Überstunden

Johnny, Saturday, 27.03.2010, 19:32 (vor 5989 Tagen)

Hallo

Bin Techniker von Beruf und das ist regelmäßig mit Überstunden verknüpft. Nächtelanges Arbeiten am PC war da keine Seltenheit. Nun war ich 6 Wochen auf Reha und da hieß es das ich keine Überstunden mehr machen solle bzw. den technischen Part abgeben solle. Von dem Vorschlag ist meine Chefin aber gar nicht begeistert obwohl ich mit der Epilepsie einen medizinischen Grund habe. Zuerst schon keine Nacht- und Spätdienste und jetzt das. Weiß nicht wie ich mich verhalten soll. Überstunden ja oder nein ?

Grüße Johnny

Überstunden

Anton, Saturday, 27.03.2010, 20:09 (vor 5989 Tagen) @ Johnny

Hallo Johnny,

Deine Ärztin kann nicht wissen, was gut oder schlecht ist. Wenn dich die Bildschirmarbeit zu sehr belastet und Du den technischen Part gerne abgeben möchtest und meinst, dass es dir dadurch gesundheitlich wesentlich besser geht, ist der Vorschlag der Ärztin diskutierenswert.

Ich habe keine gute Meinung von Ärzten in Kurkliniken. Fast alle Häuser stehen mittlerweile unter Vertrag bei den Kassen. Es wird das Limit für die Kosten von den Kassen nach oben festgelegt. Wenn die Veranstalter noch etwas verdienen wollen, geht es mit preiswertem Personal. Ich bin in den letzten Jahren zweimal Patient in einer Reha gewesen. Ein Haus war ein Luxushotel mit Notarztbesetzung, alles andere als erste Sahne. Die andere Klinik hatte zwar geschulte Ärzte und Pfleger, sie hatten Sach- und Fachwissen, waren aber schlichtweg dumm.

Nur Du kannst entscheiden, wie es weitergeht. Was nützt dir der Wegfall der besagten Arbeit, wenn Du damit unglücklich bist. Vom Stress mit der Chefin ganz abgesehen. Es könnte Arbeitslosigkeit bedeuten. Bei derzeitigem Arbeitsmarkt würde ich solange wie möglich auf Änderungen verzichten. Ich wünsche gute Besserung und ein glückliches Händchen bei der Entscheidung.

Viele Grüße
Anton

Überstunden

Johnny, Saturday, 27.03.2010, 21:05 (vor 5989 Tagen) @ Anton

Hallo Anton

Danke für deine Antwort. Sie kann in der Tat nicht wissen was gut oder schlecht ist. Gebracht hat die Reha nur wenig, Anfälle hab ich nach wie vor. Ich persönlich möcht den technischen Part auch nicht abgeben ganz unabhängig von meiner Chefin. Nächtelang bin ich gesessen um das System aufzubauen und einzurichten. Jetzt will ich es nicht einfach in fremde Hände geben. Nur wegen der ständigen Überstunden sollte eine Lösung gefunden werden. Da bin ich noch am kopfen wie ich beides unter einen Hut bekomme. Hab nebenbei noch einen SB-Ausweis bin 50% behindert wegen meiner Erkrankungen.

Grüße Johnny

Überstunden

Anton, Saturday, 27.03.2010, 22:20 (vor 5989 Tagen) @ Johnny

Hallo Johnny,

ich gehe noch ein Stück weiter. Ich bin in meinem Leben mindestens ein halbes Jahr umsonst in Kurkliniken gewesen. Wegen der Epilepsie. Nicht Stress durch Arbeit haben mich dort hingeführt. Es war die unzureichende Behandlung der Epilepsie.

Ein Arzt, der einen Patienten, der das Anfallsgeschehen nicht unter Kontrolle hat, zur Kur schickt, leistet einen Offenbarungseid und erklärt gleichzeitig, dass er von der Materie keine Ahnung hat. Er weiß nicht weiter, meint dem Patienten etwas Gutes zu tun und weiß noch nicht mal, dass in den meisten Kurhäusern Neurologen mit Erfahrung auf dem Gebiet der Epileptologie nicht tätig sind.

Ein Reha- oder Kuraufenthalt löst nicht die Probleme eines Epilepsiekranken. Er kommt krank zurück und es hat ihm nichts gebracht. Das ist Geld aus dem Fenster werfen. Erst werden die Kuren mit einer Dauer von drei Wochen angesetzt, dann kommt die erste, meistens die zweite Verlängerung. Schnell gehen acht Wochen ins Land.

Ich habe das eine Zeitlang mitgemacht, bis ich endlich eingesehen habe, dass es sinnlos ist. Nach jahrzehntelanger Fehlbehandlung bin ich dann in ein Epilepsie-Zentrum gegangen. Dort ist mir effektiv geholfen worden. Seither geht es mir gut.

