Und plötzlich ist der Job weg

Tom vom Berg ⌂, Tuesday, 02.06.2009, 11:58 (vor 6288 Tagen)

Auch ich bin neu in diesem Forum.
Kann aber nicht mit so einem Leidensweg aufwarten wie viele von euch.
Im April bin ich trotz schlechten Allgemeinzustand mit einer Laufgruppe joggen gegangen.
Mit schlechten Zustand mein ich habe vor dem Laufen noch was schweres gegessen und bin erst kurz vor dem laufen aufgestanden vom Mittagsschlaf hin zur Gruppe gefahren und gleich losgelaufen. In meinem Körper müßen auch noch einige andere Entzündungen gewesen sein warum sollten sonst die Lymphknoten sonst vergrößtert gewesen sein?
Nach ein paar Kilometern war dann Schluß. Laut Bericht hatte ich dann einen 1-2 Minuten anhaltenen primär generalisierten tonisch-klonischen Krampfanfall war eine idiopathische Epilepsie.

Was immer das für ein Krampfanfall war ich erinnere mich nur das ich mich auf meine Beine aufstützte. Und das ein Lauffreund mich noch fragte "Ob das schon jemand in meiner Familie hatte?" "Was ich verneinte da ich nicht wußte was er meinte"

Im Krankenhaus machte man verschiedene Untersuchungen darunter auch ein EEG in dem man Hyperventilieren mußte. Da hat man eine erhöhte Anfallsbereitschaft wohl gesehen. Von einem Schlafentzugs-EEG nahm man dan Abstand.


Als mein Chef das hörte war ich sehr schnell aller meiner beruflichen Ämter als Eisenbahner enthoben. Mit der Begründung das ich immer irgendwo umkippen könnte.
Nun wollen sie mich zu einener behinderten Person machen, und einen behinderten Posten geben. Obwohl wir auf dem Werk fast keine haben.

Das war der größte Schock. Hätte nie geglaubt das die Arbeit so einen hohen Stellenwert in der Psyche eines Menschen hat. Das verbindet ja alles soziale Absicherung und auch die Gesundheit hat noch mehr gelitten.
Im Krankenhaus meinte ich noch warum liege ich hier fühle mich doch top, und nun jeden Tag ein anderes Wewechen.

Nun habe ich aber ein paar Fragen an euch.

- Kann ein Schwächeanfall mit einem Epelepsieanfall von einem Laien verwechselt werden? Mit Laien meine ich die Zeugen, da ja der Krankenwagen erst nach ca 15 Min. bei uns war. Und im Krankenhaus ein Zeuge gebraucht wurde um ausagen was vorgefallen war.

- Woran erkennt man das man Epelepsie hat?
Wenn man selber noch nie einen Anfall mit gekriegt hat.

- Können die Tabletten einen gesunden Kopf so schädigen das man meint man hat Epelepsie? Wie bei Globolie wenn du die falschen nimmst kriegst du die Sympthome einer anderen Krankheit.

- Bin auf Topomax eingestellt 2 x 50 mg am Tag, wegen Taubheitsgefühl hat der Stationsarzt die Dosis wieder halbiert 2 x 25 mg. Nun hab ich aber immer noch leichte Taubheitsgefühle am Allerwertesten und Angst von Inkortinens. Sollte ich die Dosis nochmals reduzieren? Vor ganzem Absetzen habe ich auch meine bedenken. Einen Neurologen habe ich noch nicht, da man als Kassenpatient ja bekanntlich waren muss, auch wenn mann Probleme hat. Darf nicht ist aber so.


Viele Grüße
Tom vom Berg

Und plötzlich ist der Job weg

Anton, Tuesday, 02.06.2009, 18:31 (vor 6288 Tagen) @ Tom vom Berg

Hallo Tom,

ich finde, Dein Leidensweg ist nicht zu unterschätzen. Du brichst beim Sport zusammen und wirst anschließend Deinen Job los. Viel härter kann es kaum kommen.

Es trifft dich eine Mitschuld. In schlechtem Gesundheitzustand sollte man die Finger vom Sport lassen. Wem es nicht gut geht, sollte seinen Magen nicht quälen. Wer danach Joggen geht, muss sich über gesundheitliche Störungen nicht wundern. Das ist dir leider bestätigt worden.

