mein bruder und die zukunft

chewie55555, Friday, 17.07.2009, 15:31 (vor 6243 Tagen)

hallo liebe mitglieder im forum,

ich habe diese seite noch nicht wirklich durchforstet, momentan beschäftigt mich ein ganz aktuelles problem bzw. ist der anlass überhaupt über die zukunft nachzudenken. mein bruder ist epileptiker, ende zwanzig, und geistig behindert. bedeutet: er braucht eine rund-um-die-uhr-versorgung. momentan übernimmt das meine mutter, allerdings wird sie diese anstrengende pflege ja nicht immer so stemmen können. mein bruder ist tatsächlich ein sehr schwieriger fall. mit anfällen muss man eigetnlich immer rechnen, vor allem während der einschlafens- und aufwachphase. wie erwähnt, 24 stunden muss man für ihn da sein.

leider bin ich in meinem beruf sehr eingebunden (im schnitt eine 60-stunden-woche) und wohne auch weiter weg (2 stunden fahrtzeit). heute hat meine mutter sich am rücken verletzt, sie wollte meinen bruder auffangen, als gerade ein krampfanfall begann. zwar wissenw ir noch nicht, wie schlimm die verletztungen sind (meinem bruder geht es gut), aber im schlimmsten fall wird meine mutter für wochen ausser gefecht gesetzt sein. gerade weiß ich also nicht, wie ich am besten vorgehen soll, damti die pflege meines bruders in dieser zeit gewährleistet werden kann. das ist das aktuelle problem, aber generell muss ich mir natürlich darüber gedanken machen, wie es in zukunft weitergehen soll, schließlich möchte ich meine mutter auch mal entlasten. nur wie vereinbare ich das mit meinem beruf? welche möglichkeiten gibt es? wie geht man vor? worauf muss man achten?

ich werde mich natürlich informieren, freue mich aber auch über jeden tipp, hinweis, der mich da schneller und zielgerichteter voranbringt.

schon mal dank und lg
chewie55555

mein bruder und die zukunft

Michael, Wednesday, 22.07.2009, 21:22 (vor 6238 Tagen) @ chewie55555

Hallo chewie,
das ist ein Problem, was viele Familien betrifft, die mehrfach-behinderte Kinder haben.

Als super Rat kann ich Dir geben, daß es viele Förderwerke gibt, in denen auch schwerst Behinderte arbeiten und mit einem Fahrdienst in ein betreutes Wohnen gefahren werden. Die ganze Sache ist natürlich nicht grad billig.
Wenn jedoch der Behinderte Grundsicherung bezieht, so wird dies teils auch vom Land, oder dem Arbeitsamt übernommen.

Ich selber bekomme jeden Tag Anfälle und kann z.Zt. nicht in den 1. Arbeitsmarkt.
Die Lösung war eine WfbM - Werkstatt für behinderte Menschen -.
Was ich hier sehe, wie herzlich mit den behinderten Menschen gearbeitet wird ist beachtlich.

Eine Lösung wären auch kirchliche Einrichtungen, die gegen Entgelt - wo man auch Unterstützung beantragen kann - Deine Mutter entlasten könnten.

Ich empfehle Euch auch einen Führer durch die Epilepsie, darin steht massiv viel, was den Betroffenen und seine Angehörigen betrifft, viele Adressen und Tips sind vorhanden.
Das Buch - MOSES Er-Arbeitungsbuch Modulares Schulungsprogramm Epilepsie -
ist unter der ISBN 3-935972-07-5 erhältlich.
Wenn Bethel in Bielefeld Euch ein Begriff ist, oder das

Epilepsiezentrum Kork
Landstraße 1
77694 Kehl-Kork

Tel.: 07851/84-2250
Fax: 07851/84-2555
eMail: bsteinhoff@epilepsiezentrum.de

dies sind 1A Abteilungen mit Sozialarbeitern, die sicher Lösungsansätze parat haben.
- Ich war selber da, ist i.O. -

Ich hoffe, das war ne kleine Hilfe,
alles gute Deiner Mutter,

Lg,
Michael

mein bruder und die zukunft

Bianca, Wednesday, 29.07.2009, 13:28 (vor 6231 Tagen) @ chewie55555

Hallo Chewie55555,

ich habe einen autistischen Sohn der seit einem Jahr auch epileptische Anfälle
hat. Ich kenne die Sorgen und Nöte Deiner Mutter. Dein Bruder ist bestimmt
in einer Pflegestufe eingestuft. Was viele nicht wissen......ihm steht wahrscheinlich, genau wie meinem Sohn, (ich habe es selbst erst vor kuzem erfahren!!!)das Betreuungsgeld zu. Ich gehe davon aus, dass dein Bruder eine 24Std. Betreung benötigt. Dann wird das Betreuungsgeld, ich will nicht Lügen,
um die 200 Euro im Monat sein. Das muss bei der Krankenkasse beantragt werden.
Auch gibt es die Verhinderungspflege bis zu 28 Tage im Jahr und bei der Pflegestufe 3 über 1400 Euro im Jahr.

Meinen Sohn habe ich jetzt schon einige Male in der Wochenendbetreuung gehabt
und er fühlt sich dort sehr wohl. Deine Mutter muss langsam lernen loszulassen und kann mit diesen kleinen Schritten anfangen. Mal ein Wochenende, mal eine Woche....

Wenn du noch Fragen hast, dann kannst du dich gerne melden.

Lieben Gruß
Bianca