Meine ersten Anfälle

Gunnar @, Thursday, 21.02.2008, 19:32 (vor 6755 Tagen)

Hallo,

ich bin 29 Jahre alt und war bis vor einem halben Jahr kerngesund. Bis zum 08.11. letzten Jahres... ich wurde an einem Treppenabsatz ohnmächtig und stürzte in den Zwischenstock, wo ich mit dem linken Auge auf die Ecke einer Kommode stürzte. Das Ergebnis war ein zertrümmerter Schädel und eine Gehirnerschütterung. Letzten Sonntag lag ich auf dem Sofa und schaute fern... und wurde wieder ohnmächtig.

Nach beiden Ohnmachtsanfällen wachte ich zwar auf, kam aber nicht sofort zu mir... ich habe zuerst wie ein Tier gebrüllt und war dann absolut verwirrt. Beide Male wollte ich irgendwas tun, was in einem Zusammenhang zu dem stand, was vor der Ohnmacht war (Beim ersten Male unbedingt autofahren, denn ich war gerade auf dem Weg zu meinem Auto und beim zweiten Male "Verbrecher fangen", denn ich habe mir am Sonntag "Der Wixxer" angeschaut). Nach dem ersten Anfall ging es mir verständlicherweise nicht gut... aber auch am Sonntag fühlte ich mich sehr, sehr schlecht. Gefolgt von einem heftigen Muskelkater am Montag.

Am Dienstag war ich beim Neurologen... der hat mir eröffnet, dass es sich wahrscheinlich um Epilepsie handelt.

Er verbot mir das Autofahren und hat mich krank geschrieben... und jetzt zu meinem eigentlich größten Problem: Ich bin (war) im Aussendienst.

Und jetzt die vielen, vielen Fragen, die sich mir aufdrängen:

Welche Tätigkeiten werde ich noch ausüben können (ich bin Groß- und Außenhandelskaufmann)? Werde ich schwerbehindert sein? Und wenn ja, kann man durch diese Behinderung evtl. auch einen Vorteil bei Arbeitgebern haben, bzgl. der Quote von Schwerbehinderten im Unternehmen (denn ich fühle mich eigentlich nicht behindert)?

Wie sind hier Eure Erfahrungen?

Schon mal ein dickes Danke im Voraus,

lg,

Gunnar

Re: Meine ersten Anfälle

Anton @, Thursday, 21.02.2008, 19:51 (vor 6755 Tagen) @ Gunnar

Hallo Gunnar,
bedauerlich, was Du alles in der letzten Zeit erleben musstest. Aber die Zeit zwischen 20 und 30 ist ein typisches Alter, um an Epilepsie zu erkranken. Meistens sind dafür aber schon zuvor "Schwachstellen" geschaffen worden. Z. B. ein Fieberkrampf im Kindesalter, längeres exzessives Leben, Abusus nach vorheriger Nahme von Alkohol, Drogen oder starken Medikamenten.
Aus meiner Sicht sollte zuerst ein Facharzt, ein guter Epileptologe, das Krankheitsbild und die Art der Epilepsie abklären. Nur so kann dir medikamentös erfolgreich geholfen werden.
Mit dem Autofahren wird zuerst einmal Schluss sein. Die Richtlinien "Epilepsie und Führerschein" findest Du auf dieser Seite.
Ein Schwerbehindertenausweis würde ich mir nur besorgen, wenn die derzeitige Stelle bombensicher ist. Wenn Du beabsichtigst, demnächst die Stelle zu wechseln, solltest Du die Finger von diesem Ausweis lassen, weil es sehr schwierig ist, als Schwerbehinderter überhaupt Arbeit zu finden. Die zu erfüllenden Quoten werden von den Arbeitgebern lieber durch geringe Zahlungen erfüllt, als Angestellte einzustellen, die nur Verpflichtungen einbringen und deren Sonderrechte erfüllt werden müssen. Außerdem kann einem Angestellten mit Ausweis nur mit der Zustimmung des Versorgungsamtes gekündigt werden.
Ich hoffe, dass es dir bald wieder besser geht, wünsche gute Gesundheit und viel Glück.
Herzliche Grüße
Anton

Re: Re: Meine ersten Anfälle

Gunnar @, Friday, 22.02.2008, 01:22 (vor 6755 Tagen) @ Anton

Danke, Anton.

