angst

jule @, Saturday, 23.02.2008, 10:01 (vor 6754 Tagen)

jemand aus meiner klasse hatte gestern auf dem schulhof einen anfall ich hatte ihn 2 minuten vorher noch angeschrien dann stand er neben uns und ich hab im augenwinkel gesehen wie er einfach umgefallen ist dann lag er und verkrampfte sich zuckungen an armen und beinen seine lippen und zunge wurden mit einem mal blau...als der anfall los ging hab ich gesagt das jemand seine beine unter den kopf legen soll und dann stabile seitenlage ich selbst konnte ihn nicht anfassen da ich ein halbes jahr in so einer anstalt gearbeitet hab und da schon immer schiss hatte.es war einfach nur schrecklich ihn zu sehen wie er nach luft schnappte und immer mehr zu zucken anfing doch dann plötzlich war alles vorbei er lag da und atmete für ca.3sekunden überhaupt nicht lag einfach da wie tot.auch wenn ich ihn nicht leiden kann in dem moment gestern hatte ich richtig angst um ihn ich dachte das ich gleich jemanden sterben seh.der ganze tag war furchtbar ich hab ständig die bilder im kopf wie er umfiel die zuckungen und dann das ruhige da liegen...meine frage ist nun da ich mir vorwürfe mache weil ich ihn so angeschrien hab kann das damit zusammen hängen oder sind die anfälle nicht emotionsbedingt???ihr würdet mir sehr helfen wenn ihr hier drauf was schreibt...danke im voraus...jule

Re: angst

nicole @, Saturday, 23.02.2008, 10:54 (vor 6753 Tagen) @ jule

Hallo Jule,

also erstmal bist du sicherlich nicht Schuld daran, das er nen Anfall bekommen hat. Ich bin selber Epileptikerin (mit mehreren verschiedenen Sorten von Anfällen).
Was natürlich sein kann ist das sein Gehirn vorher schon durch irgendwelche Ereignisse eine gewisse Spannung aufgebaut hatte und durch euren Streit sozusagen das berühmte Fass zum überlaufen gebracht hat und das in den Anfall mündete. Aber mach dir da keine Vorwürfe. Nur weil du ihn angeschrieen hast hat er den Anfall sicherlich nicht bekommen.
Wenns dir hilft, dann rede mit ihm darüber.

Lieben Gruß
Nicole

Re: angst

jule @, Saturday, 23.02.2008, 11:12 (vor 6753 Tagen) @ jule

hallöchen..danke das du so schnell geantwortet hast.ich kann nicht mit ihm reden er is im kh und so wie es aussieht kommt er da ne so schnell wieder raus fakt is das er die lehre abbrechen musss...schade wir haben in 4 monaten abschluss prüfungen.wie gesagt ich kann ihn nicht besonders gut leiden.wegen schuldgefühlen die ganze klasse mobt ihn größtenteils manchmal nehm ich ihn in schutz so wie beim letzten mal in der schule da hat ne lehrerin zu ihm gesagt das er behindert is und in der klasse nix zu suchen hat da bin ich durchgedreht er saß heulend auf seinem stuhl und ich bin vor zur lehrerin und hab sie gefragt ob sie sich noch merkt und das die dummm is wie hundert meter feldweg und ob sie mal paar geschossen braucht hab sie halt ziehmlich fertig gemacht glaub sie hat jetz auch bissl angst vor mir...ich find so was respektlos und wenns nach mir gänge würde ich die frau rausschmeißen.jemanden auf seine behinderung zurückzustufen is einfach dumm.aber ich kann robert deswqegen nicht leiden weil er vorm reden nicht nachdenkt und sinnloses zeug erzählt weiß nicht ob das mit der krankheit zu tun hat oder nicht er fühlt sich manchmal auch so groß und tut so als wüsste er alles das nervt schon.

