Feierei-Epileptiker ?
Hallo,
ich hatte Ende 2005 und kurz nach dem Jahreswechsel 2005/06 jeweils einen Grand-Mal Anfall und bin nach dem zweiten Anfall in Bonn behandelt worden. Die Behandlung war meiner Meinung nach außerordentlich gut. Ich kann diese Klinik sehr empfehlen.
Seit dieser Zeit bin ich auf 150-150 Lamictal eingestellt und kann alles machen, ohne jemals wieder einen Grand-Mal zu erleiden. Da ich in dieser Zeit mein BSc sowie mein MSc Studium abgeschlossen und ordentlich Stress hatte ohne einen Anfall zu bekommen war ich mir relativ sicher, dass mein Hirn den Grand-Mal "vergessen" hat.
Aufgrund dessen habe ich die letzten zwei Jahre meinen Lebensstil nicht wirklich an den eines Epileptikers angepasst und stellenweise unregelmäßig und wenig geschlafen. Dazu viele Parties mitgenommen, viel Bier getrunken und öfter mal am WE jeweils nur 4-5h Stunden geschlafen. Und die auch nicht wirklich tief. Das ging die ganze Zeit gut ... bis mir gestern etwas passiert ist, was ich mir noch nicht erklären kann, jedoch erahnen kann.
Ich war ziemlich kaputt von den Nächten und Wochen davor, hatte mal wieder viel getrunken und wenig geschlafen und habe mich dann mittags wieder ein wenig ins Bett gelegt. Ich kann jetzt nicht mehr sagen ob ich wirklich eingeschlafen bin aber ich fühlte mich auf einmal unglaublich fertig und musste mich auch nachher übergeben. Dabei habe ich erstmal gemerkt, dass ich einen leichten Muskelkater in den Waden hatte und später im Spiegel habe ich dann gesehen, dass meine Zunge ein wenig geblutet hat. Erst dann kam mir die Idee, dass es ein Anfall gewesen sein könnte und nicht die normale Übelkeit nach einer durchzechten Nacht.
Komisch fand ich allerdings, dass:
- ich mich nach dem Übergeben nicht anders als nach einer normalen Übelkeit gefühlt habe
- der Muskelkater auch nicht besonders groß war
- und ich mich abends schon wieder gut gefühlt habe
Wenn ich davon ausgehe, dass es ein Grand-Mal Anfall war, hätte ich mit viel mehr Nebenwirkungen gerechnet. Vor ca 4 Jahren war ich danach erstmal ca. 2 Tage extremst schwach und fühlte mich wie nach einem Marathon, den ich ohne Vorbereitung gelaufen bin.
Kann es denn sein, dass es so ein schwacher GM-Anfall war oder kann man auch fokale Anfälle "nicht bewusst mitbekommen"?
Zu meinem Neurologen wollte ich eigentlich ungerne gehen, da er, wie die Klinikärzte auch, der Meinung ist, dass ich ein typischer Schlafentzugs und Feierei-Epileptiker bin. Was ja bis jetzt so ist!
Ich möchte ihm nur nicht die ganzen Vorkommnisse erzählen, da ich ja weiss, woran es lag. Wenn ich ihm die Umstände beschreibe, sagt er auch genau das und ich habe dann den offiziellen Eintrag im Arzt-Logbuch (was für evtl. in Zukunft abzuschließende Versicherungen nicht gerade förderlich ist)
Was meint ihr? Soll ich da auf jeden Fall Bescheid geben oder die Sache auf sich beruhen lassen und die nächsten Wochen/Monate erstmal abwarten?
Zusätztlich würde ich gerne wissen, ob denn mein Epilepsieherd, der ja eigentlich mehreren Jahren Anfallsfreiheit "vergessen" sein kann/soll, wieder größer geworden ist und ich mich jetzt wieder auf häufigere Anfälle einstellen muss?
Mir ist gestern definitiv klar geworden, dass ich so nicht weiter machen kann. Werde also mein Leben wieder auf mehr Sport, geregelten Schlaf und wenig bis keinen Alkoholgenuss ändern. Was eigentlich auch gar nicht schwierig sein sollte/ist.
gruß
joydiv
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joydiv,
09.11.2009, 19:36
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