Klinik?

Musica, Monday, 30.08.2010, 11:18 (vor 5833 Tagen)

Hallo alle zusammen,

was bringt eigentlich ein Klinikaufenthalt, wenn man seine Diagnose hat und auch damit umgehen (leben ) kann? Wenn die Einstellung stimmt und das Medi verträglic ist? Was wird dort gemacht? Was wird besser?

Ich würde gerne eine Kur, also keinen Klinikaufetnhalt machen. Hat jemand damit Erfahrung? Was geschieht dort? Sind dort nur Epi`s? Gibt ja auch pscyhische Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie udgl.Würde mir nichts ausmachen.
Mein Arzt hat mir eine Kur zugesagt.
Bin gespannt auf Eure Antworten,
schönen Tag noch, Grüße, Musica

Klinik?

Mondenkind, Monday, 30.08.2010, 16:27 (vor 5832 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

dass kommt darauf an, wo du hingehst...

Ich war im Sommer 2008 für 4 Wochen in Bethel (Anfalls-Check - "was ist los mit mir") und im Herbst 2009 in der Wicker-Klinik in Bad Wildungen (nach Entfernung des linken Hippocampus)

Beide Reha-Klinken sind für "Epilepsie" ausgeschrieben, und doch so anders.

In Bethel dreht sich (fast) alles um die Epilepsie. Gespräche werden häufig über die Epilepsie geführt, die Mitpatienten haben alle Epilepsie, bzw. werden durchgecheckt, ob sie Epilepsie haben oder etwas anderes. In Bethel ist es überschaubar, bis ca. 30 Mitpatienten, da kennt man schnell jeden.

In Bad Wildungen ist die Epilepsie nur eine kleine Abteilung. Ich habe Menschen kennengelernt z.B. mit MS, Migräne, Parkinson, Tumor-Entfernungen, Depressionen, Burn Out, Diabetes ...

In Bad Wildungen sind auch gut 10 x so viele Patienten, wie in Bethel (über 300 Betten), denentsprechend kann hier mehr angeboten werden (an Sportangeboten, Physiotherapie, Ergotherapie etc.)

Mir hat beides sehr gut gefallen, und ich würde in beide Reha-Einrichtungen jederzeit wieder fahren - das einzige was ich an Bad Wildungen auszusetzen habe, ist, dass mal selber dort nicht sehr viel über (seine) Epilepsie erfährt, bzw. lernt man die Mit-Patienten mit Epilepsie meist nur durch Zufall kennen.

Ich kenne mich gut mit (meiner) Epilepsie aus, von demher hat mir das nicht so sehr was ausgemacht, doch ich habe Menschen kennen gelernt, die Fragen hatten und nicht so recht wussten, an wen sie sich wenden können...

Mir haben beide Rehas sehr viel gebracht.
Bethel: endlich eine vernünftige Untersuchung, was meine Epilepsie betrifft. Endlich hat jemand den Grund für meine Anfälle gefunden und endlich konnte mir jemand sagen, dass ich dagegen etwas machen kann (operieren)

Bad Wildungen: nach der OP war ich fertig mit der Welt. Ich hatte Kopfschmerzen und hatte vielfach zu nichts die Motivation. In Bad Wildungen bekam ich sie wieder. Das Essen war gemacht, das Zimmer wurde sauber gemacht (schon mal zwei wichtige Dinge, um die ich mich selber nicht kümmern brauchte) etc. Sportliche Betätigungen (nicht zu viel - aber auch nicht zu wenig), nette Gespräche mit den Mit-Patienten, etc.

Beide Male vergingen die 4 Woche wie im Fluge und beide Male kam ich entspannt nach Hause.

Liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Klinik?

Musica, Monday, 30.08.2010, 23:20 (vor 5832 Tagen) @ Mondenkind

Guten Abend,Mondenkind, herzl. Dank für Deine ausführliche Antwort und die Beschreibungen. Ich schau mir die Kliniken im Internet an. Beantragt habe ich die Kur noch nicht. Was mich sehr aufmerkent ließ war, dass Du erst dort erfahren hast, warum Du Epi hast und dass Du Dich operieren lassen kannst. War die OP denn erfolgreicht? Heißt das, dass Du keine Anfälle mehr hast? Würde ich Dir echt wünschen, aber wahrscheinlich hab ichs doch nicht richtig verstanden!Guten Abend und lg:-)

Klinik?

