Ich bin auch neu hier

19Andreas88, Thursday, 24.09.2009, 19:05 (vor 6174 Tagen)

Hallo, zusammen!

Ich heiße Andreas habe gerade am vergangenen Freitag meine kaufmännische Ausbildung erfolgreich beendet.
Seit ungefähr 10 Jahren leide ich an Epilepsie (Grand-mal-Anfälle). Ich nehme seit mindestens sieben Jahren Lamotrigin ein. Zwischendurch wurden auch Keppra, Ofiril ausprobiert. Doch es hat nichts geholfen. Das Lamotrigin hilft etwas, doch ich habe trotzdem mehrmals im Jahr Grand-mal-Anfälle.
Ich will mir jetzt nach der kaufmännischen Ausbildung eine Arbeitsstelle und somit auch in einer Mietwohnung alleine wohnen.
Und wie so oft, machen sich meine Eltern sorgen. Mein Vater ist im Zwiespalt. Einerseits versteht er, dass ich alleine wohnen will. Andererseits macht er sich Gedanken. Meine Mutter hat bereits schon einen Streit deswegen angefangen.
Was soll ich tun? Könnt ihr mir weiterhelfen?

Liebe Grüße an alle

Andreas

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Anton, Thursday, 24.09.2009, 21:55 (vor 6174 Tagen) @ 19Andreas88

Hallo Andreas,

ich kann gut verstehen, dass Du eine eigene Wohung möchtest und damit Deine Selbständigkeit betonen willst.

Für die Entscheidung spielt nicht nur die Epilepsie eine Rolle. Ob es zu befürworten ist, hängt davon ab, ob Du nach dem Ende der Ausbildung Geld verdienst, wenn das nicht der Fall ist und Du unter 25 bist, musst Du wieder bei Deinen Eltern einziehen, weil dir die Wohnung nicht vom Arbeitsamt bezahlt wird.

Ferner hängt es davon ab, wie sich Deine Anfälle abspielen und ob man dich ruhigen Gewissens alleine lassen mag. Eine Wohnung sollte treppenlos sein und auch sonst keine Gefahren bergen. Es hängt auch davon ab, ob Du es willst und es dir selbst zutraust.

Du könntest dir mit einem Notrufsystem Sicherheit verschaffen, ob es reicht, kannst nur Du entscheiden. Diese Geräte werden im Internet angeboten. Oder Du fragst den Neurologen oder im Sanitätshaus, wo man es bekommen kann.

Der allererste Schritt, der gemacht werden müsste, ist die Reduzierung der Anfälle durch die richtige Therapie. Es gibt viele Möglichkeiten, den richtigen Facharzt zu finden. In dem vorhergehenden Thread habe ich darüber berichtet. Wichtig ist auch, dass Du Regeln einhältst. Ich hänge sie diesem Schreiben an und hoffe, dass Deine Wünsche in Erfüllung gehen.

Liebe Grüße
Anton

Wie kann ich die Zahl der Anfälle bis auf ein Minimum reduzieren und dabei dem Arzt und mir selbst helfen?
a) Die regelmäßige Medikamenteneinnahme ist das A und O einer erfolgreichen Therapie.
b) Änderungen der Tabletteneinnahme sollte grundsätzlich nur in Absprache mit dem Neurologen erfolgen.
c) Abweichungen der Wirksamkeit von Generika und Re-Importen im Verhältnis zu den Originalmedikamenten sollten dem Arzt mitgeteilt werden.
d) Ein Anfallskalender sollte sorgfältig geführt werden.
e) Von Angehörigen oder sonstigen Dritten sollte der Anfallsablauf genauestens aufgeschrieben werden. Anhand dieser Aufzeichnungen (u. U. auch Videoaufnahmen) sieht der Arzt, welcher Anfallstyp es ist und kann besser therapieren.
f) Auf Alkohol sollte möglichst ganz verzichtet werden, ebenso auf Flackerlicht in der Diskothek.
g) Beim Schlafen sind zwei Punkte von größter Wichtigkeit: Erstens darf es nicht zum Schlafentzug kommen und zweitens sollte der Schlaf-/Wachrhythmus eingehalten werden.
h) Ein Besuch beim Neurologen sollte einmal im Vierteljahr erfolgen.
i) Die Richtlinien „Epilepsie und Führerschein“ sollten beachtet werden.
j) Die Behandlung sollte nur durch einen Facharztes für Epilepsie erfolgen.

