Re: psychosomatische Afälle

Betty @, Friday, 20.02.2009, 11:52 (vor 6390 Tagen) @ Doe

[zitat=Doe]Hallo,
unser Sohn ist 11 Jahre (im März wird er 12) und seit er 5 ist wissen wir das er Epileptiker ist. Er nimmt im Moment nur Lamotrigin und kommt ganz gut damit zurecht.
Er geht auf eine Regelschule und hat im letzten Jahr in die 5 Klasse gewechselt. Er hat eine persönliche Assistenz in der Schule und das lief auch erst ganz gut . Nur der Assistent kam wohl irgendwann nicht mehr mit seiner langsamen Art zurecht und hat ihn angeschrien und unter Druck gesetzt . Unser Sohn hat sich leider erst, nach dem andere aus der Klasse die Lehrer angesprochen haben, getraut zu erzählen. Das ist jetzt 3 Wochen her und seit dem ist er erstmal ohne Assistenz in der Schule. Am vergangen Wochenende hat er dann ganz anders wie sonst gekrampft. Zum Glück haben wir es aufgenommen und unser Neurologe meinte dann es wären Psychosomatische Anfälle. Habt ihr damit Erfahrung? [/zitat]

Hallo liebe Mama,

habe auch eine Tochter (13) mit psychogenen Anfällen (zu einer Rolandoepi).

Eine Schulbegleitung hatte sie auch, was ihr ebenfalls psychisch sehr zugesetzt hatte.
Jetzt ist sie ohne Begleitung auf einer Gesamtschule zufrieden integriert.

Psychogene Anfälle sind nicht-epileptisch, d.h. sie gehen ohne iktalem Muster im EEG einher, sehen aber in etwa aus wie bei Epilepsie.
Psychosomatische Anfälle heissen bei manchen Ärzten aber auch, dass es epileptische A. sind, die aber durch psychischen Druck vermehrt ausgelöst worden sind.

Der Unterschied sollte im Vorfeld geklärt werden, damit der richtige Therapieweg entschieden wird.

Es gibt mehrere Möglichkeiten bei psychogenen Anfällen:
Du holst dir kinderpsychiatrische Hilfe, weil wie bei deinem Sohn das Verhalten seiner Schulbegleitung ihm psychisch ziemlich zugesetzt zu haben scheint.
Dort könnt ihr die (wahrscheinliche?) "Ursache" dieser Anfälle dann bearbeiten.

Als zweites kann das Umfeld (Eltern/Geschwister...weil diese Form der Anfälle meist als zeichen vom Kind "mir gehts schlecht, guck mal hin!" in Anwesenheit vertrauter Personen stattfindet) in ihrem Verhalten viel bewirken:
Tauchen Anfälle auf, dann sollten diese ignoriert werden, weil sie ganz sicher irgendwann verschwinden. Natürlich sollte bei Bewusstseinsverlust trotzdem für die Sicherheit des Kindes während des Anfalls gesorgt werden (obwohl uns gesagt wurde, dass die Kinder sich meistens nicht verletzen...das stimmte tatsächlich).
Die entzogene Aufmerksamkeit/Zuwendung für den Anfall sollte dann möglichst hinterher auf einer ganz anderen Basis, die nichts mit Epilepsie o. ä. zu tun hat erfolgen, z. B. zusammen was Kochen, spielen,ins Kino gehen, usw.

Uns wurde diese Therapie so auf den weg gegeben. Auch wenn wir das anfangs für Humbug hielten...es hat geholfen und unsere Tochter ist heute anfallsfrei.

Wenn sie jetzt Probleme hat, bekommt sie keine Anfälle mehr, sondern macht das "gesündeste" der Welt: Sie tobt wütend durch das Haus und erzählt jedem von ihrem Unmut. Trost bekommt sie dann von uns Eltern.

Uns hat die Kinderpsychiaterin mit ihren Tipps sehr geholfen, aber bestimmt ist das bei jedem individuell und ganz anders.
Ich hoffe, dass sich für deinen Sohn einen Weg finden lässt...

LG Betty


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