Re: Re: angst

Anton @, Saturday, 23.02.2008, 11:44 (vor 6753 Tagen) @ jule

Hallo Jule,
das ist das, was uns Epilepsiekranken so belastet: Wir bekommen von unseren Anfällen meistens nichts mit und lösen bei Dritten Angst durch die Anfälle aus. Mir geht es zumindestens so.

Du musst auf keinen Fall Deinem Kumpel gegenüber ein schlechtes Gewissen haben. Denn Du hast alles, aber auch alles genau richtig gemacht. Du solltest dir keine Vorwürfe machen, das belastet dich nur.

Du kannst wirklich beruhigt sein, ich finde es beachtenswert, was Du geleistet hast. So wie Du uns Deine Lehrerin schilderst, könnte sie sich davon noch eine Scheibe abschneiden. Sie liegt mit ihrem Benehmen völlig daneben.

Ich wünsche dir, dass Du diesen Schock sehr schnell überwindest. Vielleicht kannst Du mit Deinen Eltern oder Freunden darüber sprechen, manchmal hilft es, sich mit Außenstehenden auszutauschen. Du solltest so weitermachen.
Ich wünsche dir viel beruflichen Erfolg und stets gute Gesundheit.
Herzliche Grüße
Anton

Re: Re: Re: angst

jule @, Saturday, 23.02.2008, 13:00 (vor 6753 Tagen) @ jule

hallo anton...der gestrige tag war so schrecklich ich hab versucht abzuschalten aber egal wo ich hingesehen hab überall hab ich nur gesehen wie er da lag...bin auf sofa eingeschlafen und hab davon geträumt dann bin ich aufgewacht weil mein freund neben mir war und mich gerüttelt hat er meinte ich hätte gezuckt und immer robert gerufen mir is das peinlich weil ich ja nichts positives getraümt hab und mein freund denkt ich träum von andern jungs...dann bin ich draussen gewesen und hab eine geraucht es war dunkel und ich hab vor mir jemanden liegen gesehen das is alles ziehmlich schwer für mich und ich werd bestimmt noch ne weile brauchen um das geschehene zu verarbeiten...es hilft mir schon das ich hier schreiben kann und jemand antwortet..danke euch...lg jule

Re: Re: Re: Re: angst

nicole @, Saturday, 23.02.2008, 15:50 (vor 6753 Tagen) @ jule

Hallo Jule,
das was diese Lehrerin da von sich gegeben hat ist echt unter aller Kanone um es mal vorsichtig auszudrücken. Die scheint echt ihren Beruf verfehlt zu haben. Dir muss ich ein Kompliment machen. A) hast du gestern alles richtig gemacht und B) das du dich trotz allem für deinen Schulkollegen eingesetzt hast bei der Lehrerin, dazu gehört sehr viel Courage.

Ich möchte dir trotzdem den guten Rat geben, rede mit deinem Freund über das gestern geschehene und sag ihm das du davon geträumt hast, als er dich dann geweckt hat.

Ich kann zwar nur von mir reden, aber ich glaube auch anderen Epileptikern geht es so, das sie einfach versuchen so normal wie möglich zu sein und die gleiche Leistung zu bringen bzw. bessere Leistungen um sich gleichwertig wie ein "gesunder Mensch" zu fühlen.

