Epilepsie & Uni

Mondenkind, Wednesday, 28.04.2010, 20:35 (vor 5957 Tagen) @ lun

Hallo Luna,

ich hatte vor rund 11 Jahren das gleiche Problem.

Ich wollte studieren, aber nicht am Heimatort... weg von Familie, meinen damaligen Freund (und jetzigem Mann ;-) ), weg von Freunden in eine unbekannte Gegend...

Ich zog also ca. 150 km von zu Hause weg, in eine 2-Personen-WG.

Zwar wurden die Anfälle von Zeit zu Zeit schlimmer, doch ich habe nie negatives erlebt, im Gegenteil...
- nach einem Jahr zog ich mit meiner Freundin, die ich erst ein Jahr kannte, zusammen (und sie wusste und kannte meine Anfälle)

- ich hatte 4 oder 5 mal einen Anfall während einer Vorlesung bzw. an der Uni, die Professoren, Lehrbeauftragten oder Kommilitonen, ich lernte durch Gespräche oder spätere Ansprachen 5 oder 6 weitere Menschen mit Epilepsie kennen (ich war nicht alleine...)

- auch Sport machte ich, ich sagt den Leitern bescheid und immer kam nur "Kein Problem"

- das "Kein Prolem" hört ich öfters. Zwei mal kam im Anschluss noch ein "Ich hatte früher / habe auch Epilepsie, ich weiß wie das ist" (einmal bei einem der Lehrbeauftragten in einer Holzwerkstatt) bzw. einmal kam "Mein Bruder hat auch Epilepsie" (bei dem Leiter einer Exkursion)

Ich rate dir, lass es auf dich zukommen. Ich habe zwar wegen manchen Rückfällen insgesamt 13 (;-) )Semster gebraucht um fertig zu werden, aber andere, die "gesund" sind, brauchen auch so lange, oder sogar länger.

Als ich meine Vordiplomarbeit nicht im angemessenen Zeitraum fertig bekam, schrieb mein Neurologe mir ein "Attest", dass ich aufgrund meiner Anfälle zurzeit nicht arbeiten kann und deshalb die Abgabezeit bitte verlängert werden soll. Es wurde auch anerkannt.
Bei der Diplomarbeit habe ich es nicht gebraucht.

Seit 2005 bin ich nun Diplom-Sozialpädagogin (FH) ;-)

Ich finde, es hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Und ja, ich wurde auch 2 oder 3 mal ins Krankenhaus gebracht, aber da war es wirklich nötig, meine Mitbewohnerin hatte keine Angst vor den Anfällen, sie merkte aber, dass etwas nicht stimmte, anders war als sonst und rief in diesen Fällen dann doch den Krankenwagen. Und jedes mal hätte ich es nicht anders gemacht.

Ich habe auch Jobs gehabt, habe Kinder und Jugendliche betreut (auf Freizeiten, auf Freizeitangeboten oder in der Schule), meinen Kollegen oder "Vorgesetzten" habe ich da allerdings nichts von der Epi erzählt. Ich wollte nicht "bemuttert" werden. Und es ist auch immer gut gegangen...

Soweit von mir... ist dann doch ganz schön viel geworden... ;-)

Liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)


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