Die Stelle werde ich wohl zwangsläufig wechseln müssen, denn als Außendienstler ist Mobilität unablässig...

Ironischerweise kann ich mir, bzgl. meines Lebenswandels, keine Vorwürfe machen... ich rauche zwar, aber das wars auch schon... also, ich trinke nicht übermäßig und illegale Drogen sind für mich ohnehin tabu.

Tja, dann ist das wohl Schicksal.

Was ich nun wissen möchte ist, welche Jobs kommen für mich, so ich denn Epileptiker bin, in Frage? Also, worauf sollte ich mich bewerben?

Re: Meine ersten Anfälle

Rose @, Friday, 22.02.2008, 11:31 (vor 6754 Tagen) @ Gunnar

[zitat=Gunnar]Hallo,

ich bin 29 Jahre alt und war bis vor einem halben Jahr kerngesund. Bis zum 08.11. letzten Jahres... ich wurde an einem Treppenabsatz ohnmächtig und stürzte in den Zwischenstock, wo ich mit dem linken Auge auf die Ecke einer Kommode stürzte. Das Ergebnis war ein zertrümmerter Schädel und eine Gehirnerschütterung. Letzten Sonntag lag ich auf dem Sofa und schaute fern... und wurde wieder ohnmächtig.

Nach beiden Ohnmachtsanfällen wachte ich zwar auf, kam aber nicht sofort zu mir... ich habe zuerst wie ein Tier gebrüllt und war dann absolut verwirrt. Beide Male wollte ich irgendwas tun, was in einem Zusammenhang zu dem stand, was vor der Ohnmacht war (Beim ersten Male unbedingt autofahren, denn ich war gerade auf dem Weg zu meinem Auto und beim zweiten Male "Verbrecher fangen", denn ich habe mir am Sonntag "Der Wixxer" angeschaut). Nach dem ersten Anfall ging es mir verständlicherweise nicht gut... aber auch am Sonntag fühlte ich mich sehr, sehr schlecht. Gefolgt von einem heftigen Muskelkater am Montag.

Am Dienstag war ich beim Neurologen... der hat mir eröffnet, dass es sich wahrscheinlich um Epilepsie handelt.

Er verbot mir das Autofahren und hat mich krank geschrieben... und jetzt zu meinem eigentlich größten Problem: Ich bin (war) im Aussendienst.

Und jetzt die vielen, vielen Fragen, die sich mir aufdrängen:

Welche Tätigkeiten werde ich noch ausüben können (ich bin Groß- und Außenhandelskaufmann)? Werde ich schwerbehindert sein? Und wenn ja, kann man durch diese Behinderung evtl. auch einen Vorteil bei Arbeitgebern haben, bzgl. der Quote von Schwerbehinderten im Unternehmen (denn ich fühle mich eigentlich nicht behindert)?

Wie sind hier Eure Erfahrungen?

Schon mal ein dickes Danke im Voraus,

lg,

Gunnar[/zitat]

Hallo Gunnar,

meinem Mann geht es ähnlich, er hatte mit 24 den ersten Anfall, mit 29 den zweiten. Er war nach dem ersten Anfall fast drei Monate ausser Gefecht, jetzt nur drei Wochen. Ich denke, man kann auch mit Epilepsie ein ganz "normales" Leben führen, einen Innendienstjob annehmen, denn das Problem mit dem Fahrverbot kommt leider nach jedem Anfall. Meinem Mann geht das auch ziemlich auf die Nerven, aber wir achten darauf, dass er regelmäßig schläft, an die frische Luft kommt, kaum Alkohol trinkt etc., damit keine neuen Anfälle kommen. Das wichtigste ist ein guter Arzt, auf den man sich verlassen kann. Wir können die Klinik in Kehl-Kork nur empfehlen. Und man sollte im Job darauf achten, dass man nicht als "der Kranke" behandelt wird, aber trotzdem auf regelmäßige Pausen etc. achtet.

Wünsche Dir viel Gesundheit und Glück bei der Jobsuche!

Viele Grüße,
Rose