Lieben Gruß
Nicole

Re: angst

Marion44 @, Saturday, 23.02.2008, 19:13 (vor 6753 Tagen) @ jule

[zitat=jule]jemand aus meiner klasse hatte gestern auf dem schulhof einen anfall ich hatte ihn 2 minuten vorher noch angeschrien dann stand er neben uns und ich hab im augenwinkel gesehen wie er einfach umgefallen ist dann lag er und verkrampfte sich zuckungen an armen und beinen seine lippen und zunge wurden mit einem mal blau...als der anfall los ging hab ich gesagt das jemand seine beine unter den kopf legen soll und dann stabile seitenlage ich selbst konnte ihn nicht anfassen da ich ein halbes jahr in so einer anstalt gearbeitet hab und da schon immer schiss hatte.es war einfach nur schrecklich ihn zu sehen wie er nach luft schnappte und immer mehr zu zucken anfing doch dann plötzlich war alles vorbei er lag da und atmete für ca.3sekunden überhaupt nicht lag einfach da wie tot.auch wenn ich ihn nicht leiden kann in dem moment gestern hatte ich richtig angst um ihn ich dachte das ich gleich jemanden sterben seh.der ganze tag war furchtbar ich hab ständig die bilder im kopf wie er umfiel die zuckungen und dann das ruhige da liegen...meine frage ist nun da ich mir vorwürfe mache weil ich ihn so angeschrien hab kann das damit zusammen hängen oder sind die anfälle nicht emotionsbedingt???ihr würdet mir sehr helfen wenn ihr hier drauf was schreibt...danke im voraus...jule[/zitat]


Hallo Jule,

zuerst schließe ich mich mal dem Lob der Anderen über Dein Verhalten an. Die Lehrerin ist als Pädagogin da wohl fehl am Platze und bräuchte eine Fortbildung. Schließlich gibt es in fast allen Berufen Menschen mit Epilepsie - selbst bei Lehrern (sofern die Epi gut unter Kontrolle ist).

Aber ich möchte noch 2 andere Dinge sagen: Das Verhalten desjenigen (also Robert) mit der Epilepsie kann möglicherweise daher kommen, dass ihn selbst seine Krankheit sehr verunsichert, er sich daher ungeschickt verhält und dann wenig Freunde hat. So manch einer, der mit dieser Krankheit leben muss, hat besonders in jungen Jahren verständlicherweise selbst große Probleme damit. Epi ist immer noch weniger akzeptiert und macht anderen Menschen mehr Angst als z.B. eine leichte Spastik, eine Diabetis oder eine Körperbehinderung. Es sieht bei einem großen Anfall eben schlimmer aus als es ist. Und der Anfallskranke bekommt während des Anfalls ja nicht mit, was mit ihm passiert und wie es für die Anderen aussieht. Zudem ist auch vieles beim Umgang des Betroffenen mit Epi davon abhängig, wie die eigene Familie damit umgeht und das geht von Ignorieren bis zum Überbehüten.

Dann aber noch zu Deinem Schock (in dem du ja toll reagiert hast!). Es gibt Erfahrungen im Leben, die dauern in der Verarbeitung einfach länger. Ich habe z.B. als junge Frau mal ein paar Wochen ungelernt in einem Altenpflegeheim gearbeitet. In den ersten 2 Tagen sind dort 3 Personen gestorben und später noch weitere. Ich konnte am ersten Tag nichts essen, musste ständig daran denken, träumte nachts davon und hatte das Bedürfnis Anderen davon erzählen, - bis sie es nicht mehr hören konnten :-) Das nahe Mitbekommen eines Anfalls ist auch anfangs eine Art Schock für die Beobachter. Erlebt man so etwas öfter, geht man ganz gelassen damit um. Nimm es als eine Erfahrung, die Dich lehrt, was es im Leben so alles geben kann. Und wenn du irgendwo dem mal wieder begegnest, dann hast du schon etwas Kompetenz und weisst worum es sich handelt.
Bleib wie du bist, denn Dein Empfinden für Gerechtigkeit scheint gut entwickelt zu sein :-)

Übrigens gibt es eine Verwandtschaft zwischen Migräne und Epilepsie. Bei Migräne würde niemand so stigmatisiert werden.

Dir alles Gute!

Re: Re: angst

"Leben mit Epilepsie" ⌂ @, Sunday, 24.02.2008, 05:47 (vor 6753 Tagen) @ jule

[zitat=Marion44]Hallo Jule,
zuerst schließe ich mich mal dem Lob der Anderen über Dein Verhalten an.

