet,
wie alt ist denn der Sohn von deinem Partner??? Geht er schon zur Schule????

Sollte er schon in die Schule gehen ist es nun eure Aufgabe, insbesondere die des Vaters, da du ja, wenn ich es richtig verstanden habe, nicht die leibliche Mutter bist, ihm begreiflich zu machen warum er das Zeug nehmen musss. Dies geht nur durch ehrliche Aufklärung.
Somit weckt ihr das Verständnis für diese Medikamente und wenn der Junge weiss warum er es nimmt.
Gute Erklärungsansätze sind z. B. "Wenn du die Tabletten schuckst, kannst du verhindern dass du Anfälle bekommst. Du darfst dann z. B
somit auch mit ins Schwimmbad darf, Fahrrad fahren, Fußball spielen, eben alle Sachen die mit Anfällen nur eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich sind. Dann wird er die Tabletten freiwillig schlucken. Welcher Junge, mag es den nicht, mit seinen Freunden unterwegs zu sein??? --Will und soll ja keine Sonderegelungen bekommen.
Wenn er älter wird wird es dann Zeit (Pupertät) für den medizinischen Hintergrund, einfach um die Krankheit zu verstehen und somit die Einschränkungen besser zu akzeptieren.

Alles Andere kannst du knicken, da es auf Ablehnung und unverständnis stößt.
Ich sprech diesbezüglich aus Erfahrung, habe meine Epi schon von klein auf (bin fast 25).

Hoffe ich konnte dir, deinem Partner und dem Kleinen weiterhelfen.
Viel Erfolg und lasst euch nicht unterkriegen

Gruß
Julia Höhe


zitat=Janet]Hallo, ich bin heute zum ersten Mal auf der Internetseite und bin total begeistert, wie aktuell die Fragen und Antworten sind. Deswegen stelle ich mal meine erste Frage. Ich lebe mit meinem Partner und seinem Sohn zusammen, der Epilepsie hat (also der Sohn). Wir haben seit Beginn der Epilepsie (seit über 5 Jahren) immer das Problem, dass die Tabletten vergessen werden. Beim dem jetzigen Handy kann man nur 2 Termine zur Erinnerung einstellen, aber wenn das Handy aus ist, dann kann auch keine Erinnerung erfolgen. Für Euch ist das vielleicht lächerlich, aber für uns ein echtes Problem, da wir ja nicht den ganzen Tag auf die Einnahme achten können. Habt Ihr vielleicht einen (ganz leichten) Trick, wie Ihr auf die rechtzeitige Einnahme achtet? Vielen Dank für die Hilfe
Janet[/zitat]

Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

frank @, Saturday, 09.02.2008, 07:24 (vor 6768 Tagen) @ Janet

[moin moin janet. ich bin frank und muss den anderen recht geben.ich leide aeit 18 jahren an der sache und hatte am anfang die selben probleme.die sache mit dem gerät ist gut.ich habe es am anfang auch oft vergessen und habe mir dann ein zeichen im bad an den spiegel gehänkt was mir nach einiger zeit die routine gegeben hat.probier es mit allem was die mädels und jungs dir vor schlagen eins davon klappt.alles gute für euch und wir sind alle für euch da ok.gruss von der ostsee frank

Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Janet @, Saturday, 09.02.2008, 11:57 (vor 6767 Tagen) @ Janet

vielen Dank für Deine Anregung. Wir werden uns mal um einen Zeitmesser kümmern. Die Tabletten müssen derzeit 3x am Tag eingenommen werden, teilweise 4-5x. Das Problem ist, dass die Epilepsie einfach nicht akzeptiert wird. Ich habe ihn schon auf diese Internetseite aufmerksam gemacht - er lehnt es aber ab, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Vielen Dank und Gruß aus Kiel

Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Janet @, Saturday, 09.02.2008, 12:03 (vor 6767 Tagen) @ Janet

Hallo Julia,
der Sohn ist - nicht erschrecken 21 Jahre alt und ist derzeit in der Ausbildung (leider auch mit Anfällen). Wir versuchen nun schon 5 Jahre, das Thema an ihn heranzubringen. Er blendet jedoch alles unangenehme aus und macht sich keine Gedanken. Die Tabletten lehnt er grundsätzlich ab und sieht es nicht als Hilfe an. Anders können wir uns das nicht erklären. Leider ist er auch nicht der Typ, der viel unternimmt, so dass ihn die Epilepsie bei irgendwelchen Treffen mit Freunden auch nicht einschränkt.
Ich würde mich freuen, wenn er diese Internetseite für sich nutzen würde. Sein Argument ist allerdings, dass er nicht so richtige Anfälle hätte und dann ist das Thema für ihn erledigt. Aber ich werde es weiterhin versuchen.
Es freut mich, dass mir so schnell und zahlreich geantwortet wurde.
Vielen Dank dafür
Janet
Ich sprech diesbezüglich aus Erfahrung, habe meine Epi schon von klein auf (bin fast 25).

