Altersepilepsie

Stefanie @, Saturday, 22.03.2008, 16:17 (vor 6725 Tagen)

Hallo!
Ich suche leute, die erfahrungen haben mit menschen, die an altersepilepsie leiden.
mein opa, 76 Jahre alt, zeigt seit längerer Zeit Bewusstseinsaussetzer, die mit Stürzen verbunden sind, völlig unangemeldet kommen, nach wenigen minuten oder sogar erst nach bis zu 1h gehen. er sagt selber, er sei dann völlig weg von dieser welt, bekommt nichts mit, fühlt sich hinterher extrem schwach, manchmal wie gelähmt und kann aus eigener kraft nicht mehr aufstehen oder sich bewegen. zeitgefühl ist nicht da; also, er empfindet so, als wäre nur ein augenschlag vergangen. er ist nicht ansprechbar, hat einen extrem niedrigen blutdruck (78/42mmHg) und meine oma sagt, er zittert auch. nun hat er sich nach langer überwindung vor einiger zeit dazu durchgerungen, im kkh und beim "normalen Neurologen" Hilfe zu suchen. Er wurde mit Antiepileptika behandelt, obwohl laut arzt im EEG keinerlei zeichen darauf hindeuten... die medikamente haben eine zeit geholfen, die "aussetzer" wurden weniger. 1x ist bisher eine MRT gemacht worden; keine bleibenden hirnschäden durch ischämien oder einblutungen zu erkennen-soll auch kein schlaganfall vorgekommen sein. im august2006 wurde eine niere entfernt, weil ein carcinom gefunden worden war. z.zt. sind keine neuen tumormarker positiv. zum glück.aber seitdem sind die anfälle wieder mehr geworden!!! ich habe gelesen, dass bei veränderter nierenfunktion auch die medikation für eine evtl. epilepsie angepasst sein muss, und dass all diese symptome eigentlich für eine form der epilepsie sprechen würden...auch die bradycarden Herzrhythmusstörungen.
ich bin physiotherapeutin und möchte mich mit der resignation meines opas auf grund der bisher nicht optimal verlaufenen behandlung nicht abfinden. ich denke, es gibt heute nur noch wenige krankheiten, wo man GAR NICHTS tun kann. vor allem war mein opa ein total fitter kerl, der jeden tag 2 std. gewandert ist. jetzt verbietet es meine oma und die angst allein im wald umzufallen. auch den führerschein hat er abgegeben.
er läuft sehr schlurfig, gekrümmt, hat zittrige hände, und das alles in kürzester zeit. ob da auch eine leichte form des parkinson mitspielt... manchmal hat er unerklärliche schwellungen; im gesicht, am auge, der lippe... aber es liegen keine diagnostizierten so zu benennen krankheiten des herzens etc. vor... ich würde gerne einen spezialisten für epilepsie aufsuchen. kann mir da jemand helfen???

Re: Altersepilepsie

Anton @, Saturday, 22.03.2008, 17:18 (vor 6725 Tagen) @ Stefanie

Hallo Stefanie,
schade eigentlich, dass man ihm noch nicht hat helfen können. Von Berufs wegen weißt Du aber, dass es eine ganze Reihe neurologischer Erkrankungen gibt, ich nehme an, dass über 30 % Deiner Patienten neurologisch erkrankt sind.

Dein Opa ist in der glücklichen Lage, diesen Blutdruck, der zwar extrem niedrig ist, zu haben. Somit scheidet er als Schlaganfallkandidat aus. Ob seine Probleme durch den sehr niedrigen Blutdruck entstehen, kann ich als Laie aus der Ferne nicht sagen.

Du hast die Problematik Deines Opas sehr gut geschildert. Ich kann nur mutmaßen und könnte mir vorstellen, dass es vielleicht ein versteckter Schlaganfall gewesen ist. Ist er denn in einer Stoke Unit gewesen? Das was Du schilderst, halte ich für eine Epilepsie. Vielleicht ist sie durch den nicht sichtbaren Schlaganfall entstanden.

Weil eben das Gebiet der Neurologie unendlich ist, um alle Kenntnisse des Krankheitsbildes Epilepsie zu haben, würde ein Studium um die 20 Semester dauern. Weil es wohl kaum möglich ist, sich so lange auf einen Beruf vorzubereiten,
gibt es Neurologen mit der Zusatzausbildung Epilepsie, wenn sie schwerpunktmäßig Epilepsie studiert und auch noch Jahre auf diesem Gebiet tätig waren, sind es Epileptologen. Sie sind zu finden in den Ambulanzen der Epilepsie-Zentren. Nur diese Ärzte können eine Epilepsie richtig einschätzen.
Ich habe nicht gewußt, dass es diese Ärzte gibt und bin folglich über 30 Jahre falsch-, fehl- oder gar nicht behandelt worden. Als mir nach langer Zeit erstmals ein Epileptologe in einem Akutkrankenhaus erzählte, dass ich bereits seit 33 Jahren umsonst Medikamente nehme, die gar nichts bewirken können, konnte ich auf anderem Wege richtig behandelt werden.
Ich wünsche Deinem Opa gute Besserung und dir die Kraft, dich weiterhin so für ihn einzusetzen.
Herzliche Grüße
Anton