Mondenkind, Tuesday, 31.08.2010, 16:56 (vor 5831 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

ja, die OP war erfolgreich. Eine OP ist nicht bei jedem möglich, das kommt darauf an wo der "Störfaktor" sitzt, bzw. ob man herausfindet, wo dieser ist.

Ich hatte eine Vernarbung am linken Hippocampus. Diesen hat man mir entfernt. Ich habe momentan meine längste anfallsfreie Zeit seit über zehn Jahren (1996 ist die Epilepsie bei mir aufgetreten).

Was ich vergessen hab zu fragen: Warum willst du in Reha? Wegen deiner Epilepsie oder aus einem anderen Grund?? Darauf kommt es ja auch an, welche Reha-Einrichtung du dir aussuchen solltest.

Liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Klinik?

Musica, Tuesday, 31.08.2010, 18:20 (vor 5831 Tagen) @ Mondenkind

Hallo Mondenkind, ich gratuliere Dir zu diesem Erfolg! 10 Jahre anfallsfrei! Nimmst Du trotzdem Medi`s?Erfährsrt Du keine Ausgrenzungen? Bei mir wird man nichts finden, wie seit 21 Jahren.Habe "Schläfenlappen..",-jährlich so 3-4 Anfälle.Absencen mit bösem Zungebiss und Schmatzen.,
Ich hatte eher im Sinn, mich zu relaxen, ganz weit entfernt von zuhause. Deine Schilderungen haben nun einen völlig neuen, interessanten Aspekt.Allerings fürchte ich, dass ich mit Problemen anderer, Gruppe, Gepräche etc. konfrontiert würde.Das kann ich gar nicht brauchen.
Lieben Gruß, Musica:-)

Klinik?

Mondenkind, Tuesday, 31.08.2010, 23:06 (vor 5831 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

sorry, hab mich wohl falsch ausgedrückt...

Meine OP hatte ich letztes Jahr.

Seitdem bin ich anfallsfrei (also jetzt knapp ein Jahr - letzer Anfall war am 11.09.2009). Eine so lange anfallsfreie Zeit hatte ich zuletzt vor über 10 Jahren.

Ich nehme noch
Keppra 1.500-0-1.500

und
Apydan extent 600-0-600

Ende des Monats habe ich noch einmal einen Termin in der Uniklinik Bonn, dann wird wahrscheinlich das Apydan langsam ausgeschlichen.

Ausgrenzungen... mh... bisher nicht so sehr, viele meiner Freunde haben meine Epilepsie mit mir angenommen und sie immer wieder erlebt. Klar sind auch Freundschaften auseinander gegangen, aber das ist (leider) normal. Ohne meine Freunde wäre ich jedenfalls nicht die, die ich heute bin.

Das war auch eine der Zusagen zum "JA" für die OP. Ich wusste, dass meine Freunde, mein Mann, seine und meine Familie, egal was passiert, egal was nach der OP ist, weiterhin zu mir halten und mich so nehmen, wie ich bin - ob mit Anfällen oder ohne!

Meine "Nebenwirkung" von der OP ist, dass ich zurzeit nicht länger als 6 Stunden arbeiten kann. Irgendwann kommen dann Kopfschmerzen und / oder Schwindel. Das hat man mir angekündigt, und ich habe mir gesagt "lieber mein Leben lang "nur" 6 Stunden arbeiten können, als immer wieder Anfälle haben"
Es kann auch sein, dass das in 2 oder 3 Jahren wieder anders ist, es kann aber auch sein, dass es mein Arbeitsleben lang so ist, genau weiß man das dann erst, wenn es soweit ist.

Zurzeit habe ich meinen ersten Job nach dem Studium. Ich bin Sozialpädagogin und betreue jetzt schon über 3 Jahre Jugendliche in der Berufsvorbereitung. Übernächste Woche Freitag läuft mein Vertrag aus...
...ich bn mehr oder weniger fleißig am Bewerbung schreiben - es ist eben ein Problem, dass ich zurzeit noch kein Auto fahren darf - und bei vielen Stellenausschreibungen ist dies Pflicht (davon mal abgesehen, dass ich eine Halb- bzw. Dreiviertel-Stelle suche).
Ich hatte bisher ein Vorstellungsgespräch - da die Arbeit aber morgen beginnen würde, sehe ich mich nicht mehr in der engeren Auswahl...

Relaxen geht in der Reha sehr gut. Es steht dir ja auch frei, ob du (abends) noch etwas mit den anderen machst oder ob du lieber auf deinem Zimmer bist und fern siehst oder liest. Ich spreche da nur von mir, und kann sagen, dass mir ersteres besser gefallen hat.
Aber egal wie - Gespräche mit anderen bleiben nicht aus, darauf solltest du gefasst sein.