Hoffe ich konnte dir, deinem Partner und dem Kleinen weiterhelfen.
Viel Erfolg und lasst euch nicht unterkriegen

Gruß
Julia Höhe


zitat=Janet]Hallo, ich bin heute zum ersten Mal auf der Internetseite und bin total begeistert, wie aktuell die Fragen und Antworten sind. Deswegen stelle ich mal meine erste Frage. Ich lebe mit meinem Partner und seinem Sohn zusammen, der Epilepsie hat (also der Sohn). Wir haben seit Beginn der Epilepsie (seit über 5 Jahren) immer das Problem, dass die Tabletten vergessen werden. Beim dem jetzigen Handy kann man nur 2 Termine zur Erinnerung einstellen, aber wenn das Handy aus ist, dann kann auch keine Erinnerung erfolgen. Für Euch ist das vielleicht lächerlich, aber für uns ein echtes Problem, da wir ja nicht den ganzen Tag auf die Einnahme achten können. Habt Ihr vielleicht einen (ganz leichten) Trick, wie Ihr auf die rechtzeitige Einnahme achtet? Vielen Dank für die Hilfe
Janet[/zitat][/zitat]

Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Janet @, Saturday, 09.02.2008, 12:06 (vor 6767 Tagen) @ Janet

Moin moin Frank,
Danke für Deine Antwort. Mir hat es schon gut getan, einfach alles aufzuschreiben, denn es nervt einfach. Vielleicht klappt es mit diesem Zeitmesser - da werden wir uns mal informieren. Ich werde dann berichten.
Ebenfalls Grüße von der Ostsee aus Kiel
Janet

Re: Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Julia Höhe @, Saturday, 09.02.2008, 20:48 (vor 6767 Tagen) @ Janet

Hallo Janet,
ich kenne deine Situation recht gut und kann es nachvollziehen dass sie anstrengend ist.

Mein Kumpel geht es so wie "deinem Sohn". Er hatte in der Kindheit keine Anfälle und kam dann auf die Idee die Tabletten weg zu lassen. Das ging dann schief. Er musste lernen die Epilepsie zu akzeptieren, wie "dein" Sohn. Als er dass kapiert hatte, mit 23 Jahren, da hats klick gemacht und er nahm und nimmt heute seine Medikamente ohne Wiederrede.

Da kann man nicht mehr tun, als die Leute zu verstehen, immer wieder auf die Vorteile aufmersam zu machen, z. B. du darfst dann Auto fahren... und zur Not müssen sie dann halt ins kalte Wasser geworfen werden, auch wenns schmerzlich ist. Gibt halt solche Menschen, die das brauchen.

Ich wünsche dir viel Kraft und Durchhaltevermögen, diese Situation zu meistern.
Du schaffst dass und irgendwann wird auch er erkennen dass die Medikamenteneinnahme auch Vorteile hat.

Gruß Julia Höhe


[zitat=Janet]Hallo Julia,
der Sohn ist - nicht erschrecken 21 Jahre alt und ist derzeit in der Ausbildung (leider auch mit Anfällen). Wir versuchen nun schon 5 Jahre, das Thema an ihn heranzubringen. Er blendet jedoch alles unangenehme aus und macht sich keine Gedanken. Die Tabletten lehnt er grundsätzlich ab und sieht es nicht als Hilfe an. Anders können wir uns das nicht erklären. Leider ist er auch nicht der Typ, der viel unternimmt, so dass ihn die Epilepsie bei irgendwelchen Treffen mit Freunden auch nicht einschränkt.
Ich würde mich freuen, wenn er diese Internetseite für sich nutzen würde. Sein Argument ist allerdings, dass er nicht so richtige Anfälle hätte und dann ist das Thema für ihn erledigt. Aber ich werde es weiterhin versuchen.
Es freut mich, dass mir so schnell und zahlreich geantwortet wurde.
Vielen Dank dafür
Janet
Ich sprech diesbezüglich aus Erfahrung, habe meine Epi schon von klein auf (bin fast 25).

