Bethel - und dort soll ich leben?
Heintje82, Saturday, 20.03.2010, 17:42 (vor 5997 Tagen)
Hallo ihr Lieben,
also ich stelle mich mal eben vor. Ich bin 27 Jahre jung und geboren bin ich in Oldenburg(Niedersachsen). Meine Epilepsie habe ich in Zusammenhang mit meinem Niereversagen mit 5 Jahren bekommen. Ich bin seit 15 Jahren transplantiert. Nur meine geistigen Aussetzer begleiten mich noch immer in unterschiedlichen Abständen von 1 bis 2 alle 2 bis 3 Wochen, manchmal auch 4 Wochen.
Vor ca. 3 Monaten durfte ich erfahren, dass ich dank meiner Ausstzer für den normalen Arbeitsmarkt nicht geeignet bin. Nun soll ich in Bielefeld Bethel leben. Die Ortschaft habe ich mir schon mehrmals angeguckt, bin ein paar mal dort mit dem Zug hingefahren. Es ist alles beantragt, die Finanzierung ist gesichert und ich warte eigentlich nur noch auf den Aufnahmetermin. Das Problem: Ich habe mich niemals behindert/krank gefühlt, immer unter "gesunden" Kreisen gelebt und nun, nachdem ich mir die Ortschaft und manche Einrichtungen angeschaut habe soll ich unter "behinderten" Menschen in Rollstühlen, mit geistiger Behinderung ect. leben.
Komm ich irgendwie nicht ganz mit klar. Meine Freunde kannte meine gesundheitlichen Probleme und kamen bestens damit klar. Kennt irgendwer von euch das Leben dort? Wie ist die Atmosphäre dort, das Leben? Wenn jemand darüber Bescheid weiß, wäre das sehr schön. Würde mich freuen. MfG,
euer Heintje.
PS: Ist nicht mein wirklicher Name, war nur mal mein Spitzname.
Bethel - und dort soll ich leben?
anonym, Saturday, 20.03.2010, 19:34 (vor 5996 Tagen) @ Heintje82
Hallo Hantje,
sollst das für immer sein oder geht es bei Dir um eine Ausbildung?
Gruß
C.R.
Bethel - und dort soll ich leben?
Heintje82, Sunday, 21.03.2010, 15:53 (vor 5996 Tagen) @ anonym
Für ca. zwei Jahre, dann soll es das Ziel sein, ein eigenes kleinen Heim, eine Wohnung, zu bekommen um dort zu leben.
Bethel - und dort soll ich leben?
anonym, Sunday, 21.03.2010, 21:32 (vor 5995 Tagen) @ Heintje82
Hallo Heintje,
zwei Jahre ist ja alles im allem noch absehbar. Mach in der Zeit das Beste draus.
Ich war auch wegen meiner Epi auf einer Köperbehinderten Schule und habe mich auch nicht so ganz zugehörig gefühlt. Immerhin hat mir diese Schule ein Abschluss ermöglicht, mit dem ich dann durchstarten konnte. Deine Befürchtungen die du weiter unten beschrieben hast, kann ich durchaus gut verstehen. Versuch Dich so gut es geht anzupassen. Sonst hast Du gebenfalls wirklich die schlechteren Karten.
Es muß ja nicht Dein lebenlang Bethel sein.
Das schaffst Du schon
Gruß
C.R.
Bethel - und dort soll ich leben?
Green, Saturday, 20.03.2010, 20:22 (vor 5996 Tagen) @ Heintje82
Hallo
wer sagt den das du das sollst?
Und wie lang sind dann deine Aussetzer?
Ich laufe auch oft bis zu 5 stunden durch die Gegend ohne etwas davon zuwissen.
Meinst du das als Aussetzer?
Hast du den schon einen Rentenanspruch?
Gruss
Green
Bethel - und dort soll ich leben?
Heintje82, Sunday, 21.03.2010, 15:58 (vor 5996 Tagen) @ Green
Ein geistiger Aussetzer (meine Bezeichnung für Absencen)dauert bei mir ca. 5 Minuten und tritt im Abstand von zwei bis vier Wochen auf.