Die Lehrerin ist als Pädagogin da wohl fehl am Platze und bräuchte eine Fortbildung. [/zitat]


Lehrer sind keine Pädagogen, sie werden nur fälschlicherweise so bezeichnet.
Lehrer werden auf ihre Lehrfächer z.B.Deutsch Mathe Englisch ausgebildet und machen nur 2-3 "Sitzscheine" in Pädagogik - mit Pädagogik hat dies nichts zu tun.

Lg Ragnar

Re: Re: Re: angst

Marion44 @, Sunday, 24.02.2008, 17:49 (vor 6752 Tagen) @ jule

[zitat="Leben mit Epilepsie"][zitat=Marion44]Hallo Jule,
zuerst schließe ich mich mal dem Lob der Anderen über Dein Verhalten an.

Die Lehrerin ist als Pädagogin da wohl fehl am Platze und bräuchte eine Fortbildung. [/zitat]


Lehrer sind keine Pädagogen, sie werden nur fälschlicherweise so bezeichnet.
Lehrer werden auf ihre Lehrfächer z.B.Deutsch Mathe Englisch ausgebildet und machen nur 2-3 "Sitzscheine" in Pädagogik - mit Pädagogik hat dies nichts zu tun.

Lg Ragnar[/zitat]


Das ist mir bekannt Ragnar, jedoch gibt es auch Lehrer, die eine pädagogische Begabung haben und sich auch dementsprechend weiterbilden. Wissen vermitteln verlangt immer nach Methodik und Didaktik und daher sind sie immer auch Pädagogen, entweder gute oder schlechte. Und diese Lehrerin scheint wohl über ihr Fachwissen zu verfügen, ist aber wohl ein Mensch mit wenig empathischen Fähigkeiten und keine gute Pädagogin. Warum hängst du dich so an dem Wort Pädagogik auf? Selbst schlechte Erfahrungen gemacht?

Re: Re: Re: Re: angst

"Leben mit Epilepsie" @, Monday, 25.02.2008, 07:03 (vor 6752 Tagen) @ jule

[zitat=Marion44].. pädagogische Begabung haben. Wissen vermitteln verlangt immer nach Methodik und Didaktik und daher sind sie immer auch Pädagogen[/zitat]

Pädagogische Begabung und 1 Sitzschein in Methodik und 1 Sitzschein in Didaktik ergeben leider keinen Pädagogen.

Zu "Pädagoge" gehört ein Vollzeitstudium an einer FH oder Uni, aber halt keine 2-3 "Sitzscheine" von einem Vollzeitstudium

LG

Ragnar

Re: Re: Re: angst

Angsthase @, Monday, 25.02.2008, 21:43 (vor 6751 Tagen) @ jule

Nun wundert mich gar nix mehr...solche "Menschenfreunde" hatte ich auch zum Lehrer...nach nem Anfall haben mich 2 Mitschueler ins Krankenhaus schleppen muessen- auf Anordnung von Frau Lehrerin...bevor die Krankheit da war, gab es auch Lehrer die die Schueler fertig machten, weil sie selbst unterlegen waren. (Und da bin ich mir heute sicher, dass ich in der 8. Klasse schon besser war als die..."

Solche Lehrer muss man melden. Das geht ja wohl nicht.

[zitat="Leben mit Epilepsie"][zitat=Marion44]Hallo Jule,
zuerst schließe ich mich mal dem Lob der Anderen über Dein Verhalten an.

Die Lehrerin ist als Pädagogin da wohl fehl am Platze und bräuchte eine Fortbildung. [/zitat]


Lehrer sind keine Pädagogen, sie werden nur fälschlicherweise so bezeichnet.
Lehrer werden auf ihre Lehrfächer z.B.Deutsch Mathe Englisch ausgebildet und machen nur 2-3 "Sitzscheine" in Pädagogik - mit Pädagogik hat dies nichts zu tun.

Lg Ragnar[/zitat]