Nach dieser Einsicht bin noch zweimal zu Recht in Reha-Kliniken gewesen, einmal nach dem epilepsiechirurgischen Eingriff, der mich anfallsfrei gemacht hat. Und das zweite Mal im letzten Jahr, weil mir ein Autofahrer die Vorfahrt auf dem Radweg genommen hat, was einen Genickbruch (Densfraktur Typ II) zur Folge hatte. Es waren mehrere schwere Operationen am Wirbelkörper erforderlich. Ich werde mich nie wieder so bewegen können wie zuvor. Trage bis ans Lebensende 4 Titanschrauben im Nacken. In solchen Fällen ist postoperativ eine Reha angezeigt.

Aus dem Grunde mein Reden nicht nur bei Epilepsie: Wichtig ist der Facharzt. Wenn ich nach dem Bruch des zweiten Wirbel rechts gleich richtig behandelt worden wäre, hätte ich einen Haufen Schmerzen weniger gehabt und die zweite Operation wäre nicht nötig gewesen.

Allein wegen Deines Schwerbehindertenausweises solltest Du den Arbeitsplatz nicht auf Spiel setzen. Die Privilegien, die Du heute hast, bekommst Du so schnell nicht wieder. Es nimmt dich mit Ausweis doch niemand.

Dass Deine Chefin in Ordnung ist, hat sie unter Beweis gestellt, weil sie die Epilepsie akzeptiert. Sie gehört damit nicht zu den Geistlosen, die uns für geisteskrank halten. Wenn sie jetzt etwas bedeckt ist, weil Du noch mehr Entgegenkommen verlangst, ist das verständlich. Du solltest sie nicht überstrapazieren. Ich wünsche dir einen guten Weg.

Viele Grüße
Anton

Überstunden

Mondenkind, Sunday, 28.03.2010, 16:55 (vor 5989 Tagen) @ Anton
bearbeitet von Mondenkind, Sunday, 28.03.2010, 17:04

Hallo Anton,

ich muss dir ein bisschen widersprechen...

Ein Arzt, der einen Patienten, der das Anfallsgeschehen nicht unter Kontrolle hat, zur Kur schickt, leistet einen Offenbarungseid und erklärt gleichzeitig, dass er von der Materie keine Ahnung hat.

Wenn ein Arzt jemanden in Reha schickt, ist das nicht unbedingt etwas schlechtes...
Es kommt darauf an, wo man hingeschickt wird...

Mein Neurologe hat vor etwa 2 Jahren als die Anfälle schlimmer wurden, offen mit mir geredet. Er sagte (in etwa): "Frau ..., ich bin ehrlich. Ich weiß nicht mehr weiter und möchte Sie gerne in Bethel in der Reha anmelden. Die Ärzte dort sind auf die Epilepsie spezialisert und ich hoffe, dass die Ärzte dort sehen, warum Ihre Anfälle schlimmer geworden sind."

Ich habe diesem zugestimmt und es war das Beste (auf die Epilepsie bezogen), was mir passiert ist. Mit meiner Epilspie kannte ich mich vorher schon einigermaßen gut aus, auch wie ich damit umzugehen habe. Hier gab es nicht allzuviel Neues für mich (Besuche regelmäßig Tagungen der DE, habe eine MOSES-Schulung besucht, habe mir selber viele Info-Bücher über die Epi zugelegt etc.)

Die Ärzte in Bethel haben alle möglichen Untersuchungen gemacht... MRTs, Neuropsychologische Untersuchunen etc.
Dort hat sich dann rausgestellt (auch noch in einigen Untersuchungen nach der Reha), dass mir ggf. geholfen werden kann (OP). Ich holte mir dann noch eine 2. Meinung und stimmte dann der OP zu.

Hätte mein Neurologe mir nicht den Vorschlag gemacht in eine Reha nach Bethel zu gehen, weiß ich nicht, wie es heute wäre...

Nach der OP war ich auch in Reha, aber ich habe mich gegen Bethel entschieden. Ich war in Bad Wildungen und ich habe meine Entscheidung nicht bereut.
Ich wollte etwas mit Menschen zu tun haben, bei denen nicht unbedingt die Epilepsie im Vordergrund steht. Klar habe ich auch dort Menschen kennen gelernt, die Epilepsie haben, und dann haben wir auch darüber gesprochen, aber ich hatte auch die Möglichkeit "andere Probleme" kennen zu lernen.

Und ja, dort kannte sich nicht jeder Arzt mit der Epilepsie aus, aber damit hatte ich vorher gerechnet. Mein Arzt, der für mich zuständig war kannte sich mit der Epi aus, und das reichte mir.

Liebe Grüüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Überstunden

Anton, Sunday, 28.03.2010, 17:46 (vor 5989 Tagen) @ Mondenkind

Hallo Mondenkind,
Dein Arzt ist ein schlaues Kerlchen. Denn 90 % aller Kur- und Rehakliniken sind fachlich nicht auf Epilepsie ausgerichtet. Mit der dem Epilepsie-Zentrum Bethel angeschlossenen Reha-Klinik hast Du großes Glück gehabt. Ich bin unmittelbar nach der OP dort gewesen und kann mich noch gut erinnern Habe die Namen der Ärzte noch im Kopf. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Epilepsie-Zentrum Bethel in Forschung, Lehre und Ausstattung eines der Besten der Welt ist. Mich hat auch nicht gestört, dass das Haus sehr spartanisch eingerichtet war.