Bethel - und dort soll ich leben?
Anton, Sunday, 21.03.2010, 16:30 (vor 5996 Tagen) @ Heintje82
Hallo Heintje,
ich bin froh und glücklich, dass Du dich gemeldet hast und die Absicht hegst, nach Bethel zu gehen. Die Stadt Bielefeld ist schöner als Münster, es sei denn, Du findest Münster schön wegen der vielen alten Kirchen. Du machst den Eindruck, als wenn Du auch weiterhin autonom entscheiden wirst. Das habe ich am ersten Schriftsatz gemerkt.
Programme gibt es überall. Auf der Arbeit sind es die Chefs und Kollegen, die einem sagen, was zu tun ist. Und die einem auch negativ beisetzen können. Der Arbeitsmarkt ist so hart wie nach dem letzten Krieg nicht. Aus dem Grunde könnte gut sein, dass Du Deine Ruhe findest. Und Du selbst kannst entscheiden, was Du möchtest. Eins ist sehr wichtig. Du musst die Grenzen setzen. Damit meine ich, Du machst nur das, was Du für dich gerecht und konstruktiv findest. Wenn Du das kannst, solltest Du Bethel als eine Stätte der Ruhe sehen, die dir einen großen Bekanntenkreis bietet.
In dem Dorf Bethel, das ein paar Kilometer von Bielefeld entfernt liegt, sind überwiegend Krankenhäuser und Wohngruppen. Landschaftlich ist es auch dort wunderbar. Ein bisschen hügelig durch den Teutoburger Wald. Zur City Bethel fährt alle 10 Minuten die Stadtbahn.Und Du kannst auch hinlaufen oder mit dem Rad fahren. Und Du bist in der Nähe des Epilepsie-Zentrums.
Bielefeld hat eine schöne Einkaufszone, viele Straßencafés, tolle Geschäfte und auch Kultur zu bieten. Wenn Du persönlich diese Veränderung als einen Ruhepfad in Deinem Leben siehst, auf dem Du nach Jahren des Getriebenwerdes wieder vorhandene Ressourcen aktivieren kannst, bist Du dort richtig. Es leben in der Vielzahl der Wohngruppen einige Schwerkranke, z. T. geistig und körperlich Behinderte. Sie gibt es überall, auch in Oldenburg. Und es gilt, fair mit ihnen umzugehen und sie zu integrieren.
Und es gibt in den Wohngruppen hochintelligente Menschen, die durch was auch immer, vom Weg abgekommen sind. Und sich dort aklimatisieren um eines Tages einen neuen Beginn zu starten. Ich denke dabei an Menschen, die unschuldig in Psychosen geraten sind und sich dort wieder fit-leben. Innerhalb des Dorfes fährt alle 10 Minuten der „Bethelbus“. Ich bin im Epilepsie-Zentrum in Bethel operiert worden und habe mir das Umfeld über Monate ansehen können. Es war erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich habe nur nette Menschen kennengelernt. Wenn Du jetzt einen Betreuer hast, der dir hilft, Deine Lebensvorstellung umzusetzen, ist das doppeltgut. Auch er wird meiner Meinung sein und dir empfehlen, dort hinzugehen. Ich bin im Sommer 2006 dort gewesen. Gedanklich habe ich diese Stätte so mit nach Hause genommen. „Ein Dorf voller junger Menschen, die lebendig, fröhlich und zufrieden sind.“ Du wirst kein Stück eingengt sein, natürlich muss Ordnung herrschen, aber wo ist das nicht so.
Natürlich wird es in Oldenburg Leute geben, die nicht verstehen, dass Du es machst. Ähnliche Einrichtugen in der Nähe von Oldenburg kannst Du aber vergessen. Stündlich fährt ein Zug von Bielefeld nach Oldenburg. Du musst nur einmal umsteigen in Osnabrück. Ich habe das Gefühl, Du bist ganz da. Wenn Du dort eine Zeit gelebt hast, kannst Du vielleicht das Erlebte mit in Deine bisherige Berufserfahrung einfließen lassen.
