Epilepsie und Angst

Ela @, Sunday, 02.03.2008, 16:30 (vor 6745 Tagen)

Hallo Ihr alle. Ich hatte im November vergangenen jahres einen GM Anfall. Für mich war die Diagnose Epilepsie ein ziemlicher Schock, da ich mich immer für kerngesund halte.

Ich wurde direkt auf Medi eingestellt und hatte keinen weiteres Ereignis mehr. Was ich bei Euch hier so alles lese, ist schon krass. Dass jemand fast jeden Tag einen Anfall hat, finde ich schon schlimm.

Nun aber meine Frage, die mir seit Wochen unter den Nägeln brennt: Habt Ihr eigentlich keine Angst???? Bei mir dreht sich im Kopf eigentlich alles nur noch um die Angst, dass ich wieder so einen Anfall bekommen könnte und habe immer mehr das Gefühl, dass mir mein altes Leben flöten geht. Traue mich stellenweise überhaupt nicht mehr aus dem Haus, mal abends tanzen gehen...daran ist gar nicht zu denken. Habe mich relativ schnell zum Psychater begeben, der hat Agoraphobie diagnostiziert und rät mir immer zur Entspannung und wenn die Angst hochkommt, zur Ablenkung (witzig...wie soll man sich denn bitte ablenken, wenn man denkt, man kippt um???)

Von daher würd es mich jetzt einfach mal interessieren: wie hat sich EUER leben dadurch beeinflusst? Seid ihr nach der Diagnose eurem ganz normalem Leben weitergegangen.... und wenn ja, wie habt ihr das geschafft?

Re: Epilepsie und Angst

olli ⌂ @, Sunday, 02.03.2008, 16:49 (vor 6745 Tagen) @ Ela

Hallo Ela,

als ich noch Epilepsie hatte, habe ich trotz der Krankheit ein ganz normales Leben geführt. Bin meinen Hobbys nachgegangen usw. Auf meiner Homepage kannst du lesen, was ich trotz der Krankheit alles gemacht habe.

Ich denke, das schlimmste was man machen kann ist sich isolieren oder in die Krankheit hineinsteigern.

wünsche Dir viel Kraft und Mut
Gruß olli

Re: Re: Epilepsie und Angst

Michi @, Sunday, 02.03.2008, 18:44 (vor 6745 Tagen) @ Ela

Hallo,
ich hatte im September den ersten und im Dezember den zweiten GM Anfall. Ich wurde auf Lamotrigin 150-0-150 eingestellt. Aber ich muss sagen, ich habe überhaupt keine Angst. Ich habe die Menschen, mit denen ich öfter zu tun habe (Familie, Freunde, Arbeitskollegen) informiert und gesagt was zu tun ist, sollte es zu einem Anfall kommen und gut ist. Die Tatsache, dass ich ein Jahr kein Auto fahren darf schränkt mich halt ein, aber meine Familie versucht es durch Fahrdienste, wie in der Zeit bevor ich den Führerschein hatte, zu kompensieren. Ich gehe normal feiern (nicht gerade die ganze Nacht, weil ich ja n bisschen mit Schlafentzug aufpassen muss) trinke halt nur keinen Alkohol. Aber ich konnte schon immer auch ohne Spaß haben.
Mach dir nicht zu viele Gedanken!!! Es ist im ersten Moment ne Umstellung sich mit dem Gedanken zu arangieren. Aber lass dein Leben nicht davon bestimmen!!!
Außerdem bin ich optimistisch und sage mir, ich nehme jetzt die Medikamente und damit ist das Thema eh abgehakt und ich erwarte nicht jeden Tag, dass was passiert.
Wahrscheinlich hört es sich für dich jetzt so an, als würde ich das alles auf die leite Schulter nehmen. Jeder muss auch seinen eigenen Weg finden, wie er damit umgeht. Aber das halt so zu meinem Umgang mit der Epilepsie.
Gruß
Michi

Re: Epilepsie und Angst

Brigitta @, Sunday, 02.03.2008, 22:35 (vor 6745 Tagen) @ Ela

Hallöchen,

das ist erstmal eine Umstellung klar. Aber man darf net rund um die Uhr dadran denken. Sonst wirst du noch wahnsinnig.

Als ich die Diagnose bekommen hatte daß ich Epilepsie hab (hatte), hab ich mein Leben so weitergelebt wie davor auch.
Meine Freunde muß ich sagen wußten nix davon, hab es lange geheim gehalten bis auf meine Familie/mein damaliger Freund. Ich war der Meinung es geht niemand was an, bis das mit der Zeit immer schlimmer wurde und sie es irgendwann mitgekriegt haben. Sie sind aber alle hinter mir gestanden zum Glück.
Ich nahm/nehme meine Medis was bei mir schon zum Altag gehört seit vielen vielen Jahren (ca.17 Jahre).
Leider half mir das vor der OP nix, aber jammern half auch nicht also lief die Krankheit nebenher und hab mir da net viel Kopf gemacht. Das hat irgendwann auch zu meinem Leben gehört wie alles andere.
Wo ich mir viele Gedanken gemacht hatte war vor der OP. Wobei ich selbst da gesagt hab, passieren kann dir auf der Straße ohne Op auch was, also wart ich ab, wenn was passiert kann ich es nimmer ändern, aber schlimmer kanns net werden also.....
Und ich wurde belohnt :D

Für dich heißt das: NICHT DRAN DENKEN!!!! Auch wenns einfach gesagt ist. Lenk dich ab, leb dein Leben so weiter wie bis jetzt. "Umkippen" kannst du auch einfach so auf der Straße und dir passiert was ohne Epilepsie. Also Kopf hoch! Du bist ja net "tod krank".


