Autofahren ja/nein

Jessica @, Monday, 07.04.2008, 07:33 (vor 6710 Tagen)

Guten Morgen
also ich leide seid meiner Geburt eigentlich unter Epilepsie. Heute bin ich 21 und habe meinen Autoführerschein mit 18 gemacht. Ich hatte zwischen meinen 7. und 19. Lebensjahr keine Anfälle gehabt, war allerdings unter medikamentöser Einstellung. Mit 19 hatte ich dann in der Nacht einen Anfäll mit Zungenbiss usw. Da wurde mir gesagt, dass ich für einige Zeit das Auto stehen lassen soll. Nun hatte ich in der letzten Woche eine kleine Attacke und zwar habe ich ein Nok out (Absence) gehabt... wieder im Schlaf. Ich muss dazu sagen, dass ich das aber vorher merke, wenn es "soweit" ist.
Nun ist meine Frage, meint ihr, dass ich das Autofahren lieber sein lassen soll oder es ruhig wagen kann? Ich muss dazu sagen, sowas wie Autobahn oder so habe ich schon, seiddem ich 19 war nicht mehr befahren.
Über eure Antworten bedanke ich mich schonmal im Vorraus. Liebe Grüße Jessica

Re: Autofahren ja/nein

Tami @, Monday, 07.04.2008, 09:16 (vor 6710 Tagen) @ Jessica

Hallo Jessica,

normalerweise legt der Arzt fest, wie lange man kein Auto mehr fahren darf. Mein Mann hatte auch einen GM, danach durfte er ein ganzes Jahr nicht fahren, im Januar aufgrund einer Grippe (Fieber, Virus, Bakterien) erneut einen leichten GM. Er hat ein dreimonatiges Fahrverbot bekommen und hofft nun, dass der Arzt ihn wieder fahren lässt, da der Anfall aufgrund der Grippe kam. Sicher ist bestimmt keiner, aber du solltest es auf jeden Fall mit deinem Arzt absprechen, sonst kann der Versicherungsschutz weg sein, wenn du einen Unfall verursachst.
Viele Grüße,
Tami

Re: Autofahren ja/nein

olli ⌂ @, Monday, 07.04.2008, 18:54 (vor 6709 Tagen) @ Jessica

hallo,

Nach einem einmaligen Anfall im Erwachsenenalter ohne Anhalt für eine beginnende Epilepsie oder eine andere hirnorganische Erkrankung ist eine anfallsfreie Zeit von 2 Jahren abzuwarten. Nach einem Gelegenheitsanfall ist bei Vermeiden der provozierenden Faktoren nach 6 Monaten keine wesentliche Risikoerhöhung mehr anzunehmen.

Lese Dir das mal auf der 1. Seite über Führerschein durch, stehen viele Infos, und besprech es mit deinem Arzt.

gruß Olli

Re: Autofahren ja/nein

Brigitta @, Tuesday, 08.04.2008, 00:42 (vor 6709 Tagen) @ Jessica

Hallöchen,

ich würde nicht fahren an deiner Stelle!!! Es kann so viel passieren.

Selbst wenn der Arzt sagt du darfst fahren, wenn was passiert bist du selber dafür verantwortlich!
Mir haben Sie damals meinen Führerschein weggenommen da ich ein Aura hatte und ein Auto ganz minimal gestreift hatte, niemand was passiert zum Glück.
Dadrauf hin wurde mir Führerschein weggenommen und ich mußte es wieder alles neu machen: Prüfungen/Antrag/Gutachten usw.

Ich würde es lassen wenn du dir nicht sicher bist.
Normal muß man 1 Jahr lang anfallsfrei sein damit man fahren darf. Hatten sie mir damals auch gesagt und jetzt stellte sich heraus, ich hätte damals meinen Führerschein nicht machen dürfen!!!!
Aber ich hab da unterschrieben gehabt und somit selber dafür verantwortlich, obwohl der Arzt mir das erlaubt hatte, die Fahrschule wußte das usw..