Apropos „Deine Ausssetzer“. In Bethel wird keiner komisch gucken, wenn es dir ausnahmsweise mal nicht gut geht. Es gibt Menschen, die warten ein Leben lang auf das Angebot in Bethel. Und Du hast sogar schon die Finanzierung stehen. Unter diesen Umständen würde ich es machen. Wäre ganz schön, wenn Du uns hier im Forum von dir berichtest. Ich wünsche dir ganz viel Glück und wäre froh, wenn Du von dir hören lässt.
Liebe Grüße
Anton
Bethel - und dort soll ich leben?
Heintje82, Monday, 22.03.2010, 19:07 (vor 5994 Tagen) @ Anton
N'Abend Anton,
danke, auf so ein Schreiben habe ich gehofft. Bethel habe ich ursprünglich meiner ehemaligen Psychologin in Münster vor zwei Jahren zu verdanken, zu der mich wiederum ein guter Freund überredet hat (wäre ich von mir aus niemals hingegangen). Mein oberstes Ziel in Bethel ist es ebenfalls, wieder Ruhe und eine feste Struktur in mein Leben zu bekommen mit einem regelmäßigem Alltag von Arbeit, Freizeit und einem guten Bekanntenkreis. Meine ganze Krankheitsgeschichte hat dazu geführt, dass ich in den letzten zehn Jahre mehrmals zwischen Schule, Ausbildung und mehrmonatigen Praktika hin- und hergependelt bin, dadurch zunehmend depressiv wurde und Kontakte abgebrochen habe aber auch mit nur wenigen Menschen klargekommen bin. Die "psychosomatische Klinik Telgte" hat mich wieder aufgebaut und mir Bethel empfohlen. Glaub mir, ich freue mich sehr auf ein Leben in Bethel und habe mich so sehr mit dem Leben dort auseinandergesetzt, dass ich eigentlich schon genau weiß, wie ich dort mein Leben gestalten und aktiv sein werde. Aber manche Zweifel bleiben. So glaube ich z.B., dass ich nicht länger als ein halben Jahr in dem Wohnheim für junge Erwachsene sein werde, habe ich bereits drei Jahre einen eigenen Haushalt geführt. Außerdem bin ich jemand, der, wenn er einen ausgefüllten Alltag und einen guten Bekanntenkreis hat, gerne abends in seiner Bude auch alleine ist. Aber wenn du mir noch etwas über den Alltag z.B. in einem Wohnheim oder ähnlichem berichten kannst, wäre ich dir sehr dankbar. Wie hast du noch so das Leben dort wahrgenommen oder gestaltet? Gruß,
Heintje.
Bethel - und dort soll ich leben?
Anton, Monday, 22.03.2010, 20:45 (vor 5994 Tagen) @ Heintje82
Hallo Heintje,
wegen einer therapieresistenten Epilepsie bin ich das erste Mal Anfang 2006 in dem Epilepsie-Zentrum Bethel, im Haus Mara, gewesen. Nachdem man dort durch die dafür erforderlichen Untersuchungen festgestellt hat, dass eine andere medikamentöse Therapie nicht möglich ist, hat man mir den Vorschlag eines epilepsiechirurgischen Eingriffs gemacht.
Dem ging ein 10-tägiges Intensiv-Video-Monitoring voraus. Kurze Zeit später, im Juni 2006 bin ich am rechten Temporallappen operiert worden. Ich nehme noch ein paar Tabletten, habe aber seither Anfälle nicht mehr gehabt. Während des langen Aufenthalts dort hatte ich viel Zeit, durch die Gegend zu laufen. In den letzten 4 Wochen, während ich in der Reha war, bin ich jeden Tag ein paar Mal nach Bielefeld gefahren und habe mich in der Innenstadt erholt.
Da ich mich für einen Menschen halte, der mit offenen Augen durch die Welt geht, habe ich das Verhalten der Wohngruppen registriert und zu Kenntnis genommen. Es ist auch zu Geprächen mit den Bewohnern gekommen. Mich interessieren Menschen, unabhängig von Stand, Beruf und Schulbildung. Ich habe mich nicht in den Wohngruppen aufgehalten. Ich bin auch nie drin gewesen. Ich weiß nur noch, dass ich zufriedene Gesichter sehen konnte, meine Gesprächspartner aus den Gruppen waren alle sehr nett.
