ist das epi - oder nicht????

judy, Sunday, 02.05.2010, 12:56 (vor 5954 Tagen)

Hallo!

Ich bin neu hier und ich bräuchte euren rat.
Vor 3 Jahren litt ich an einer posttraumatischen belastungsstörung - so ganz klassisch mit depressionen und panikattacken. Mit hilfe von psychopharmaka konnte ich mich wieder stabilisieren und die medis nach 1,5 jahren wieder absetzen. doch eines ist geblieben: meine "einschlafstörungen", die so einmal pro monat auftreten.
Als ich meine panikattacken hatte war der ablauf immer klar: ich war überlastet, gestresst, kam nicht zur ruhe, dadurch war mein körper total unentspannt, hat gezuckt, usw. und ich konnte nicht einschlafen. Jetzt allerdings passiert das auch wenn ich wirklich entspannt bin, ich lege mich nieder, bin müde, bin fast am einschlafen, plötzlich so ein komisches gefühl als würde ich "wegtreten", entweder ich zucke zusammen oder ich habe ein unbestimmtes gefühl, als würden meine muskeln krampfen wollen, in jedem fall schrecke ich dann hoch - herzklopfen, angst... sobald ich mich wieder beruhigt habe und wieder fast einschlafen, kommt dasselbe wieder.. das kann stunden so gehen... meist nehme ich dann ein benzo, dann geht es, nachdem die wirkung eintritt... mein neuro meint, es wären einfach panikattacken, aber ich bin mir da nicht so sicher...
könnte das auch eine form von epi sein? könnte das noch schlimmer/stärker werden?

Bitte um Rat/Meinung!! DANKE!!!

ist das epi - oder nicht????

Anton, Sunday, 02.05.2010, 18:14 (vor 5954 Tagen) @ judy
bearbeitet von Anton, Sunday, 02.05.2010, 18:45

Hallo Judy,

herzlich willkommen hier im Forum. Gut, dass die posttraumatischen Störungen ein Ende genommen haben. Sie zu therapieren ist nicht leicht und oft eine Sache von Jahren, oftmals sogar lebenslang. Es kommt immer drauf an, was so alles gewesen ist.

Ich nehme an, Du hast Antidepressiva genommen. Mir fällt gerade eins ein, dass für epileptische Krämpfe verantwortlich sein kann. Wenn aber etwas gewesen ist in der frühen Kindheit, ich denke an einen Fieberkrampf oder an eine Hirnhautentzündung, kann es leicht zum Ausbruch einer Epilepsie führen.

Es könnte aber auch sein, dass Du während der Einnahme der AD nicht solide gelebt hast. Auch das kann zu Anfällen führen. Oder Du hast Deinen Körper schlichtweg überfordert, und das über eine langen Zeitraum. Immer, wenn wir beginnen exzessiv zu werden, kann Epilepsie ausbrechen.

Die Medikamente, die Du nimmst, sind auf Dauer keine Lösung. Die neueren AD, ich denke an den Wirkstoff Mirtazapin, können als Langzeitbehandlung eingesetzt werden. Zwar ambulant, allerdings auch nur unter ständiger ärztlicher Kontrolle.

Was Du schilderst, könnten die Vorzeichen von epileptischen Anfällen sein, sogenannte Auren. Es stellt sich die Frage, welchen Weg Du gehen könntest. Als Erstes würde ich die internistische und radiologische Seite prüfen lassen. Das könnte auch der Hausarzt machen. Fast jeder Allgemeinmediziner hat ein Langzeit-Blutdruck-Messgerät in seiner Praxis. Der Hausarzt könnte außerdem ein Langzeit-EKG verschreiben. Du würdest 24 Stunden mit dem Gerät herumlaufen können.

Wenn Dein Neurologe gar nichts vom Ausschlussverfahren „Ist es Epilepsie oder nicht?“ wissen will, würde ich mir eine Zweitmeinung einholen. Aus meiner Sicht ist zumindestens eine EEG-Messung erforderlich. Selbst wenn sie keine Auffälligkeiten zeigt, kann es Epilepsie sein.

Wenn Du noch andere Medikamente nimmst, können Taubheitsgefühle und Zuckungen auch deren Nebenwirkung sein. Somit komme ich zum Fazit: Zuerst eine internistische , dann die radiologische Untersuchung. Und erst wenn hier Auffälligkeiten nicht sind, den Neurologen erneut einschalten. Ich wünsche gute Besserung und würde mich freuen, wenn Du dich mit dem Ergebnis hier wieder meldest.

Liebe Grüße
Anton


PS.: Übrigens, ich bin Patient und habe schon viel erlebt. Aus dem Grunde kann ich fast überall mitreden, meine Tipps ersetzen aber nicht ärztlichen Rat.

ist das epi - oder nicht????

judy, Sunday, 02.05.2010, 20:12 (vor 5953 Tagen) @ Anton

Hallo anton,

vielen dank für die genaue, sehr informative antwort!!!

Ich habe 1 1/2 Jahre lang sertralin und trittico genommen, alprazolam immer nur in "notfällen", haben noch ca 15 stück der packung, die ich vor fast 3 jahren verschrieben bekommen habe (50 stück). Als kind hatte ich eine schwere gehinrerschütterung, 2 jahre regelmäßige EEGs, die alle unauffällig waren. als ich mit meiner posttraum. BS zum Arzt ging, hat der auch ein EEG verschrieben, das unauffällig war.

ich bin alleinerziehend, voll berufstätig - in einem sehr stressigen job, und renoviere so "nebenbei" meine wohnung. ich bin einfach echt am limit im moment, also stimmt das, was du über körperlich und generell exzessiv leben schreibst. ich werde mich mal untersuchen lassen... und werd es hier natürlich mitteilen... ich hab einfach so angst, dass es das sein könnte, das es nicht dabei bleibt, sondern das es sich verschlimmert.... :-(

danke für den rat!!

Judy