Re: Vimpat
Hallo Marco,
dies ist zwar kein Erfahrungbericht aber ein Fachbericht der aufzeigt wie man Lacosamid in der Epilepsietherapie einschätzt
Epilepsie: Vimpat (Lacosamid) als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen
Beim 4. Turmgespräch Epilepsie in Köln stellten führende Epileptologen das neue
Antikonvulsivum mit dem Wirkstoff Lacosamid vor. Es ist seit dem 29. August 2008 für
die Zusatztherapie von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundärer Generalisierung bei
Epilepsiepatienten ab 16 Jahren zugelassen. Die Ergebnisse aus drei klinischen
Multicenter-Studien mit placebokontrolliertem, doppelblindem Studiendesign hatten die
Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Lacosamid dokumentiert.
Lacosamid ist das erste Medikament einer neuen Wirkstoffklasse, das von der EMEA die
Zulassung für die Zusatztherapie bei Epilepsie erhalten hat. In präklinischen Studien konnte
gezeigt werden, dass Lacosamid selektiv die langsame Deaktivierung von Natriumkanälen
verstärkt und mit CRMP-2 (collapsin-response mediator protein 2) interagiert, das
hauptsächlich in Neuronen exprimiert wird und dort die neuronale Differenzierung und das
Axon-Wachstum steuert.
Drei große randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde Studien zur Zusatzbehandlung
mit Lacosamid bei therapieresistenten fokalen Epilepsien führten zur Zulassung von
Lacosamid, erläuterte Dr. med. Stephan Arnold, München. Die Studie SP667 (Phase II der
klinischen Prüfung) wurde in den USA und einigen europäischen Ländern durchgeführt. In
gleich verteilten randomisierten Gruppen wurden die Lacosamid-Dosierungen 200 mg/d, 400
mg/d und 600 mg/d mit Placebo verglichen. Die Phase III Studie SP755 (Europa und
Australien) verglich Lacosamid 200 mg/d und 400 mg/d mit Placebo, in der amerikanischen
Schwesterstudie SP754 wurden placebokontrolliert 400 mg/d und 600 mg/d Lacosamid
untersucht.
Insgesamt wurden 1.300 Patienten für die klinischen Studien rekrutiert. Die Patienten hatten
fokale Epilepsien und nahmen bereits ein bis drei Antiepileptika ein. Alle drei Studien waren
gleich aufgebaut: Nach einer achtwöchigen baseline-Phase erfolgte die Randomisierung. In
der Titrationsphase wurde in 100 mg-Schritten pro Woche bis zu der festgelegten Zieldosis
aufdosiert und anschließend über 12 Wochen die Wirksamkeit und Verträglichkeit evaluiert.
Meine persönliche Erfahrung mit Lacosamid bezieht sich auf eine Gruppe von 12 Patienten,
die zwischen Juli 2004 und Januar 2005 in die Studie SP755 eingeschlossen wurden, sagte
Arnold. Als Ursache der Epilepsien zeigten sich sowohl angeborene Fehlbildungen als auch
erworbene Störungen. Von den 12 Patienten, die Lacosamid-Tagesdosierungen von 300 -
400 mg/d erhielten, zeigten 11 eine mittlere Anfallsreduktion von 40%. Bei einigen Patienten
konnte durch Dosis-Steigerung auf bis zu 800 mg/Tag eine weitere Reduktion der
Anfallshäufigkeit erreicht werden. Neben der Reduktion der Anfallshäufigkeit zeigten 5 der 12
Patienten eine Reduktion der Anfalls-Schwere. Bei manchen Patienten konnte die Anzahl der
Begleitmedikamente bzw. die Höhe der Dosis erheblich reduziert werden.
Über 90% der Patienten aus den Zulassungsstudien nahmen das Angebot einer offenen
Weiterbehandlung im Rahmen einer offenen Langzeitbeobachtung an und nehmen Lacosamid
jetzt teilweise schon über acht Jahre, hob Dr. med Günter Krämer, Zürich, die Retentionsrate des neuen Antiepileptikums hervor. Gerade bei zunächst nur zur Zusatzbehandlung schwer behandelbarer Epilepsien zugelassenen Medikamenten ist die als Retentionsrate bezeichnete Beibehaltung eines Medikamentes langfristig ein aussagekräftiges Maß für den Behandlungserfolg im Gegensatz zu der für eine kurzfristige Bewertung benutzte Responderrate, konstatierte Krämer.
Abschließend stellte er die Effektivität von Lacosamid bei der Verringerung der Häufigkeit
fokaler Anfälle heraus. Die Daten von über 1.300 Patienten sind Beleg für die Wirksamkeit der
Substanz, auch dann, wenn die Patienten auf andere neuere Antiepileptika einschließlich Wirkstoffen wie Levetiracetam, Oxcarbazepin oder Topiramat nicht angesprochen haben.
Mit Hilfe einer medikamentösen Therapie gelingt es bei rund zwei Dritteln der Epilepsiepatienten, die Anfälle zu kontrollieren. Bei den übrigen Patienten spricht man von einer pharmakoresistenten Epilepsie. Der zusätzliche Einsatz weiterer Antiepileptika (Add-On-Therapie) kann bei einem Teil der pharmakoresistenten Epilepsiepatienten eine reduzierte Anfallsfrequenz oder mildere Anfallsformen erzielen, jedoch selten eine vollständige Anfallsfreiheit. Professor Dr. med. Christian E. Elger, Bonn, erläuterte in diesem
Zusammenhang verschiedene Paradigmenwechsel, die in den letzten Jahren zu unterschiedlichen Empfehlungen zum Einsatz von Antiepileptika geführt haben: Im Jahr 2000 publizierten Kwan und Brodie einen pessimistischen Artikel über den Einsatz der
verschiedenen antiepileptischen Medikamente bei neu diagnostizierten Epilepsiepatienten. Sie kamen darin zu dem Schluss, dass nach dem Versagen des zweiten antiepileptischen Medikamentes eine weitere Therapie wenig Sinn machen würde, da die Chance auf
Anfallsfreiheit nur bei 4 - 5 Prozent durch den Einsatz einer dritten Substanz oder durch
Kombinationstherapie zu erreichen sei. Diese Arbeit hat vor allem im Bereich der
Epilepsiechirurgie zu einem Paradigmenwechsel geführt: Epilepsiepatienten, die gute Anwärter
für eine erfolgreiche Epilepsiechirurgie sind, werden seitdem früher einer Operation zugeführt.
Dank der neuen Antiepileptika, die in jüngster Vergangenheit zugelassen worden sind, scheint
nun eine neue Trendwende eingeleitet worden zu sein. Neue, moderne Antiepileptika geben
dem Patienten eine Chance von 10 - 15%, auch längerfristig in die Gruppe der anfallsfreien
Patienten hineinrekrutiert zu werden. Der Einsatz eines neuen Antiepileptikums sollte deshalb
mit Engagement vorangetrieben werden, wenn der Patient durch die bestehende Medikation
nicht anfallsfrei ist, erklärte Elger.
Quelle: UCB
weitere Informationen
http://kompetenznetzepilepsie....e-forum-24.html
Weitere Beiträge im Epilepsie-Netz Forum
http://forum.epilepsie-netz.de...hp?topic=5350.0
Liebe Grüße
Ragnar
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- Vimpat -
Dirk,
17.11.2008, 01:31
- Re: Vimpat - 'Leben mit Epilepsie', 17.11.2008, 17:16
- Re: Re: Vimpat - 'Leben mit Epilepsie', 17.11.2008, 17:23