Wie soll ich mich verhalten?

Heike @, Tuesday, 10.06.2008, 20:59 (vor 6645 Tagen)

Hallo!
Habe mal eine Frage an Euch, wie würdet Ihr Euch in meiner Situation verhalten? Mein Mann hat seit einigen Jahren
epileptische Anfälle die mit einem VNS zur Zeit gut eingestellt sind. Leider wurde jetzt noch festgestellt, dass er noch psychogene Anfälle hat. Wir hatten sechs Wochen ruhe. Er fühlte sich gut. Ein Antrag wurde an die Krankenkasse gestellt wegen Aufnahme in einer psychosomatischen Klinik. Zur Zeit noch nichts gehört. In Langzeittherapie war mein Mann bis vor kurzem. Jetzt heute hatte er wieder mal einen psychogenen Anfall. Er war mit dem Fahrrad unterwegs. Fremde Personen haben einen Krankenwagen gerufen. (Was natürlich selbstverständlich ist.) Habe anschließend mit dem Oberarzt im hiesigen Krankenhaus (Intensiv) gesprochen.
Leider ist vor Ort keine Neurologiesche Station. Der Oberarzt bekommt schon langsam einen dicken Hals, wenn mein Mann eingeliefert wird. Trotz allem das sie ihn alles Mögliche verabreicht haben (Dornicum .....)randaliert er immer noch weiter. Der Oberarzt ist total mit ihm überfordert. Er und die anderen Ärzte auf der Intensiv geben mir das Gefühl, als wenn wir selber die Schuld daran tragen, das er diese Krankheit hat. Er wird behandelt, als wenn er Alkoholkrank ist (er trinkt keinen Tropfen). Manchmal denke ich sogar, dass bestimmt Alkoholkranke besser behandelt werden. Der Oberarzt meinte heute zu mir, in dem Zustand wo mein Mann sich dann gerade befindet, würde er alle Patienten auf der Intensivstation vergraulen. Am liebst würde ich, wenn ich dann meinen Mann aus dem Krankenhaus hole, einen riesigen Schreikrampf bekommen wollen und den Ärzten einmal gehörig die Meinung sagen. Ich habe aber dann die Befürchtung, dass er bei der nächsten Aufnahme dort im KH noch mehr darunter leiden muss. Ich finde die Ärzte bei uns vor Ort in den Krankenhäusern zum Kotz....Wie soll ich mich jetzt an Eurer Stelle das nächste mal gegenüber den Ärzten verhalten. Warte auf Eure Antworten. Danke!
Wünsche allen eine anfallsfreie Sommerzeit! Heike

Re: Wie soll ich mich verhalten?