Also wenn du dir viel viel Geld ersparren willst, laß es lieber und auch zur Sicherheit von den anderen. Es kann so schnell gehen, waren paar Sekunden nur bei mir.

LG

Brigitta

[zitat=Jessica]Guten Morgen
also ich leide seid meiner Geburt eigentlich unter Epilepsie. Heute bin ich 21 und habe meinen Autoführerschein mit 18 gemacht. Ich hatte zwischen meinen 7. und 19. Lebensjahr keine Anfälle gehabt, war allerdings unter medikamentöser Einstellung. Mit 19 hatte ich dann in der Nacht einen Anfäll mit Zungenbiss usw. Da wurde mir gesagt, dass ich für einige Zeit das Auto stehen lassen soll. Nun hatte ich in der letzten Woche eine kleine Attacke und zwar habe ich ein Nok out (Absence) gehabt... wieder im Schlaf. Ich muss dazu sagen, dass ich das aber vorher merke, wenn es "soweit" ist.
Nun ist meine Frage, meint ihr, dass ich das Autofahren lieber sein lassen soll oder es ruhig wagen kann? Ich muss dazu sagen, sowas wie Autobahn oder so habe ich schon, seiddem ich 19 war nicht mehr befahren.
Über eure Antworten bedanke ich mich schonmal im Vorraus. Liebe Grüße Jessica[/zitat]

Re: Autofahren ja/nein

'Leben mit Epilepsie' ⌂ @, Tuesday, 08.04.2008, 01:35 (vor 6709 Tagen) @ Jessica

[zitat=Jessica] Nun hatte ich in der letzten Woche eine kleine Attacke und zwar habe ich ein Nok out (Absence) gehabt... wieder im Schlaf. Ich muss dazu sagen, dass ich das aber vorher merke, wenn es "soweit" ist.
Liebe Grüße Jessica[/zitat]

Hallo Jessica,

ein Knockout in der Nacht ist dies wirklich nur 'Absencen' ??

"Absencen sind 'kleine', sehr kurze epileptische Anfälle ohne 'Krampfen'. Führendes Zeichen ist eine kurze 'Abwesenheit' mit fehlender Ansprechbarkeit und Erinnerungslücke (Amnesie)."
Typische Absencen beginnen und enden plötzlich. Eine beliebige Tätigkeit wird plötzlich unterbrochen und hinterher genauso unvermittelt fortgeführt, als ob nichts passiert wäre. Während einer einfachen oder 'blanden' typischen Absence nehmen die Betroffenen ihre Umgebung nicht wahr, wirken benommen oder verträumt und verharren meist regungslos. Bei einer komplexen typischen Absence kommt es zusätzlich zu Störungen wie einem rhythmischen Augenblinzeln, Herabsinken von Kopf oder Armen, Rückwärtsbewegen von Augen, Kopf
und Rumpf, automatisch ablaufenden Mundbewegungen und anderen Handlungen oder auch Veränderungen der Hautfarbe oder des Pulses.
Weil Absencen so kurz sind und die Betroffenen selbst nichts merken, bleiben sie oft lange unerkannt, werden als Unaufmerksamkeit ('verträumte' Kinder, 'Hans-guck-in-die-Luft') oder – besonders in der Schule – auch als Unfähigkeit oder fehlender Wille mißverstanden. Andere Anfallsformen können an Absencen erinnern, besonders wenn sie durch Medikamente abgekürzt und abgeschwächt sind. Dies gilt bei älteren Kindern und Erwachsenen vor allem für so genannte fokale Anfälle mit Bewußtseinsstörung ('komplexe' fokale Anfälle, siehe S. 44).Im Unterschied zu Absencen beginnen diese aber häufiger mit einem von den Betroffenen erinnerten und als Aura bezeichnetem Vorgefühl, dauern meist über eine Minute und enden langsam mit einer nur allmählich abklingenden 'Umdämmerung'.

