Behintertenausweis

Biggi @, Friday, 18.04.2008, 00:05 (vor 6699 Tagen)

Hallo,

ist es ratsam einen Behindertenausweis zu beantragen?
Was ist mit später kann man einen normalen Beruf ausüben und eine gute Ausbildung machen trotz Behindertenausweis?

lg Biggi

Re: Behintertenausweis

Anton @, Friday, 18.04.2008, 13:43 (vor 6698 Tagen) @ Biggi

Hallo Biggi,
der Schwerbehindertenausweis hat Vor- und Nachteile. Ich bin der Meinung, dass für einen jungen Menschen die Nachteile überwiegen. Warum? Ein Schwerbehindertenausweis, in dem ein Grad der Behinderung (GdB) von über 50 steht, macht dich zum Schwerbehinderten im Sinne des Gesetzes.
Vorteile können sein die Nachteilsausgleiche wie z. B. beim Merkzeichen "G" das kostenfreie Fahren im Öffentlichen Nahverkehr. Ferner können es sein steuerliche Vergünstigungen, ein besonderer Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage.
Das kann aber nachteilhaft (Verpflichtungen) für Betriebe, in denen Du arbeiten möchtest, sein. Ich persönlich würde als junger Mensch nie einen Schwerbehindertenausweis beantragen, weil ich Angst hätte, nicht mehr eingestellt zu werden.
Ich wünsche dir soviel Gesundheit, dass vielleicht ein Ausweis schon bald gar nicht mehr diskutiert werden muss.
Herzliche Grüße
Anton

Re: Behintertenausweis

Bettina @, Friday, 18.04.2008, 21:33 (vor 6698 Tagen) @ Biggi

Hi, Biggi,
ich habe seit 17 Jahren (seit meinem 23 Lj.) einen Behindertenausweis mit 90 % GdB (Grad der Behinderung). Allerdings ursprünglich nicht wegen Epi. Ich persönlich habe den Ausweis nie als Belastung empfunden. Ich habe damit eine Arzthelferin-Ausbildung und ein Studium absolviert und mehrere Arbeitsplätze bekommen. Das Entscheidende war meiner Meinung nach neben wichtigen Fakten wie vernünftigen Bewerbungsunterlagen mein persönliches Auftreten und eine "souveräne" Offenheit, mit Krankheit/ Behinderung umzugehen. Gleichzeitig habe ich natürlich auch etwas gepokert. Ein Arbeitgeber, der einen Ausweis höher einschätzt als Deine beruflichen Fähigkeiten, Deine Persönlichkeit, kann meiner Meinung nach eh nicht mit der Epi umgehen, solltest Du Anfälle haben oder häufiger krank sein. Das bringt nur zusätzlichen Streß !

Entscheidend ist aber auch, wie hoch die Einstufung ist.
Vorteile sind in meinem Fall:
- Steuervorteile
- 5 Tage zusätzlicher Urlaub
- Preisnachlässe bei Schwimmbad/ kulturellen Veranstaltungen, Bahncard (halbe Preis) etc
- monatliche Zuschüsse für meinen Arbeitgeber vom Integrationsamt (!) und vorher vom Arbeitsamt für einen begrenzten Zeitraum. War für den AG das "i-Tüpfelchen" bei meiner Einstellung.
- Ersparen von langen Diskussionen und Erklärungen, da ich nach außen hin absolut fit wirke und mir kein Mensch glaubt, daß ich zwei schwere chronische Krankheiten habe.
Der Ausweis ist für mich wie ein Dokument - auch Kollegen gegenüber - daß ich tatsächlich etwas habe und nicht simuliere.
Daher ist er für mich eher hilfreich gewesen.

Herzlichen Gruß, Bettina

Re: Re: Behintertenausweis

Anne @, Saturday, 19.04.2008, 14:26 (vor 6697 Tagen) @ Biggi

[zitat=Anton]Hallo Biggi,
der Schwerbehindertenausweis hat Vor- und Nachteile. Ich bin der Meinung, dass für einen jungen Menschen die Nachteile überwiegen. Warum? Ein Schwerbehindertenausweis, in dem ein Grad der Behinderung (GdB) von über 50 steht, macht dich zum Schwerbehinderten im Sinne des Gesetzes.
Vorteile können sein die Nachteilsausgleiche wie z. B. beim Merkzeichen "G" das kostenfreie Fahren im Öffentlichen Nahverkehr. Ferner können es sein steuerliche Vergünstigungen, ein besonderer Kündigungsschutz und zusätzliche Urlaubstage.
Das kann aber nachteilhaft (Verpflichtungen) für Betriebe, in denen Du arbeiten möchtest, sein. Ich persönlich würde als junger Mensch nie einen Schwerbehindertenausweis beantragen, weil ich Angst hätte, nicht mehr eingestellt zu werden.
Ich wünsche dir soviel Gesundheit, dass vielleicht ein Ausweis schon bald gar nicht mehr diskutiert werden muss.
Herzliche Grüße
Anton[/zitat]
Hallo Anton
ich kann Dir so nicht ganz zustimmen!
Denn grade bei junge Menschen die in Großstädten oder Baloncgebiete leben gibt es Probleme bei den Ämtern!
In fast allen Schulen hier bei uns werden von der ArbeitsAG Berufsberatungen gemacht, und vorallem werden Praktikas absolviert!
Wie bitte sollen sich diese Jungentliche erklären wenn sie sagen ich darf diese oder jene Tätigkeit nicht ausüben?
Schon ist ein Problem da... oder? so ist es mir vor Jahren ergangen nach dem meine Kinder groß waren.
Denn die ArbeitsAG sagt einem wir können Sie erst vermitteln bzw. als Arbeitssuchende eintragen wenn wir wissen wo wir sie einstufen können und müßen!
Dies kann wieder nur mit der Feststellung der Behinderung (Behinderungsgrad) erfolgen, und das ist jetzt noch schlimmer geworden seit die neue variante von Agentur und ehemaligem Sozialamt gemacht wurde.
Und diese Erprogungsphase soll noch bis 2010 gehen, und die beiden Ämter werden sich in manche Städte nicht einig, und der Leidtragende sind die Menschen! Egal wie man es macht, wir sind immer die Blöden! So sieht es leider aus!
Also kann man meiner Meinung nach den Behindertenausweis ruhig beantragen, und somit die steuerlichen Vorteile nutzen.
Ich selber bereue das ich das nicht viel früher gemacht habe, denn wenn nur ein Verdienst da ist ist man schon irgentwie auf das geld angewiesen.
Denn die Medikamentezuzahlung müßen wir ja trotzdem leisten, denn die 1% sind von Bruttoeinkommen, also irgend auch besch.
Ich habe mitlerweile auch schon zu meinen 80% noch das B+G bekommen, da auch noch meine Wirbel von 1-5 kaputt sind und das hauptsächlich durch die Stürtze.
Aber wie sagt man so schön... das leben geht weiter....
Ich weiß das Thema Behindertenausweis ist eine unendlich Geschichte. lach...
Ein schönes Wochenende noch.
Gruß Anne