Es geht ja um das Schaffen von Optionen. Dort sind sie vorhanden, wenn die Ärzte und Pfleger in der Reha nicht weiterwissen, geht man nebenan ins Haus Mara auf die Station 1A. Die Pflegemitarbeiter in beiden Kliniken wussten mehr, als ich zuvor bei Ärzten in anderen Kliniken erfahren habe.

Das Gebäude dürfte nicht mehr stehen. Es sollte gleich nach Weihnachten abgerissen werden. An der Stelle entsteht ein Neubau, wieder eine Rehaklinik mit Schwerpunkt Epilepsie. So verschwindet wieder ein Stück Geschichte, das Haus hat in den Anfängen als Schwesternwohnheim gedient.

Was Du erlebt hast, ist die große Ausnahme. Es muss aber in der Nähe noch eine Klinik dieser Art geben. Ich weiß, dass Bethel während der Bauphase die Frischoperierten in eine benachbarte Kurklinik schickt, mit der auch konstruktiv zusammengearbeit wird.

So, jetzt ist der Sonntag vorbei, das alles bei Sonne und Regen, morgen haben wir wieder Sommer. Ich wünsche dir eine gute Woche.

Viele Grüße
Anton

Überstunden

Green, Sunday, 28.03.2010, 10:04 (vor 5989 Tagen) @ Johnny

Hallo
ich kann Antons Worten nur zustimmen tue das was Du für richtig hälst.
Ich bin eh ein verfechter das man auch nein zu Dingen sagen kann was die Ärzte so wollen.
Natürlich muss ich dann auch mit den Folgen leben und darf mich nicht beschweren.
Du machst das ganz richtig tue was du für Dich vertreten kannst.
In einer Reha ist man auch nicht dazu da Dir die Epilepise ein zustellen dafür musst in ein Akutkrankenhaus...Epizentrum wie auch immer.
Das nächste ist was willst Du auch in so kurzer Reha erwarten.
Mit welchen Erwartungen bist du den dahin gegangen?
Mir hat man in der Reha gesagt wenn Sie noch mehr Akutesachen haben dann müssen Sie wieder gehen dafür sind wir hier nicht zuständig da rückt mir der Verwaltungschef wegen den Kosten aufs ....Fell.
:-)
Lass es dir gut gehen
Green

Überstunden

womi123, Sunday, 28.03.2010, 21:55 (vor 5988 Tagen) @ Johnny
bearbeitet von womi123, Sunday, 28.03.2010, 22:38

Hallo Johnny,
ich schließe mich der Antwort von Anton an. Mir hat mein Neurologe sogar ausdrücklich von einem Aufenthalt in einer Reha-Klinik abgeraten. Ich nehme ein Gemisch aus 3 verschiedenen Medikamenten (Valpro AL, Keppra und Topamax), da ich nicht nur Prävention gegen einen weiteren Grand mal, sondern auch gegen andauernde Sprachprobleme und Migräne brauche. Schon mal eine gelegentliche Triptan-Tablette, wenn die Migräne mal wieder zugeschlagen hat, bringt dieses filigrane Gleichgewicht durcheinander.
Da muss dann nicht noch jemand d´ran herum pfuschen ... :-) Lieber schreibt er mich dann immer über einen größeren Zeitraum krank. Sich dem Stress auf der Arbeit für eine Weile zu entziehen (bin Banker) wirkt Wunder und ich bin danach wieder fit.
Voraussetzung ist aber: man sollte einen Neurologen haben, der sich
1. in Arbeitsrecht auskennt und
2. soviel Grips hat, nicht bei jeder Medikamentenmodifikation an der Uni-Klinik Bonn anzurufen und zu fragen:"Ja darf ich denn das bei diesem Patienten?!"
Wie sieht es denn bei dir mit einem Heim-Arbeitsplatz aus??? Gerade im Back-Office-Bereich wird so etwas bei Banken verstärkt angeboten!
Grüße, Wolfgang

Überstunden

sonne, Schweiz, Thursday, 13.05.2010, 00:10 (vor 5943 Tagen) @ Johnny

Hallo
nein keine überstunden,dein Chef nutzt dich nur aus,dem ists egal wenn du dran zugrunde gehst,es zählt deinem boss nur eins der Profit.wenn er dich nicht mehr braucht wirft er dich raus.
guter Tipp sehe dich nach einer neuen Stelle um vorsorglich,solch schlechte Arbeitgeber gibts genug die dich nur ausnutzen,es kann fuer die bei einem neuen chef nur besser ergehen.
mfg Sonne