Hoffe ich konnte dir, deinem Partner und dem Kleinen weiterhelfen.
Viel Erfolg und lasst euch nicht unterkriegen

Gruß
Julia Höhe


zitat=Janet]Hallo, ich bin heute zum ersten Mal auf der Internetseite und bin total begeistert, wie aktuell die Fragen und Antworten sind. Deswegen stelle ich mal meine erste Frage. Ich lebe mit meinem Partner und seinem Sohn zusammen, der Epilepsie hat (also der Sohn). Wir haben seit Beginn der Epilepsie (seit über 5 Jahren) immer das Problem, dass die Tabletten vergessen werden. Beim dem jetzigen Handy kann man nur 2 Termine zur Erinnerung einstellen, aber wenn das Handy aus ist, dann kann auch keine Erinnerung erfolgen. Für Euch ist das vielleicht lächerlich, aber für uns ein echtes Problem, da wir ja nicht den ganzen Tag auf die Einnahme achten können. Habt Ihr vielleicht einen (ganz leichten) Trick, wie Ihr auf die rechtzeitige Einnahme achtet? Vielen Dank für die Hilfe
Janet[/zitat][/zitat][/zitat]

Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

"Leben mit Epilepsie" ⌂ @, Sunday, 10.02.2008, 01:59 (vor 6767 Tagen) @ Janet

Hallo Janet,

für die Erinnerung an Tablettenzeiten gibt es zwei Herrenarmbanduhren von Casio

mit 5 einstellbaren Weckzeiten

kosten ca. 40,-

http://www.uhrcenter.de/uhren/casio/e-databank/db361avef_herrenuhr/index.htm
http://www.uhrcenter.de/uhren/casio/e-databank/db_360n_1aef_data/index.htm

mit Telefonbuch, Timer und Stopuhr, etc.

Sollte auch für einen 21jährigen noch cool sein.

Zur Akzeptanz der Krankheit:
Sehr schwer. In diesem Alter möchte man die Welt erobern bzw. alles ausprobieren was nur möglich ist. Man möchte bewußt mit seinen Taten an Grenzen stoßen und sich nicht durch Epilepsie eingrenzen lassen. Also hat mein keine Krankheiten - erst wenn man wieder Anfälle hat - aber die sind ja meist nur von kurzer Dauer.

Gibt es eine Selbsthilfegruppe in eurer Nähe?

Schleppt ihn hin, es könnte Wunder wirken, wenn er hört was andere für eine Art von Epilepsie haben.
Auch wenn er erfahren würde, daß sich Epilepsie ändern kann. Aus kleinen Anfällen können auch große werden.
- Und wie wichtig eine regelmäßige Tabletteneinnahme ist.


LG
Ragnar

Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

Janet @, Wednesday, 13.02.2008, 15:58 (vor 6763 Tagen) @ Janet

Ich danke Euch allen für die vielen Tips und Anregungen. Inzwischen existiert schon ein Timer zur Unterstützung - mal sehen, wie lange das hilft. Der Tip mit der Selbsthilfegruppe ist gut. Wir haben auch schon einmal überlegt, zu so einer Gruppe zu gehen. Es ist ja nicht nur die Tabletteneinnahme. Man hat auch Angst, wenn der Ausbildungsplatz verlorengeht und so weiter.
Nochmals vielen Dank - das Forum wird jetzt mein und vielleicht auch Marc`s Begleiter.
Liebe Grüße
Janet

Re: Re: Re: rechtzeitige Tabletteneinnahme

cebra @, Thursday, 14.02.2008, 09:32 (vor 6763 Tagen) @ Janet

Hallo Janet,
die Idee mit der Selbsthilfegruppe ist schon mal ganz gut. Aber die Teilnahme an einer MOSES-Schulung wäre optimal (Modulares Schulungsprogramm Epilepsie, www.moses-schulung.de)So etwas gibt es vielleicht in eurer Nähe. Dort lernt er viel über die Erkrankung und vor allem, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen und ein "mündiger Patient" zu werden.
Viel Glück!
Cebra