Merkmal
typische Absence
Bevorzugtes Alter 4–20 Jahre
Epilepsie-Syndrom idiopathisch
Anfallsdauer 10-20 sec
Beginn plötzlich
Ende plötzlich
Häufigkeit mehrfach täglich
Bewußtlosigkeit vollständig
Hyperventilation häufig anfallsauslösend
Fotosensibilität häufiger vorhanden
Begleitphänomene häufig kurzes Lidflattern
EEG beidseits seitengleiche
epilepsietypische Aktivität
(3-mal pro Sekunde)
Therapieprognose günstig


Quelle : Diagnose Epilepsie (S.38/39) Dr. med. Günter Krämer , Epilepsieklinik, Zürich

Das was du in der Nacht hattest scheint mehr als typische Absencen.

Deinen Anfall solltest du unbedingt deinem Neurologen schildern. Nur dadurch kann er dich besser einstellen oder in einer Epilepsie-Klinik einstellen lassen.

http://www.epilepsie-netz.de/129/Adressen__Kliniken_/Universitaetskliniken.htm

http://www.epilepsie-netz.de/130/Adressen__Kliniken_/Uebrige_Kliniken_und_Institute.htm

Zu Führerschein :

Neu aufgetretene Epilepsie, deren Therapieresistenzen nicht erwiesen ist

Fahrerlaubnis nach 1-jähriger Anfallsfreiheit, da kein wesentliches Rückfallrisiko anzunehmen ist.

Es kann dein Arzt 6 Monate bis zu 1 Jahr erneut Fahrverbot anordnen.
D.h. 6 Monate oder 1 Jahr anfallsfrei.

Im positivsten nur 3 Monate erneute Anfallsfreiheit/Fahrverbot.

http://www.epilepsie-netz.de/155/Epilepsie-Ratgeber/Fuehrerschein.htm

Fährst du jetzt nach erneutem Anfall und/oder erneutem Fahrverbot gefährdest du nicht nur dich oder andere, sondern du handelst für deine Versicherung grobfahrlässig.
Alle Kfz-Versichersicherungen stufen Alkohol und Epilepsie unter grobfahrlässig ein, auch wenn es einen allgemeinen Passus auf Verzicht von grobfahrlässig gibt.
D.h. die Versicherung zahlt den Schaden, aber verklagt dich anschließend.
Bei Blechschaden (2-3 Autos locker 60.000,-)
Mit Personenschaden und Invalidenrente für Opfer locker 200.000,-

Deine Epilepsie in den Griff zu kriegen, sollte dir wichtiger sein als Autofahren,


liebe Grüße

Ragnar

Autofahren ja/nein

Jessica @, Thursday, 10.04.2008, 08:18 (vor 6707 Tagen) @ Jessica

Hallo

also ich muss so sagen, ich fahre ja so jetzt kein Auto mehr...nur zur Arbeit und zurück... ist zwar nicht weit auch nicht über Autobahn oder sonstiges, aber ich kann einfach nicht mit dem Fahrrad fahren, weil mir das dann auf den Tag verteilt zu Ansterengend ist. Das hat dann auch nichts damit zu tun, dass ich zu unsportlich bin->ok bisschen vielleicht schon. Aber das liegt dann nicht nur daran, sondern ich kann es einfach nicht. Zumal ich auch Mittagspause habe, also muss ich den Weg 4x fahren und das schaffe ich echt nicht. Ich muss ja immerhin noch 8 Stunden arbeiten. Ich bin zwar erst 21 Jahre alt, aber ich leide unter anderem noch an einen hohen Blutdruck, der ja auch noch einiges ausmacht. Ich habe keine ahnung, was ich machen kann. Weil wie ich es mache, ist es nicht unbedingt gut, wenn ihr mich versteht?!?
Nun ja, aber danke erst einmal für eure Kommentare.
Liebe Grüße Jessica