Keppra und Depressionen

Yvonne, Wednesday, 02.06.2010, 11:19 (vor 5923 Tagen)

Dank Keppra bin ich zum ersten Mal anfallsfrei und werde es auch weiternehmen.
Nun stellt sich als ungewünschte Nebenwirkung des Medikamentes eine schwere depressive Verstimmung bei mir ein. Dagegen bekam ich Mirtazapin,das ich aber nicht vertrug. Wer von Euch hat Erfahrung mit Antidepressiva bei gut eingestellter Epilepsie ?
Bin bald wieder in der Bonner Klinik und wünsche mir Informationen von Euch,um eine Diskussionsgrundlage zu haben. Danke und einen sonnigen Tag !

Keppra und Depressionen

dannie89 ⌂, Bayern, Wednesday, 02.06.2010, 11:35 (vor 5923 Tagen) @ Yvonne

hey ich nehme zwar kein keppra , sondern lamotregin aber auch ein antideprisieva
nämlich cipralex
das hat bei mir eigentlich gut zusammengepasst. ich würde es aber auch in der klinik ansprechen wer hat den dir das medikament gegeben?
hast du "nur" Epilepsie oder auch psychogene Anfälle. Bitte verstehe es nicht falsch weger dem Nur.

liebe grüße

--
Carpe Diem-Nutze den Tag,

Keppra und Depressionen

Yvonne, Wednesday, 02.06.2010, 11:46 (vor 5923 Tagen) @ dannie89

danke Dannie, wie ich schon sagte,bin ich in der Bonner Epileptologie in Behandlung. Meine Anfälle sind nicht psychogen,sondern durch einen inoprablen Tumor ausgelöst, Um mich auf das nächste Arztgespräch vorzubereiten,möchte ich Eure Erfahrungen mit Antidepressiva sammeln. Komme selbst ursprünglich aus einem medizinischen Beruf und kenne daher das Cipralex. Persönliche Erfahrungen Betroffener können einen Beipackzettel zwar nicht ersetzen,aber sehr gut ergänzen.

Keppra und Depressionen

Anton, Wednesday, 02.06.2010, 11:45 (vor 5923 Tagen) @ Yvonne
bearbeitet von Anton, Wednesday, 02.06.2010, 11:49

Hallo Yvonne,

ich habe schon jede Menge unterschiedliche Medikamente gegen Epilepsie genommen und komme mit dem Keppra wunderbar zurecht. Es hat eine hervorragende Wirkung bei wenig unerwünschten Nebenwirkungen. Zwei davon kommen fast auf jeden Patienten zu. Zum einen die Schlaflosigkeit und zum anderen die Feindseligkeit, die Aggressivität. Ist aber auch von Patient zu Patient unterschiedlich ausgeprägt.

Mit dem Mirtazapin hat dir der Arzt eines der ganz neuen Antidepressiva verschrieben. Es hat den Vorteil, dass es schnell wirkt und nur wenig abhängig macht. Die häufigsten NW sind Heißhunger mit Gewichtszunahme. Es wird auch zum Schlafen verabreicht.

Die erste Zeit, so ungefähr drei Wochen, gestaltet sich recht schwierig. Wenn man sie abends genommen hat, fällt man um wie ein Baum. Und am nächsten Tag ist man todmüde. Das lässt aber bei steigender Dosis und nach einigen Wochen auf jeden Fall nach. Die Wirksamkeit gegen die Depression beginnt ab einer Tagesdosis, die möglichst abends genommen werden sollte, ab 15 mg.

Als Epilepsie-Kranker hat man natürlich Angst, dass es auch Anfälle auslösen kann. Bei den zahlreichen Studien ist es allerdings unter 2.800 Personen nur einmal vorgekommen. Fazit: Wenn Du es die ersten Wochen durchhältst, wirst Du es lange nehmen wollen. Ich wünsche gute Besserung und hoffe, dass es auch dir gut hilft.

Liebe Grüße
Anton

Keppra und Depressionen

Yvonne, Wednesday, 02.06.2010, 11:54 (vor 5923 Tagen) @ Anton

Hallo Anton,danke für die schnelle Antwort.
leider hat bei mir das Mirtazapin "paradoxe" Reaktionen ausgelöst, nämlich das Restless - legs- Syndrom. Sogar bei minimaler Dosierung. Bin selbst medizinisch bewandert und daher weiss ich um die Notwendigkeit durchzuhalten. Meine Sorge galt nicht der Krampfauslösung sondern war in dieser unerträglichen Nebenreaktion begründet,die mich nicht im Bett hält. Du weisst ebensogut wie ich,wie wichtig der regelmäßige Schlaf für uns ist. Leider,leider, funktioniert das bei mir mit Mirtazapin nicht.

Keppra und Depressionen

Anton, Wednesday, 02.06.2010, 12:18 (vor 5923 Tagen) @ Yvonne

Hallo Yvonne,

ich kann dich verstehen, aber hast Du schon mal versucht, das Mirta zu erhöhen? Ich nehme es erst seit kurzer Zeit und habe meine Erfahrung damit geschildert. Unruhige Beine sind eine mögliche NW, ich habe sie gottseidank nicht. Wie sie wegzubekommen sind, weiß ich nicht. Ich würde nur auf keinen Fall das Keppra weglassen. Es ist aus meiner Sicht wirklich spitze.

