Würgeattacken als Epilepsie diagnostiziert

Gitta @, Tuesday, 08.04.2008, 09:30 (vor 6708 Tagen)

Hallo, zusammen,
ich habe die Frage, ob jemand von Euch vergleichbare Symptome der Epilepsie kennt:

Ich plage mich seit August letzten Jahres immer wieder mit Würgeattacken, die zum Teil auch mit leichtem Erbrechen einhergehen, aber nicht immer. Die Attacken finden bis zu 20 Mal am Tag statt, mal mehr mal weniger ausgeprägt. Ich war aber auch manchmal mehrere Tage beschwerdefrei.
Einhergegangen sind (insbesondere die starken) Attacken mit vorangehenden Unruhegefühelen, Kribbeln im Bauch, Zittern wie bei Schüttelfrost, "überirsiche fühlen" sowie an die Attacken anschließenden starken Erschöpfungszuständen. Ich bin dabei immer bei völligem Bewusstein.
Es wurden alle möglichen Ursachen bezüglich des Magen-Darm-Traktes ausgeschlossen (habe hier zig Untersuchen wie Spiegelungen, MRT Darm, Speiseröhrenuntersuchungen, Schilddrüse, Säuremessung etc. absolviert).
Auch eine psychosomatische Erkrankung wurde bei einem Psychiater ausgeschlossen, daran habe ich auch nie geglaubt, da ich beruflich wie privat (Gott sei Dank!!) nichts habe, was mich belastet.

Nun landete ich Anfang März bei einem Neurolgen, der einen sehr guten Ruf genießt.
Dieser geht davon aus, dass es sich um eine seltene Ausprägung einer Epilepsie handelt. EEG und Kernspin des Kopfes waren jedoch unauffällig.
Er behandelte mich in einer Phase starker Attacken 1 Woche mit Frisium, was auch zu einer sofortigen Besserung, allerdings nicht zur völligen Beseitigung der Würgeattacken führte.
Ich werde nun seit 5 Wochen mit Lamotrigin behandelt und bin jetzt bei einer Dosierung von 2x täglich 50 mg angelangt.
Die Attacken sind wesentlich weniger geworden, aber noch nicht weg.
Meine Fragen:
1. Hat jemand schon mal von einer solchen Art epileptischer Anfälle gehört?
2. Wie lange hat es bei Euch gedauert bis die Antiepileptika zu einer (zumindest nahezu gegebenen) Anfallsfreiheit geführt haben?

Über Antworten wäre ich sehr dankbar, da mich diese Würgerei langsam in den Wahnsinn treibt.

Herzlichen Gruß (und Euch allen toi toi toi, bin sehr dankbar für dieses Forum).
Gitta

Re: Würgeattacken als Epilepsie diagnostiziert

Anton @, Tuesday, 08.04.2008, 21:02 (vor 6708 Tagen) @ Gitta

Hallo Gitta,
ich finde, Du hast ganz Böses erlebt. Da kann man ja Angst bekommen und seine Arbeit dadurch verlieren. Diesen Würgereiz stelle ich mir schlimm vor.
Es gibt Wirkstoffe in den unterschiedlichsten Medikamenten, die Husten bzw. Reiz-/Würgehusten auslösen können. Ich bin z. B. über ein halbes Jahr von einem Arzt zum anderen gewandert, weil ich fürchterlichen Reizhusten hatte. Ich kam schon in Panik, weil ich dachte, es ist irgendwas im Hals. Keiner hat es gefunden.
Ergebnis: Bin selbst dahintergekommen, dass der Wirkstoff "Ramipril", es ist ein Blutdrucksenker, der Auslöser war. Als ich die Tabletten mit einem anderen Mittel substituierte, war der Husten wie weggeblasen.

Mittel gegen Epilepsie sind für eine Langzeitbehandlung gedacht. Mit Lamotrigin bekommst ein relativ neues Mittel, das nur den Nachteil hat, dass es besonders vorsichtig aufdosiert werden muss, weil die Nebenwirkungen während dieser Zeit sonst zu heftig sind. Nach meinem Dafürhalten wird es bis zu 5 Wochen dauern, bis die Tabletten optimal greifen. Von größter Wichtigkeit ist, dass der Wirkstoff regelmäßig genommen wird. Da es Tabletten in der Retardform (retard = verlangsamte Abgabe) sind, reicht es, wenn Du sie 2 x täglich nimmst. Selbst wenn Du sie mal ein paar Stunden später nimmst, besteht nur wenig Gefahr, einen Anfall durch die Vergesslichkeit zu bekommen.
Ich wünsche dir bessere Gesundheit und alles Gute.
Herzliche Grüße
Anton

Re: Würgeattacken als Epilepsie diagnostiziert

Gitta @, Wednesday, 09.04.2008, 12:55 (vor 6707 Tagen) @ Gitta

Hallo, Anton und alle anderen,

seid lieb gegrüßt!