Andreas Völcker ⌂ @, Tuesday, 10.06.2008, 21:37 (vor 6645 Tagen) @ Heike

[zitat=Heike]Hallo!
Habe mal eine Frage an Euch, wie würdet Ihr Euch in meiner Situation verhalten? Mein Mann hat seit einigen Jahren
epileptische Anfälle die mit einem VNS zur Zeit gut eingestellt sind. Leider wurde jetzt noch festgestellt, dass er noch psychogene Anfälle hat. Wir hatten sechs Wochen ruhe. Er fühlte sich gut. Ein Antrag wurde an die Krankenkasse gestellt wegen Aufnahme in einer psychosomatischen Klinik. Zur Zeit noch nichts gehört. In Langzeittherapie war mein Mann bis vor kurzem. Jetzt heute hatte er wieder mal einen psychogenen Anfall. Er war mit dem Fahrrad unterwegs. Fremde Personen haben einen Krankenwagen gerufen. (Was natürlich selbstverständlich ist.) Habe anschließend mit dem Oberarzt im hiesigen Krankenhaus (Intensiv) gesprochen.
Leider ist vor Ort keine Neurologiesche Station. Der Oberarzt bekommt schon langsam einen dicken Hals, wenn mein Mann eingeliefert wird. Trotz allem das sie ihn alles Mögliche verabreicht haben (Dornicum .....)randaliert er immer noch weiter. Der Oberarzt ist total mit ihm überfordert. Er und die anderen Ärzte auf der Intensiv geben mir das Gefühl, als wenn wir selber die Schuld daran tragen, das er diese Krankheit hat. Er wird behandelt, als wenn er Alkoholkrank ist (er trinkt keinen Tropfen). Manchmal denke ich sogar, dass bestimmt Alkoholkranke besser behandelt werden. Der Oberarzt meinte heute zu mir, in dem Zustand wo mein Mann sich dann gerade befindet, würde er alle Patienten auf der Intensivstation vergraulen. Am liebst würde ich, wenn ich dann meinen Mann aus dem Krankenhaus hole, einen riesigen Schreikrampf bekommen wollen und den Ärzten einmal gehörig die Meinung sagen. Ich habe aber dann die Befürchtung, dass er bei der nächsten Aufnahme dort im KH noch mehr darunter leiden muss. Ich finde die Ärzte bei uns vor Ort in den Krankenhäusern zum Kotz....Wie soll ich mich jetzt an Eurer Stelle das nächste mal gegenüber den Ärzten verhalten. Warte auf Eure Antworten. Danke!
Wünsche allen eine anfallsfreie Sommerzeit! Heike
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Hi Heike,
es ist immer schwer von einem entfernten Ort Ratschläge zu geben. Aber ich versuche Dir mal etwas zu beschreiben was uns passierte.

Frau wurde in Klinik mit Neurologie eingeliefert;
Frisium von 4mg wurde (durch nicht richtiges lesen der Akten) auf 0mg gesetz;
Schwere Entzugserscheinung sowie weggehen der Patientin, agressives verhalten gegenüber Mitpatienten und Schwestern;
Meine Frau wurde teilweise in fremden Stationen wiedergefunden und zurückgebracht;
Ich habe meine Frau am entfernen aus der Klinik gehindert.

Danach einige ernste Worte mit den Schwestern und der Stationsärztin gewechselt. Da sie gegen die Aufsichtspflicht, Fürsorgepflicht und auch gegen ihren Berufseid (vernachlässigen von schwerstkranken)verstoßen, wurden diese von mir aufgeklärt, das bei weiterem Fehlverhalten ich eine Aufsichtsbeschwerde gegen die Station und deren Personal einleiten werde sowie mir rechtliche Schritte vorbehalte. Danach wurde meine Frau sehr sorgsam behütet. Ich wurde zwar mit Blicken ermordet, aber das war und ist mir egal. Wichtig war es mir, das meiner Frau geholfen wurde und sie nicht wie eine Vollbekloppte behandelt wird.
Ausserdem sie es mal anders. Wenn Dein Mann nicht krank währe und die anderen auch nicht, währen die Ärzte arbeitslos. Also sind diese Dienstleister und Dein Mann ihre Arbeitsgarantie. Also Kunde ist König. Lass Dich nicht fertig machen
Gruß Andreas

Re: Wie soll ich mich verhalten?

Anton @, Tuesday, 10.06.2008, 22:06 (vor 6645 Tagen) @ Heike

Hallo Heike,
ich nenne es ganz leger so: "Mit Deinem Mann muss etwas passieren." Ich gehe davon aus, dass er bis vor kurzem ambulant in psychologischer Behandlung war. Wenn dem so ist, sollte sein Hausarzt, sein Psychologe und sein Neurologe ein ärztliches Attest schreiben, dass er dringend stationär in eine Psychosomatische Klinik aufgenommen werden muss, weil sich herausgestellt hat, dass die ambulante Versorgung nicht seine Probleme lösen kann.

Durch die große Gesundheitsreform sind die Krankenkassen entmüdigt worden. Allein das Sagen haben die Ärzte. Wenn sie aufgrund medizinischer Indikation für eine Kur plädieren, bekommt Dein Mann sie. Der Weg läuft so: a) Der Hausarzt beantragt bei der Kasse die Kur, b)ergänzend zu den Aussagen des Arztes können auch Atteste von Fachärzten und Therapeuten sein, c) die Kasse prüft und läßt die Angelegenheit vom Medizinische Dienst absegnen.

