Unsicher im Umgang mit der Epilepsie meiner Frau

jan.arnemann, Wednesday, 24.02.2010, 09:22 (vor 6021 Tagen)

Hallo,
bei meiner Frau ist seit ewig die Epilepsie bekannt.
Der letzte Anfall trat vor vier Jahren auf und nur, weil sie über Tage hinweg keine Medikamente nahm.
Nun treten seit 2 Monaten die Anfälle vermehrt auf und einer der letzten war so stark, das sie sicherheitshalber für ein paar Tage im Krankenhaus zur Beobachtung ist.
Man wird es in den Griff bekommen und bei ihr scheint es eine "leichte" Form der Epilepsie zu sein.
Nun stellt sich das Problem für mich, als ihren Mann.
Ich reagiere darauf mit regelrechter Panik und wenn ich mich nach einem Anfall zurückziehe, habe ich Heulkrämpfe. Während eines Anfalls bin ich da, rufe ärztliche Hilfe und alles klappt weil ich mich zur Ruhe zwinge. Nach den Anfällen der letzten Tage, schaue ich sie an - vielmehr beobachte ich sie regelrecht - und habe Angst, dass etwas passiert. Wie kann ich das abstellen? Eben habe ich sie im Krankenhaus besucht und war froh, als ich wieder fahren konnte, um dieses Gefühl loszuwerden, es kann jede Sekunde einen neuen Anfall geben. Wenn ich im Haus ein Geräusch höre, lausche ich um festzustellen, ob sie einen Anfall hat. Während des Duschens, stelle ich zwischendurch das Wasser ab und lausche...
Gemessen an ihrer Angst fühle ich mich natürlich mies und egoistisch, wenn ich hier über meine winzigen Sorgen schreibe.
Ich liebe meine Frau und sie ist das allerwichtigste in meinem Leben. Ich hasse es, sie so hilflos zu sehen. Auch um sie zu unterstützen sollte ich irgendwie lernen, besser damit umzugehen, aber wie? Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen?
Danke im voraus und viele Grüße!
Jan

Unsicher im Umgang mit der Epilepsie meiner Frau

Green, Wednesday, 24.02.2010, 12:46 (vor 6021 Tagen) @ jan.arnemann

Hallo

Auch dir würde ich die www.moses-schulung.de
ans Herz legen weil Information an erster Stelle steht und viel Unsicherheit nimmt.
Vielleicht gibt es bei euch auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige mit Epilepsie wo du Dich Austauschen kannst.
Liebe Grüsse
Green:-)

Unsicher im Umgang mit der Epilepsie meiner Frau

Schwabi, Thursday, 25.02.2010, 21:25 (vor 6019 Tagen) @ jan.arnemann

Lieber Jan,

oh...als ich den Eintrag las, da sah ich direkt mich vor mir.
Wenn es Dich interessiert...ich habe etwas weiter unten den Eintrag geschrieben: Anfallsneigung nach der OP ".
Mir geht es wie Dir. Ich sitze abends neben ihm auf dem Sofa und seine rechte Hand zuckt öfters mal. Wenn ich das aus den Augenwinkeln heraus sehe, da stellen sich sämtliche Alarmglocken ein und mein Magen krampft sich zusammen.Ich versuche ruhig zu bleiben, aber ich muss dann unter einem Vorwand das Wohnzimmer verlassen,um meinen Kopf wieder frei zu bekommen von der Vorstellung, dass gleich wieder etwas kommen könnte.
Wenn mein Mann bei seinen seltenen Anfällen,die nur fokal sind, also nicht über den ganzen Körper.....anfängt mit dem Satz " Ich glaube, es geht mal wieder los", da könnte ich teilweise völlig überreagieren mit Wut ,die aus der Angst heraus entsteht.
Ich habe mir mittlerweile Hilfe geholt von einer ganzheitlichen Lebensberaterin.Ich bin nach den Anfällen so am Ende, dass mir tagelang übel ist ,ich nichts essen kann und ich unter Kopfschmerzen leide.Meine Beraterin meinte, dass dies ein Zeichen sei, dass man das "Leiden" des anderes zu sehr übernimmt.Das heisst, man leidet mit und das ist nicht der Sinn der Sache.
Ich weiss, es ist unheimlich schwierig , den Kopf auszuschalten, aber man muss sich in dem Falle einfach deutlich machen, dass man mit der eigenen Angst noch mehr Angst und Bekümmertheit in dem Menschen erzeugt, der ja das größere Problem eigentlich hat.
Meine Beraterin gibt mir immer Mut, hilft mir nach den Anfällen wieder zu Kraft zu kommen,in dem sie mit mir darüber spricht.Es ist nämlich einfacher ,mit einem Menschen darüber zureden, der nicht in diese Angelegenheit verwickelt ist.Ich meditiere viel, vor allem nachts, wenn mein Mann im Bett ist und schläft. Da bin ich dann völlig mit mir alleine in der Ruhe und weiss, dass er nebenan schläft und nichts passieren kann.Ich zapfe dabei die universelle Lebensenergie an und ich gehe danach immer völlig gestärkt ins Bett.
Suche Dir eine Möglichkeit, für Dich selber eine Entspannung zu finden.Etwas, das nur DU machst und alleine.Ich sammle in diesen Momenten neue Kraft,um meinem Mann zur Seite zu stehen.

Es gab auch schon Zeiten seit 2006,in denen ich mich fragte, ob das nun mein ganzes Leben so weitergehen soll.Man ist frustriert und würde gerne sein altes Leben wieder haben.Ich habe durch meine gefundene Spiritualität erkannt, dass alles irgendwie einen Zweck hat.Solche "Durststrecken" , so denke ich, sollen uns irgendwie prüfen,ob wir "in guten wie auch in schlechten Zeiten " zueinander halten.Und nach einem Tunnel kommt meistens irgendwann wieder ein Licht und das Ende des Tunnels.
Kleiner Tip: suche Dir eine Möglichkeit, Dich auszusprechen, Deine Ängste loszuwerden. Vielleicht gibt es ja auch eine Selbsthilfegruppe für Angehörige in deiner Nähe.

Mache aber nicht den Fehler und denke, Du müsstest nun jede Minute um Deine Frau sein aus Angst, sie könne ein Anfall bekommen, wen Du ausgerechnet NICHT da bist. Meine Beraterin sagte, dass das, was geschehen soll auch geschieht......wir können es nicht beeinflussen und auch nicht unbedingt verhindert. Wir müssen deshalb lernen,unser Leben weiter zu leben , so normal wie möglich.

Also....kaufe Dir mal eine schöne geführte Meditation auf CD und lass Dich mal auf eine Phantasiereise führen. Glaube mir,mit der Zeit lernst Du, zu entspannen und Ängste loszulassen.

Würde mich freuen, wenn wir uns hier austauschen könnten. Es tut immer gut, Gleichgesinnte zu finden.


Liebe Grüße

Anja

Unsicher im Umgang mit der Epilepsie meiner Frau

jan.arnemann, Tuesday, 06.04.2010, 09:39 (vor 5980 Tagen) @ Schwabi

Hallo Anja,
vielen Dank für deine netten Zeilen und du triffst den Nagel auf den Kopf. So vieles, was dich beschäftigt, habe ich auch tagtäglich vor Augen.
Hoffe es geht dir und deinem Mann gut.
Entschuldigung, dass ich erst heute antworte.
Wir können gerne regelmäßig mailen, denn es tut gut, sich offen mit jemand darüber auszutauschen.
Meine Mail lautet jan.arnemann@web.de und ich würde mich über Nachricht freuen.
Viele Grüße
Jan