Erst einmal herzlichen Dank insbesondere Dir, Anton, für Deine Antwort!

Irgendwelche Nebenwirkungen durch Medikamnte kommen bei mir nicht infrage, da habe ich bis zur Einnahme des Antiepileptikums nichts regelmäßig eingenommen, nicht einmal die Pille.
Dass Du schreibst, dass Lamotrigin u.U. erst nach längerer Zeit Wirkung zeigt, macht mir aber Mut und Hoffnung. Ansonsten wüsste ich auch wirklich nicht mehr, woher die Attacken kommen könnten. Auch irgendwelche Lebensmittelallergien schließe ich aus, da habe ich auch Buch drüber geführt und keine Zusammenhänge feststellen können.
Mittlerweile habe ich natürlich viel über Epilepsie recherchiert. Der Neurologe meinte auch, dass es sich - wenn - um eine sehr seltene Form fokaler Epilepsie handelt betrifft. Solch einen konkreten Fall mit den Symptomen habe er auch noch nie gehabt. Es sind insbesondere die um das Würgen herum gelagerten Empfindungen und Symptome, die ihn hierauf schließen ließen.
Ich hatte nur schon Zweifel bekommen, weil die Attacken wieder häufiger kamen, nachdem sie unter der Einnahme von Lamotrigin zunächst ja schwächer wurden. Aber vielleicht war die Reduktion der Attacken auch tatsächlich zunächst nur "Zufall", da ich ja, wie gesagt, immer mal schwankende Beschwerden habe.
Auffällig ist aber, dass ich mich jetzt danach nicht mehr ganz so k.o. fühle und die Attacken fast nur noch morgens und abends, nicht aber mehr über den ganzen Tag verteilt auftreten.
Man wird halt nur skeptisch, wenn man schon zig vermeintliche Diagnosen hinter sich hat, aber keine Therapie anschlägt (bzw. lediglich Ausschlussdiagnosen getroffen werden können).
Gott sei Dank habe ich ein soziales Umfeld, was mich sehr auffängt und wofür ich sehr dankbar bin. Denn es ist zum Teil schon ganz schön heftig, was einem die Ärzte da so um die Ohren knallen....Besonders gerne wird ja auf die Vermutung psychosomatischer Ausprägungen verwiesen, wenn sie nix anderes finden können.

Daher hatte ich auch so einige Erfahrungen mit Psychiatern... Das reichte hin bis zu der Diagnose "Magersucht" nach einem 15minütigen Gespräch (ich bin leicht untergweichtig, das ist bei uns aber familiär bedingt, ich esse wie ein Scheunendrescher, man Mann meinte schon, das ginge ganz schön ins Geld ;o) ...)
Auf meine Entgegnung, dass man für Magersucht ja schließlich (wie der Name schon sagt) süchtig zu magern sein, wurde mir dann entgegnet, dass das Verleugnen zu der Krankheit dazu gehört. - Klar, weil ich verleugnen will, suche ich ja auch freiwillig einen Psychiater auf.....
Der zweite fühlte sich (als Psychiater!!!) - ich zitiere - meiner Argumentationsstärke nicht gewachsen, ich solle mir jemand anderen suchen.
Bis ich dann bei einem Psychiater landete, der meinte, ich sei so zufrieden mit meinem Leben und würde dermaßen in mir ruhen wie er es selten erlebt habe - er wisse wirklich nicht, wie er mir helfen könne, das sei definitiv NICHT psychosomatisch, eine weitere Behandlung bei ihm wäre Geldabschneiderei.
Der hat mein mittlerweile erlangtes schlechtes Bild dieses Berufsstandes dann wieder hergestellt....Nicht, weil er meine Meinung teilte, sondern weil er sich einfach auch die Zeit genommen hat....

So, jetzt habe ich hier ziemlich viel getextet, aber es tut auch einfach mal gut, sich alles von der Seele zu schreiben.
Jedenfalls danke ich nochmals herzlich für die Mut machenden Worte, fasse mich weiter in Geduld und wünsche auch allen anderen alles Gute!
Lieben Gruß,
Gitta