LG und Kopf hoch.

Brigitta

Re: Epilepsie und Angst

lisbeth @, Sunday, 02.03.2008, 23:04 (vor 6745 Tagen) @ Ela

Hallo Ela,

seit ich fünfzehn bin, bin ich anfallsfrei eingestellt (zuvor hatte ich zahlreiche GM). im alter von 22 jahren habe ich genau die gleichen ängste ausgestanden wie du sie beschreibst. sie waren genauso übermächtig und "plötzlich" vorhanden wie deine, bei mir zu diesem zeitpunkt grundlos...

sie gehörten einfach dazu und sind nach einiger zeit (zwei wochen hysterisch + zwei monate gedankenkreisen) von selbst verschwunden.

Zwing dich, falls du nicht automatisch wieder lust dazu verspürst, mit einer guten freundin/freunden/deinem anhang wegzugehen und erober dir dein terrain stück für stück zurück!
Und setz dein altes leben -ohne flackerlicht und schlafentzug und alkohol- einfach fort. Du kannst eine ganz lebensfrohe person sein, es steht dir nicht auf die stirn geschrieben, was deine schwäche ist.
Bsp: Wenn man vom Pferd fällt, soll man ja auch sofort wieder aufsteigen.

Ignorier` dumme bemerkungen von möchtegern-medizin-experten (es kursieren die abenteurlichsten vorurteile... ;)) und vergrab dich auf keinen fall in epilepsieforen. das kannst du später machen, wenn du der thematik wieder distanzierter gegenüberstehst und dir nicht gerade mal vor ein paar monaten ein anfall den boden unter den füßen weggezogen hat...

So hat es bei mir bis jetzt jedenfalls bestens funktioniert. - In diesem Forum bin ich heute übrigens gelandet, weil ich mich mal wieder vor einem Berg realer Probleme (=dringend zu erledigende Arbeiten) drücken möchte... ;)

LG!

Re: Epilepsie und Angst

Plakoti @, Sunday, 02.03.2008, 23:08 (vor 6745 Tagen) @ Ela

Hi

klar hat man Angst, vorallem wenn man ein Vorgefühl (Aura)hat, und hofft keinen Anfall zu kriegen.

Solange ich mich fit fühle dann lebe ich normal.

Und wenn du wüsstest,was ich alles früher gemacht hab...

Seit 18 Jahre Epilepsie, bin 34 und bis zur meiner Familienplanung vor 5 Jahren, machte ich mir ein schönes Leben. Man kann auch super OHNE Alkohol feiern und lachen.
Ne zeit lang, war ich fast jedes WO-Ende in ner Disco und tanzte, wenn nicht viel Platz da war, auf der BOX. Ob ich stürzen sollte oder nicht, es hat spaß gemacht.
Ich hatte gute Kumpels gehabt und holten oder brachten mich wieder nach Hause, da ich keinen Führerschein hatte bzw habe.

Jetzt bin ich 2x Mama und kann leider nimmer so feiern wie damals.

Tja, da ist mein altes Leben auch futsch. Und bin trotzdem glücklich!!


Grüßle

Re: Epilepsie und Angst

Lisa @, Tuesday, 04.03.2008, 17:33 (vor 6743 Tagen) @ Ela

Hey Ela, ich bin 19 und hab seit 5 Jahren Epilepsie. Mich hat bis vor einiger Zeit die Angst vor Anfällen mehr fertig gemacht, als die Epilepsie selbst. Ich kann dir nur sagen: Lass dir dein Leben nicht davon versauen! Halt dir vor Augen, was du kannst und was du schon geschafft hast! Die Epilepsie hast du und du wirst sie vielleicht auch nie mehr los, aber was dein sonstiges Leben betrifft und was du daraus machst, kommt nur auf dich an. Da gibts keine Tabletten, oder Ärzte, das entscheidest du. Ich hatte schon ne Gehirnerschütterung, jede Menge Beulen, ne Narbe aufm linken Handrücken von ner glühenden Kippe, aber ich lebe, mach Party und bin zufrieden! Wenn man nach einem Anfall aufwacht ist man traurig und wütend und enttäuscht, weil man es doch nicht los ist, aber es geht trotzdem immer weiter.

Kopf hoch!
LG, Lisa.

Re: Epilepsie und Angst

Anja @, Thursday, 06.03.2008, 16:10 (vor 6741 Tagen) @ Ela

Hallo Ela,
ich hatte vor zwei Jahren einen Grand mal Anfall und wurde gleich auf Tabletten eingestellt. Das war der einzige Anfall den ich hatte und ich hoffe das bleibt auch so. Klar hatte ich am Anfang Angst, ich war total verunsichert und wollte das Haus nicht mehr verlassen. Bis ich gemerkt hab, dass das nichts ändert, seit mache ich wieder alles wie zuvor. Letzte Woche habe ich mit meinem Neurologen besprochen, dass wir die Tabletten runterdosieren bzw in 8 Wochen komplett absetzten( ich nehme jetzt 900mg Ergenyl chrono) und jetzt habe ich richtig Angst. Aber es wird schon schief gehen ;-)
Liebe Grüße Anja