Und noch mal zum AD. Ich habe vor vielen Jahren mal Fluctin genommen. Es hat sofort zu einem Anfall geführt. Was das Schlafen angeht, weiß ich von einigen Patienten, dass sie die Einnahmezeit abends um ein oder zwei Stunden vorverlegt haben. Das soll schon etwas bringen. Ich habe es probiert, und es stimmt.

Und Deine Depression: Ist sie wirklich da oder dichtet man sie dir an? Denn das Keppra lässt einen Klartext reden, das können einige unserer Mitmenschen nicht verstehen und halten uns für depressiv. Ich finde, Anfälle machen depressiv. Anfälle und das, was die Folge ist. Wenn Du längere Zeit keine Anfälle bekommst, könnte doch die Chance bestehen, dass sich die Depression auflöst.

Liebe Grüße
Anton

PS.: Ach ja, ich nehme das Mirtazapin weniger gegen eine Depression, sondern gegen chronische Schmerzen. Es hat neben der antidepressiven Wirkung auch noch die analgetische. Bin vor eineinhalb Jahren auf dem Radweg angefahren worden, habe mir das Genick gebrochen, bin zweimal verschraubt worden und habe immer noch Schmerzen. Mein Kopf wird mittlerweile von 4 Titanschrauben gehalten, wenn ich unglücklich falle, bin ich tot. Das alles macht Schmerzen und erzeugt Unruhe.

Wie sieht es mit dem Tumor aus? Bonn gehört zu den ganz guten Kliniken, aber es gibt bessere. Ich bin gestern vor 4 Jahren in Bethel operiert worden und anfallsfrei.

Keppra und Depressionen

Yvonne, Wednesday, 02.06.2010, 13:41 (vor 5923 Tagen) @ Anton

Hallo Anton, welcher Art war dein Tumor und wo lokalisiert ? Ist er stetig gewachsen (oder verhält sich wie bei mir seit 12 Jahren ruhig). In Bonn bin ich nur in der Epileptologie. Sollte doch ein Eingriff - wg Wachstum- unumgänglich werden,würde ich auch eine andere Klinik wählen. Hoffentlich wird das nie nötig sein. Meine Depression wurde mir sicher nicht "eingeredet" sondern hat sich lediglich unter Keppra verstärkt. Bin auch sehr kritisch,was die Einnahme der sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Fluctin,Seroxat etc. betrifft. Deshalb habe ich ja auch hier diese Frage eingestellt.

Keppra und Depressionen

Anton, Wednesday, 02.06.2010, 16:32 (vor 5923 Tagen) @ Yvonne

Hallo Yvonne,

ich hatte keinen Tumor, nur eine therapierefraktäre Epilepsie. Bin über drei Jahrzehnte falsch behandelt worden. Erst als gar nichts mehr ging, hat ein Arzt gemerkt, dass Medikamente gar nichts bringen und mir von der OP-Möglichkeit erzählt. Er war mal in Bethel gewesen, so konnte er sich für mich stark machen. So bin ich dort hingekommen. Dieses Epilepsie-Zentrum gehört mittlerweile zu den weltbesten in Therapie und Forschung. Dort gibt es auch eine Neuro-Chirurgie. Sie hat mir ein zweites Mal das Leben gerettet, und zwar im letzten Jahr. Bin dort im Februar und im September an der Wirbelsäule operiert worden, nachdem die mich nach dem Unfall aufnehmende Klinik kläglich versagt hatte. Im Gilead I haben die Neurochirurgen es dann hinbekommen. Ich bin zweimal gut 14 Tage stationör dort gewesen, was ich da mitbekommen habe, war schon klasse.

Nochmal zum Schlafen. Kurz vor dem operativen Eingriff am Temporallappen bekam ich einen Schnarcher auf das Zimmer. Konnte kein Stück mehr schlafen. Da hat mir eine Ärztin das Medikament „Noctamid“ 2 mg gegeben. Es ist keine Dauerlösung, hat Anfälle nicht ausgelöst. Wenn ich heute mal wirklich mehr Schlaf benötige, nehme ich eine Halbe davon, also 1 g. Beim Mirtazapin muss man bedenken, dass die sedierende Wirkung mit der Zeit nachlässt. Ich merke es bereits nach 2 Monaten schon.

Ich wünsche dir gute Besserung, hoffe, dass der Tumor keinen Platz benötigt und er dich noch lange zufrieden lässt.

Liebe Grüße
Anton

Keppra und Depressionen

Sassi, Friday, 04.06.2010, 17:21 (vor 5921 Tagen) @ Yvonne

Hallo Yvonne,

ich nehme seit Oktober letztes Jahr Keppra, und vertrage sie auch ziemlich gut. Alos ich hab seit dem keinen einzigen Anfall mehr gehabt.
Ich habe zwar seit dem einige NW festgestellt, aber (gottseidank) keine Depressionen.

Wenn ich fragen darf, wie hat sich das bei dir geäußert bzw woher weißt du das?