Wer mit seinem Körper Schindluder treibt, hat mit negativen Konsequenzen zu rechnen. So etwas kann zu Anfällen führen, weil vom Körper mehr verlangt wird als er in der Lage ist zu geben.

Die Diagnose Epilepsie wird eigentlich erst gestellt, wenn vermehrt Anfälle auftreten. Ein einmaliger Anfall bedeutet nicht unbedingt Epilepsie. Das sollte in Deinem Fall noch geklärt werden.

Die Tabletten müssen regelmäßig genommen werden, sonst helfen sie gar nicht. Zum Neurologen solltest Du einmal im Quartal gehen. Den Alkohol solltest Du meiden. Epilepsie hat meistens eine Umstellung des Lebensgewohnheiten zur Folge.
Ausreichend und geregelter Schlaf sind erforderlich, Flackerlicht in Discos sollte man meiden. Eine regelmäßige Tabletteneinnahme ist nötig. Ein Anfallskalender sollte geführt werden. Wenn in der Familie jemand den Ablauf eines Anfalls aufschreiben kann, ist das für den Arzt eine große Hilfe.

Es will dich keiner zu einer behinderten Person machen. Wenn Du die Regeln einhältst, ist ein Leben ohne Einschränkungen möglich.

Als Eisenbahner könntest Du im Falle eines Anfalls dich und Dritte in Gefahr bringen. Aus dem Grund darfst Du Deine Arbeit nicht mehr ausführen. Auch mit dem Autofahren muss erst Schluss sein. Die Richtlinien „Epilepsie und Führerschein“ findest Du im Internet.

Du hast richtig erkannt. Arbeit gehört zum Leben und wer sie nicht hat, leistet großen Verzicht. Arbeit heißt nicht nur Geld verdienen, sie verbindet mit Menschen und schafft Kontakte.

Termine bei Fachärzten zu bekommen ist eine schwierige Sache. Das hat nicht viel mit der Art der Krankenversicherung zu tun. Gute Ärzte haben viel zu tun und kaum Zeit. Da muss der Patient warten. In den Epilepsie-Zentren haben wir mittlerweile Wartezeiten auf den ersten ambulanten Termin von fast einem Jahr.

Im Notfall wirst Du Hilfe bekommen. Ich hoffe, dass es nicht nötig ist und wünsche dir gute Besserung.

Liebe Grüße
Anton

Und plötzlich ist der Job weg

rescue ⌂, Dollbergen bei Uetze, Wednesday, 03.06.2009, 13:27 (vor 6287 Tagen) @ Anton

Hi,
ich kann mir gut vorstellen, das Dir erstmal der Boden unter den Füßen fehlt.
Es gibt im Entdefekt nun drei große Schritte.
1. Suche einen guten Neurologen oder besser einen Epileptologen.
2. Informiere Dich im Netz und auf diversen Homepageseiten über das Leben mit Epilepsie.
3. Lass erstmal alles sein, was Dich und andere gefährdet. Wie Anten schon sagte, Autofahren gehört auf jedenfall dazu.

Ansonsten wird es je nach Anfallsstärke auch so sein, das Du einen Schwerbehindertenausweis beantragen kannst, was nicht als denunzierung gemeint ist, sondern auch einige Vorteile mit dem Nachteil bietet. Sei es Steuervergünstigung, Rente oder auch einen noch mehr gesicherten Job.
Bei Fragen, stell sie ruhig hier. Du wirst viele offenen Ohren und Augen hier finden.
Viele Grüße, Andreas

--
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel. Aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.

Danke

Tom vom Berg ⌂, Wednesday, 03.06.2009, 22:29 (vor 6287 Tagen) @ rescue

Hallo Anton und Andreas

Danke für euere Antworten.
Hätte ich damals gewußt wie es im Inneren in mir aus sieht hätte ich diesen Schindluder mit meinem Körper nicht getrieben. Das wußte ich erst nach dem MRT.
Und auch da gab es nur Vermutungen. Nun weiß ich einiges mehr.

Bis vor sechs Jahren habe ich sehr viel geschlafen, mit der Geburt unserer Zwillinge war das nun vorbei.