Nachdem ich jetzt etwas mehr von dir weiß, finde ich Deinen Schritt genau richtig. Das Ende nach hinten würde ich offen lassen. Sonst setzt Du dich von vornherein wieder unter Druck. Du kannst davon ausgehen, dass Du dich anfangs unterfordert fühlst. Das ist für dich sehr gut, Du kannst Dein Selbstwertgefühl steigern und durch zu einem neuen Selbstbewusstsein kommen. Du hast endlich mal Erfolgserlebnisse, sie bauen auf. Und dort hat man Verständnis dafür, wenn Du mal einen schlechten Tag hast. Erst wenn Du dich selbst fit und stark fühlst, solltest den Ausstieg organisieren. Am besten alles in Absprache mit Deinen Vertrauten dort und mit dem Betreuer.
Ich kann zum Alltag in den Wohnheimen nichts sagen. Ich weiß nur, dass schon lange alles viel lockerer gehandhabt als früher. Ich würde mich auch freuen an Deiner Stelle, denn Du kannst es als Chance für den Beginn eines neuen Lebens sehen. Du bist noch sehr jung, wenn Du dort wieder gesund wirst, hast Du noch jede Menge Zeit. Ich wünsche dir alles Gute.
Liebe Grüße
Anton
Bethel - und dort soll ich leben?
Green, Sunday, 21.03.2010, 20:30 (vor 5995 Tagen) @ Heintje82
Hallo
ich würde schon gern die zusammenhänge verstehen aber wegen solchen Aussetzer bekommt man keinen Betreuer.
wir hier im Forum können immer nur eine Meinung bilden von dem was wir lesen.
Bist du mal bei einer Epilepsieberatungstelle gewesen?
Was ist mit den Sozialarbeitern in Bethel mir sind Sie als sehr kompeten und bemüht bekannt und respektieren auch was ich als Patient sage.
So scheint es Dir ja nicht zugehen....schade eigentlich.
Gib der Krankheit nicht soviel Macht über dich zubestimmen.
Alles gute wünsch ich Dir.
Green
Bethel - und dort soll ich leben?
Anton, Saturday, 20.03.2010, 21:27 (vor 5996 Tagen) @
Heintje82
bearbeitet von Anton, Saturday, 20.03.2010, 21:30
Hallo Heintje,
ich kenne sowohl Bielefeld-Bethel als auch die schöne Stadt Oldenburg i. O. Oldenburg eine herrliche Stadt, wie man sie selten findet. Sie hat Flair, es wohnen nette Menschen dort. Es ist eine lebendige Stadt aufgrund der Universität. Und eine Stadt, in der schon seit Jahrzehnten auch Radfahrer gern gesehen sind.
So wie Du dich hier vorstellst, gehörst Du nicht nach Bethel. Wer hat dir das eingeredet? Oder stehst Du unter Betreuung? Selbst wenn das der Fall ist, hast Du ganz allein zu entscheiden, ob Du in Oldenburg wohnen bleibst oder nicht. Sofern es um Arbeit in einer Werkstatt geht, findest Du sie auch in Oldenburg. Ich würde es zunächst mit Arbeit versuchen, die für ungelernte Kräfte ist. Das Angebot ist groß. So wie Du dich hier vorstellst, gehörst Du nicht in eine Wohngruppe nach Bethel. Du würdest aus dem dir bekannten Umfeld gerissen und könntest krank werden.
Was könnte die Lösung sein? Selbst wenn Du unter Betreuung stehst, hast Du es zu bestimmen. Das Betreuungsgesetz hat seit seiner Novellierung im Jahr 1992 (bis dahin gab es noch die Entmündigung) einen anderen Auftrag. Ein möglicher Betreuer hat dir zur Seite zu stehen. Er ist verpflichtet, kooperativ mit dir zusammen zu arbeiten. Er kann dir Vorschläge machen. Zu sagen hat er gar nichts. Nur Du alleine hast zu bestimmen, was Du machst. Auch die Bundesagentur für Arbeit kann dich nicht unter Druck setzen.
