E und Arbeit

gerhard @, Thursday, 12.02.2009, 15:30 (vor 6398 Tagen)

Hallo zusammen,

ich hatte letzte Woche einen Anfall auf der Arbeit, nach 3 Monaten Anfallsfreiheit. Bin derzeit ziemlich deprimiert weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte !

Natürlich Ärger mit dem Chef, zumindest verbal 'alle auf meiner Seite und volles Verständnis' .
Nur, ich frage mich, wie lange das gilt, und das treibt mich derzeit um.
Ich habe Angst, deswegen auf die Abschußliste des Unternehmen bei der nächsten Kündigungswelle (natürlich alles 'betriebsbedingt' ) zu geraten.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht ? Wie soll ich mich eurer Meinung nach verhalten ?

Schwerbehinderung möchte ich derzeit nicht beantragen, weil ich nur 40 % höchstens bekommen würde, was ich glaube zu wenig ist, um Schutz zu bekommen. Daher sehe ich es derzeit auch nicht als besonders clever an, mir dann das alles auch noch mit einem amtlich Stempel zu ergänzen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht ???

viele Grüsse soweit,
gerhard

Re: E und Arbeit

Matthias @, Thursday, 12.02.2009, 17:23 (vor 6398 Tagen) @ gerhard

Hallo,

wenn Du nicht von Anfang an mit Offenen Karten gespielt hast, bist Du selbst schuld wenn er Dich los werde will; es geschieht Dir auch nicht besser.
Ich sage es immer wieder, dass die, die meinen, dass sie die Weisheit mit dem Löffel einnehmen, sich nicht zu beklagen haben, wenn sie dann eben auf der Abschussliste stehen. Wenn die Obrigkeit das akzeptiert, dann werden sie einen trotz dem einstellen und wenn die Weisheit eben wartet, bis der erste Anfall da ist, dann braucht man sich nicht wundern, wenn man eben fliegt und die finden was, dass sie einen los werden. Es ist eben wie Schwarzfahren, das auch so lange klappt bis eben mal eine Kontrolle kommt.

Ob Du also Angst hast, oder nicht, bleibt Dir über. Aber besser machen wirst Du es nicht können. - Abwarten.

Matthias

Re: E und Arbeit

Michael Staub @, Thursday, 12.02.2009, 18:45 (vor 6398 Tagen) @ gerhard

Ich würde auf jeden Fall einen Antrag nach dem Schwerbehindertenrecht stellen, denn wenn ein GdB (Grad der Behinderung) von 30 bzw. 40 anerkannt wird so kannst du dich beim Arbeitsamt mit einem Schwerbehinderten gleich stellen lassen. Das beudetet das du Kündigungsschutz hast.

Re: Epilepsie und Arbeit

'Leben mit Epilepsie' ⌂ @, Friday, 13.02.2009, 03:12 (vor 6397 Tagen) @ gerhard

Kündigungsschutz ist nur ein schönes Wort hilft aber nicht wirklich.
Wenn eine Firma einen loswerden will, dann werden sie nie Epilepsie als Grund nehmen. Es gibt 'zig andere Gründe.
Sich jetzt mit einem Gleichstellungsantrag den Schwerbehindertenstatus zu holen bedeutet nur Ärger. Bedeutet für einen Chef nur Balast. Zumal er dir dann ein paar extra Urlaubstage geben muß.
Laß es und versuche eher ein offens Gespräch zu führen und aufzuklären - Welche Art von Epilepsie - wie oft bzw. selten du krank sein kannst.
Welche Auswirkungen hat deine Epilepsie auf den Arbeitsplatz und die Umgebung.
Bedenke auch ein Chef ist ein Mensch und weiß zu 95% Nichts über Epilepsie. Unwissenheit kann auch bei Ihm zu einer berechtigten Angst oder Sorge führen.
Sobald er sich aber seinen Kopf zerbricht könnte er dir aus Angst evtl. kündigen.

Besprich dies mit einer guten Arbeitskollegin und eurem Betriebsrat machmal sind sie auch Vertrauenspersonen schwerbehinderter Menschen -- aber keine Wallungen machen.

LG Ragnar

Re: E und Arbeit

nicole @, Friday, 13.02.2009, 21:13 (vor 6397 Tagen) @ gerhard

Hallo Gerhard,

ich kann dich irgendwie schon verstehen, auch wenn ich die Sache ganz anders angegangen bin. Ich habe einen Schwerbehindertenausweis mit 80% und Merkzeichen - allerdings nicht zur Epi. Ich habe meinen jetztigen Job über ein Praktikum einer beruflichen Reha erhalten und von Anfang an gesagt ich hätte eine Anfallserkrankung. Damals war sie allerdings noch gut eingestellt. Da ich aber keine Garantie geben kann, das es nicht mal zu einem Anfall kommt - was wir ja alle nicht können. Wollte ich das meine Chefs wissen wie sie reagieren müssen.

Inzwischen habe ich trotz Schwerbehinderung dort einen festen Arbeitsplatz in Teilzeit. Mein Chef passt auf das es nicht zu viel wird und wenn ich Anfälle hatte - ich habe momentan nahezu täglich welche - soll ich einfach langsam machen. Ich habe das Glück einen sehr verständnisvollen Chef zu haben. Er will auch immer wissen wenn ich Anfälle hatte. Ich kriege in der Beziehung viel Unterstützung.

Bin allerdings noch nie wegen Anfälle wirklich ausgefallen, höchstens mal weil ich zum Doc musste.

Ich plädiere immer dafür mit offenen Karten zu spielen.

Viele Grüße und viel Erfolg.

Nicole

E und Arbeit

isa, Frankreich, Sunday, 05.04.2009, 16:46 (vor 6346 Tagen) @ gerhard

Hallo

Ich lebe seit 40 Jahren mit Epilepsie.
Bei meiner ersten Stelle habe ich anfangs nichts gesagt, weil ich befürchtete, die Stelle sonst nicht zu bekommen. Doch bereits nach ein paar Wochen, also noch während der Probezeit, habe ich dem Chef gesagt, dass ich Epileptikerin bin und die Mitarbeiter informiert, wie sie sich am besten verhalten, wenn es zu einem Anfall kommt. Später, auch als ich schon lang anfallsfrei war, hab ich es immer sofort gesagt. Ist ja schliesslich nichts, dessen man sich schämen müsste.
Steh ruhig zu Deiner Epi! Sprich offen darüber, und bau den Druck ab "Ich darf nur ja keinen Anfall bekommen" oder "Hoffentlich merkt keiner, was mit mir los ist" usw. Dir und Deinen Kollegen geht's besser, wenn ihr wisst, wie sie bei einem Anfall zu reagieren haben, und dass das Ganze viel schlimmer aussieht als es ist.
Bei mir hat sich nie jemand daran gestört, dass ich Epileptikerin bin; es kamen höchstens so blöde Sprüche wie "du bist aber doch gar nicht geistesgestört; wieso hast du Epi?" oder "das sieht man dir aber gar nicht an" usw., was aber auf Unwissenheit und Unaufgeklärtheit zurückzuführen ist.

LG
isa