Disco war mir schon immer ein grauß.
Aber dem leckeren rot Wein da habe ich nicht nein sagen können.
Seit April gab es keinen Tropfen mehr.Schon wegen der Wirkung mit den Tabletten.

Traurig find ich das man mich noch nicht mal Weichen oder Waggons schmieren läßt. Komme mir vor wie klein Blödie. Nur weil die vom EBA sagen daß kann immer wieder kommen der darf nichts mehr. Nur damit stossen sie denn Angeklagten voll in ein tiefes Psychisches Loch und das muß auch nicht sein. Es heißt ja es kann auch nur einmal im Leben vorkommen.

Was die Autofahrerei angeht hab ich ja sowieso ein Fahrverbot von 3 Monaten.
Und da werde ich mich dran halten schon alleine wegen den Versicherungsschutz.

Auch euere anderen Tips werde ich mir zu Herzen nehmen.

Gruß
Tom vom Berg

Danke

Green, Wednesday, 03.06.2009, 22:54 (vor 6287 Tagen) @ Tom vom Berg

Hallo
habt Ihr keinen Betriebsarzt und auch einen Betriebsrat an den Du Dich wenden
kannst ?
Vielleicht wendest du dich mal an eine Epilepsieberatungsstelle vielleicht könnten die dich bei einem Gespräch beim Arbeitgeber unterstützen.
Oft ist es nur die Unwissendheit und Angst der Menschen die Sie so handeln lassen.
Adressen findest du auf der Hauptseite vorne.
Aber dieser Kampf ist anstregend aber es hilft bestimmt.:-)
Green

Danke

rescue ⌂, Dollbergen bei Uetze, Thursday, 04.06.2009, 13:19 (vor 6286 Tagen) @ Tom vom Berg

Hi Tom,
versteh mich nicht falsch, aber Weichen schmieren und co ist immer im fahrverkehr und somit ein potenzielles "Risiko" für Dich. Was soll sein, wenn Du einen Anfall bekommst und quer über den Schienen liegst, oder beim waggon der dann rangiert wird?
Es ist leider nicht so einfach. Kopf hoch und durch ,-)
Gruß Andreas

--
Wir leben alle unter dem gleichen Himmel. Aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont.

Danke

Tom vom Berg ⌂, Thursday, 04.06.2009, 20:38 (vor 6286 Tagen) @ rescue

Hai Andreas

Im Grunde hast du Recht.
Obwohl ich mich sehr gut fühle, der psychische Schaden war und ist dadurch viel größer geworden.
Der Werksarzt hat alles schwarz gemahlt.
Wenn mann so argumentiert darf man auch kein Auto fahren es könnte ja ein Motorschaden entstehen.

Habe heute gehört da ist einer vor 3 Jahren umgekippt und Epilepsie festgestellt worden. Das hat er leider nicht so gut verkraftet. Nun stellte sich raus es war keine! Was es nun war hat man mir nicht gesagt. Ist nicht so schön oder?

Gruß
Tom vom Berg :-D

Danke

rescue ⌂, Dollbergen bei Uetze, Thursday, 04.06.2009, 22:36 (vor 6286 Tagen) @ Tom vom Berg

Hi Tom,
also das man eine Epi diagnostiziert und man keine hat ist recht unwahrscheinlich. Höchstens das diese Epi eine Randerscheinung war und diese durch auskurieren der Krankheit mit verschwunden ist.
Denn man erkennt sehr gut bei einem EEG das gewisse Spitzen auftreten und somit ein Herd auftritt. Sollte kein Herd dasein und trotzdem Anfälle auftauchen, wird es weitere Untersuchungen geben, wie dauer Videobeobachtung mit Schlafentzug und co. denn eine Diagnose ohne Beweise steht nicht lange.
Wichtig dabei ist auf jedenfall einen Neurologen noch besser einen Epileptologen als Arzt zu haben und nicht nur den Hausarzt. Denn der ist in diesem Falle meist nur Fachidiot (nicht als Beleidigung aufnehmen bitte).
Eine Diagnoseerstellt man meist erst nach gewissen Untersuchungen und dazu gehört dann auch eine Medikamentöse Einstellung.
Gruß Andreas

--
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