Ich verliere den Lebenswillen

Winston, Monday, 07.06.2010, 08:30 (vor 5918 Tagen)

Hallo so langsam aber sicher zerstört mich diese Krankheit, wenn ich meine jetzige Lebenspartnerin nicht hätte wäre es schon passiert glaub ich.
Diese Krankheit ist gerade dabei ein drittes mal mein Leben zu zerstören. Zu meiner Geschichte ich war ich war ein junger hoch aktiver immer für einen Spaß zu habender Mann, hatte meinen Traumberuf ne Frau und Hochzeitsabsichten bis ich mit 25 den ersten Anfall bekam die Folge Berufsunfähigkeit, Frau weg. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch optimistisch war begann ich von vorne Umschulung danach neuer Job usw. mein Leben ging so einiger maßen in die richtige Richtung.
Mit den Anfällen hatte ich Glück so alle 2-3 Monate einen kleinen. Nach sechs Jahren dann der zweite große Anfall, dieser hatte mir ein paar Wirbel im Rücken gebrochen zum Glück hatte ich kein Querschnitt. Die Folge wieder Berufsunfähigkeit, hab diesmal ein Studium mit 35 begonnen und abgeschlossen, war nur die falsche Fachrichtung jedenfalls hab ich nach langer suche nen Hilfsarbeiterjob gefunden. Nur so ca. 1 Monat nach Antritt dieser Stelle häuften sich die fokalen Anfälle auf 1-3 mal pro Woche! Warum? nur. Bisher hat es noch keiner bemerkt, nur wenn dann bin ich den Job wieder los. Ich bin jetzt 40 und die Zukunft sieht eher schwarz aus.
Kennt das jemand? Wie kommt man da raus?

Ich verliere den Lebenswillen

Sassi, Monday, 07.06.2010, 11:57 (vor 5918 Tagen) @ Winston

Hallo Winston,
ich bin zwar etwas jünger wie du, aber ich wurde letztes Jahr, nach dem ich meine Ausbildung fertig abgeschlossen hatte auch als arbeitsunfähig erklärt.
Ich kann dich was das angeht, auch wenn du schon mehrere schicksalsschläge erlitten hast trotzdem gut verstehen. Ist ein Scheiß Gefühl.
Und das schlimmste ist man weiß nich wie es weiter geht oder was noch alles kommt.
Wie man da raus kommt? Ist eine gute Frage!
Denn darauf habe ich auch keine genaue Antwort. Das Einzige was ich denk ist dass man sich trotz allem was passiert ist nicht unterkriegen lassen darf.

Klingt jetzt blöd aber wenn des bei dir so crass st mit deinen Arbeitsplätzen, hast du schon mal darüber nachgedacht Frührente zu beantragen?

Ich verliere den Lebenswillen

dannie89 ⌂, Bayern, Monday, 07.06.2010, 12:55 (vor 5918 Tagen) @ Winston

hallo Winston,
ich kann dich gut verstehen ich habe erst seit nov 08 epilepsie , frisch ausgelernt in einem Beruf was ich nix mehr arbeiten kann das hatt mich extrem reingeritten. Ich habe mir psychologische Hilfe geholt weil ich 3 selbstmordversuche hinter mir habe. Ich bin mir sicher das wenn ich eine Therapie mache das ich wenigstens besser mit der Krankheit zurecht komme. Ich muss dazu sagen das ich nicht auch psychogene Anfälle habe. Deswegen.

liebe grüße

Kopf hoch es wird besser werden. Wenn du glaubst es geht nicht mehr kommt irgendwo ein Lichtlein her.
wenn du jemanden zum reden brauchst kannst dich an mich wenden
liebe grüße

--
Carpe Diem-Nutze den Tag,

Ich verliere den Lebenswillen

anntchen, warstein, Monday, 07.06.2010, 13:05 (vor 5918 Tagen) @ dannie89

Liebe dannie!
ich bin erschrocken, über das was du geschrieben hast.
mach das bitte nicht!
versprich, mir das!