Viele liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Klinik?

Musica, Wednesday, 01.09.2010, 19:35 (vor 5830 Tagen) @ Mondenkind

Hallo liebes Mondenkind,
finde Deine ausführlichen Antworten und auch Berichte immer sehr nett, kommt mir allmählich schon so vor, als würde ich Dich kennen. Eines haben wir auf jeden Fall gemeinsam, ich bin auch Soialpädagogin! An der Art,Dich zu formulieren und Deinem Namen hatte ich dich schon länger unter "Verdacht"!
Hoffentich mußt Du Deinen Job nicht wegen Deiner Krankheit aufgeben. Die 6 Std. arbeitet Du sicher bei einem freien Träger.Viell. mußt Du jetzt einfach Geduld haben, irgendwann und irgendwo brauchen sie unsereinen. Gerade in der Jugendarbeit. Gibst Du denn Deine Krankheit bei den Bewerbungen an? Du bist doch anfallsfrei..
Ich werde eigentlich nicht ausgegrenzt. Wahrscheinlich mach ich das selbst.
Nachdem Du ja jetzt weißt, welchen Beruf ich habe, verstehtst Du bestimmt, warum ich zur Erholung keine Gesprächskreise...Gruppen.. und solches Gerede , Leid anderer nicht aushalten möchte! Und immer alleine machts auch keinen Spaß. Da muß ich wohl eher zu Rheumakranken und Kneipen!!! :-P Mal schaun. Ich wünsche Dir ganz viel Glück bei der Jobsuche, wie gesagt, sie brauchen uns! Einen schönen Abend und lieben Gruß, Musica

Klinik?

Mondenkind, Wednesday, 01.09.2010, 22:31 (vor 5830 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

ja ja... einmal Soz-päd - immer Soz-päd... :-D

Das bleibt einem dann auch im privaten oft nicht erspart... ;-) (darf ich mir nur allzu oft von meinen "Informatiker-Freuden" anhören...)

Meinst du mit Verdacht, dass du mich auch persönlich kennst?? Du kannst mir ja gerne mal eine PM schreiben (Umschlag oben neben meinem Namen) - dann können wir das gerne klären... ;-) - kenne schon ein paar Soz-Päds mit Epi...

Nein, denn Job muss ich nicht wegen der Epi aufgeben, im Gegenteil... Mein Arbeitgeber hätte mich gerne behalten, doch die Maßnahme (wird gezahlt von der lieben Arbeitsagentur) geht an einen anderen Träger...

Nein, meine Erkrankung gebe ich nicht in der Bewerbugn an, selten auch meinen GdB (80) - meine Berufsberaterin hat mir gesagt, wenn es zu einem Bewerbungsgespräch kommt, wäre das noch früh genug - die sollten ja nicht gleich Vorurteile haben.

Ich hab die Gesprächskreise etc. ja auch überlebt. ;-)
Fand sie sogar (meistens) ganz nett und gut.

Und selbst bei Rheuma oder was auch immer bleiben sie dir nicht erspart...

Viele liebe Grüße
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Klinik?

Musica, Thursday, 02.09.2010, 18:39 (vor 5829 Tagen) @ Mondenkind

Hallo Mondenkind, ich hatte nur so eine Ahnung, dass Du diesen Beruf haben könntest.Das liegt an Deinem Namen und irgendwie an Deinen Ausführungen. Ein Gefühl eben. Ich glaube nicht, dass wir uns begegnet sind. Es sei denn, Du lebst auch in oder um München. Ich arbeite in einer Vermittlungsstelle für Jugendhilfen in Einrichgungen, also mehr am Schreibtisch. Bin auch der Meinung, dass Du bei Bewerbungen nichts erwähnst. Und wenn das die Arbeitsberaterin auch meint,ist doch alles o.k. Vorurteile und Stigmen gibt es bei unserer krankheit genug. Bis Du Dein" Geständnis " ablegst,wenn überhaupt, kennen Dich die Leute und akzeptieren es ganz einfach, u.a. bestimmt auch, weil sie Dich zwischenzeitlich schätzen.
Momentan kann ich keine Kur beantragen.Jedenfalls waren Deine Info`s sehr gut für mich. Ich wünsche Dir noch einen ganz schönen Abend und verliert nicht den Mut. Wie gesagt, man braucht uns!Musica