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moni, Friday, 25.09.2009, 10:52 (vor 6173 Tagen) @ 19Andreas88

Hallo Andreas,
ich Mama einer Epi-Kranken Tochter, warscheinlich in deinem Alter,sie wird jetzt 21 Jahre. Sie wohnt seit einem halben Jahr allein. Das mußte einfach sein weil Sie studiert und wir 70 km vom Studiumort entfernt wohnen.Für ne Epi-Kranken einfach zu weit zum Pendel. Ich kann dich gut verstehen das du ,auf eigenen Beinen stehen möchtest. Nur mut, du kannst es schaffen,auch wenn du nicht Anfallsfrei bist. Meine Tochter ist auch nicht Anfallsfrei , Sie hat monatlich einen Anfall. Und jetzt als Mama ,ich kann deine Eltern natüurlich auch verstehen Sie machen sich sorgen. Das mache ich natürlich auch.Aber ich versuche es ihr nicht zu deutlich zu zeigen.Wir haben vereinbart das wir jeden Abend kurz miteinander telefonieren. Alle anderen Regeln hällt Sie auch ein.Ein Alarmsystem hat Sie aber nicht.

Viel Glück moni

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anonym, Friday, 25.09.2009, 14:14 (vor 6173 Tagen) @ 19Andreas88

Hallo Andreas,
ersteinmal Gratulation zum erfolgreich bestanden Abschluss. Also das mit dem alleine wohen als Epi, kann eher postiv förderlich sein, hat sich schon längst bestätigt.

Ich habe auch eine aktive Epilepsie, auch nicht immer mit so ganz einfach mit den Anfällen, aber meine Eltern haben mir trotzdem keinen Stein in den Weg gelegt, als ich gesagt habe, ich möchte endlich auf eigenen Beinen stehen. Das für alle das am Anfang nicht so ganz einfach war, ist klar. Aber meine Eltern haben das Schluß endlich doch eingesehen, das man es wenigstens einmal Versuchen kann aber mir immer noch die Möglichkeit gegeben haben, wieder nach Hause kommen zu können.

Wenn ich so ganz schlechte Phasen hatte, konnte ich wieder zurückgekommen, was ich dann auch genutzt habe. Vielleicht findet Ihr auch einen Kompriss, mit dem jeder von Euch leben kann.;-)

Gruß
Corinna

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susann, Wednesday, 30.09.2009, 17:20 (vor 6168 Tagen) @ anonym

Hallo,

ich muss auch sagen, dass ein Auszug sehr förderlich sein kann. Auf eigenen Beinen zu stehen ist wie ein Neuanfang. Ich (25) bin auch nicht anfallsfrei und vor einem Jahr von meinen Eltern 60 km weit weg nach Frankfurt gezogen, wovon meine Eltern gar nicht begeistert waren. Nur war es bei mir eine WG. Meine Mitbewohnerinnen haben auch schon zwei Anfälle miterlebt. Aber das passiert halt.
Auf die Dauer stabilisiert sich das Leben und du wirst sicherer in allem was du tust. Vor allem, weil du es alleine tust. Du wirst sehen, dass du auch alleine im Leben klar kommen kannst. Besser jetzt als später. Du kannst es schaffen. Ich bin mir sicher, dass deine Eltern, auch wenn sie sicher Angst um dich haben, dir bei allem, was du tust dich unterstützen werden, so wie es meine Eltern auch gemacht haben. Viel Glück für die Zukunft!

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Mondenkind, Thursday, 01.10.2009, 18:28 (vor 6167 Tagen) @ 19Andreas88

Hallo Andreas,

wenn ich deinen Login-Namen richtig verstehe, bist du ca. 21 Jahre alt, oder?

In dem Alter bin ich auch von zu Hause ausgezogen. Klar waren meine Eltern nicht sehr begeistert. Ich habe studiert und bin ebenso in eine WG gezogen. Mit meinen Mitbewohnern hatte ich immer Glück. Sie haben es akzeptiert und mir auch geholfen.

Aber, wenn du noch Anfälle hast, wird es wahrscheinlich egal sein, ob du 21, 25 oder 30 bist, oder? Deine Eltern werden wahrscheinlich immer etwas sagen...

Liebe Grüße