Euthanasie, was wissen wir
Hallo liebe Chatbesucher,
mich bewegt schonsehr lange die Frage-- was war oder wurde aus den Epilepsiekranken vor 70 Jahren. Wenn ich diese furchtbar unselige Geschichte Revue passieren lasse, komme ich zu der Erkenntnis das wir recht zufrieden sein können. Damals wurde nicht nach Besserung oder gar Heilung gefragt, du warst damals UNWERTES LEBEN. Was passierte weiss jeder.
Ich möchte nicht sagen, dass wir unsere Gesundheitliche Lage bejammern, aber der Hinweis auf die damalige Zeit scheint mir doch sehr wichtig. Ich glaube, dass man dann alles (die eigene schlimme Lage) in einem ganz anderen Licht sieht.
Eine Spur der Erinnerung ist sehr von Nöten.
Ich habe Grand mal Anfälle u. wäre zur damaligen Zeit bestimmt "entsorgt" worden. Das soll ein kleiner Denkanstoss vor allem für unsere Jüngeren Betroffenen gelten. In der Hoffnung euch nicht allzusehr gelangweilt zu haben grüsse ich u. wünsche eine gute Gesundheit.
Heidi
Euthanasie, was wissen wir
Hallo Heidi,
Deine Vermutung kann ich bestätigen. Heydrich und Mengele haben von Goebbels den Auftrag erhalten, zwischen lebenswert und nicht lebenswert zu entscheiden. So wurde an Kranken Versuche unternommen, die zum Tod führten. Besonders im Auge hatte man die „Erbkrankheiten“. Das Epilepsie keine Erbkrankheit ist, wollte man nicht wahrhaben.
Goebbels Wunsch zufolge hat man in Bethel Filmaufnahmen gemacht von nicht therapierten Epilepsiekranken, die zusammengefercht in einem völlig überfüllten Stall unbeschreibliche Szenen abgaben. Diese Aufnahmen sind heute noch in den Archiven zu finden. Ich habe einige davon gesehen.
Mit den Filmen, die Anfallskranke in fürchterlichem Bild darstellten, sollte die Euthanasie für sie erreicht werden. Es war gegen Ende des Krieges und ist nicht mehr durchgekommen. Die besagten Filmaufnahmen sind einer breiten Masse gezeigt worden. Aus meiner Sicht ein Grund dafür, dass heute noch viele Menschen eine völlig falsche Meinung vom Krankheitsbild Epilepsie haben.
Um Deine Frage korrekt zu beantworten. Menschen mit auffälliger Epilepsie und sonst noch einem „Manko“ sind in die Konzentrationslager gekommen.
Liebe Grüße
Anton
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Hallo Heidi,
kurz zu deiner Mail – zuerst: klar, froh bin ich auch, dass „wir“ nicht mehr als lebensunwert gehandelt werden. Jedoch existiert in einer Zivilisation weder in den 1940ern noch in den 2009er Jahren das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Das war damals eben nicht üblich, das war in Deutschland der Fall, weil ein paar Irre an der Macht waren. Aber dass ich aufgrund der damaligen Ereignisse heute „ganz zufrieden sein kann“, über die Schlussfolgerung solltest du nochmals nachdenken, wäre mir echt dran gelegen.
Und jammern - jammern tun alle überall, nicht nur wir hier. Jedoch eine ernsthafte Relation der Ereignisse damals und einer Folgerung daraus zum „Selbstverständnis Epilepsie“ geht wirklich nicht hervor. Deinen „Denkanstoß“ finde ich aus dem Grund eher bedenklich. In irgendeiner Art ist schon klar, auf was du ungefähr hinauswillst, so geht das jedoch wirklich nach hinten los. Und platt gesagt, dabei kommt der Kopf ein bischen zu sehr unter dem Arm daher (der kratzt geradezu über der Grasnarbe).
Kleines Beispiel - wäre es nicht ähnlich kurios, wenn du zu einem jüdischen Mitbürger sagst - "Hey Jude, sei du mal ganz zufrieden, dass du hier in Deutschland sein kannst, vor ein paar Jahren wärst du nämlich ins KZ gekommen? Bedenke der Ereignisse!!" Wie wäre wohl seine Reaktion?
Grüß dich - Ane
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Hallo Heidi,
kurz zu deiner Mail – zuerst: klar, froh bin ich auch, dass „wir“ nicht mehr als lebensunwert gehandelt werden. Jedoch existiert in einer Zivilisation weder in den 1940ern noch in den 2009er Jahren das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Das war damals eben nicht üblich, das war in Deutschland der Fall, weil ein paar Irre an der Macht waren. Aber dass ich aufgrund der damaligen Ereignisse heute „ganz zufrieden sein kann“, über die Schlussfolgerung solltest du nochmals nachdenken, wäre mir echt dran gelegen.
Und jammern - jammern tun alle überall, nicht nur wir hier. Jedoch eine ernsthafte Relation der Ereignisse damals und einer Folgerung daraus zum „Selbstverständnis Epilepsie“ geht wirklich nicht hervor. Deinen „Denkanstoß“ finde ich aus dem Grund eher bedenklich. In irgendeiner Art ist schon klar, auf was du ungefähr hinauswillst, so geht das jedoch wirklich nach hinten los. Und platt gesagt, dabei kommt der Kopf ein bischen zu sehr unter dem Arm daher (der kratzt geradezu über der Grasnarbe).
> Kleines Beispiel - wäre es nicht ähnlich kurios, wenn du zu einem jüdischen Mitbürger sagst - "Hey Jude, sei du mal ganz zufrieden, dass du hier in Deutschland sein kannst, vor ein paar Jahren wärst du nämlich ins KZ gekommen? Bedenke der Ereignisse!!" Wie wäre wohl seine Reaktion?
Grüß dich - Ane
Auwei Ane,
wir müssen hier Äpfel und Birnen auseinanderhalten.
Nochmal, ich möchte mich hier nicht als Lehrer profilieren, aber dir ist schon klar, dass Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der ganzen Welt hat?
Und diesen Standard hat man sich hart erkämpft. Manche meinen das wäre ganz normal - es ist eben nicht von alleine so geworden, da musste schon etwas getan werden. Und hier müssten wir unseren Sozialstaat ganz arg loben.
Denn die Medikamente für Epilepsie sind nicht die billigsten, wir werden nach besten Wissen medizinisch versorgt.
Unsere Grossmütter/Väter die Epileptiker waren, hatten vor 70 Jahren keine Wahl, sie wurden gesundheitlich in "gut u. böse" oder "dumm u. faul" eingestuft. Wir sollten daraus lernen, und auch ein bisschen Demut üben.
Gruss Heidi
Euthanasie, was wissen wir
Hallo Heidi,
habe mich auch mal mit dem thema beschäftigt, als cih auf meiner hp www.epilepsie-ad-acta.de mich mit dem geschichtsteil beschäftigt habe. es war schon schockierend was man alles liest und erfahren muss. das kranke menschen in grauen bussen nach grafeneck gebracht und vergasst wurden. Um nutzlose Esser bzw. lebensunwertiges Leben zu vernichten.
gruß olli