Die Sache könnte anders aussehen, wenn Du dir etwas zu Schulden kommen lassen hast. Oder wenn schon öfter Unterbringungsverfahren gelaufen sind. Auskünfte kannst Du erhalten bei der Betreuungsstelle des Amtsgerichts Oldenburg. Eine weitere Stelle, die dich aufklären könnte, ist die Kreisverwaltung der Stadt Oldenburg. Dort sprichst Du beim Gesundheitsamt vor.
Ich bin der Meinung, dass der Wunsch von dir ausgehen muss, woanders hinzugehen. Alles andere geschieht unter Zwang, es ist Gift für Deine Gesundheit. Das Arbeiten in einer Werkstatt kann eine gute Sache sein. Auch für dich. Dort kannst Du neue Kontakte knüpfen und Deinen Freundeskreis erweitern. Deine Arbeitskollegen kannst Du am Feierabend in der Stadt treffen. Aber Arbeit muss sein. Ohne Arbeit ist das Leben nur halb so schön. Wenn Du das mittlerweile verlernt haben solltest, es ist so. Mit Arbeit gehörst Du dazu. Ohne Arbeit ist alles nichts. In Bethel ist alles fremd, es leben dort sehr kranke Menschen. Das musst Du dir nicht antun.
Im Epilepsie-Zentrum Bielefeld-Bethel hättest Du eine Chance, die Epilepsie besser in den Griff zu bekommen. Die Klinik im Haus Mara ist eine der besten der Welt. Dort könnte man Deine Gesundheit prüfen und versuchen, dass die Anfälle ganz verschwinden oder weniger werden. Sofern Du noch Fragen hast, stelle sie bitte. Ich wünsche dir gute Besserung.
Liebe Grüße
Anton
Bethel - und dort soll ich leben?
Heintje82, Sunday, 21.03.2010, 15:52 (vor 5996 Tagen) @ Anton
Hallo Anton,
das eigentliche Problem ist, dass ich bereits drei Jahre alleine in Münster gewohnt habe um dort eine Erzieherausbildung zu machen um später mit behinderten Kinder zu arbeiten. Leider musste ich sie im zweiten Ausbildungsjahr abbrechen. Münster ist die Stadt, die ich liebe. Perfekte Fahrradwege, ein ideales Busnetz und eine Unimensa, in der ich in diesen drei Jahren wöchentlich regelmäßig drei mal essen war. Ich habe auch gekocht, war einkaufen, habe meinen eigenen kleinen Haushalt mit Balkoh und alles dran gepflegt und mich dort sehr wohl gefühlt. Es war eigentlich mein kleines eigenes Reich.
Und jetzt kommt Bielefeld und das eigentliche Problem. Zwei Jahre mit behinderten Menschen im ständigen Wechsel von Schule und Praktikum gearbeitet und plötzlich bin ich einer von ihnen. Da sind also Leute, die entscheiden über mich, beobachten mich. Weitere überlegen, was können wir tun um diesem Menschen (mir) zu helfen. Sie bieten Sport- und Freizeitprogramme an, behindertengerecht gestaltet. Ich bin plötzlich nicht mehr Teil der Angestellten sondern der Behindertengruppe. Das wird mir noch zum Verhängnis werden. Aber du hast völlig recht, ich gehöre da nicht rein. Ich bin dadurch nach Bethel gekommen, dass ich nach den zwei Jahren Ausbildung einen Betreuer bekam, leider viel zu spät. Das Leben in Münster hätte noch viel intensiver gelebt werden können, wenn ich meinen kleinen Betreuer früher bekommen hätte.
Es ist nicht so, dass ich mich nicht drauf freue. Der Wunsch geht von mir aus. Es ist doch normal, mit großen Zweifeln und Skepsis etwas neu anzufangen. Deswegen interessiert mich eigentlich nur das Leben dort in Bethel oder eventuelle Alternativen zu Bethel. Meine Aussetzer haben mir schon mehrfache meine Zukunftspläne versaut.
Bethel - und dort soll ich leben?