Ich verliere den Lebenswillen

dannie89 ⌂, Bayern, Monday, 07.06.2010, 13:37 (vor 5918 Tagen) @ anntchen

hey
mittlerweile bin ich froh das ich noch lebe. ich würde es NIE mehr machen . Ich würde es nie mal mehr machen. Auch wenn ich oft die schnautze voll habe brauchst dir keine sorgen zu machen. Ich werde aber trotdem eine therapie machen da ich in meiner kindheit viel scheiße erlebt habe.
Liebe grüße

--
Carpe Diem-Nutze den Tag,

Ich verliere den Lebenswillen

Yvonne, Monday, 07.06.2010, 14:41 (vor 5918 Tagen) @ Winston

Lieber Winston,
das Gefühl,die Kontrolle über seinen Körper und damit auch zum Teil über sein Leben zu verlieren ist tief verstörend und beängstigend. Auch ich habe diese schlimme Erfahrung gemacht,und glaube zu wissen was in Dir vorgeht. Mich schickte man vor 12 Jahren mit einem inoperablen Hirntumor nach Hause. Tiefer gings nicht,denn ich war sehr erfolgreich im Beruf und wir hatten grade ein Haus gekauft.dann kam auch noch die Epilepsie dazu. Da kommen dann schon sehr schwarze Gedanken. Inzwischen habe ich gelernt,dass diese Gedanken Teil einer behandlungsbedürftigen Depression sind.
Lass dir von einem Neurologen Deines Vertrauens helfen,diese Phase zu überwinden.
Tu etwas sinnvolles. Ich hab mich damals im Tierschutz engagiert und trotz halbseitiger Lähmung einen Hund aufgenommen. Da musste ich raus und inzwischen jogge ich sogar! Es geht weiter,glaub mir !
Liebe Grüße,
Yvonne

Ich verliere den Lebenswillen

Mondenkind, Monday, 07.06.2010, 18:33 (vor 5917 Tagen) @ Winston

Hallo Winston,

weiß man, was bei dir die Anfälle auslöst??
Hat man bei dir alles "vernünftig" untersucht? Sprich, warst du in einer Epilepsie-Ambulanz?

Ich frag das, weil ich auch ständig Anfälle hatte, die immer häufiger vorkamen. Mein Arzt hat mich dann nach Bethel geschickt und dort haben sie festgestellt, dass ich eine Vernarbung am linken Hippocampus habe.
Nach mehreren weiteren Untersuchungen habe ich mich dann für eine OP entschieden.

Das war letztes Jahr im September. Jetzt bin ich seit fast einem dreiviertel Jahr anfallsfrei, und habe somit meine längste anfallsfreie Zeit seit über 5 Jahren.

Liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Ich verliere den Lebenswillen

Achim74, Tuesday, 08.06.2010, 12:39 (vor 5917 Tagen) @ Winston

Hallo Winston!

Das Leben geht weiter, auch mit Epilepsie. (und das ist gut so!!)

Du scheinst sehr perspektivlos zu sein. Mir kommen spontan verschiedene Ideen, wie du dich aus deiner Situation befreien kannst.

Das man mit einer Epilepsie in einer deppressiven Phase hängen bleibt ist nicht selten. Hier gibt es aber gute Behandlungsmöglichkeiten.

Warst du schon einmal in einem Epilepsiezentrum (z.B. Bethel?). Dort gibt es auch therapeutische Unterstützung um diese schwierigen Phasen zu überstehen.

Ich war kürzlich für zwei Wochen dort. Mit Hilfe der dortigen Sozialarbeiter und Ärzte habe ich verschiedene Möglichkeiten und Wege kennengelernt, wie ich z.B. in meinem Beruf, trotz der Epilepsie, weiter arbeiten kann.
Du kannst dich diesbezüglich aber auch von dem "Integrationsfachdienst" (Ifd) beraten lassen. Möglicherweise kann findest du die Anschrift der für die zuständigen Ansprechstelle im Internet. Möglicherweise kann dir auch das Gesundheitsamt diese Anschrift nennen.

Hast du schon einen Schwerbehindertenausweis beantragt. Dieser bietet, wenn du im Job bist, auch einige Vorteil. Lass dich vom IFD beraten und du wirst sehen, dass es noch viele Wege gibt, die für dich beruflich in Frage kommen.

Viele Erfolg!

Achim

Ich verliere den Lebenswillen

Peppo, Wednesday, 09.06.2010, 06:21 (vor 5916 Tagen) @ Winston

Hallo Winston ,

diese Krankheit zerstört uns allen bzw. bremst uns alle in unserem alltäglichem Leben. Das du diese Schicksalsschläge erleben musstest ist ziemlich hart , aber auch andere die diese Krankheit nicht haben , werden leider Gottes übels mitgespielt in ihrem Leben.

