Epilepsie und Radfahren - Versicherung

lorenz, Thursday, 18.11.2010, 09:53 (vor 5753 Tagen)

Hallo zusammen!

Ich war schon öfters auf dieser homepage um etwas nachzusehen - um mich zu informieren - hab aber selbst noch nie eine Nachricht - Kommentar abgegeben.

Meine Frage an euch:

Ich hab epileptische Anfälle, die sich in der Regel in Absencen äußern.

Ich meide deshalb das Fahradfahren mit dem Zweirad und erledige meine Aufgaben zu Fuß und mit öffentl. Verkehrsmitteln.

Ein Kumpel hat mir vor ein paar Monaten gesagt, ich solle mir doch einfach ein Dreirad kaufen, so wie man es bei Senioren od. gehbehinderten Leuten oft sieht.

Hier hätte ich jetzt eines in Aussicht.

Was ist eure Meinung zu einem solchen Dreirad, das nicht so leicht kippt?


Und noch eine für mich sehr wichtige Frage: Bin ich versichert, wenn ich der Unfallverursacher bin? Muss mir jemand bescheinigen, dass ich mit einem Dreirad fahren darf?


Gebt mir bitte Bescheid!


Vielen Dank


Lorenz

Epilepsie und Radfahren - Versicherung

Anton, Thursday, 18.11.2010, 12:49 (vor 5752 Tagen) @ lorenz

Hallo Lorenz,

das hängt von der Zahl Deiner Anfälle ab und wie sicher Du dich fühlst. Wenn Du selten Anfälle und Absencen bekommst, würde ich es für erlaubt halten. Obwohl, wenn Du die Straßenverkehrsordnung genau betrachtest, Du es nicht darfst.

Wir müssen aber davon ausgehen, dass nicht nur wir an Epilepsie Erkrankten gesundheitliche Probleme haben. Ich weiß, dass Diabetiker Unterzuckerungen bekommen und dabei geistig wegtreten können. Das wird komischerweise vom Straßenverkehrsamt akzeptiert und für ganz normal gehalten.

Das habe ich vor Jahren einmal dem Arzt erzählt, als ich in Wirklichkeit einen Anfall hatte. Auf mein Bitten hin hat der Arzt es in das Gutachten geschrieben: „Dass mir schlecht war und dass ich annähme, es wäre eine leichte Unterzuckerung gewesen.“ Obwohl ich gar nichts mit Diabetes zu tun habe. Diese Erklärung ist von der Straßenverkehrsbehörde so hingenommen worden.

Ein Dreirad könnte dir mehr Sicherheit geben. Das hängt von Deinem subjektiven Empfinden ab. Der Mensch schätzt die Sicherheit als hohes Gut. Nach dem Arzt und Psychologen Dr. Maslow steht sie unter den fünf wichtigen Bedürfnissen eines Menschen auf Platz zwei. Sofern Du dich besser fühlst auf drei Rädern, solltest Du es dir kaufen.

Wenn wirklich etwas passiert, darf es versicherungsrechtlich nie ein Bewusstseinsverlust gewesen sein. Weil sonst die Versicherung nicht zahlt. Selbst wenn ein „Gesunder“ Pech hatte, angibt, dabei kurze Zeit gedanklich weggetreten zu sein, zahlt die Versicherung nicht. Wie untenstehendes Verbraucherurteil zeigt. Ich wünsche weiterhin viel Spaß bei der Bewegung.

Viele Grüße
Anton


Verbraucherurteil

Fällt ein Mann nachts aus dem Fenster seines Schlafzimmers, kann er zum Unfallhergang nur angeben, dass es sich um eine vorübergehende Störung seines Kreislaufs gehandelt haben muss, so kann sein privater Unfallversicherer davon ausgehen, dass bei ihm eine „Bewusstseinsstörung“ vorgelegen habe – und deshalb die Leistungen verweigern, bestätigte das Oberlandesgericht Hamm. Sinn der Ausschlussklausel sei es, „vom Versicherungsschutz solche Unfälle auszunehmen, die sich als Folge einer schon vor dem Unfall vorhandenen – Gefahr erhöhenden – gesundheitlichen Beeinträchtigung beim Versicherten darstellen.“ (20 U 148/07)

Epilepsie und Radfahren - Versicherung

Jessi, Raum Leipzig, Saturday, 20.11.2010, 23:39 (vor 5750 Tagen) @ Anton

Hi,

habe grad diese Nachricht gelesen und dein Beispiel Diabetes dabei auch entdeckt. Habe Diabetes seit meinem 6. Lebensjahr, bekam mit 16 Herzrhythmusstörung sowie auch die Epilepsie (in 2 verschiedenen Formen). Unterschied bei der Epilepsie und Diabetes ist, die Unterzuckerung kann man erlernen zu erkennen und rechtzeitig zu handeln, man darf nur hierbei nicht nach lässig werden und sagen, "geht schon". Sonst tritt man irgendwann weg.
Habe Diabetes inzwischen 15 Jahren und noch nie Probleme gehabt, da ich immer rechtzeitig reagierte.

So habe aber auch Epilepsie und da es sich bei mir unterschiedlich, nie gleich zeigt, auch meist mit den Symptomen einer Unterzuckerung ist es immer ein rätsel was grad los ist oder passiert. Messe Blutzucker und erkenne ob Unter-, Überzuckerung oder normalem Wert. Ist er normal tritt ein anderes Problem ein, ein Anfall. Manchmal schaffe ich es zumessen, manchmal nicht wegen einem Anfall. Deswegen ist es leichter bei nur Diabeteskranken Mneschen zusagen, das sie unterzuckert sind und reagieren können. Bei der Epilepsie komme ich z.B. nicht dazu oder selten dazu zum reagieren.

Fahre daher nur Fahrrad wenn es sein muss. Sonst laufen, öffentliche Verkehrsmittel oder werde von Freunden, Familie u.s.w. mit genommen oder wohin gebracht.

Diabetes lässt sich auch bedeutend leichter einstellen als die Epilepsie.

LG, hoffentlich habe ich etwas geholfen für eure Frgen.