Burn out

Johnny, Sunday, 22.08.2010, 21:38 (vor 5840 Tagen)

Hallo

Ich bin Techniker und arbeite in einem Krankenhaus. Dort bin ich für die Gerätesicherheit zuständig. Eine Menge Überstunden und nächtelange Arbeit waren die Folge. Das ging Jahre so. Schliesslich kamen die ersten Symptome wie vermehrte Anfälle und Schlafstörungen mit Halluzinationen. Das wurde immer schlimmer. Schliesslich kriegte ich nichts mehr auf die Reihe war unkonzentriert und fehleranfällig. Auch das Privatleben leidet stark darunter hab zu nichts mehr Lust und könnte nur noch schlafen. Lange Zeit schoben die Ärzte das auf die Epilepsie. Doch beim letzten Gespräch mit einer Psychiaterin sagte die mir die Epi wär gar nicht mein Problem. Anfälle hab ich seit Kindheit an und konnte gut damit leben. Höchstens mal einen wenn ich beim Ausgehen wieder mal über die Stränge schlug und zuviel getrunken hatte. Da gings mir einen Tag schlecht und dann war alles wieder in Ordnung. Doch nun ist das ein Dauerzustand. Es wird immer schlechter. Sie sagte mir ich hätte ein sogenanntes Burn out und das kommt von der nächtelangen Arbeit. Eine schleichende Krankheit. Und es würde noch schlimmer kommen bis hin zum Selbstmord wenn ich das Arbeiten nicht reduziere. 60 Wochenstunden sind einfach zuviel. Nun heißt es nur noch das nötigste tun und Dienst nach Vorschrift. Wegen meinem Schwerbehindertenausweis können sie mich nicht mal kündigen höchstens aufs Abstellgleis schieben das ich gar nichts mehr darf. Weiß nicht wies nun weitergeht und was ich machen soll.

Grüße Johnny

Burn out

RaJox, Sunday, 22.08.2010, 23:55 (vor 5840 Tagen) @ Johnny

Hi Johnny,
wenn du Behinderten Ausweis hast hast du viele vorzüge, nutze sie, erkenne deine Krankheit an und belaste dich diesbezüglich nicht zu sehr. Du weisst was mit dir los ist und was du benötigst, teile es deinem AG mit und wenn er Verständnis hat, wird er dich unterstützen; wenn er dich als Behinderten einstuft, und dir das alles zumutet, dann wende dich an Anwälte, weil man dann das Gefühl bekommt, man wird ausgenutzt:
Du ´hast Epi aber bist dennoch geistig fit; schätze das und mach das deinem Vorgesetzten klar. Du kannst halt nur unter gewissen Maßnahmen arbeiten; jeder andere würde wohl durchknallen; also Hut ab und hole dir deine Ausnahmezeit.
Besonders Epi Menschen brauchen sie. Deshalb bist du dennoch völlig normal; nur leider sehen es die Vorgesetzten nicht so.
LG RaJox

Burn out

Musica, Sunday, 22.08.2010, 23:59 (vor 5840 Tagen) @ Johnny

Hallo Johnny, Du hast Panik. Wenn Du 60 Std. und dann auch noch nachts arbeitest, ist es naheliegend, dass das nicht gut gehen kann. Mit oder ohne Epi. Aber mit ist man eben viel gefährdeter und auch für Stress anfälliger. Zu wenig Schlaf (und schlechter)ist für uns auch nicht gut. Unglaublich ist, dass vermeintlich kompetente Personen Selbstmord als mögliche Prognose abgeben. So wie es aussieht, könntest Du dringend Abstand brauchen. Eine Kur aufgrund Burn-Out halte ich fü rdringend empfehlenswert. Aber eine gute Psychotherapie brauchst Du auch.So etwas mußt Du Dir zugestehen. Ein Arbeitgeber darf mit schwerbehindeten Mitarbeitenr derart nicht umgehen.Das ist gegen das Recht.Gibt es einen Betriebs-oder Personalrat? LG

Burn out

SVT_Epi, Monday, 23.08.2010, 18:11 (vor 5839 Tagen) @ Johnny

Hallo Johnny,

als mehrfach "Ausgebrannter" kann ich Dir einen ganz wichtigen Rat geben:
An erster Stelle steht deine Gesundheit.
An zweiter Stelle die Liebe zu dir und möglichst viele Menschen die dich lieben.
An dritter Stelle kommt die Versorgung.