Ich finde es SUPER , daß du das Glück hattest noch eine Lebenspartnerin zu finden , die dir halt gibt.

Auch ich bin Epileptikerin und eigendlich sehr gut eingestellt auf meine Medikamente , aber gegen Stress/Angst/Innere Unruhe da wird keiner davor verschont. Meine Anfälle habe ich noch leider , weil meine psychisch ausgelöst werden und ich denke das ist bei dir genauso.

Ich bin 34 Jahre und bin arbeitsunfähig bis auf weiteres !! Was soll ich sagen ?
Ich fahre heute nach BETHEL zum 2ten mal und ich werde wieder besser lernen damit umzugehen und weiter an mir arbeiten ;)

BETHEL ist eine gute Anlaufstelle , wie mein Vorposter schon geschrieben hat.Dort sind qualifizierte Leute , die Schritt für Schritt mit dir Wege erarbeiten.Und weisst du was ? Ich freue mich das ich dort hin kann und ich wünsche Dir , dass du den selbigen Weg einschlägst und nicht den Kopf hängen lässt. Den da ist dir und deiner Lebenspartnerin nicht geholfen .

Kämpfen ist angesagt !!

Alles Gute für dich und viel viel Kraft für dich =)

Liebe Grüsse
Anna

Die Sonne scheint du musst sie nur angucken

puca, Thursday, 10.06.2010, 05:37 (vor 5915 Tagen) @ Winston

Lieber Winston ,
liege gerade wach und grüble über ähnliche Themen.Habe die Epilepsie seit dem ich Kind bin. Anders sein ist schwierig und es zieht einen oft runter. Gerade solche Themen wie Führerschein, Job und Partnerschaft beschäftigen auch mich. Ich bin oft am rande einer Depression. Aber dannmuss man sich immer wieder klar machen ,dass ads Leben bunt ist . Es gibt so viele Menschen denen es viel schlechter geht als uns.Kleine Kinder die elendig an Krebs verrecken. Dagegen ist ein grosser Anfall ein Luxus Problem ( aus dem Selbstmitleid nehme ich mich nicht aus ;)Es ist super schwer sich damit abzufinden, die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren . Ich habe dieses Problem für mich gelöst indem ich versucht habe zu verstehen was da mit mir passiert. z.B. habe ich immer das Gefühl zu ersticken . Ich habe meinen Freund gebeten zu Protokollieren was genau bei einem Anfall bei mir passiert und dadurch konnte ich mir einiges erklären...und so wieder Kontrolle zu erlangen. Tja alles schwierig. Glaub wir müssen uns irgendwie alle selbst aus der scheisse ziehen. Bethel ist ne top Idee.Was mir gut gefallen hat war , dass man entlich mal mit Leuten reden konnte denen man nicht erst erklären musste wie man sich fühlt und die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Alles alles liebe.

R

Ich verliere den Lebenswillen

Waltraud, Sunday, 13.06.2010, 19:25 (vor 5911 Tagen) @ Winston

Hallo Winston

Auch ich verstehe dich.
Mein Mann hat Anfälle und als Ehefrau ist es auch nicht einfach. Oft habe ich gedacht es geht nicht weiter, oder es kann doch nicht noch schlimmer werden. Dann wenn es mich ganz runter gesogen hat, hatte ich auch solche drübe gedanken. Dann hatte ich gotseidank die richtigen Ärzte und Freunde, die mich verstanden hatten. Und mein gedanke war dann auch immer andere haben noch viel mehr schwierigkeiten und sind alleine. Denn mein war sehr Krank bis endlich die richtige Tabletteneinstellung gelungen ist. Jetzt wo wir unseren Leben geniesen könnten, denn er ist 65Jahre alt kommen die Anfälle wieder und er ist durch eine Narbe im Gehirn in Anfangstadium von Demenz. Und wieder muß ich als Partnerin wieder kämpfen.
Ich will dir nur sagen, kämpfe und Lerne mit der Krankheit umzugehen. Hole dir hilfe, vieleicht von eine Selbsthilfegruppe. Denn da wurde ich immer wieder Aufgefangen. Wenn in der eine nicht so toll, sucht dir eine andere. Denn es gibt wirklich tolle Leute und da kann man echte Freunde finden:-)

MfG
Waltraud