Anton, Saturday, 20.03.2010, 22:35 (vor 5996 Tagen) @ Heintje82
Hallo Heintje,
da kannst Du mal sehen. Ich bin auch nicht gesund. Denn ich wollte dich noch etwas ganz Wichtiges fragen und habe es vergessen. Immer diese Vergesslichkeit, mich nervt das.
Wie sieht es bei dir aus. Wohnst Du noch zu Hause oder hast Du eine eigene Wohnung? Oder wohnst Du bei Verwandten? Wenn Du eine eigene Bude hast, ist alles in Ordnung? Machst Du alles selbst sauber und versorgst dich alleine? Kannst Du auch kochen und Wäsche waschen? Bist Du auch so vergesslich wie ich?
Hast Du vielleicht schon mal vergessen, den Herd abzustellen? Oder wenn Du rauchst, hat das schon mal zu Problemen geführt? Bist mit einer Zigarette eingeschlafen? Hast Du viele Nachbarn oder bist Du für dich allein? Hast Du auch einen Garten oder einen Balkon? Sowohl ein Garten als auch ein Balkon machen viel Arbeit. Von daher ist es egal, ob man es hat oder nicht. Wie sieht es mit der Miete aus, zahlst Du pünktlich? Kommst Du gut mit dem Vermieter aus? Trinkst Du mit Freunden in der Wohnung und hast die Musik laut?
Würde mich echt interessieren wie Du lebst und wie Du wohnst. Würde mich freuen, wenn Du etwas dazu sagst. Du musst aber nichts beantworten, nur wenn Du Lust hast, es zu sagen. Obwohl es schön wäre, wenn ich von dir etwas erfahre.
Wenn zum Beispiel mit dem Wohnen nicht alles in Ordnung ist, Du mit der Miete rückständig bist, Du schon in Gefahr gekommen bist, weil Du etwas vergessen hast, kann das ein Grund sein, dir eine andere Unterkunft vorzuschlagen. Es wäre dann auch besser für dich. Und wie Du schon sagtest, ist das Finanzielle geklärt. Vielleicht bist Du so lieb und meldest dich noch mal.
Viele Grüße
Anton
Bethel - und dort soll ich leben?
Knuddel Wurm, NRW, Monday, 12.04.2010, 01:40 (vor 5974 Tagen) @ Heintje82
Hallo Heintje82
Das du in Bielefeld - Bethel leben sollst, kann ich nur teilweise verstehen.
Ich selber bin auch erst 27 Jahre und ich lebe seit 2004 auch in Bielefeld - Bethel! War für mich auch ein Schock, da ich Körperlich und Geistig Fit bin,
da ich aber an einer Epilepsie leide und ein selbstständiges Wohnen für mich unmöglich ist ( Krankheitsbedingt ) mußte ich auch in Bethel einziehen.
Ich wohne jetzt seit 2004 in einer Einrichtung mit Körperlich und Geistig Behinderten Menschen! Ist natürlich nicht so der Börner!
Aber ich versuche mich damit abzufinden. Man kann natürlich nicht so die Freunschaften oder ähnliches schließen, da die meißten Menschen das überhaupt nicht Realisieren was um sie herum Passiert!
Hast du denn keine anderen möglichkeiten? In Bielefeld - Bethel ist man eigentlich Spezialisiert auf Epilepsie'n und es ist bekannt wie ein Bunter Hund!
Man wird nicht so angestarrt wenn mal ein Anfall kommt, da man es kennt und schon normal ist! Hört sich zwar komisch an aber es ist so!
Wenn du noch weitere Fragen hast, dann melde dich einfach bei mir.
Ich würde mich freuen und würde dir das Leben in Bielefeld - Bethel ein bißchen
schmackhafter machen! Man sagt immer, es sei schlimm in so einer Einrichtung zu Leben aber wenn man mal überlegt, sollte man Froh sein,
dass es solche Einrichtungen gibt!!!
Ich hoffe das ich dir etwas helfen konnte!
Und wie gesagt bei fragen einfach melden!!!
Wünsche Dir ansonsten noch viel Glück und mache Dir nich so viele Gedanken,
immer Positiv denken!
