Re: Neu hier

Julia @, Wednesday, 18.06.2008, 13:32 (vor 6637 Tagen) @ Celli

Hallo Anja,
die Situation deines Sohnes kann ich sehr gut nachvollziehen, weil ich mich in der Beschreibung, als Kind wiederfinde. Es ging mir genauso.
Ich bin nun 25!!

Kurz zu mir, ich bin 25, habe seit meinem 9. Lebensmonat Epi und auch alle möglichen Diagnosen und Medikamente durch. Heute bin ich anfallsfrei.

Diese komischen Gefühle und das Gefühl zu haben niemand ist da hatte ich auch. Es gehört zu meiner Epilepsie und ist ein Teil von den Anfällen. Ihn herumzuschubsen oder anzustacheln bringt nichts!! Hol ihn da ab, wo er ist!!
Wenn er Angst hat, dann nehm in in den Arm oder an der Hand, wenn ihm das lieber ist. Du signalisierst somit, ich bin da!!!

Auf jeden Fall muss auch euer behandelnder Arzt davon wissen!!! Es ist für ihn wichtig, denn dann kann er deinen Sohn besser behandeln. Frag deinen Sohn was er spürt, wärend "dieser Gefühle, schreibs auf und bring dem Arzt die Notiz mit!!!

Dass dein Sohn insgesammt sehr langsam ist, sehe ich in Verbindung mit der Epilepsie. Und auch da gilt, hol ihn dort ab wo er ist. Zwing ihn NICHT zur Schnelligkeit, so was überfordert!!! Das weiss ich aus eigener Erfahrung nur zu gut!!! Das Gefühl dabei: Man hat das Gefühl, ich machs doch schon so gut ich kann, doch die Anderen sind immer schneller und als Kind weiss man nicht warum dass so ist. Die Anderen sind meist weiter im Denken als man selbst. Man verharrt unbewusst in unwichtigen Details, obwohl sie nicht wichtig sind. Macht sich selbst Mauern, unbewusst, muss sie zuerst überwinden, und das bremst natürlich!! Und je nachdem was man für Medikamente nimmt, kommen die auch noch dazu und bremsen einen z. B in dem die Wahrnehmung eingeschränkt wird!!!Für deinen Sohn, wie auch für mich damals und auch heute noch, ist das normal, wir kennen ja kein Leben ohne Medikamente, haben keinen Vergleich!!!

Wenn du was nicht verstehst frag ihn einfach. Was möchtest du?? Gib ihm die Zeit Dinge zu tun, die er tun möchte. Durch ausprobieren und ständiges wiederholen, wird es langsam Routine und dann wird auch dein Sohn etwas schneller!!!! Lass ihn auch schwierigere Sachen ausprobieren, du zeigst ihm damit, ich glaub an dich, du schafst dass!!! --Die Freude ist dannach umso größer wenns gelingt, auch wenns länger gedauert hat. Sowas stärkt das Selbstvertrauen!!!!

Diese Aggressionen müssen übrigens nicht zwangsläufig von den Medis kommen. Es kann auch sein, dass dein Sohn mit sich selbst unzufrieden ist, dass ihn seine Langsamkeit ankotzt und er deswegen ausrastet!!!!

Schließlich hinterlässt so etwas nicht nur bei den Eltern Spuren, sondern der Betroffene ist ja letztendlich der der lernen muss damit zu leben!!!!!!!!!!!
Das man es lernen kann seh ich an mir selbst, ich habs geschaft!!! Heute mit 25 fällt diese Schwäche den Anderen kaum auf!!! Ich hab gelernt damit offen umzugehen, es akzeptiert und somit akzeptieren es auch die Anderen!!!

Hoffe ich konnte dir ein Stück weit helfen, und hoffe du verstehst deinen Sohn nun besser. Bei Fragen schreib mir einfach.

Liebe Grüße und euch viel Kraft
Julia

[zitat=Celli]Hallo zusammen,
ich habe das Forum neu entdeckt und habe unendlich viele Fragen an Euch.
Aber erstmal kurz zu uns. Mein Sohn ist 10 Jahre und hat seitdem er 3 ist Anfälle. Alle möglichen, grand mal, petit mal, atypische Absencen, Sturzanfälle usw. Er hat alle Medis durch, selbst ketogene Diät.
Seit einem Jahr quälen uns Aggressionen, die wie aus heiterem Himmel auftreten und seit neustem beschreibt er "so komische Gefühle", er weiß das ich da bin, aber hat das Gefühl das nicht... Er ist in seinem ganzen Tun sehr langsam und ich weiß oft nicht, ob ich ihm einen Gefallen tue, wenn ich ihn anschiebe oder er in diesen Momenten einfach nicht kann.
Ich weiß, das ist sehr viel, aber meine Hoffnung ist, ihn durch Euch besser verstehen zu könne, wie man sich fühlt.
Bitte schreibt einfach, was Euch dazu einfällt. Vielen Dank
Anja
[/zitat]


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