psychogene Anfälle

Nicole @, Saturday, 30.08.2008, 18:29 (vor 6564 Tagen)

Mein Freund leidet an psychogenen Anfällen, und fühlt sich bei Ärzten und Kliniken nicht gut betreut. Beim letzten Anfall war ich in der Klinik dabei, die Schwestern haben sich über ihn lustig gemacht. Es war schrecklich. Jetzt ist er inder Psychiatrie, bekommt aber seit 2 Wochen keine psycholog. Beratung, weil Ärzte im Urlaub sind.Er sucht eine andere Klinik(Schwarzwald). Hat jemand einen Tip?
Ich habe beobachtet, dass er sich in den Tagen und Wochen vor einem Anfall stark verändert, er wird dann immer aggressiver. Ist das normal?

Re: psychogene Anfälle

Bettina @, Sunday, 31.08.2008, 00:28 (vor 6564 Tagen) @ Nicole

Hallo Nicole,
das mit der sich steigernden Aggressivität vor einem (psychogenen) Anfall ist mir bisher unbekannt. Aber ich selbst war extra in Bethel, weil sie dort auch eine spezielle Abteilung für psychogene/ psychosomatische Anfälle haben und ich gerne alles abgeklärt haben wollte. Bei mir meinte der Oberarzt, ich hätte keine. Trotzdem habe ich mir die Station angeschaut und mich informiert. Die bieten dort Langzeittherapie an. Mein Eindruck war sehr gut.
Leider ist auch heute noch die allgemeinübliche Meinung, daß psychogen = unecht/ geschauspielert bedeutet. Extrem unfair, aber mit jeder "Psycho-Diagnose" kommt man in diese Schublade und wird leider von unerfahrenen Menschen entsprechend behandelt. Selbst ich habe trotz aller Theorie gedacht: wenn es bei mir psychogen (oder eine Mischform) ist - dann stelle ich mich doch an, oder ?! Bis heute habe ich das Gefühl, nicht wirklich ernst genommen zu werden. Da hilft wirklich nur eine gute erfahrene Klinik. Ev. auch spezialisiert auf Traumatherapie, denn Traumatisierte leiden meines Wissens häufiger unter psychogenen Anfällen.
Herzlichen Gruß, Bettina

Re: psychogene Anfälle

nicole @, Sunday, 31.08.2008, 18:26 (vor 6563 Tagen) @ Nicole

Hallo Nicole,

ich war auf der psychosomatische Epileptologiestation in Bethel. Wie Bettina schon ansprach. Ich war zwar sehr lange dort (11 Wochen), aber ich wurde da sehr gut betreut. Ich hatte eine Bezugsperson aus dem Pflegepersonal, wenn du wen zum reden brauchst ist immer wer da. Man hat verschiedene Therapien und auch 1mal die Woche Einzelgespräch mit dem psychologen, 1mal die Woche kannst zu sätzlich hingehen und 2mal die Woche hat man Gruppen therapie, wenn du daeingeteilt bist. Als ich entlassen wurde habe ich dann eine ambulante Therapie aufgenommen. Ich war allerdings danach dort noch 9 wochen in medizinischer Reha und beende demnächst meine berufliche Reha. Seit ich dort war ist also alles in allem relativ gut verlaufen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen dass sich der WEg dorthin lohn. Ich hatte mitpatienten aus dem Saarland und auch aus Schleswig Holstein.
Auch wenn ich am Anfang dachte der Chefarzt (der Station) ist komisch... letztendlich hat er echt viel drauf und du wirst ernst genommen. Man hat sich dort sogar die Zeit genommen mir mein 24 Std.-EEG zu erklären, weil ich gerne wissen wollte, was abläuft bei mir im Kopf - um es selber besser zu verstehen.

Ich kann also den Weg dorthin nur empfehlen.

LIeben Gruß
Nicole

Re: psychogene Anfälle

Dirk @, Sunday, 31.08.2008, 21:08 (vor 6563 Tagen) @ Nicole

Hallo Nicole

Ich hab zwar keine Erfahrung mit Bethel aber ich kann dir den Rat geben dich mal beim Chef über das Verhalten der Schwestern zu beschweren. Egal ob psychogen oder epileptisch, kein Kranker hat es verdient das man sich über ihn lustig macht, noch dazu ausgebildetes Pflegepersonal das es eigentlich wissen sollte.

Ich selber hatte ein ähnliches Erlebnis mit den Neurologen. 2 Jahre wurde ich herumgeschoben und schliesslich in die Psychoschublade abgeschoben. Schliesslich stellte sich aber doch heraus das ich an einer schweren Herzerkrankung leide an der ich auch sterben könnte. Herausgefunden hat das ein alter Hausarzt aus einem kleinen Bauerndorf nur mit abhören. Danach bekam ich den schrittmacher implantiert. Wenn es heißt Psycho ist das meist gleichbedeutend wie das sie sich einfach nicht auskennen. Ich nwurde nie von einem Internisten in der Klinik angeschaut. Heute noch bin ich stinksauer aber mit denen rechnete ich ab. Als ich wegen meiner Epilepsie auf der Neuro war haben sie wieder rumgepfuscht doch diesmal wehrte ich mich. Ich liess nicht mehr alles mit mir machen und drohte schliesslich mit der Presse wenn sie es wagen würden mir wegen der Epi Probleme zu machen. Die waren vielleicht scheißfreundlich. Ich bekam weder irgendwelche Auflagen und hab seitdem meine seelige Ruhe.

Ich kann dir nur raten dich zur Wehr zu setzen und dich mal zu beschweren. Es lohnt sich wenn die mal was auf die Mütze kriegen.

Grüße Dirk

Re: Re: psychogene Anfälle

Tina @, Monday, 01.09.2008, 13:04 (vor 6562 Tagen) @ Nicole

Hallo Nicole,

ich kann mich nur den Ausführungen meiner Vorgänger anschließen.

Wenn dein Freund eine Klinik im Schwarzwald sucht so kann ich sehr das Epilepsiezentrum Kork in Kehl-Kork empfehlen.
Vor einem Jahr lag ich selbst auch dort und man konnte mir sehr gut helfen, wurde von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Das ist eine Spezialklinik für Epi mit professionellen Mitarbeitern, auch das Pflegepersonal ist geschult und super.
Nur muß man eine lange Wartezeit einplanen, welche sich aber sehr lohnt.
Eine längere Wartezeit ist besser als wenn man mit irgendwelchen unerfahrenen Ärzten auf diesem Gebiet nur herumeiert…

Hoffe dass ich dir weiterhelfen konnte.
LG Tina