Reden mit den eigenen Eltern

Anke ⌂ @, Thursday, 01.05.2008, 20:41 (vor 6685 Tagen)

Hallo,
habe schon einen Beitrag reingestellt mit der Suche nach jemandem, der weiblich ist und in den Wechseljahren. Jetzt habe ich noch eine Frage: kann mir jemand weiter helfen, wie ich mit meinen Eltern reden kann, die mit mir noch nie darüber geredet haben, warum sie versucht haben, so zu tun, als wenn ich seit meiner Pubertät keine Epilepsie hätte, sondern irgend etwas geheimnisvolles, das verschwiegen werden muss und schon gar nicht meine Fragen, die ich bis heute habe, beantworten. Meine Mutter hat in all den Jahren meine Krankenakten in Kopie gesammelt, weigert sich aber bis heute beharrlich, sie mir auszuhändigen.Bin mittlerweile 45 Jahre, verheiratet und Mutter zweier ganz normal entwickelter Kinder. Ich verzweifle aber an der Tatsache, dass meine Eltern so unzugänglich sind!!!! Vielen Dank für Hilfe im Voraus.

Re: Reden mit den eigenen Eltern

Anton @, Thursday, 01.05.2008, 22:15 (vor 6685 Tagen) @ Anke

Hallo Anke,
ich kann Dein Unverständnis darüber gut verstehen, aber es passt in die Zeit, in der Deine Eltern aufgewachsen sind.
Göbbels wollte unbedingt die Euthanasie auch für Anfallskranke durchsetzen. In die Lager mit der bekannten Konsequenz kamen sie so und so schon. Mit Filmen von untherapierten Epilepsie-Kranken sollte es schlussendlich klappen. Diese fürchterlichen Bilder sind der übelebenden Bevölkerung im Kopf geblieben. Daran schätze ich, wird das Verhalten Deiner Eltern liegen.
Ich bin z. B. kurz nach dem Krieg unmittelbar nach der Pockenpflichtimpfung schwer erkrankt. Wenn nicht zufällig ein Arzt vorbeigekommen wäre, wäre ich gestorben. Ein Menschenleben war in den Jahren nach dem Krieg nur wenig wert. Unter Berücksichtigung aller dieser Schreckenstaten ist das Verhalten Deiner Eltern zu entschuldigen, verstehen wird man es nie.
Ich wünsche dir Gesundheit, alles Gute und viele unbeschwerte Momente.
Herzliche Grüße
Anton

Re: Reden mit den eigenen Eltern

Jimmy @, Friday, 02.05.2008, 05:33 (vor 6685 Tagen) @ Anke

Hallo Anke,

damals waren Eltern nicht augeklärt - vor 30 Jahren hat mich auch kein Arzt richtig aufgeklärt - damals war man der Meinung daß mit jedem Anfall Gehirnzellen sterben, also saß ich mit 20 Jahren (war dann erst Epilepsie-krank)und hab ca. 6 - 12 Monate nur gedacht, falls ich später mal nicht mehr denken könnte.
Auch heute kann man Leute treffen die was von Anfällen wissen aber nichts über Epilepsie.

Eltern wollen nun wal keine kranken Kinder haben - dies ist ein Selbstschutz weil sie sonst evtl. psychisch erkranken könnten. Eltern sagen auch: Mein Kind ist gesund es hat nur mal ab und an einen Anfall aber sonst ist es gesund.
Eltern haben auch extrem hohe Schuldgefühle - damals erst recht, denn sie hatten und haben Angst daß sie "die Krankheit" vererbt haben könnten bzw. daran Schuld haben.
Wie groß diese Schuldgefühle sind merkt man also an
"die Krankheit" !
Hat Anfälle - aber ist sonst gesund !

Kommt dir dies bekannt vor.

Auch heute ist Epilepsie noch ein großes Tabuthema.
Meist wurde damals Epilepsie noch fast wie ein geistig krank gesehen. Für viele (Ottonormalverbraucher) ist heute sogar noch der Neurologe ein Irrenarzt.

Verzeihe deinen Eltern für ihre Ängste und Schuldgefühle und sehe alles etwas gelassener.
Du wirst diese Akten nie sehen, sie sind für deine Eltern ein Geheimniss über das man nicht spricht.
Wenn dies immer noch ein Grund sein sollte, daß du mit deinen Eltern zankst - dann hast du noch nicht losgelassen. Auch Kinder müssen irgendwann loslassen und nicht noch irgendwie - irgendwas hinterhertrauern.
Wer hält dich ab dich selbst schlau zu machen informiere dich selbst. Ärzte bewahren Unterlagen 10 Jahre auf. Hol dir deinen eigenen Akten und laß dich zur Not mit MRT untersuchen.
Werde Erwachsen im Kopf und laß dich nicht durch Mutters Akten zum kleinen Kind machen.

Dies ist ganz ganz lieb gemeint.

Du kannst mich auch anmailen.

Grüße

Jimmy

Re: Reden mit den eigenen Eltern

Fritz @, Saturday, 03.05.2008, 14:32 (vor 6683 Tagen) @ Anke

Hallo Anke,
ich bin nun kein Kind nach oder während des Krieges (Jahrgang 65), aber ich denke man kann auch des Verständniss genug haben. Es ist Dein Recht Dinge über Dich zu Erfahren, notfalls mit Hilfe. Geh zu einem Anwalt und lasse Dich mal dort beraten. Du redest hier von Deiner Gesundheitsakte und nicht von einer Kleinigkeit. Deine Kinder werden Dich eines Tages fragen, warum Du nichts hast, sollte es in ihrer Linie noch einmal vorkommen. Es gibt familiere Häufungen, und es nicht schlecht dadrüber informiert zu sein. Also, Liebe und Verständniss sind immer gut und angebracht, kennen aber auch Grenzen!!!

Re: Reden mit den eigenen Eltern

Torill @, Wednesday, 07.05.2008, 23:12 (vor 6679 Tagen) @ Anke

Hi Anke,

meld dich doch mal.Hab das Gleiche erlebt...Bin 37 Jahre...