Das was dich ausbrennen lässt ist - du kannst nicht nein sagen.
Du beachtest deine eigenen Grenzen nicht.

Nun hat dir die Krankheit deinen Weg gezeigt. Ob du nun willst oder nicht.
Und solange du "weiterbrennst" wirst du nicht zur Ruhe kommen.


Viel Gesundheit und Einsicht wünsche ich dir
dein SVT_Epi

ps. Das Leben ist auch mit wenig Geld, lebenswert und schön !!!

Burn out

Johnny, Monday, 23.08.2010, 21:39 (vor 5839 Tagen) @ SVT_Epi

Hallo

Danke für Eure Antworten. Ich war schon auf Reha wegen meiner Erkrankung und schon dort äußerten sie den Verdacht auf ein Burn out. Sie sagten ich solle Stunden reduzieren und das nächtelange Arbeiten sein lassen. Doch ich wurschtelte so weiter mit der Technik. Das ging ein Jahr gut nun bin ich am Ende. Ich kann einfach nicht mehr. Nun bleibt nur noch die Gretchenfrage wie verklickere ich das der Chefin. Die anderen wollens einfach nicht machen und schiebens ab. Der alte Chef hätt auf den Tisch gehauen und gesagt ihr habts das zu machen doch beim neuen ist alles egal hauptsachen man funktioniert. Ich wollte den Kollegen die einfachste Messung auftragen doch die habens einfach nicht gemacht. Die Chefin hats toleriert und es blieb wieder an mir hängen. Beim alten Chef hats sowas nicht gegeben. Hilfe kann ich von denen nicht erwarten dafür sinds zu bequem. Der andere Kollege der auch Technik macht muss auch aufpassen das er nicht ins Burn out verfällt denn er arbeitet auch nachts und stundenlang. Der technische Leiter hat uns arbeiten gegeben für die eigentlich Firmen zuständig wären doch so kann man sparen wenn man Esel hat die alles machen. Doch ich will aussteigen und wenns nicht geht hau ich ihm die Unterlagen um die ohren. den rat hat mir die Neurologin auch gegeben.

Grüße Johnny

Burn out

Mondenkind, Tuesday, 24.08.2010, 19:35 (vor 5838 Tagen) @ Johnny

Hallo Johnny,

du erinnerst mich an meinen Kollegen,

Ich lernte ihn im August 2007 kennen. Er machte (fast) alle Arbeiten lieber selber oder schaute zumindest nochmal drüber ("besser ist das..."). Er machte so gut wie alle Telefonate, schrieb alle Protokolle und Dokumentationen etc.

Im März 2008 kam er ins Büro, war fix und fertig, fing an zu weinen und sagte "ich kann nicht mehr, ich geh nach Hause und weiß nicht, wann ich wiederkomme."

Im Dezember 2008 ging er in Reha, fing dann im Frühjahr wieder an zu arbeiten (in einem anderen Bereich - und nicht mehr als Bereichsleiter) Als er mir mal im Gespräch sagte, dass er bei der neuen Stelle zum Teil wieder Schweißattacken und leichte Panikanfälle bekäm, riet ich ihm, dass er auf sein Inneres hören sollte. Wenn er (noch) nicht könnte, dann könnte er eben noch nicht. Er sollte da nicht an unseren Chef oder an die Kollegen denken, sondern ganz alleine an sich.

In der nächsten Woche hörte ich, dass er krank geschrieben ist.

Ein viertel Jahr später fing er wieder in einem anderen Bereich an zu arbeiten (vor etwa einem Jahr). Diese Arbeit macht ihm Spaß, er trägt nur die nötige Verantwortung.

Ich kann dir nur dasselbe sagen, was ich meinem Kollegen gesagt habe:
"Johnny, höre auf dein Inneres. Es gibt andere, die die Arbeit auch machen können! Mach dich nicht kaputt! Und vor allem: Lass dich nicht von deiner Arbeit kaputt machen!"

Alles Gute & viele liebe Grüße
Mondenkind

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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)