Vor der Kasse hört man im Regelfall gar nichts über den Entscheid. Meistens kommt einige Wochen nach der Beantragung durch den Hausarzt die Einladung einer Kurklinik. In den meisten Fällen sind es Kliniken, die unter Vertrag mit den jeweiligen Krankenkassen stehen.

Auf den Notaufnahmestationen der Krankenhäuser sind die Ärzte maßlos überfordert. Dort kommt es dann zu Ausschreitungen, wie Du sie beschreibst. Du solltest es der Not gedrungen ruhig hinnehmen, den Namen der Ärzte merken und sie späterhin bitten, einen Bericht über den prekären Gesundheitszustand Deines Mannes zu schreiben, aus dem dann hervorgehen würde, dass es an der Zeit ist, dass er weitere psychologische Hilfe braucht.

Wenn bei dir Unmut aufkommt, ist das gut zu verstehen. Der Einsatz für Deinen Mann ist zu würdigen. Ich wünsche dir die Kraft, weiterhin für ihn da zu sein. Für ihn hoffe ich, dass ihm bald geholfen werden kann.

Liebe Grüße
Anton

PS.: Außerdem finde ich, dass Dein Mann dringend fachärztlich Betreuung benötigt. Sie kann er nicht erhalten von den Neurologen in Krankenhäusern oder Privatpraxen, sie sind nur zu finden in den Epilepsie-Ambulanzen, noch besser betreut werden könnte er in einem der zahlreichen Epilepsie-Zentren.
Diese Kliniken kannst Du im Internet finden.


Re: Wie soll ich mich verhalten?

Bettina @, Tuesday, 10.06.2008, 23:16 (vor 6645 Tagen) @ Heike

Hallo Heike,
nur kurz um zu sagen, daß ich das Verhalten der Ärzte vollkommen daneben finde. Aber ich habe selbst bis zum Abwinken ähnliche Erfahrungen gemacht. Psychogen wird von den meisten Menschen - leider auch den Fachleuten - gleichgesetzt mit "der/ die will ja nicht anders". Das es sich hierbei um tiefseelische unbewußte Vorgänge handelt, die ihre Ursachen haben, seltenst steuerbar sind und viel Leid beim Betroffenen (und deren Familien) erzeugen kapieren die Weißkittel erschreckend selten. Schublade auf - fertig !
Nach vielen vielen Jahren Erfahrung auch mit anderen Krankheiten gibt es als Patientin für mich nur eines: Mund aufmachen, klare Worte, keine Scheu vorm Kämpfen und keinen Respekt vor angeblicher Hierarchie oder dem Halbgottverhalten haben.
Alles Gute, Bettina

Re: Re: Wie soll ich mich verhalten?

Heike @, Wednesday, 11.06.2008, 21:07 (vor 6644 Tagen) @ Heike

[zitat=Bettina]Hallo Heike,
nur kurz um zu sagen, daß ich das Verhalten der Ärzte vollkommen daneben finde. Aber ich habe selbst bis zum Abwinken ähnliche Erfahrungen gemacht. Psychogen wird von den meisten Menschen - leider auch den Fachleuten - gleichgesetzt mit "der/ die will ja nicht anders". Das es sich hierbei um tiefseelische unbewußte Vorgänge handelt, die ihre Ursachen haben, seltenst steuerbar sind und viel Leid beim Betroffenen (und deren Familien) erzeugen kapieren die Weißkittel erschreckend selten. Schublade auf - fertig !
Nach vielen vielen Jahren Erfahrung auch mit anderen Krankheiten gibt es als Patientin für mich nur eines: Mund aufmachen, klare Worte, keine Scheu vorm Kämpfen und keinen Respekt vor angeblicher Hierarchie oder dem Halbgottverhalten haben.
Alles Gute, Bettina[/zitat]

Hallo Bettina,
möchte mich noch ganz lieb für Deine Antwort bedanken. Wünsche Dir alles Gute und vieeeel Gesundheit. Gruß Heike